Red Bull - GP Aserbaidschan 2019 ams

Donnerstags-Check GP Aserbaidschan

Was kann die Honda-Ausbaustufe?

Im Donnerstags-Check aus Aserbaidschan haben wir die aktuellen Nachrichten von allen zehn F1-Teams gesammelt. Honda bringt eine Ausbaustufe, doch hat sie auch mehr Power? Nico Hülkenberg darf aufatmen: Es gibt keine Strafe.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Der Mercedes W10 stand mit einem neuen Heckflügel in der Garage. Dazu musste auch der Frontflügel angepasst werden, um das Auto ausbalancieren zu können. Valtteri Bottas sieht das Erfolgsgeheimnis von Mercedes in diesem Jahr nicht in einem überlegenen Auto.

„Wir haben wieder ein Auto, das nicht einfach abzustimmen ist. Und manchmal ist es auch schwer zu fahren. Es war auch nicht immer das schnellste Auto im Feld. Aber wir haben es drei Mal hingekriegt, in jedem Bereich das Maximum herauszuholen. Das ist in dieser Saison der Schlüssel. Wir fühlen uns keinesfalls unbesiegbar. Ganz im Gegenteil. Wir nehmen jedes Rennen als wäre es das erste der Saison.“

Ferrari

Ferrari hat in Baku nicht nur das streckenspezifische Aero-Paket an Bord. Wir haben auch an Unterboden, Diffusor und den Leitblechen Modifikationen erkannt, die das Auto generell schneller machen sollen. Sebastian Vettel hofft, dass die Änderungen die Lücke zu Mercedes schließen. „Auf dem Papier ist es ein guter Schritt.“

Charles Leclerc ist bereit um die Vormachtstellung im Team zu kämpfen. Noch macht er beim Thema Stallregie gute Miene zum bösen Spiel. „Als Fahrer bist du natürlich frustriert, wenn der Befehl kommt, dass du deinen Teamkollegen vorbeilassen sollst. Aber an der Boxenmauer haben sie einen besseren Überblick. Das muss ich akzeptieren. Was auch immer sie mir sagen, ich werde es tun. Bis zu einem bestimmten Punkt.“ Wie kann man sich am besten gegen Stallregie schützen? Leclerc hat die Antwort: „Ich muss auf der Strecke zeigen, dass es keinen Sinn macht, mich zurückzupfeifen.“

Ferrari - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019
ams
Ferrari hofft, dass in Baku endlich der Knoten platzt.

Red Bull

Red Bull tauscht in beiden Autos den kompletten Satz der Antriebseinheit des Honda V6-Turbo aus. Es ist die erste von insgesamt vier geplanten Ausbaustufen. Bei diesem Schritt ist von 20 PS die Rede. Max Verstappen hofft, dass Hondas Upgrade ausreicht, um auf den Geraden zumindest mit Mercedes mitzuhalten.

„Ich habe Druck gemacht, dass der Motor jetzt schon kommt. Er sollte uns zwei Zehntel bringen“, hofft der Niederländer. Das steht im krassen Gegensatz zu den Aussagen von Teamkollege Pierre Gasly und Alexander Albon, die den Fortschritt des Honda-Motors hauptsächlich auf die Standfestigkeit reduzieren.

Das größere Problem, da ist sich Gasly mit Verstappen einig, ist im Moment aber das Auto. „Wir tun uns schwer, das volle Potenzial auszuschöpfen. Max fühlt sich ein bisschen wohler als ich im Auto. Deshalb ist er auch näher am Limit dran. Seit dem Rennen in China weiß ich aber wenigstens, was ich an meinem Fahrstil ändern muss, um das Maximum aus dem Auto rauszuholen.“

Gasly kündigt an, dass alle Probleme erst beim nächsten Rennen in Barcelona geklärt sein werden. „Dann kommt ein neues Upgrade. Das Team entwickelt unter Volldampf, und auf dem Papier sieht es sehr gut aus. Ich bin guter Dinge, dass wir in Barcelona alle Antworten auf unsere Fragen haben werden.“

Alle Daten und Zeiten zum Rennwochende von Aserbaidschan finden Sie in unserem Daten-Center

Racing Point

Sergio Perez lässt noch einmal seine sensationelle Startrunde in Shanghai Revue passieren. Der Mexikaner hat das Video selbst noch nicht gesehen, blickt aber dennoch gerne zurück: „Das war echt cool. Alles hat gepasst. Ricciardo hätte ich auch noch gekriegt, wenn Gasly nicht im Weg gestanden wäre.“ Sein früherer Teamkollege Nico Hülkenberg applaudiert: „Checo ist in China ein saustarkes Rennen gefahren. Nicht nur die Startrunde war gut, auch der Rest des Rennens, wie er seine Position verteidigt hat.“

Perez ist übrigens der einzige Fahrer im Feld, der schon zwei Mal in Baku auf dem Podium stand. „Dann ist es Zeit für ein drittes Mal“, grinst der Racing-Point-Pilot. Ist das Auto gut genug? „In Baku kann alles passieren“, gibt Perez zurück. Die Ingenieure haben für die Highspeed-Schlacht einen speziellen Heckflügel entwickelt. Das Hauptblatt ist in der Mitte leicht nach oben gebogen.

Williams

Erstes Upgrade bei Williams: Das Team brachte einen neuen Heckflügel nach Baku. Für Robert Kubica ist es das erste Stadtrennen seit neun Jahren. „Dazu kommt, dass die Strecke neu für mich ist. Ich bin echt gespannt, was mich erwartet.“ Kubica hofft, dass der Williams für das Rennen in Baku eine seiner wenigen guten Qualitäten behält.

„Das Auto ist im Gegensatz zum Vorjahr berechenbar. Das ist auf einem Straßenkurs schon mal eine große Hilfe.“ Der Pole sagt aber auch: „Manchmal verschiebt sich die Balance des Autos von einer Trainingssitzung auf die andere. Wir haben noch nicht ganz verstanden, warum das so ist. Das wäre auf einem Kurs wie Baku keine große Hilfe, weil man sich wieder neu drauf einstellen muss.“

Williams - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019
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Williams baute für das Rennen in Baku einen neuen Heckflügel.

Renault

Nico Hülkenberg kann aufatmen. Er bekommt keine Startplatzstrafe. Die angeschlagene MGU-K hat überlebt. Sie konnte repariert werden. Renault hat wie viele Teams einen neuen Heckflügel am Auto. Es ist bereits die vierte Version. „Eine kommt noch. Das ist der Monza-Flügel. Die fünf Varianten sollten reichen, um durch die Saison zu kommen“, erzählt Einsatzleiter Alan Permane.

Zu den sichtbaren Änderungen am Heck- und Frontflügel kommt noch eine Modifikation an der Lenkung. Sie spricht jetzt weniger direkt an. Das beruhigt das Auto beim Einlenken. Ein erster Schritt in diese Richtung zeigte schon in China Wirkung. „Wir gehen jetzt noch weiter in diese Richtung“, verrät Hülkenberg. Es ist eine dieser Modifikationen, von der man sagen kann: Kleine Ursache, große Wirkung.

Toro Rosso

Im Gegensatz zu Red Bull werden die beiden Toro Rosso nur die Verbrennungsmotoren getauscht. Die MGU-K bleibt unberührt. Aus gutem Grund. Toro Rosso hätten sonst Startplatzstrafen gedroht. Beide Fahrer waren vor dem Rennen in Baku mit den vier Schlüsselelementen Motor, Turbolader, MGU-H und MGU-K bereits mit der zweiten Einheit unterwegs. Beim Motor hat man noch Luft, mit der MGU-K nicht mehr. Alexander Albon hofft, dass sein erster Motor den Crash von Shanghai überlebt hat. „Die Honda-Ingenieure prüfen noch. Sie sagen mir, dass es gut aussieht. Wir sollten den Motor wenigstens in den Freitagstrainings wieder einsetzen können.“

Dann nimmt der Mann, der mit thailändischer Lizenz fährt, allen Honda-Fans die Hoffnung, dass die neue Ausbaustufe ein Nachbrenner ist. „So wie ich es verstehe, liegt das Hauptaugenmerk der neuen Spezifikation in der Zuverlässigkeit. An Power soll nicht so viel kommen. Aber auf einer Strecke mit so vielen Geraden ist jedes PS willkommen.“ Albon sieht Toro Rosso im dichtgedrängten Mittelfeld exakt in der Mitte: „Wir sind besser, als es der Punktestand ausweist.“

Haas

Der US-Rennstall rätselt immer noch, warum die Reise bei den beiden letzten Grand Prix nach einer guten Qualifikation rückwärts ging. Drei Mal hat sich Haas mit beiden Autos nahezu mühelos für das Q3 qualifiziert, doch nur in Melbourne gab es mit einem Auto Punkte. In Bahrain und China wurden die Autos im Rennen immer langsamer. Die Techniker glauben, dass es an den Reifentemperaturen liegt. Bei längerer Laufzeit fällt die Temperatur im Mantel in den Keller. Das Auto beginnt dann zu rutschen, was die Oberflächentemperatur erhöht und den Grip reduziert.

Kevin Magnussen erklärt, wo das Team bei der Fehlersuche gerade steht: „Erst musst du wissen: Was ist das Problem? Dann musst du die Ursache finden. Und im dritten Schritt die Lösung. Wir sind noch in Phase zwei. Es gibt Lösungsansätze, aber ob sie funktionieren, werden wir erst nach dem Wochenende wissen.“ Teamchef Guenther Steiner meint grimmig: „Noch bin ich ruhig. Aber wenn wir in Barcelona, wo wir bei den Testfahrten geflogen sind, das gleiche Problem wieder haben sollten, verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Haas - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019
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Was kommt in Baku aus der Haas-Wundertüte?

McLaren

Nach einer Nullrunde will McLaren in Baku wieder Punkte sammeln. Carlos Sainz ist optimistisch: „Hier reicht es schon, ein gutes Setup zu finden und sauber durch das Wochenende zu kommen, dann kann es weit nach vorne gehen.“ Persönlich sieht der Spanier die Situation nach drei Nullnummern noch nicht kritisch. „Der Speed hat ja immer gepasst, nur die Ergebnisse nicht. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.“

Alfa Romeo

Antonio Giovinazzi muss zehn Startplätze zurück. An den Alfa-Sauber muss nun auch das neue Steuergerät engebaut werden, das Ferrari und Haas schon in China eingesetzt haben. Es ist eigentlich gar nicht neu, sondern die 2018er Version. Die verlangt aber neue Leitungen und eine andere Verkabelung.

Das konnte Sauber in der Kürze der Zeit vor dem GP China nicht bewerkstelligen. Und musste prompt in den sauren Apfel beißen. Giovinazzi hatte den gleichen Schaden wie Charles Leclerc in Bahrain. Das bedeutete den ersten Tausch der Steuereinheit. Der Einbau der 2018er Elektronikbox ist der zweite Wechsel. Da nur zwei Einheiten erlaubt sind, ist Giovinazzi der erste Fahrer im Feld, der sein Antriebs-Kontingent überschreitet.

Fotos GP Aserbaidschan 2019: Erste Bilder aus Baku

Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019
Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019 Racing Point - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019 Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019 Haas - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019 113 Bilder
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