Lewis Hamilton - Mercedes - GP Bahrain 2020 - Sakhir xpb
Sergio Perez - Racing Point - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen 60 Bilder

GP Bahrain 2020 - Rennen: Hamilton siegt, Grosjean überlebt

GP Bahrain 2020 - Ergebnis Rennen Hamilton siegt, Grosjean überlebt

Lewis Hamilton hat den GP Bahrain gewonnen. Doch diese Nachricht ist nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass Romain Grosjean nach einem furchterregenden Feuerunfall am Leben ist. Der Franzose hatte einen Schutzengel an Bord.

Mercedes und Lewis Hamilton dominieren die Formel 1 nach Belieben. In der langen Nacht von Bahrain gewann der Weltmeister sein fünftes Rennen in Serie und das elfte in diesem Jahr. Doch sein Sieg geriet zur Nebensache. Weil die Formel 1 in Bahrain einem großen Unglück entkommen ist.

Grosjean überlebt Horror-Crash

Romain Grosjean überlebte einen brutalen Feuerunfall, der sich unmittelbar nach dem Start ereignet hatte. Der Haas-Pilot verschätzte sich ganz augenscheinlich bei einem Manöver hinter seinem Teamkollegen Kevin Magnussen, lenkte abrupt von links nach rechts, geriet dabei mit dem Alpha Tauri von Daniil Kvyat zusammen und knallte wie ein Torpedo in die innenstehende Leitplanke ausgangs der dritten Kurve.

Grosjean hatte keine Möglichkeit, sein Auto vor dem Einschlag groß zu verzögern. Mit voller Wucht knallte sein Haas auf den blanken Stahl. Sofort entzündete sich der Unfallwagen mit der Startnummer acht und Räder flogen durch die Gegend. Der Haas wurde in zwei Teile zerlegt. Der hintere Teil des Autos, inklusive Motor, wurde vom Chassis abgetrennt, in dem Grosjean seitlich in der Leitplanke steckte.

Der Routinier hatte Riesenglück, sich auf diese Weise in die Leitplanke gebohrt zu haben. So ergab sich eine Öffnung, durch die er klettern konnte. Grosjean schnallte sich aus, kroch aus seinem halben Auto und sprang aus dem Feuerball. Zwei Marshalls löschten das Feuer, während FIA-Arzt Ian Roberts dem Franzosen über die Leitplanke half. Grosjean hatte es selbst den linken Schuh beim Unfall ausgezogen.

Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Motorsport Images
Die Leitplanke schnitt den Haas in zwei Teile, Feuer entfachte. Grosjean überlebte diesen Horror-Unfall.

Keine schweren Verletzungen

"Wir sind erleichtert, dass es ihm gut geht. Heute hat alles funktioniert, was wir in den letzten Jahren entwickelt haben. Der Halo-Cockpitschutz, die Leitplanken, die Sitzgurte: Hätte irgendetwas versagt, wäre dieser Unfall schlimm ausgegangen", sagte Safety Car-Fahrer Alan van der Merwe.

Grosjean erlitt nach ersten Angaben seines Teams leichte Verbrennungen an Handgelenken und Fußknöcheln. "Er steht unter Schock. Die Verbrennungen hat er sich an den Schnittstellen zwischen den Handschuhen und den Rennschuhen zugezogen. Wir hatten heute Glück in einem großen Unglück", sagte Haas-Teamchef Guenther Steiner.

Intensive Untersuchungen später im Krankenhaus ergaben, dass sich Grosjean Verbrennungen zweiten Grades zuzog und sich außerdem zwei Zehen brach. Man kann von leichten Verletzungen angesichts der schwere des Unfalls sprechen. Der Begriff "Horror-Unfall" bekam eine neue Definition.

Stroll liegt auf dem Dach

Es dauerte fast eineinhalb Stunden, bis das Rennen das zweite Mal gestartet werden konnte. In der Zwischenzeit schweißten dutzende Streckenposten die kaputte Leitplanke und ersetzten sie durch eine Betonmauer. FIA-Rennleiter Michael Masi inspizierte die Unfallstelle. Für die Analyse und das Archiv mussten Fotos geschossen werden.

Beim Neustart erlebte die Formel 1 den nächsten kleinen Schock. Daniil Kvyat kollidierte in der achten Kurve bei einem unbeholfenen Überholversuch mit Lance Stroll. Das Auto des Kanadiers überschlug sich und blieb auf dem Überrollbügel liegen. Stroll blieb unverletzt und kraxelte selbstständig aus seinem Auto. Die Stewards straften Kvyat mit zehn Sekunden ab.

An der Spitze kontrollierte Hamilton das Rennen von A bis Z. Er trat die Führungsposition nur wegen eines früheren ersten Reifenwechsels an Verstappen ab. Ansonsten hatte der Mercedes die bessere Geschwindigkeit über die Distanz, weil Fahrer und Auto den heiklen Hinterreifen auf einer reifenmordenden Strecke weniger zusetzten. Den 95. Sieg der Karriere fuhr Hamilton mit Leichtigkeit ein. So sah es zumindest aus. Doch der Sieger verneinte. "Ich musste das ganze Rennen Vollgas geben, weil Max hinter mir so schnell war. Es war ein körperlich und mental sehr anstrengendes Rennen."

Max Verstappen - Red Bull - GP Bahrain 2020 - Sakhir
xpb
Max Verstappen erreichte als Zweiter das bestmögliche Ergebnis für Red Bull.

Perez verliert sicheres Podest

Verstappen brauchte sich nicht zu ärgern. Red Bull ist Mercedes zwar weiter näher gekommen, doch der W11 ist dem RB16 noch immer überlegen. "Wir waren leider ein bisschen zu langsam, waren bei der Strategie nicht aggressiv genug und hatten obendrein noch langsame Reifenwechsel", bedauerte der Niederländer. Ein dritter Boxenstopp im zweiten Teil des Rennens war ein letzter Versuch, die Weltmeister in einen Fehler zu treiben. Doch die Mercedes-Strategen ließen Hamilton auf der Bahn und überließen Verstappen den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde.

Seinen Teamkollegen hängte Verstappen mal wieder ab. Alexander Albon zeigte eines seiner besseren Rennen in dieser Saison, schaffte es aber trotzdem nur mit sehr viel Glück auf das Podest. Ob diese Leistung reicht, um sein Cockpit bei Red Bull zu festigen? Sein schärfster Rivale Sergio Perez war jedenfalls im unterlegenen Auto zu schnell für ihn, scheiterte aber vier Umläufe vor dem Ende an einem Motorschaden, was die Rennleitung zu einem späten zweiten Safety Car veranlasste. "Ich kann mich über das Podest glücklich schätzen. Für die Jungs ist es nach meinem Unfall vom Freitag ein verdienter Lohn. Sie haben tolle Arbeit geleistet", sagte Albon.

Für Racing Point ist der Doppelausfall ein schwerer Schlag im Kampf um den dritten Platz in der Teamweltmeisterschaft. Das Team aus Silverstone verlor sichere 15 Punkte und leigt jetzt 17 Zähler hinter McLaren zurück. Dennoch zeigte der Mexikaner einmal mehr, dass er sein Geld wert ist. Perez kam bei beiden Starts gut vom Fleck. Der Reifen-Streichler aus Guadalajara gab sich keine Blöße. Doch die Technik verwehrte ihm das zweite Podest in Serie.

Ferrari mit nur einem Punkt

Der große Profiteur war ausgerechnet McLaren. Der Rennstall aus Woking war nach der Qualifikation noch enttäuscht, blühte im Rennen aber auf. Lando Norris lenkte seinen MCL35 auf den fünften Platz. Direkt dahinter platzierte sich Carlos Sainz, der sich vom 15. Startplatz nach vorne arbeitete. Dabei fuhr der Spanier sogar einen langen Stint auf den weichen Reifen, die vor dem Grand Prix eigentlich als unbrauchbar galten. McLaren holte insgesamt 22 Punkte.

Pierre Gasly brachte für Alpha Tauri einen sechsten Platz ins Ziel. Renault stand sich selbst im Weg. Daniel Ricciardo und Esteban Ocon duellierten sich, statt zusammen zu arbeiten. Es dauerte zu lange, bis die Teamführungen einen internen Platztausch angeordnet hatte. Ricciardo wurde Siebter, Ocon Neunter. Die Franzosen liegen nun 27 Punkte weg von McLaren. Zwischen den Renault landete Valtteri Bottas, der die Starts versemmelte und außerdem anfangs Pech mit einem schleichenden Plattfuß hatte, der ihn weit zurückwarf.

Ferrari reiste mit nur einem Punkt aus Bahrain ab. Die Power-Strecke schmeckte dem SF1000 gar nicht, der zudem die Reifen stärker beanspruchte als die Autos der Konkurrenz. Außerdem gab es teaminternen Stunk. Beim zweiten Start fühlte sich Sebastian Vettel ungerecht von seinem Teamkollegen behandelt.

Leclerc bremste später, stach ganz innen in Kurve eins hinein und schnitt dem Heppenheimer den Weg ab. "Er fährt in eine Lücke, die es nicht gibt. Ich hätte es zum Unfall kommen lassen", schimpfte der Ex-Weltmeister. Leclerc profitierte vom späten Ausfall von Perez. Vettel beklagte sich über ein unfahrbares Auto über die Distanz. Zwischendurch muss er sich auch gedreht haben, was aber nicht von den TV-Kameras eingefangen wurde. Mehr als der 13. Platz war für ihn nicht drin. Nach dem Erfolgserlebnis in der Türkei stürzte Ferrari zwei Wochen später tief ab.

GP Bahrain 2020: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Runden Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 57 2:59:47.515
2. Max Verstappen Red Bull  57 +1.254s
3. Alexander Albon Red Bull  57 +8.005s
4. Lando Norris McLaren 57 +11.337s
5. Carlos Sainz McLaren  57 +11.787s
6. Pierre Gasly Alpha Tauri  57 +11.942s
7. Daniel Ricciardo Renault 57 +19.368s
8. Valtteri Bottas Mercedes 57 +19.680s
9. Esteban Ocon Renault 57 +22.803s
10. Charles Leclerc Ferrari 56 +1 lap
11. Daniil Kvyat Alpha Tauri 56 +1 lap
12. George Russell Williams  56 +1 lap
13. Sebastian Vettel Ferrari 56 +1 lap
14. Nicholas Latifi Williams  56 +1 lap
15. Kimi Räikkönen Alfa Romeo  56 +1 lap
16. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo  56 +1 lap
17. Kevin Magnussen Haas  56 +1 lap
18. Sergio Perez Racing Point  53 DNF
19. Lance Stroll Racing Point  2 DNF
20. Romain Grosjean Haas  0 DNF
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