Formel 1 - Podium - GP Belgien - 29. August 2021 Motorsport Images
Impressionen - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
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GP Belgien 2021: Darf es für eine Runde Punke geben?

Der kürzeste Grand Prix aller Zeiten Darf es für eine Runde Punkte geben?

Der kürzeste Grand Prix aller Zeiten war nach einer Runde zu Ende. Trotzdem gibt es halbe Punkte. War das gerecht? Hat man die Zuschauer damit auf dem Arm genommen? War es wirklich unmöglich zu fahren?

Der GP Belgien geht in die Geschichte ein. Es war das kürzeste Rennen aller Zeiten. Das aber inklusive Wartezeit drei Stunden und 44 Minuten dauerte. Damit ist Adelaide 1991 mit 14 Runden, 52,9 Kilometern und 24 Minuten und 34 Sekunden Rennzeit entthront. Der zwölfte WM-Lauf 2021 ging offiziell nur über eine Runde à 7,004 Kilometer. Und er war nach 3.37.071 Minuten schon wieder vorbei. Tatsächlich haben die 20 Autos drei Runden hinter dem Safety Car zurückgelegt. Die letzte Runde beendeten sie in der Boxengasse.

Mit dieser Formalie schaffte die Rennleitung die Voraussetzung dafür, dass dieser Grand Prix gewertet wird. Zum sechsten Mal nach Spanien 1975, Österreich 1975, Monaco 1984, Australien 1991 und Malaysia 2009 gab es für Piloten und Teams nur halbe Punkte. Doch noch nie fühlten sich die Punkte so wertlos an. Zum ersten Mal in der Historie fand der komplette Grand Prix hinter dem Safety Car statt. So wurde der Samstag zum Sonntag. "Den Lohn gab es für deine Leistung in der Qualifikation", stellte Daniel Ricciardo fest.

Die schnellsten Runden am Sonntag waren die auf dem Weg zur Startaufstellung. Auch die gefährlichsten. Sergio Perez crashte in Kurve 7. Der Red Bull kam auf dem Abschleppwagen an die Boxen zurück und wurde dort repariert. Das rechte Vorderrad war eingeknickt, wobei einer unteren Querlenker auch die Gegenseite beschädigt hatte. "Vorne war alles kaputt. Die Mechaniker haben einen Job von drei Stunden in 70 Minuten geschafft", lobte Teamchef Christian Horner. Sie hätten sich mehr Zeit lassen können. Das Rennen wurde erst um 18.17 Uhr angepfiffen. Mehr als drei Stunden nach der geplanten Startzeit.

Sergio Perez - Red Bull - GP Belgien - 29. August 2021
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Der RB16B von Sergio Perez war ordentlich beschädigt.

Hamilton fordert Entschädigung für Fans

Dass Perez überhaupt an diesem Rennen teilnehmen durfte, war eine der vielen Merkwürdigkeiten an diesem denkwürdigen Tag. Weder FIA-Rennleiter Michael Masi, noch Red Bull-Teammanager Jonathan Wheatley schienen die Regeln genau zu kennen. Sie mussten bei den Sportkommissaren nachfragen. Perez durfte starten, weil das Rennen nie begonnen hatte. Die beiden Umläufe hinter dem Safety Car um 15.25 Uhr zählten als Formationsrunden.

Für die 75 000 Zuschauer an der Strecke wurde dieser Tag bei Außentemperaturen von 13 Grad, einem steifen Wind und Dauerregen zur Geduldsprobe und zu einer physischen Qual. Viele von ihnen harrten bis zum bitteren Ende aus. "Man sollte ihnen das Eintrittsgeld zurückzahlen", forderte Lewis Hamilton. "Das waren echte Hardcore-Fans. Ich fühle mich schlecht, dass wir ihnen heute keine Show bieten konnten." Esteban Ocon bedauerte: "Die Fans tun mir leid. Aber aus Gründen der Sicherheit konnte es keine andere Entscheidung geben."

Viele im Fahrerlager sprachen davon, dass es besser gewesen wäre, die Zuschauern viel früher zu erlösen, statt sie dreieinhalb Stunden warten zu lassen. Oder das Rennen ganz abzusagen. Oder es auf Montag zu verlegen. War es am Ende das schnöde Geld die Formel 1 dazu zwang, diese Komödie hinter den Safety Car durchzuziehen? Serienchef Stefano Domenicali dementierte: "Das hat weder mit dem Geld oder Politik etwas zu tun. Wir bekommen das Antrittsgeld, egal ob der Grand Prix gefahren wird oder nicht. Es ging hier einzig und allein um die Zuschauer. Wir haben alles versucht, ihnen noch etwas zu bieten."

Keine Streckenposten am Montag

Daniel Ricciardo brachte ins Spiel, dass man den Rennstart vielleicht auf den Mittag vorziehen hätte sollen, um sich mehr Luft nach hinten zu verschaffen. "Vor ein paar Jahren haben wir das in Japan bei einer Taifunwarnung einmal getan. Heute war das Wetter um die Mittagszeit noch am besten." Domenicali erwiderte: "Diesmal war die Wettervorhersage nicht so klar wie damals in Japan. Die Startzeit können außerdem nur die Sportkommissare ändern."

Eine Verlegung auf Montag war aus logistischen Gründen nicht möglich. "Das geht schon bei den Streckenposten los. Das sind freiwillige Helfer, die nicht einfach so einen Tag später Zeit haben", erklärte Domenicali. Eine Absage hätte auch keinem geholfen. Wie erklärt man das Zuschauern, die zwischen 150 und 300 Euro für ein Ticket bezahlt haben? Es wird jetzt Sache des Promoters sein, ob er die Zuschauer für die entgangene Show entschädigt. Ein Anrecht gibt es nicht. Schlechtes Wetter ist höhere Gewalt.

Streckenposten - GP Belgien - 29. August 2021
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Für Montag wären keine Streckenposten verfügbar gewesen.

Die moderne Formel 1 ist für solche Bedingungen nicht gebaut. "Der limitierende Faktor ist die Sicht", bedauert Sebastian Vettel. "Wir sind hinter dem Safety Car nicht besonders schnell gefahren. Trotzdem wurde so viel Gischt aufgeworfen, dass ich von meinem fünften Platz aus nicht einmal mehr das Safety Car gesehen habe." Ricciardo erzählte: "Du siehst das Rotlicht des vorausfahrenden Autos erst, wenn du zehn Meter dran bist. Bei Renntempo ist das zu spät."

Die Angst vor dem großen Unfall

Vom Wasserstand her hätte man nach Ansicht einiger Fahrer vielleicht eine Qualifikation fahren können. Nicht aber einen Grand Prix. "Am Samstag hat es teilweise stärker geregnet. Aber in der Qualifikation bis du alleine unterwegs. Im Rennen fährst du im Pulk", warnte Vettel. Die Ironie der Geschichte ist, dass die Strecke zur ursprünglichen Startzeit um 15 Uhr in ihrem besten Zustand war. Ab da hat es nie mehr aufgehört zu regnen.

Ein echtes Rennen wollte FIA-Rennleiter Michael Masi nicht riskieren. Nicht, nachdem was am Samstag passiert ist. Da musste er sich nach dem Crash von Lando Norris vorwerfen lassen, das Training zu spät abgebrochen zu haben. Ein schwerer Unfall im Rennen hätte noch viel größere Diskussionen ausgelöst. Aston Martin-Rennleiter Otmar Szafnauer erinnerte an das Jahr 1998: "Da hat die Formel 1 bei ähnlichen Bedingungen den Fehler gemacht, das Rennen zu starten. Und dann gab es in der Startrunde einen Unfall mit 13 Autos."

So sieht es auch Christian Horner: "Es war an diesem Tag die beste aller möglichen Lösungen. Gegen das Wetter kannst du dich nicht wehren." Max Verstappen wäre zwar gerne gefahren, doch der Niederländer war als Spitzenreiter in einer privilegierten Position. "Max hätte als einziger die Pfützen gesehen. Alle anderen wären im Blindflug gefahren und damit ahnungslos in Aquaplaning geraten", relativiert Ricciardo.

Der Australier neidet dem Spa-Sieger trotzdem die 12,5 Punkte nicht: "Max hat die Arbeit am Samstag erledigt. Das gehört auch zum Rennen. Ihn dafür nicht zu belohnen, wäre auch nicht fair gewesen." Fernando Alonso gehörte zu den Fahrern, die leer ausgingen. Der Spanier landete auf dem 11. Platz und ärgerte sich: "Warum gibt es Punkte, wenn es kein Rennen gab. Ich konnte ja nicht mal um Punkte kämpfen, weil wir hinter dem SafetyCar gefahren sind. Das frustriert mich."