Carlos Sainz - McLaren - GP Portugal - Portimao xpb
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Portugal - Portimao - 23. Oktober 2020
Pierre Gasly - GP Portugal 2020
Pierre Gasly - GP Portugal 2020
Lance Stroll - GP Portugal 2020 52 Bilder

Formel 1-Teams sorgen sich um 2021er Reifen

Klare Vorschriften für Pirelli-Test Sorgen um 2021er Reifen

In der nächsten Saison ändert sich nicht nur die Aerodynamik. Auch die Reifen sind neu. Pirelli homologierte die Neukonstruktion nach einem Test in Portimao. Die Teams machen sich Sorgen, weil sie erst in Bahrain und Abu Dhabi herausfinden werden, wie sich dieser neue Reifen verhält.

Die Verschiebung der Technik-Reform auf 2022 hatte viele Konsequenzen. Eine davon war, dass die FIA auch die Aerodynamikregeln für 2021 anpassen musste. Pirelli hatte Alarm geschlagen. Wenn die Formel 1-Teams ihre 2020er Autos mit der gleichen Geschwindigkeit weiterentwickeln würden, dann wären sie 2021 so schnell gewesen, dass kein Reifen der Welt diesen Kräften mehr standgehalten hätte. Deshalb wurden die Ingenieure gezwungen, ihre Autos einzubremsen. Dafür werden Unterboden und Diffusor in vier Punkten beschnitten. Weil man Pirelli nicht zumuten wollte, für eine Saison neue Reifen zu bauen.

Der daraus berechnete Abtriebsverlust soll die Autos auf den Stand von Anfang 2020 bringen. Die Ingenieure rechnen damit, dass sie im Verlauf der kommenden Saison wieder auf die Abtriebswerte kommen, wie wir sie Ende 2020 haben werden. Damit hielt man das Thema für erledigt. Bis Pirelli mit dem Plan um die Ecke bog, nun doch für nächstes Jahr neue Reifen zu bauen.

Für viele Teams kam die Nachricht im Sommer überraschend. Pirelli-Sportchef Mario Isola begründete die Modifikation so: "Wir wollen die Sicherheit und Stabilität des Reifens erhöhen. Das erlaubt es uns, die Reifen mit niedrigeren Drücken zu fahren." Die hohen Luftdrücke, die Pirelli den Teams in den letzten Jahren aufzwang, waren der Hauptkritikpunkt von Fahrern und Ingenieuren. Weil sie auch dafür sorgten, dass die Reifen zum Überhitzen neigen.

Romain Grosjean - Haas - GP Portugal - Portimao
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Im Training zum GP Portugal führten die Teams einen Blindtest mit unterschiedlichen Reifen durch.

Pirelli senkt die Luftdrücke

Beim GP Portugal unterzog Pirelli die letzte Auswahl seiner Neukonstruktion im freien Training einem abschließenden Test. Geändert hat sich die Konstruktion der Reifen und vorne auch die Form. Die Gummimischungen bleiben gleich. Es war ein so genannter bilnder Test, bei dem die Teams nicht wussten, welchen Prototyp sie tatsächlich verwendet haben und ob es dann der war, den Pirelli am Ende bei der FIA zur Homologation einreichte. Deshalb konnten die Ingenieure mit den Erfahrungen auch nicht viel anfangen. Sie wussten danach höchstens, wohin die Reise generell geht, nicht aber, ob der in Portimao zugeteilte Reifen im Detail dem entspricht, was 2021 im Angebot ist. Einzige Erkenntnis damals: Die Rundenzeiten stiegen um zwei bis drei Sekunden.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, gibt Pirelli allen Teams im ersten Rennen von Bahrain und in Abu Dhabi die Chance, sich mit den neuen Sohlen vertraut zu machen. Jeder Fahrer erhält für die ersten beiden Trainingssitzungen in Bahrain jeweils zwei Garnituren des neuen Reifens mit der C3-Mischung. Die Fahrer sind angehalten, jeweils mindestens sechs Runden auf den beiden Sätzen zurückzulegen, wobei einer der beiden Sätze auch im Abendtraining gefahren werden muss, wo die Teams eigentlich etwas besseres zu tun haben. Das Programm ist vollgestopft mit Setup-Arbeit für Qualifikation und Rennen. Mit den neuen Reifen werden die Luftdrücke nach unten korrigiert. Vorne von 22,5 auf 21,0 PSI und hinten von 21,0 auf 20,5 PSI. In Abu Dhabi werden diese Probefahrten wiederholt. Dann mit der C4-Mischung.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Portugal - Portimao
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Lewis Hamilton war von seinem Testreifensatz in Portimao wenig begeistert.

2 von 3 Bausteinen ändern sich

Für Ingenieure ist das späte Kennenlernen ein Alptraum. Sie haben schon mit der Umstellung der Aerodynamik alle Hände voll zu tun. "Die Änderungen sind viel umfangreicher als wir dachten", sagen Andy Green, Marcin Budkowski und James Key im Gleichklang. Jetzt kommt als zweite Unbekannte auch noch ein neuer Reifen dazu. Das hat aerodynamische und mechanische Auswirkungen.

Die geänderte Form des Vorderreifens und ein anderes Walkverhalten könnte die Aerodynamiker zu kurzfristigen Änderungen zwingen. Das neue Material im Unterbau des Reifens wird das Aufwärmverhalten und den Temperaturverlauf bei der Nutzung verändern. Alles Dinge, die man lieber früher als später wissen will. Lewis Hamilton meinte auf Nachfrage spitz: "Wenn es der gleiche Reifen ist, den wir in Portimao gefahren sind, bin ich etwas besorgt."

Mercedes-Technikchef James Allison erklärt das Dilemma: "2021 ändern sich zwei von drei wichtigen Bausteinen. Die Aerodynamik und die Reifen. Wir werden erst nach den Testfahrten in Bahrain und Abu Dhabi wissen, ob der neue Reifen zu unserer mechanischen und aerodynamischen Plattform so passt wie bisher. Zu Beginn werden wir für einige Zeit keine Windkanalreifen haben. Und wenn wir sie bekommen, wissen wir noch nicht, wie nah der erste Satz dieser Windkanalreifen an der Realität sein wird. Meistens gibt es da erfahrungsgemäß am Anfang noch Unterschiede. Die zweite Sorge ist, wie sich die neuen Aerodynamik-Regeln für unser Auto auswirken. Die Änderungen sind ziemlich groß, so groß, dass wir nicht automatisch davon ausgehen dürfen, dass unsere Plattform weiter so gut funktioniert."

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