Karl Kling - Juan Manuel Fangio - Hans Herrmann - Mercedes - GP Frankreich 1954 Julius Weitmann
Mercedes-Benz W 196 R - GP Argentinien 1955 - Buenos Aires
Juan Manuel Fangio - Mercedes-Benz W 196 R - Alberto Ascari - Lancia D 50 - GP Argentinien 1955 - Buenos Aires
Juan Manuel Fangio - Mercedes-Benz W 196 R - GP Argentinien 1955 - Buenos Aires
Juan Manuel Fangio - Mercedes-Benz W 196 R - GP Argentinien 1955 - Buenos Aires 12 Bilder

Buneos Aires oder Nürburgring?

Fangios größter Sieg

1000. GP

Juan-Manuel Fangio hat 24 Grand Prix gewonnen. Noch heute streiten sich die Gelehrten, was sein größter Sieg war. Die Hitzeschlacht von Buenos Aires 1955 oder die Aufholjagd am Nürburgring 1957. Wir lassen beide Rennen des Maestro noch einmal Revue passieren.

Lewis Hamilton mag wie Juan-Manuel Fangio fünf WM-Titel haben, aber in der Ausbeute wird der aktuelle Weltmeister den großen Argentinier nie einholen. Fangio stand nur bei 51 Grand Prix am Start. Und er gewann 24 davon. Ein unfassbarer Schnitt von 47 Prozent. Hamilton kommt mit 73 Siegen bei 229 Starts auf eine Quote von immer noch respektablen 32 Prozent. Fangio fuhr bei 57 Prozent aller Starts auf die Pole Position, Speedkönig Hamilton bei 36 Prozent. Von 25.913 möglichen Rennkilometern führte Fangio 9.323 Kilometer an. Ein Schnitt von 36 Prozent. Hamilton lag bei 20.266 von 69 535 möglichen Rennkilometern an der Spitze. Macht 29 Prozent.

Bei der Betrachtung von Juan-Manuel Fangios Karriere geht es vornehmlich nicht um die Anzahl seiner Titel, Siege und Trainingsbestzeiten, sondern um die Superlative. Die Frage, was denn nun sein größter Sieg war, treibt die Gelehrten um. Und dabei werden immer zwei Rennen genannt. Die Hitzeschlacht von Buenos Aires 1955, als nur zwei Fahrer die gesamte Renndistanz ohne Ablösung durchstanden. Einer davon war der Sieger Fangio. Und jene legendäre Aufholjagd auf der Nordschleife, als Fangio einen Tankstopp mit Reifenwechsel gutmachen musste und am Ende sagte: „Ich will nie wieder so ein Rennen fahren müssen.“

Fangio dachte an knöcheltiefen Schnee

Der GP Argentinien 1955 war die größte Hitzeschlacht aller Zeiten. Die Quecksilbersäule stieg über die 40 Grad-Marke. Der Asphalt heizte sich auf 52 Grad in der Sonne auf. Nur zwei Fahrer kamen ohne Ablöse über die 96-Runden-Distanz. Sieger Juan-Manuel Fangio und der fünftplatzierte Roberto Mieres. Beides Argentinier. Doch auch Fangio gab zu: „Ich wollte mehrfach aufgeben.“

Trinkflaschen im Auto gab es nicht. Die Flüssigkeitszunahme erledigten die Fahrer während der Boxenstopps. Fangio hatte sich speziell auf das Hitzerennen vorbereitet. Er trainierte im Vorfeld, mit so wenig Flüssigkeit wie möglich auszukommen. In den schlimmsten Minuten behalf sich der Lokalheld mit einem Trick: „Ich dachte an knöcheltiefen Schnee.“ Beim Boxenstopp ließ sich Fangio einen Eimer Wasser über den Kopf schütten. Das weckte seine Lebensgeister wieder. Den Pokal aus der Hand von Staatspräsident Juan Peron nahm der Mercedes-Pilot im Sitzen entgegen.

Stirling Moss - Mercedes-Benz W 196 R Monoposto - GP Argentinien 1955 - Buenos Aires
Daimler AG
GP Argentinien 1955. Stirling Moss parkt erschöpft seinen Mercedes-Benz W 196 R in der 30. Runde.

Die extremen Bedingungen schrieben manch kuriose Geschichte. Schon nach einem Viertel der Distanz gab es die ersten Fahrerwechsel. Was in den 50er Jahren noch erlaubt war. Kam ein Auto, das von mehreren Fahrern benutzt wurde, in die Punkte, mussten sich die Piloten die Zähler teilen. So punkteten Farina und Trintignant gleich zwei Mal für je einen zweiten und dritten Platz.

Insgesamt 16 Fahrerwechsel sollten es im Verlauf der drei Stunden Rennzeit werden. Froilan Gonzalez, Nino Farina, Maurice Trintignant lösten sich auf dem Gonzalez-Auto mit der Nummer 12 ab. Nino Farina, Umberto Maglioli und Maurice Trintignant teilten sich den Nummer 10-Ferrari von Farina. Auch bei Mercedes wurde fliegend gewechselt. Karl Kling und Stirling Moss stiegen in den W196 von Hans Herrmann um. Bei Maserati alternierten Harry Schell, Jean Behra und Luigi Musso auf zwei Autos.

Sanitäter wollten erschöpften Moss wegtragen

Stirling Moss legte sich nach einen Fahrerwechsel erschöpft auf ein Stück Gras neben den Boxen und wurde prompt von zwei Sanitätern auf eine Trage gelegt und weggetragen. Sie dachten, der Engländer benötige medizinische Hilfe. Erst ein lautstarker Protest von Moss überzeugte die Helfer vom Gegenteil. Moss setzte sogar kurz das Rennen fort, übergab dann aber seinen Silberpfeil an Karl Kling. Roberto Mieres verbrachte geschlagene 10 Minuten an der Box, nachdem er zuvor vier Runden geführt hatte. Die Benzinpumpe musste getauscht werden. Trotzdem wurde er noch Fünfter. Der Gonzalez-Ferrari wurde eine Runde lang gar nicht bewegt, weil keiner der fünf Fahrer fit war. Gonzalez musste sich erst eine Spritze gegen seine Rückenschmerzen geben lassen, bevor er wieder einstieg und in den Glutofen zurückkehrte.

Fangio kam am Ende des Rennens noch einmal in Bedrängnis, doch der aufkommende Froilan Gonzalez beschädigte bei einem Dreher die Vorderradaufhängung seines Ferrari 625 und ließ im Finale wieder Nino Farina ans Steuer. Im Ziel lag das Trio Gonzalez/Farina/Trintignant 1.30 Minuten hinter Fangio. Dem drittplatzierten Ferrari fehlten schon zwei Runden.

Maserati brauchte einen Boxenstopp

Der GP Deutschland war ein Rennen ganz anderer Art. Nicht das Wetter stellte Fangio auf die Probe, sondern die vorher von Maserati ausgeheckte Rennstrategie. Fangio startete mit einer Zeit von 9.25,6 Minuten von der Pole Position vor Mike Hawthorn, Jean Behra und Peter Collins. Die Ferrari-Lancia von Hawthorn und Collins machten auf der Nordschleife einen stark verbesserten Eindruck. Aintree-Sieger Vanwall hatte die zweite Startreihe fest im Griff, wobei Tony Brooks die Eifelpiste erstaunlicherweise schneller umrundete als Nürburgring-Spezialist Stirling Moss. Für den Sieg kamen die britischen Autos aber nicht in Frage.

Juan Manuel Fangio - Stirling Moss - Peter Collins - GP Deutschland 1956
Julius Weitmann
Fangio, Moss und Collins auf dem legendären Nürburgring.

Die Reifensituation bestimmte die Taktik. Ferraris Englebert-Sohlen waren so hart, dass sie die gesamte Renndistanz durchstanden. Pirelli lieferte für Maserati weichere Gummis. Sie mussten allerdings bei Halbzeit getauscht werden. Deshalb wurde der 250F von Fangio auch nur zur Hälfte betankt, um ihm die Gelegenheit zur Flucht zu geben. Die Marschroute des Maestros sah so aus: Fangio sollte 30 Sekunden Vorsprung herausfahren. Im Training hatten es die Maserati-Mechaniker geschafft, in eben diesen 30 Sekunden zu tanken und vier Reifen zu wechseln.

Aus 28 Sekunden Vorsprung wurden 45 Sekunden Rückstand

Das Rennen lief zunächst nach Plan und schien eine klare Angelegenheit für Juan-Manuel Fangio zu werden. Nach 12 von 22 Runden musste der Maserati-Pilot zum Tanken und Reifenwechsel an die Boxen. Doch in der Hitze des Gefechts dauerte der Tausch der vier Pirelli-Sohlen zu lange. Rechts hinten fiel dem Mechaniker die Radmutter aus der Hand und kullerte unter das Auto. Eine 28-Sekunden-Führung verwandelte sich in einen 45-Sekunden-Rückstand auf die zwei Ferrari von Mike Hawthorn und Peter Collins.

Dann begann die große Fangio-Show. Mit einer Serie von Rekordrunden holte er die Ferrari wieder ein. In der 20. Runde fuhr der Mann aus Balcarce wie von einem anderen Stern. Augenzeugen berichteten, dass er in der Fuchsröhre und der Antoniusbuche ohne zu lupfen quer durch die Kurven kam. Der Rundenrekord von 9.17,4 Minuten lag unfassbare 8,2 Sekunden unter seiner eigenen Trainingsbestzeit und 23 Sekunden unter dem alten Rekord.

In der vorletzten Runde ließ Juan-Manuel Fangio dann auch noch Hawthorn und Collins stehen. Sein vierter Saisonsieg sicherte ihm vorzeitig seinen fünften WM-Titel. Nach dem Rennen gestand die Rennlegende: „Für den Sieg bin ich Risiken eingegangen wie nie zuvor in meiner Karriere.“ Bei einer Inspektion im Werk stellte Maserati fest, dass am Maserati mit der Startnummer 1 die Dämpfer der Vorderachse auf Block gegangen waren. Es war die Quittung für Fangios Kurvenschneiderei.

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