Start - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Schweigeminute - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Verstappen kracht in Räikkönen

Analyse des Startunfalls

Max Verstappen schrieb ausgerechnet in Belgien seine erste Nullrunde. Red Bulls Star hatte es sich selbst zuzuschreiben. Verstappen geriet am Start mit Kimi Räikkönen aneinander. Sein Team glaubt, dass ein Podestplatz möglich gewesen wäre.

Spa-Francorchamps war wieder fest in den Händen der Verstappen-Fans. Wo man auch hinschaute: Überall sah man orange Kappen und T-Shirts. Die Holländer bildeten von den 90.000 Fans an der Strecke die größte Gruppe. Verstappen hat eine Nation hinter sich gebracht wie kein anderer Fahrer im Feld. Seine Landsleute folgen ihm überall hin. Der junge Holländer wird verehrt wie ein Popstar und angesehen wie ein Mann des Volkes.

Und dann das. Nach nicht einmal einem Kilometer steckte der Red Bull mit der Startnummer 33 im Reifenstapel von Eau Rouge. Mit kaputter Lenkung und Spurstange rodelte der WM-Dritte ins Aus. Verstappen hatte sich die linke Vorderradaufhängung schon eine Kurve vorher kaputtgeschlagen. In La Source war der Niederländer mit Kimi Räikkönen aneinandergeraten. „Kimi dachte wohl, er sei vollständig vor mir. Er folgte seiner Linie, und hat mich wohl nicht sehen können, als ich neben ihm auftauchte“, urteilte Verstappen. „Ich denke, man kann keinem von uns die Alleinschuld zuschieben.“

Start - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Da schnappt die Falle zu. Räikkönen lenkt nach innen, Verstappen geht mehr und mehr der Platz aus.

Perez startet besser

Red Bull schützte seinen Piloten. „Die Lücke war da.“ Kimi Räikkönen fluchte nach dem Treffer, der ihn durch die Luft schleuderte, im Cockpit. Nach dem Rennen meinte der Finne: „Ich musste verlangsamen, weil Bottas vor mir nach außen zog. Dann wurde ich plötzlich getroffen und war auf zwei Rädern.“ Räikkönen hatte Glück, dass er bei dem Zusammenstoß zwischen seinem rechten Hinterrad und Verstappens linken Vorderrad nicht umgedreht wurde.

Verstappen hatte sich durch einen schlechten Start selbst in die Bredouille gebracht. „Dabei war der Probestart noch sensationell“, murrte Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Die fünf roten Startlichter erloschen schnell. Da vermisste man beim siebenfachen GP-Sieger etwas die Reaktionszeit. Und dann drehten auch noch die Hinterreifen durch, als es zum Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe kam.

Räikkönen war schon nach einem Drittel der 150 Meter kurzen Anfahrt in die erste Kurve neben Verstappen und beschleunigte ihn auf der Außenseite aus. Den besten Start hatte aber Sergio Perez. Der Mexikaner fuhr von Platz sieben los und scherrte früh aus, um Verstappen zu überholen.

Verstappen in der Falle

Räikkönen ist eigentlich auf dem Weg nach innen, als er den heranfliegenden Racing Point im Seitenspiegel erahnt. Daraufhin lenkt der Weltmeister von 2007 seinen Alfa nach außen. Um wenige Meter später wieder den Kurs zu wechseln. Weil sein Landsmann Bottas sich vor ihm nach außen tragen lässt, und Perez noch nicht auf seiner Höhe ist, lenkt Räikkönen doch wieder nach innen. Und schneidet dem Racing Point den Weg ab.

In diesem Moment ist Räikkönen mehr als eineinhalb Wagenlängen vor Verstappen. Perez ist zwischen ihnen. Der Racing-Point-Pilot hat bereits etwa 15 von 16 Metern gutgemacht auf Räikkönen und hängt ihm schräg versetzt im Heck. Doch Perez gerät in die Zwickmühle, weil Verstappen auf Höhe seines linken Seitenkastens ist. Perez erkennt die Situation, und macht alles richtig. Der 29-Jährige, der in seiner Karriere acht Mal auf dem Podest stand, beweist Übersicht. Und Köpfchen: Das Rennen dauert schließlich 44 Runden.

Der Mexikaner zieht zurück. Ganz im Gegensatz zu Verstappen, der seine Chance wittert. Der Red Bull-Pilot leitet ein spätes Bremsmanöver ein, sitzt dann aber in der Falle. Räikkönen peilt den inneren Randstein von La Source an, und Verstappen geht der Platz aus. Als es zu spät ist, einen Zusammenstoß zu vermeiden, ist der WM-Dritte mit der Nase auf Höhe der seitlichen Luftabweiser des Alfa. Es gibt keinen Platz, um stärker einzuschlagen und auszuweichen. Auf der Innenseite steht die Mauer. Die Räder verkeilen sich.

Kimi Räikkönen - Max Verstappen - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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In Eau Rouge treffen sich Verstappen und Räikkönen ein zweites Mal.

Alfa sieht Schuld bei Verstappen

Für Alfa Romeo gibt es keine zwei Meinungen. „Verstappen kam aus dem Nirgendwo“, befand Teamchef Frederic Vasseur: Teammanager Beat Zehnder schildert aus seiner Sicht: „Perez hat alles richtig gemacht. Er hat zurückgezogen, als es eng wurde. Max sticht hingegen einfach innen rein, obwohl er sieht, dass Kimi einlenkt. Er hat etwas probiert, das nicht funktionieren kann. Kimi konnte ihn gar nicht sehen. Perez war weg, Verstappen weit hinten, da hat er eingelenkt. Verstappen hatte die Sicht nach vorn. Er hätte früher zurückstecken müssen. Aber dann hätte er viele Positionen verloren. Das wollte er natürlich nicht.“

In den Wiederholungen zeigt sich, dass Verstappen zwar spät, aber nicht zu spät gebremst hat. Seine Vorderräder blockieren nicht. Der zweimalige Saisonsieger hätte die La-Source-Kurven bekommen, ohne durch die Auslaufzone außen zu müssen. So kann man bilanzieren: Räikkönen trifft keine Schuld. Er hatte keine Möglichkeit, aus seiner Position heraus den drohenden Zusammenprall zu antizipieren. Der Finne konnte nicht mit Verstappen auf der Innenspur rechnen, nachdem Perez plötzlich verschwand.

Auf der anderen Seite kann man aber auch nicht alle Schuld auf Verstappen abwälzen. Denn er konnte aus seiner Position heraus nicht absehen, dass Räikkönen komplett nach innen kommt. Als Verstappen sein Bremsmanöver einleitet, ist Räikkönen nicht einmal in der Mitte der Fahrbahn, sondern tendentiell außen. Der Red Bull hat einen guten Meter rechts neben sich. Die Rennleitung verzichtete auf eine Strafe. „Das ist in Ordnung. Es war ein Start, da kann so etwas passieren. Wir unterstützen es, dass die Fahrer fahren können, und nicht alles gleich bestraft wird“, sagt Zehnder.

Red Bull glaubte an Podest

Durch den Aufprall verlor Räikkönen ein Drittel seines Unterbodens und wichtige Leitbleche. Es kostete sein Auto etwa 20 Abtriebspunkte, was die Alfa-Sauber-Ingenieure in den Daten zunächst aber nicht richtig feststellen konnten. Weil Räikkönen zurück schlich und das Safety-Car ausrückte. Deshalb war das Ausmaß des Abtriebsverlust im Heck nicht sofort offensichtlich. Darum wechselte Alfa zwei Mal den Frontflügel.

Man musste vorne Abtrieb opfern, um den verlorenen Anpressdruck hinten auszugleichen. Sonst wäre das Auto aus der Balance geraten. „Der erste Flügel hatte noch zu steile Flaps“, erklärt Zehnder. Räikkönen hatte mit seinem waidwunden Alfa keine Chance, auf ein gutes Ergebnis. Der vierfache Spa-Sieger landete auf dem 16. Rang – mehr als eine Minute weg von Punkten. Trotzdem gab es Lob vom Team. „Die meisten hätten in seiner Situation aufgegeben. Die wenigsten hätten mit so einem angeschlagenen Auto noch solche Rundenzeiten geschafft.“

Beinahe wäre es zwischen Verstappen und Räikkönen noch zu einem Highspeed-Unfall gekommen. In Eau Rouge trafen sich die Unfallgegner ein paar hundert Meter später ein zweites Mal. Dieses Mal streifte Verstappen den links vorbeifliegenden Alfa nur. „Da hatten wir Schwein. Das hätte zu einem heftigen Unfall führen können“, sagt Zehnder. Verstappen demolierte sich die Spurstange. Dann war Feierabend im Reifenstapel.

Red Bull beklagte wie die Fans den frühen Ausfall seines Wunderknaben. „Ob wir um den Sieg gekämpft hätten, ist schwer zu sagen. Aber das Podest war in jedem Fall möglich“, sagt Marko.

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