GP China 2018 Analyse Training

Ferrari sucht noch Balance

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: Ferrari 75 Bilder

Die Longruns vom Trainingsfreitag in China versprechen wieder gute Unterhaltung für den Sonntag. Diemsal mit leichten Vorteilen für Mercedes. Ferrari kämpft noch mit dem Setup. Red Bull hofft einfach auf ein unfall- und defektfreies Rennen.

Wenn der Freitag ein guter Fingerzeig für den Sonntag ist, dann könnte auch der GP China ein gutes Rennen werden. Auf eine Runde staffeln sich die ersten 5 Fahrer innerhalb von 0,341 Sekunden. Mercedes knapp vor Ferrari und Red Bull. Ferrari verliert seine Zeit in den Kurven und holt sie auf den Geraden zurück. „Wir sind nur in Kurve 1 und 2 langsamer als Ferrari. Alle anderen Kurven gehören uns“, liest Mercedes-Teamchef Toto Wolff aus den GPS-Messungen. Auf den Geraden hat Ferrari wie in Bahrain die Nase vorn. Bei der Motorleistung ist das Pendel Richtung Rot umgeschlagen.

Die Red Bull sind wie erwartet stark in den Kurven, verlieren im dritten Sektor mit der langen Geraden ganze 3 Zehntel. Auf eine Runde ein Nachteil, in den Rennsimulationen nicht mehr. Max Verstappen war über 12 Runden auf dem Ultrasoft-Reifen im Schnitt nur zwei Hundertstelsekunden langsamer als Lewis Hamilton über 10 Runden. Auf dem Soft-Gummi beträgt der Unterschied 2 Zehntel zugunsten des Mercedes. Wieder zeigt sich: Die Silberpfeile fühlen sich auf den harten Mischungen tendenziell wohler.

Ferrari baut am Ende des Stints ab

Ferrari - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: sutton-images.com
Bei Ferrari litten die Reifen unter der schlechten Balance.

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko war zwar mit den Longruns seiner Fahrer zufrieden, doch der Grazer grantelte: „Wir hatten auch bei den ersten zwei Rennen ein schnelles Auto. Aber um das zu zeigen, musst du das Rennen erst einmal fahren.“ Soll heißen: keine Unfälle, keine Defekte. Max Verstappen leistete sich im ersten Training einen Ausrutscher, Daniel Ricciardos schnellste Runde wurde von einem Schluckauf im Turbolader gebremst. „Irgendwas mit dem Motorenkennfeld hat nicht gestimmt. Der Turbolader gab nicht die volle Leistung ab“, verriet Marko.

Mercedes knüpfte in China wieder an die alte Form an. Auf eine Runde und in den Dauerläufen. Die Reifenprobleme von Bahrain wiederholten sich bis jetzt nicht. Was daran liegt, dass der Kurs von Shanghai mehr die Vorderreifen fordert und dass die Asphalttemperaturen nur knapp über 20 Grad lagen. „Am Sonntag soll es wärmer werden. Es bleibt also ein Fragezeichen, was dann passiert“, meinten die Ingenieure.

Die Ferrari-Piloten kämpften noch mit der Fahrzeugbalance: „Diesmal eher Übersteuern als Untersteuern“, erklärte Vettel. „Wir haben das Setup noch nicht voll getroffen. Noch macht mein Auto nicht, was ich will.“ Dafür waren die Longrun-Zeiten des WM-Spitzenreiters respektabel. Auf den Ultrasoft-Reifen verlor Vettel 0,237 Sekunden auf Hamilton. „Da hatte ich auch noch Hülkenberg im Weg.“

Mit den Medium-Reifen war er schneller als Valtteri Bottas. Da der Longrun mit der härtesten Mischung gegen Ende des Trainings stattfand, glauben die Mercedes-Strategen, dass Vettels Ferrari leichter war als der Mercedes von Bottas. Der Regen stoppte die Dauerläufe 11 Minuten vor der Zielflagge.

Bei genauer Durchsicht der Rennsimulationen fällt auf, dass Ferrari wie schon in Bahrain stark beginnt und nach hinten abbaut. „Diesmal etwas zu viel, besonders mit den Ultrasoft-Reifen. Daran müssen wir arbeiten“, bemängelte Vettel. Mercedes und Red Bull hielten ihre Reifen besser in Schuss.

Toro Rosso nicht so stark wie in Bahrain

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: sutton-images.com
Renault kämpft gegen Haas und McLaren um die Spitze im Mittelfeld.

Im Mittelfeld zeigten McLaren, Renault und HaasF1 eine fast gleichwertige Leistung. Bei McLaren fehlt es erneut auf eine Runde, doch in der Rennsimulation auf den Ultrasoft-Gummis rangiert der Spanier im Renault-Sandwich und vor Romain Grosjean im HaasF1. Nico Hülkenberg war mit einer Ausnahme zufrieden: „Wir hatten einen unserer besseren Freitage. Nur die Ultrasoft-Reifen haben für meinen Geschmack ein bisschen zu stark abgebaut.“ Pirellis weichste Mischung im Angebot zeigte an den Renault links vorne Tendenzen zum Körnen. „Das wird verschwinden, wenn es am Sonntag wärmer wird“, glaubt Einsatzleiter Alan Permane.

Toro Rosso wird sich schwer tun, die Leistung von Bahrain zu wiederholen. „Die Toro Rosso verlieren in den Sektoren 1 und 3 noch zu viel Zeit. Hier wird es zäher.“, fürchtet Marko. Der Doktor sieht aber auch Lichtblicke. „Gasly ist einen Longrun auf Ultrasoft-Reifen mit 1.39er Zeiten am Ende gefahren. Auf eine Runde liegt er hart an der Q3-Grenze.“

Darauf hofft auch Force India. „Wir sind ungefähr dort, wo wir in Bahrain waren. Es könnte für die Top Ten reichen“, hofft Technikchef Andy Green. Der WM-Vierte des Vorjahres machte mit einem modifizierten Diffusor erneut kleine Fortschritte, aber nicht genug, um an der Spitze des Verfolgerfeldes zu fahren. Der neue Frontflügel kommt erst in Barcelona wieder zum Einsatz. „Vorher müssen wir das Hauptproblem lösen, das uns bremst. Das Auto ist instabil im Heck. Wenn du hinten zu wenig Abtrieb hast, macht ein stärkerer Frontflügel keinen Sinn.“

Einstopp geht, aber ohne Ultrasoft-Reifen

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: sutton-images.com
Wie sieht die beste Taktik für Sonntag aus? Zweistopp oder Einstopp?

Auch der GP China könnte ein Rennen an der Grenze zwischen einem und zwei Stopps werden. Deshalb haben fast alle Teams zuerst einmal ihre Longruns mit der weichsten Reifenmischung aus dem Pirelli-Sortiment abgespult. Um herauszufinden, ob der Ultrasoft ein guter Rennreifen ist und wie weit er trägt.

Toro Rosso zeigte, dass 16 Runden möglich sind. Wenn das Auto entsprechend abgestimmt ist, brechen die Ultrasofts noch nicht einmal dramatisch ein. Bei den Top-Teams ist das eine andere Geschichte. Mehr Abtrieb erwärmt die Reifen stärker von innen. Das könnte bei höheren Asphalttemperaturen für Probleme sorgen.

Wer sich in den Top Ten qualifiziert, ist gefangen. Er muss dann mit Ultrasoft-Reifen ins Rennen gehen, außer er übersteht das Q2 auf Soft-Reifen. Da könnte bei einem Delta von 0,9 Sekunden zwischen Ultrasoft und Soft selbst für die Top-Teams zum Problem werden. „Deshalb sind der elfte und zwölfte Platz wegen der freien Reifenwahl gar nicht so schlecht“, meint Green.

Eine Ein-Stopp-Taktik mit einem Ultrasoft-Reifen wird ein riskanter Balanceakt. Der Force India-Ingenieur rechnet damit, dass es wie in Bahrain mehrere Strategien geben wird. Es sieht so aus, als würde Sauber erneut ein Einstopprennen planen. Marcus Ericsson und Charles Leclerc spulten ihre Longruns nur auf Soft- und Medium-Reifen ab.

In der Galerie zeigen wir die besten Bilder vom Freien Training in Shanghai.

Longrun-Analyse GP China 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Hamilton 1.39,075 10 ultrasoft
2. Verstappen 1.39,095 12 ultrasoft
3. Ricciardo 1.39,157 9 ultrasoft
4. Bottas 1.39,212 9 ultrasoft
5. Vettel 1.39,282 8 ultrasoft
6. Sainz 1.39,833 12 ultrasoft
7. Alonso 1.39,721 7 ultrasoft
8. Hülkenberg 1.39,892 12 ultrasoft
9. Grosjean 1.39,988 7 ultrasoft
10. Ocon 1.39,992 9 ultrasoft
11. Gasly 1.40,060 16 ultrasoft
12. Perez 1.40,102 9 ultrasoft
13. Magnussen 1.40,286 12 ultrasoft
14. Stroll 1.40,511 9 ultrasoft
15. Hartley 1.40,618 15 ultrasoft
16. Sirotkin 1.41,266 11+8 ultrasoft
1. Hamilton 1.37,948 7 soft
2. Verstappen 1.38,149 5 soft
3. Ricciardo 1.38,474 7 soft
4. Räikkönen 1.38,991 5+6 soft
5. Perez 1.38,997 10 soft
6. Grosjean 1.39,079 6 soft
7. Hülkenberg 1.39,140 9 soft
8. Ocon 1.39,304 9 soft
9. Hartley 1.39,384 10 soft
10. Vandoorne 1.39,773 12 soft
11. Ericsson 1.40,286 11 soft
1. Vettel 1.38,366 6 medium
2. Bottas 1.38,466 9 medium
3. Sainz 1.39,842 10 medium
4. Leclerc 1.40,550 11 medium
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@Sunbather
Totalmente de acuerdo con el diagnostico.

Volvo T6 13. April 2018, 19:49 Uhr
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