Alonso mit Joker

Sticht Ferraris Reifenpoker im Rennen?

Fernando Alonso - GP Belgien - 26. August 2011 Foto: xpb 62 Bilder

Das Duell um die Pole Position fand zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton statt. Ferrari spielte keine Rolle. Trotzdem hält sich Fernando Alonso an einem Strohhalm fest. Der geringe Reifenverschleiß seines Ferrari soll zum Joker werden.

Es war ein verrücktes Abschlusstraining. Ein Eiertanz zwischen nass und trocken. Zwei Qualifikationsrunden lang war der Intermediate-Reifen Pflicht. Erst im letzten Abschnitt wurden die Slicks herausgeräumt. Es war eine Fahrt ins Ungewisse. "Wir sind an diesem Wochenende so wenig auf trockener Bahn gefahren, dass wir alle auf den schnelleren Reifentyp gegangen sind. Ohne zu wissen, wie der im Dauerlauf funktioniert."

Vettel drückt den Reset-Knopf

Sebastian Vettel fühlte sich bis zur ersten K.O.-Runde der Qualifikation nicht wohl im Auto. "Dann habe ich den Reset-Knopf gedrückt, einige anderen Linien gewählt, und schon hat alles gepasst. Im Top Ten-Finale setzte Vettel voll auf die letzte Runde. Im Gegensatz zu Mark Webber fuhr er seine Reifen vorsichtig an. Er wusste, dass sie vier Runden am Stück halten und erst am Ende optimalen Grip liefern mussten, dann wenn die Strecke im besten Zustand sein würde.

"Ich habe die Reifen zu aggressiv angefahren, und hinten raus dafür gebüßt", gab der drittplatziertze Webber zu. Lewis Hamilton sparte sich im Vergleich zu den Red Bull-Piloten deshalb eine Runde, um die Reifen nicht zu stark zu strapazieren. "Ich weiß ja, dass wir mit dem Aufwärmen kein Problem haben. "Vettel notierte zufrieden: "Die Reifen kamen diesmal viel besser auf Temperatur als bei den letzten drei Rennen."

Ferrari dagegen haderte mit dem kühlen Wetter. Auf dem Asphalt wurden nur 14 Grad gemessen. Dazu der feuchte Belag. "Die schlimmste Kombination für uns", ärgerte sich Fernando Alonso. Der Spanier startet nur von Platz acht. Auf den Trainingsschnellsten fehlten ihm drei Sekunden. "Ich hatte in Q3 nicht eine freie Runde. Immer stand einer im Weg. Einmal musste ich wegen Perez 50 Meter im Gras fahren."

Alonso hofft auf Probleme der Konkurrenz

Alonso gab zu, dass Ferrari auch unter perfekten Bedingungen kein Kandidat für die Pole Position gewesen wäre. "Platz vier oder fünf wäre das höchste der Gefühle gewesen." Doch der Ex-Champion wirft die Flinte noch nicht ins Korn. Er sieht trotz des schlechten Startplatzes gute Chancen für das Rennen. Wenn es trocken bleibt. "Dann können wir vielleicht unsere Trumpfkarte ausspielen. Unser Auto geht mit den Reifen pfleglicher um als die Konkurrenz."

Bestes Indiz für diese These sind Webbers Erfahrungen. Bei dem Australier ließ der Reifensatz Marke "soft" schon in der vierten fliegenden Runde nach. Ein Blick in die Rundentabelle verrät warum. Die erste Runde fuhr er eine Sekunde schneller als Vettel, die zweite eine halbe Sekunde.

Ferraris Rechnung geht so: Wenn sich vorne Vettel, Webber und Hamilton zerfleischen, dann könnte der Reifenabbau bei Red Bull und McLaren früh einsetzen. Und dann hofft Ferrari auf den langen Atem. "Spa ist eine Strecke, die die Reifen stark beansprucht", wirft Alonso ein. "Vielleicht sieht das Bild morgen ganz anders aus."

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