Rennanalyse GP Brasilien 2018

Ocon verdirbt die Verstappen-Party

Verstappen - Ocon - GP Brasilien 2018 - Rennen Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Max Verstappen fuhr dem dritten Saisonsieg entgegen. Eine Kollision mit Esteban Ocon brachte den Red Bull zum Entgleisen und pflasterte den Weg für Lewis Hamilton. Trotz Reifen- und Motorproblemen gewann der Weltmeister vor einem stinksauren Verstappen.

Lewis Hamilton errang seinen 72. Karriere-Sieg, Max Verstappen verpasste seinen sechsten. In unserer Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen zum GP Brasilien.

Wer hatte Schuld: Verstappen oder Ocon?

Es passierte in der 44. von 71. Rennrunden. Max Verstappen führte den GP Brasilien mit fast drei Sekunden vor Lewis Hamilton an. Im schnelleren Auto mit den frischeren Reifen. Und trotzdem näherte sich ein Auto bedrohlich von hinten. Esteban Ocon saugte sich im Windschatten an und setzte sich vor dem Senna-S auf der Außenseite neben Verstappen.

Wer da gerade den Fernseher eingeschaltet hatte, hätte glauben können, es ginge um den Rennsieg. Tatsächlich aber griff ein Überrundeter den Spitzenreiter an. Force India hatte das rosafarbene Auto mit der Startnummer 31 vier Runden zuvor mit den Supersoftreifen ausgestattet. Der Stopp missglückte. „Wir haben fünf Sekunden zu lange gebraucht. Das hat uns erst hinter Verstappen geworfen“, erzählte Force India-Teamchef Otmar Szafnauer.

Max Verstappen - Esteban Ocon - GP Brasilien 2018 Verstappen greift Ocon an Giftpfeile aus allen Richtungen

Während Verstappen seinen Vorsprung verwaltete, war Ocon auf Attacke gebürstet. Vom 14. Platz wollte er noch in die Punkte rasen. Weil es keine Regel gibt, die verbietet, sich zurück zu runden, erteilte Force India seinem Fahrer die Erlaubnis, Verstappen zu überholen. Der Versuch missglückte. Im zweiten Teil des Senna-S trafen sich die beiden Autos. Sie drehten sich und Verstappen verlor die Führung.

Die Meinungen waren geteilt. Verstappen schimpfte auf Ocon. „Mir fehlen die Worte. Unser Auto war fantastisch und dann raubt mir ein Idiot den Sieg.“ Die Red Bull-Bosse tobten. „Es gibt einen Ehrenkodex, dass man so etwas nicht macht“, sagte Helmut Marko. Bei Force India hatte man ein ganz anderes Bild des Vorfalls. „Ich habe sieben Autos in Kurve zwei überholt, nur Verstappen hat mir keinen Platz gelassen.“ Teamchef Otmar Szafnauer meinte: „Auch als Führender musst du einem anderen Fahrer genug Luft lassen. Esteban war neben Verstappen, hatte die Innenspur und musste durchziehen. Eine weitere Runde hinter Verstappen hätte uns zu viel Zeit gekostet.“

Hamilton hatte den Platz in der ersten Reihe. „Ich bin in meinem Kopf anders kalibriert. Max ist ein Draufgänger. Manchmal fällt das auf einen zurück.“ Die Rennkommissare sahen die Schuld einzig bei Ocon und verhängten eine Stop-and-Go-Strafe. Dazu gibt es drei Punkte für die Strafkartei. FIA-Rennleiter Charlie Whiting schildert: „Man darf sich zurückrunden. Nur muss man das sicher und sauber machen. Und man sollte nicht so fahren, als ob es um die Spitze ginge.“ Das letzte Wort gehört Experte und Ex-Rennfahrer David Coulthard: „Es war ein Missverständnis. Verstappen hat nicht mit Ocon gerechnet. Es ist eine verzwickte Situation. Aber wenn Ocon in der Position von Verstappen gewesen wäre, hätte er den Unfall anders bewertet.“

Wieso war Red Bull so schnell?

Ohne Zweifel war der Red Bull RB14 im Rennen das schnellste Auto. Der Rückstand von einer halben Sekunde in der Qualifikation wandelte sich in einen Vorsprung von einer halben Sekunde pro Runde. Red Bull hat das reifenschonenste Chassis der Topteams. Weder die Supersoft noch die Softreifen warfen Blasen. Die höheren Außen- und Streckentemperaturen bauten Red Bull eine Brücke, die erst in der 44. Runde einstürzte.

Red Bull ging keine Kompromisse ein. Man verzichtete auf kleine Flügel zugunsten von mehr Topspeed und setzte stattdessen voll auf Abtrieb. Hinzu kommt, dass mit vollen Tanks gestartet und Mercedes sowie Ferrari im Rennen nur selten mit dem schärfsten Power-Modus fahren können. Verstappen überholte erst Kimi Räikkönen (3. Runde), dann Sebastian Vettel (4. Runde), dann Valtteri Bottas (10. Runde). Die Pace des Niederländers zwang Mercedes mit Hamilton in einen frühen Boxenstopp. Verstappen hielt auf den Supersoftreifen bis zur 35. Runde durch und wechselte für die zweite Rennhälfte auf Soft. Vier Umläufe später flog er an Hamilton vorbei, als ob der in einem Williams sitzen würde. „Mit neuen Reifen kam Verstappen viel besser aus Kurve 12. Und er hatte DRS“, sagten Red Bulls Ingenieure.

Der Force India schnitt ein 15 bis 20 Zentimeter großes Teil aus dem Unterboden des Red Bull. Der demolierte Unterboden kostete etwa zehn Prozent des Gesamtabtriebs. Selbst mit einem waidwunden Auto holte Verstappen auf und verkürzte von 5,7 auf 1,5 Sekunden im Ziel.

Was war bei Hamilton los?

Wie in Austin und Mexiko rutschten die Mercedes in Reifenprobleme. Diesmal überhitzten die Gummis wieder. Auf den Supersofts bildeten sich Blasen auf den Hinterreifen. Das hatte aber nichts mit den zugestopften Löchern in den Felgen zu tun, wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff beteuerte. Die Fahrer stellten ihren Fahrstil um. Sie schonten die Hinter- und strapazierten stattdessen mehr die Vorderreifen. Auf den Medium-Reifen bildeten sich deshalb Blasen auf dem linken Vorderrad. Das allerdings beeinflusste Hamiltons Renntempo nicht im Gegensatz zu den Blasen auf den Hinterrädern.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2018 - Rennen Mercedes stellt Ferrari-Rekord ein Hamiltons Zitterrennen zum Sieg

Wie bereits erwähnt, überholte Verstappen den Silberpfeil des Weltmeisters spielerisch leicht. Das hatte noch einen zweiten Grund. Mercedes regelte die Motorleistung nach unten. Kurz vor dem Boxenstopp hatten die Ingenieure ein gravierendes Problem am V6-Turbo festgestellt. „Ein Defekt stand kurz bevor. Irgendwie haben die Jungs aus der Garage heraus ein Hardware-Problem in den Griff bekommen“, berichtete Wolff. Ein Riss im Auspuff ließ die Temperaturen auf über 1.000 Grad steigen. Durch das Runterregeln der Leistung, das vier Zehntel pro Runde kostete, drückte man die Temperaturen leicht nach unten, was ausreichte, um durchzukommen. „Es war ein furchtbares Rennen mit einem perfekten Ausgang.“

Mercedes gewann zum fünften Mal in Folge die Team-WM. Die Strategen richteten das Rennen vor allem auf Ferrari aus. „Max war zu schnell für uns. Das war auch Lewis klar. Deshalb hat er sich nicht groß gewehrt. Das hätte ihn nur unnötig Zeit und Reifen gekostet. Wir wollten das Rennen auf dem Medium beenden und vor Ferrari bleiben.“

Wieso war Vettel so langsam?

Sebastian Vettel startete als Zweiter und sah die Zielflagge als Sechster mit einem Rückstand von fast 27 Sekunden. Dabei war die Ausgangsposition so vielversprechend. Vettel startete auf den langlebigeren Softreifen. Ein Nachteil am Start, dafür aber ein Vorteil für den ersten Stint. Dachte man. „Leider waren die Supersoftreifen schneller, beständiger und haltbarer als erwartet“, bedauerte Ferraris Nummer 1.

Vettel kämpfte mit allen drei Reifentypen. Weder den Soft, noch den Medium im zweiten Teil oder den Supersoft hinten heraus brachte er ins gewünschte Arbeitsfenster. Der Ferrari rutschte zu stark.

Schon in der Runde auf dem Weg in die Startaufstellung zeichneten sich Balance-Probleme ab. Ferrari sprach zudem kryptisch von einem fehlerhaften Sensor, ohne auf Nachfragen ins Detail zu gehen. Zu allem Überfluss fuhr sich Vettel am Start das linke Vorderrad eckig. Es stand zu lange. Vettel wurde von einem früh bremsenden Hamilton überrascht.

Wieso schieden Hülkenberg und Ericsson aus?

Marcus Ericsson stellte seinen Sauber nach 20 Runden ab. Ein Zusammenprall mit Romain Grosjean am Start kostete ihn einen großen Teil des Unterbodens. „Das Auto war danach unfahrbar. Der Abtriebsverlust war riesig“, erklärte Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Nico Hülkenberg gab in der 32. Runde auf. „Der Motor wurde zu heiß. Ich wusste nichts davon. Die Ingenieure haben versucht, es irgendwie hinzukriegen. Leider hat es nicht geklappt.“

GP Brasilien 2018: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:27:09.066 Std.
2. Max Verstappen Red Bull + 0:01.469 Min.
3. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:04.764
4. Daniel Ricciardo Red Bull + 0:05.193
5. Valtteri Bottas Mercedes + 0:22.943
6. Sebastian Vettel Ferrari + 0:26.997
7. Charles Leclerc Sauber + 0:44.199
8. Romain Grosjean HaasF1 + 0:51.230
9. Kevin Magnussen HaasF1 + 0:52.857
10. Sergio Perez Force India + 1 Runde
11. Brendon Hartley Toro Rosso + 1 Runde
12. Carlos Sainz Renault + 1 Runde
13. Pierre Gasly Toro Rosso + 1 Runde
14. Esteban Ocon Force India + 1 Runde
15. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
16. Sergey Sirotkin Williams + 2 Runden
17. Fernando Alonso McLaren + 2 Runden
18. Lance Stroll Williams + 2 Runden
19. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
20. Marcus Ericsson Sauber Ausfall
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