Rennanalyse GP Deutschland

Australische Taxis und deutsche Dreher

Fernando Alonso Foto: Wolfgang Wilhelm 58 Bilder

Der GP Deutschland bot viel mehr als nur den spannenden Dreikampf um den Sieg. In der Rennanalyse klären wir die wichtigsten Fragen vom Formel 1-Spektakel am Nürburgring.

Warum gewann Hamilton den Dreikampf mit Alonso und Webber?

McLaren brachte ein Wunder zustande. Freitags noch nirgendwo, am Sonntag ganz oben auf dem Podium. Das Geheimnis des Wunders ist schwarz und trägt einen Pirelli-Schriftzug. Dass der aggressive Fahrstil Hamiltons in Kombination mit der speziellen McLaren-Chrakteristik die Reifen schnell auf Temperatur bringt, ist bekannt. Das war bei den kühlen Bedingungen am Nüburgring besonders hilfreich. In Valencia waren die Reifen zuletzt zu heiß, in Silverstone danach zu kalt. In der Eifel haben die Ingenieure das Fenster genau getroffen.

Die große Frage lautet dabei: Wie hat es McLaren geschafft, dass die Gummis trotz des schnellen Aufheizens nicht zu früh in die Knie gehen? Eine Antwort darauf liegt im Layout der Strecke. Im Gegensatz zu Silverstone hat der Traditionskurs in der Eifel kaum schnelle Kurven, die den Reifen übermäßig zusetzen. Die kühlen Witterungsbedingungen haben ebenfalls zur höheren Lebensdauer beigetragen. Und die Auspuffgase, die nun auch wieder beim Gaswegnehmen Abtrieb spenden durften, waren für McLaren besonders nützlich.

Warum verweigerte Vettel die Red Bull-Anweisungen?

Sebastian Vettel hing in den letzten Runden direkt im Getriebe von Felipe Massa. Beide mussten noch einmal zum Stopp. Die Entscheidung musste also an der Box fallen. Zwei Runden vor dem Ziel funkte der Kommandostand Vettel ins Cockpit, dass er genau das Gegenteil von Massa machen soll. Geht der Ferrari zum Reifenwechsel, solle er draußen bleiben. Fährt Massa weiter, solle er reinkommen. Doch Vettel hielt sich nicht daran.

"Wir haben vorher schon gesehen, dass diese Strategie nicht aufgeht. Außerdem war ich ganz nah hinter Felipe und dachte, ich könne auf der Strecke überholen", begründete der Weltmeister seine Entscheidung. Er wartete zusammen mit Massa bis zur letzten Runde und stoppte parallel zu seinem Kontrahenten. Am Ende spielte es keine Rolle. Eine verklemmte Radmutter am Ferrari sorgte für die Entscheidung zugunsten von Vettel.

Warum rutschten Vettel und Schumacher an der gleichen Stelle raus?

Viele Fans auf den gut gefüllten Tribünen drückten den beiden deutschen Weltmeistern Sebastian Vettel und Michael Schumacher die Daumen. Doch beiden Nationalhelden wurde die RTL-Kurve (Turn 10) zum Verhängnis. Vettel rutschte in der neunten Runde aus, Schumi erwischte es 14 Umläufe später an exakt der gleichen Stelle. Schumacher verlor dabei rund 15 Sekunden. Vettel rettete sich mit nur sechs Sekunden Zeitverlust zurück auf die Piste. Und beide Fahrer wussten nicht, wie Ihnen geschah, als sie mit dem rechten Vorderrad leicht die Wiese touchierten.

Bei trockener Strecke hatten sie nicht erwartet, dass der Bereich neben dem Asphalt so wenig Grip bot. Die Antwort ist simpel: Minuten vor dem Start hatte es noch geregnet, die Wiese am Streckenrand war dadurch noch leicht nass. "Das hat mich komplett überrascht", gab Schumacher zu. "Es ist bekannt, dass dieser Punkt bei feuchten Bedingungen tückisch ist, auch wenn es heute eigentlich gar nicht nass war." Auch Vettel wurde kalt erwischt: "Ich war gedanklich wohl schon in der nächsten Kurve."

Warum musste Fernando Alonso seinen Ferrari abstellen?

Ferrari machte nach dem Rennen ein großes Geheimnis darum, warum Fernando Alonso seinen Dienstwagen nach der Ziellinie ohne Vorwarnung abstellen musste. Zunächst ging man von einer Vorsichtsmaßnahme wegen technischer Probleme aus. Später deutete Stefano Domenicali an, dass die Ingenieure befürchteten, nicht mehr genügend Sprit für die FIA Probe bereithalten zu können. "Es muss noch ein Liter Sprit vorhanden sein", erklärte der Ferrari-Teamchef. "Das ist alles erledigt. Es gibt keine Probleme."

Die FIA unternahm übrigens auch nichts gegen Mark Webber, der Alonso auf dem Seitenkasten zur Siegerehrung transportierte. Eigentlich schreiben die Regeln vor, dass die Autos nach dem Rennen auf direktem Wege zum Parc Fermé kommen müssen. Wie Webber die Situation so schnell erkennen konnte, war auch Alonso ein Rätsel. "Ich weiß nicht, woher er gewusst hat, dass ich den Motor abstelle. Vielleicht hat er eine Funkverbindung zu meinem Ingenieur."

War die Strafe gegen Sebastien Buemi berechtigt?

Sebastien Buemi wurde an diesem Wochenende gleich zwei Mal bestraft. Nach der fehlerhaften Benzinprobe im Qualifying gab es von der FIA am Sonntag nach dem Rennen erneut Post. Der Inhalt war wenig erfreulich: In Budapest muss der Schweizer fünf Plätze weiter hinten starten, weil er sich nach Ansicht der Stewards im Duell mit Nick Heidfeld zu rüde verhalten hat.

Dabei war das Manöver durchaus strittig. Buemi hatte die Nase vorne und konnte Heidfeld im toten Winkel nicht erkennen. Allerdings war klar, dass der Renault auf der Außenseite lauert. Buemi hätte mehr Platz lassen müssen. Die Rennleitung bemängelte zudem, dass der Toro Rosso zuvor die Spur gewechselt hat und keine feste Linie verteidigte. Allerdings wechseln die Autos bei der Anfahrt auf die Schikane fast automatisch die Straßenseite. Sicher lässt sich die Einschätzung der Stewards nachvollziehen, dass Buemi die Hauptschuld an dem spektakulären Crasg trägt. Allerdings war der Youngster mit dem Reifenschaden hinten rechts eigentlich schon genug gestraft. Mit etwas Fingerspitzengefühl hätte man auch auf weitere Sanktionen verzichten können.

In unserer Fotogalerie haben wir für Sie noch einmal die besten Bilder des Rennens.

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