Geheimplan von Williams

Sieg dank Top-Speed-Vorteil?

Valtteri Bottas - GP Russland 2014 Foto: xpb 71 Bilder

Valtteri Bottas hat die Mercedes-Piloten schon im Training erschreckt. Auch der Longrun am Freitag lag im Bereich der Silberpfeile. Dazu hat Bottas noch den mit Abstand höchsten Top-Speed. Williams ging bei der Abstimmung der Autos einen völlig anderen Weg als die Konkurrenz.

Mercedes traute im letzten Versuch der Qualifikation seinen Augen kaum. Nach zwei Sektoren lagen weder Lewis Hamilton, noch Nico Rosberg in Führung. Valtteri Bottas war auf dem Weg zu einer Sensation. Der Finne verlor sie auf den letzten 30 Sekunden der Runde.

"Ich hatte schon eingangs des Sektors ein bisschen Zeit liegenlassen. In der letzten Kurve habe ich dann alles weggeworfen." Bottas driftete völlig quer in die Zielgerade hinein. Hamilton merkte an: "Eine kritische Passage. Die Hinterreifen sind schon heiß, und du weißt nie genau, wie viel Speed du in diese Kurven mit hineinnehmen kannst."

Bottas glaubt nicht, dass es bei einer optimalen Runde für die Pole Position gereicht hätte. "Platz zwei vor Rosberg wäre aber möglich gewesen. Vor meinem Fehler in der Zielkurve lag ich zwei Zehntel unter meiner persönlichen Bestzeit." Am Ende war es dem Finnen lieber, nur Dritter geworden zu sein: "So starte ich von der sauberen Spur."

Williams um fünf km/h schneller

Das größte Faustpfand von Bottas ist der Top-Speed des Williams. Es ist keine Überraschung, dass die weißen Autos mit den Martini-Streifen auf der Geraden die schnellsten sind. Überraschend ist diesmal aber der Vorsprung. Bottas war mit 337 km/h fast fünf km/h schneller als die beiden Mercedes. Und das lag nicht nur daran, dass der Williams FW35 das effizienteste Auto im Feld ist. Die Ingenieure wählten bewusst eine Abstimmung mit etwas weniger Abtrieb. Als einzige im Feld.

Chefingenieur Rob Smedley erklärt den Coup: "Als wir gesehen haben, dass die Reifen ewig halten, war klar, dass im Rennen über die Strategie wenig zu machen ist. Deshalb haben wir den Fokus auf einen guten Top-Speed gelegt, um überholen zu können. Und um in den Kurven nicht zu viel Zeit zu verlieren, haben wir ein Setup ausgetüftelt, das die Reifen mechanisch stärker belastet." Felipe Massa wird es ihm danken. Er startet wegen Problemen mit dem Benzindruck nur von Platz 18.

Lauda sorgt sich um die Reifen

Niki Lauda glaubt zwar nicht, dass die Williams seinen beiden Fahrern gefährlich werden können, aber er warnt dennoch, einen Doppelsieg als selbstverständlich hinzunehmen. "Wir können wegen des glatten Asphalts das Potenzial unseres Autos nicht voll ausspielen. Es fällt uns schwer, die Reifen in ihr Arbeitsfenster zu bekommen. Die Seitenwände arbeiten zu wenig. Deshalb erwärmt sich der Reifen nicht genug von innen. Die Gefahr ist, dass dann die Oberfläche überhitzt." Das würde Blasenbildung bedeuten.

Rob Smedley sieht Parallelen zum GP Österreich. "Die Strecken sind sehr ähnlich. Deshalb auch das Ergebnis. Der Grund, warum wir damals in der ersten Reihe gestanden sind, lag darin, dass die Mercedes am Q3 praktisch nicht teilgenommen haben. Diesmal schon. Deshalb haben wir sie jetzt vor der Nase."

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