Trainingsanalyse GP Brasilien 2018

Vettel trotz Blasen auf den Reifen schnell

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Freitag - 9.11.2018 Foto: sutton-images.com 92 Bilder

Der Kampf um die Pole Position wird ein enges Rennen zwischen Ferrari und Mercedes. In den Longruns mischt auch noch Red Bull mit. Sebastian Vettels Ferrari brachte seine Hinterreifen mit Blasen ins Ziel. Doch das hat den Rundenzeiten nicht geschadet.

Die ersten drei Fahrer trennten nur 0,073 Sekunden. Das wird am Samstag eine enge Kiste zwischen Ferrari und Mercedes. Wenn es nicht regnet. Bei Nässe dürfte Mercedes die Nase vorne haben. Red Bull verlor auf eine Runde drei Zehntel auf den Tagesschnellsten Valtteri Bottas. Die Red Bull-Strategen fürchten, dass dieser Abstand noch anwächst, wenn die beiden anderen Teams an der Power-Schraube drehen.

Bei den Longruns liegt nicht viel zwischen den drei Topteams. Die Rennsimulationen sind allerdings schwer zu lesen, weil Red Bull seine Supersoft-Reifen gleich zu Beginn gefahren ist, während Lewis Hamilton und Sebastian Vettel mit Soft-Reifen in das zweite Training gingen. Das heißt: Unterschiedliches Grip-Niveau, unterschiedliche Tankfüllung. Dazu kommt, dass Hamilton und Verstappen deutlich weniger Supersoft-Runden gefahren sind als Vettel und Bottas.

Wir brauchen deshalb die Einschätzung eines Ingenieurs: „In den Longruns lag Ferrari knapp vor Red Bull und uns“, heißt es bei Mercedes. Noch ein Unterschied: Während die Mercedes und Red Bull ihre Reifen nach den Longruns in guten Zustand bei Pirelli ablieferten, zeigten die Hinterreifen von Vettel viele Blasen. Da es am Sonntag um 12 Grad wärmer werden soll als am Freitagnachmittag, müsste das ein beunruhigendes Zeichen für Ferrari sein. Ist es aber nicht. Vettel verlor trotz der Blasen kaum Rundenzeit. Und er meinte optimistisch nach dem Training: „Das kriegen wir in den Griff.“

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Hat Ferrari ein Reifenproblem?

Sebastian Vettel war von den Spitzenpiloten der einzige, der sichtbar Blasen auf den Hinterreifen in größerer Anzahl hatte. Auf den Soft-Reifen links hinten, auf den Supersoft-Sohlen links und rechts. Bei Valtteri Bottas entwickelte sich auf den Hinterreifen nur ein Hitzenest. Vettel war über den Zustand seiner Reifen nicht sonderlich beunruhigt, „obwohl sie ganz schön übel ausgesehen haben“.

Der WM-Zweite ging seine Longruns mit Bedacht sehr aggressiv an. Auf den Soft-Reifen mit 1.12,247 Minuten, auf den Supersoft mit 1.12,252 Minuten. Daniel Ricciardo dagegen legte die erste Supersoft-Runde mit 1.13,481 Minuten zurück. Beim Soft-Dauerlauf war er mit 1.12,771 Minuten in der ersten fliegenden Runde eine halbe Sekunde schlechter als Vettel. Auch Hamilton nahm es am Anfang gemütlicher als Vettel. Beim Soft-Reifen wurde die erste Runde mit 1.13,121 Minuten gestoppt, beim Supersoft-Dauerlauf mit 1.11,802 Minuten, allerdings gefolgt von einer 1.16er Abkühlrunde.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Freitag - 9.11.2018 Foto: sutton-images.com
Ferrari präsentierte sich am Trainingsfreitag in guter Verfassung.

Trotz der Blasen auf den Hinterreifen brachen bei Vettel die Zeiten nicht ein. Die Abnutzung der Reifen verlief linear. Erst in der 12. Runde lagen die Rundenzeiten beständig über der 1.13er Marke. Die 20. und letzte Runde des Supersoft-Longruns war nur acht Zehntel langsamer als die erste. Wie bei Hamilton, der allerdings eine zweite Abkühlrunde drehte und nur auf 12 statt auf 20 Runden kam. Red Bull dagegen war am Ende schneller als am Anfang. Da wog die abnehmende Spritmenge mehr als die Reifenabnutzung. Vettel war trotzdem nicht besorgt: „Wir sind die Longruns absichtlich ziemlich aggressiv angegangen, um zu sehen, wohin das führt. Das mit den Blasen auf den Hinterreifen kriegen wir in den Griff.“

2) Wie stark sind die Mercedes im Longrun?

Lewis Hamiltons Dauerläufe auf Soft und Supersoft sind in der Summe aller Eigenschaften etwas schlechter einzuschätzen als die von Vettel. Auf dem Medium-Reifen dagegen machte Mercedes die bessere Figur. Valtteri Bottas nahm Kimi Räikkönen bei einer vergleichbaren Anzahl von Runden im Schnitt vier Zehntel ab. Der Medium-Gummi ist auf die lange Distanz der beste Reifen. Ab Runde 18 fuhr Bottas mit der härtesten Mischung schneller als Vettel auf den Supersoft-Sohlen. Hamilton lobte, dass sich das Auto deutlich besser anfühlte als in Mexiko. „Wir müssen aber noch ein bisschen Rundenzeit finden, auch wenn es am Sonntag regnen könnte.

3) Kann Red Bull auch in Brasilien gewinnen?

Motorsportchef Helmut Marko zweifelt: “Momentan verlieren wir fünf Zehntel auf der Gerade. Wenn Mercedes und Ferrari aufdrehen, wird das mehr werden. Leider gibt es nur einen Sektor 2.„ Wäre inszeniertes Windschattenfahren eine Lösung? “Das klappt doch nie, wenn du es planst. Du kannst nur hoffen, dass du zufällig einen Windschatten bekommst„, winkt der Doktor ab. Max Verstappen verlor 43 Minuten des zweiten Trainings, weil ein Ölleck abgedichtet werden musste. Das wurde schon am Vormittag entdeckt. Die Reparatur zog sich wegen des eng gepackten Heckbereichs im Red Bull in die Länge. Marko verglich es mit einem Motorwechsel. “In der Qualifikation sind wir chancenlos. Aber im Rennen wird es eng.„

Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Freitag - 9.11.2018 Foto: xpb
Red Bull glaubt, auf eine Runde chancenlos zu sein, ist dafür aber optimistisch für das Rennen.

Daniel Ricciardo wird fünf Startplätze verlieren. Der Australier braucht einen sechsten Turbolader, weil der von Mexiko nach dem Kupplungsschaden zu viel Löschschaum geschluckt hat. Ein übereifriger Streckenposten versuchte einen Brand zu löschen, der keiner war. Ricciardo hätte zwar noch einen intakten Lader von seinem USA-Motor im Pool gehabt, doch dem misstraut Red Bull. Teamchef Christian Horner erklärt: “Der Lader war in der Antriebseinheit, bei der die Batterie kaputtgegangen ist. Nach unserer Erfahrung halten die Turbos danach maximal 400 Kilometer.„

4) Wer ist die Nummer 4?

Wenn das Freitagstraining maßgeblich ist, dann geht es zwischen den Ferrari-Kundenteams HaasF1 und Sauber um die beste Position im Mittelfeld. Auf eine Runde war HaasF1 um zwei Zehntel schneller. Die Longruns sprechen eher für Sauber. Charles Leclerc nahm Romain Grosjean auf dem Supersoft-Dauerlauf im Mittel eine halbe Sekunde pro Runde ab, brach aber schon nach 14 Runden ab, während der HaasF1-Pilot 18 Runden abspulte. Auf den Soft-Gummis hatte Grosjean um ein Zehntel die Nasse vorn. Den Vergleich auf den Medium-Reifen gewann Kevin Magnussen mit 1.13.162 Minuten zu 1.13,390 Minuten gegen Marcus Ericsson.

Force India könnte auch im Kampf um Platz 4 mitmischen. Esteban Ocon war mit Supersoft-Reifen langsamer als Leclerc, aber schneller als Grosjean. Auf der Mischung Soft war der Franzose fast zeitgleich mit Lerclerc, fuhr aber vier Runden mehr. Sergio Perez konnte nur einen Mini-Longrun mit 7 Runden auf den Supersoft-Reifen abspulen. Der Mexikaner stand wegen eines Problems mit der Servolenkung lange in der Garage. Ocon muss die bittere Pille am Sonntag schlucken. Der Franzose braucht von Ablauf des Zyklus von sechs Rennen ein neues Getriebe. Das bedeutet fünf Startplätze zurück. Renault kann wie erwartet auf eine Runde nicht mit HaasF1, Sauber und Force India mithalten, ist aber im Longrun bei der Musik. Das hilft bei schlechten Startplätzen aber nicht viel. Gegen die Kundenteams von Ferrari und Mercedes wird sich Renault schwertun, Boden gutzumachen.

Nico Hülkenberg - Renault - GP Brasilien 2018 - Freitagstraining Hülkenberg fliegt ab Ein Renault in Einzelteilen

5) Wo war die Honda-Power?

Die Toro Rosso landeten im hinteren Mittelfeld. Auf eine Runde und bei den Rennsimulationen. Sollte der neue Honda-Motor hier nicht seine Krallen zeigen? Die Antwort ist einfach. Toro Rosso setzte am ersten Trainingstag nur den alten Spec 2-Motor ein, um den Spec 3-Aggregaten Kilometer zu sparen. Beide Fahrer klagten zunächst über Untersteuern, das die Ingenieure aber im Verlauf des zweiten Trainings immer besser in den Griff bekamen. Mit mehr Power am Samstag könnte Pierre Gasly ein Kandidat für die Top Ten werden.

6) Was passierte bei Nico Hülkenberg?

Nico Hülkenberg kam beim Rausbeschleunigen aus Kurve 13 zu weit auf das Gras. Sein Renault entgleiste, schlug erst mit dem rechten Hinterrad, dann mit dem rechten Vorderrad in die Leitplanke ein. Der Aufprall war mit 32 g ziemlich heftig. Dem Fahrer hat es nicht geschadet, dem Getriebe aber schon. Macht nichts, ist ja nur das Freitags-Getriebe. Hülkenberg schilderte den Unfall aus der Cockpitperspektive so: “Ich bin ein bisschen zu weit raus auf das Gras gekommen. Dort hat das Auto aufgesetzt und weil die Strecke da ein bisschen nach außen abfällt, gab es kein Halten mehr.„

Longrun-Analyse GP Brasilien 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Hamilton 1.12,354 12 supersoft
2. Räikkönen 1.12,911 5 supersoft
3. Verstappen 1.12,926 11 supersoft
4. Vettel 1.12,933 20 supersoft
5. Sainz 1.12,947 8 supersoft
6. Ricciardo 1.13,222 15 supersoft
7. Bottas 1.13,390 18 supersoft
8. Lecerc 1.13,500 14 supersoft
9. Perez 1.13,589 7 supersoft
10. Hartley 1.13,647 7 supersoft
11. Ocon 1.13,892 13 supersoft
12. Alonso 1.13,922 9 supersoft
13. Grosjean 1.14,029 18 supersoft
14. Magnussen 1.14,114 20 supersoft
15. Ericsson 1.14,181 16 supersoft
16. Sirotkin 1.14,396 14 supersoft
17. Gasly 1.14,506 19 supersoft
18. Stroll 1.14,629 14 supersoft
1. Ricciardo 1.12,422 14 soft
2. Verstappen 1.12,548 9 soft
3. Vettel 1.12,699 12 soft
4. Hamilton 1.13,225 12 soft
5. Grosjean 1.13,341 14 soft
6. Leclerc 1.13,403 13 soft
7. Sirotkin 1.13,467 17 soft
8. Ocon 1.13,470 15 soft
9. Sainz 1.13,971 12 soft
10. Vandoorne 1.14,174 7 soft
11. Hartley 1.14,757 20 soft
1. Bottas 1.12,533 19 medium
2. Räikkönen 1.12,985 18 medium
3. Magnussen 1.13,162 6 medium
4. Ericsson 1.13,390 6 medium
5. Gasly 1.13,522 9 medium
6. Alonso 1.13,624 9 medium
7. Stroll 1.13,895 20 medium
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