Antonio Giovinazzi - Sauber - Abu Dhabi - Testfahrten sutton-images.com
Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Abu Dhabi - 28. November 2018
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Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Abu Dhabi - 28. November 2018 67 Bilder

Giovinazzi der neue Leclerc?

75.000 Kilometer im Simulator

Sauber tritt im nächsten Jahr mit einem komplett neuen Team an. Neben Veteran Kimi Räikkönen fährt Antonio Giovinazzi für den Schweizer Rennstall. Ein Schützling von Ferrari wie Charles Leclerc. Ist er auch so gut?

Für Sauber war es eine gute Saison. Aus dem Nichts auf Platz 8. Der nächste Schritt soll den Schweizer Rennstall noch weiter nach vorne führen. Sauber will an der Spitze des Mittelfeldes mitmischen. In den Cockpits werden dann zwei neue Fahrer sitzen. Kimi Räikkönen ersetzt Marcus Ericsson, Antonio Giovinazzi folgt auf Charles Leclerc. Die Qualitäten von Räikkönen sind bekannt. Der 39-jährige Finne hat gerade seine beste Ferrari-Saison seit 2008 hinter sich. Er bringt Erfahrung und Stabilität. Und der WM-Dritte dieser Saison wird Leclercs Rolle als zuverlässiger Punktelieferant übernehmen.

Für das zweite Auto wurde wieder ein Ferrari-Junior nominiert. Antonio Giovinazzis Beförderung vom Ferrari-Simulatorfahrer zum Stammpiloten bei Sauber war auch dem Hauptsponsor Alfa Romeo geschuldet. Sauber kennt den 24-jährigen Italiener. Der Zweite der GP2-Serie 2016 fuhr 2017 zwei Rennen als Ersatz für Pascal Wehrlein. Beim Debüt in Australien belegte Giovinazzi einen respektablen 12. Platz. Sein zweiter Einsatz in China endete mit zwei Unfällen an exakt der gleichen Stelle.

Ein Debüt nach zwei Jahren ohne Rennen

Seit dem GP China 2017 ist Saubers Neuzugang keine Rennen mehr gefahren. Giovinazzi schärfte seine Reflexe und sein Fahrgefühl mit Einsätzen bei Testfahrten und im Freitagstraining für HaasF1 sowie Sauber und mit Simulatorfahren für Ferrari. „Ich habe in den letzten beiden Jahren jeweils rund 75.000 Kilometer im Simulator abgespult“, erzählt Giovinazzi. Dazu kamen 1.110 Testkilometer für Ferrari und 1.865 für Sauber.

Mehr als ein Mal wurde er für Ferrari zum stillen Helden. Wenn die Autos von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen im Freitagstraining neben der Spur waren, musste der Mann im Simulator ran und alternative Abstimmungen ausprobieren. Fast immer lohnte sich die Arbeit am Freitagabend. „Wenn Seb oder Kimi mit meiner Arbeit zufrieden waren, fühlte sich das für mich wie ein kleiner Sieg an.“

Antonio Giovinazzi - Sauber - Abu Dhabi - Testfahrten
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Antonio Giovinazzi im Sauber C37 bei den Testfahrten in Abu Dhabi.

Als Giovinazzi in Abu Dhabi im ersten Freitagstraining nach 24 Runden aus seinem Sauber stieg, atmete er auf: „Das war das letzte Mal, dass ich meine Arbeit für andere gemacht habe. Ab dem nächsten Jahr profitiere auch ich davon. Ich kann es kaum erwarten, ab Februar im Auto zu sitzen. Für mich werden die drei Monate im Winter sehr lang.“

Der langhaarige Italiener lebt wie so viele seiner Zunft in Monte Carlo. Was ihn nicht davon abhält, regelmäßig in der Fabrik in Hinwil aufzutauchen. „Es gibt da eine gute Flugverbindung zwischen Nizza und Zürich. Wenn ich den ersten Flieger am Morgen nehme, bin ich am Vormittag in der Fabrik.“ Nach zwei Jahren ohne Rennen wird Giovinazzis erste Aufgabe sein, sich wieder an den Rhythmus eines Rennwochenendes zu gewöhnen. „Die ersten Grand Prix muss ich viel lernen. Zum Glück habe ich mit Kimi einen an meiner Seite, der unendlich Erfahrung hat. Das wird mir helfen.“

Der unmögliche Vergleich mit Leclerc

Dem Vergleich mit Charles Leclerc wird Giovinazzi nicht ausweichen können. Beide kommen aus der Ferrari-Akademie. Beide haben ihre Reifeprüfung in der Formel 2 oder ihrer Vorgängerserie abgelegt. Leclerc mit dem Titel, Giovinazzi mit Platz 2. Im direkten Vergleich lieferte Leclerc die konstanteren Leistungen ab. Giovinazzi war sprunghafter. Er gewann Rennen aus der letzten Startreihe, dümpelte dann aber auch wieder im Mittelfeld herum, ohne aufzufallen.

Giovinazzi will sich auf den Vergleich mit seinem Vorgänger nicht einlassen. „Ich werde mich auf mich selbst konzentrieren und von Rennen zu Rennen denken. Erst am Ende des Jahres will ich Bilanz ziehen.“ Immerhin ist der fünffache GP2-Sieger überzeugt, mit Sauber eine ideale Plattform für einen Formel 1-Einstieg gefunden zu haben: „Kein Team hat sich so verbessert wie Sauber. Von der vorletzten Startreihe in Melbourne bis zum viertschnellsten Auto in den letzten Rennen.“

Auf gute Ratschläge von Leclerc wollte sich Giovinazzi nicht verlassen: „Wir haben nicht viel miteinander gesprochen. Ich muss mich auf mich selbst verlassen. Ein Vergleich mit Charles ist nur schwer möglich. Ich werde einen anderen Teamkollegen haben als er. Andererseits werde ich zu Saisonbeginn in einem besseren Auto sitzen als er vor einem Jahr.“

Best oft he rest muss das Ziel sein

Giovinazzi sieht sich auch nicht als Abziehbild von Robert Kubica, der nach einem Testjahr zum Stammfahrer bei Williams aufgestiegen ist. „Ich hatte eine ganz andere Rolle als Robert. Meine Hauptaufgabe 2018 war die Simulatorarbeit für Ferrari. Deshalb bin ich an den Rennwochenenden auch mehr in der Ferrari-Garage gestanden als in der von Sauber.“ Die Arbeit mit einem Topteam habe aus ihm auch einen besseren Rennfahrer gemacht, obwohl er keine Rennen gefahren ist, meint der neue Sauber-Pilot. „Bei der Arbeit mit den Ferrari-Ingenieuren habe ich viel gelernt. Mein Feedback über das Auto hat sich klar verbessert.“

2019 wird sich Giovinazzi mit Herz und Seele Sauber verschreiben. „Ferrari bleibt aber immer ein Teil von mir. Sie haben mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin.“ Von seinem neuen Arbeitgeber erwartet er viel. „Ich weiß, dass es ein großes Ziel für uns ist. Aber wir sollten in der Lage sein, um den Titel Best of the rest zu fahren. Auch wenn wir mit Renault ein Werksteam als Konkurrenten haben.“

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