Trainingsanalyse GP Deutschland 2018

Ricciardo schneller als Hamilton & Vettel

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Formel 1 - Freitag - 20.7.2018 Foto: sutton-images.com 108 Bilder

Das könnte ein Highlight des Rennens werden. Daniel Ricciardo wird beim GP Deutschland aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen. Im Longrun war der Australier klar die Nummer eins im Feld. Die WM-Kandidaten Sebastian Vettel und Lewis Hamilton lagen gleichauf.

Der absolute Pole Position-Rekord von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 ist gebrochen. Die schnellste Runde gehört jetzt Max Verstappen. Seine Bestzeit von 1.13,085 Minuten im zweiten Training war um 0,121 Sekunden schneller als der alte Rekord. Die Runde entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,304 km/h. Weil die Zeit in einem freien Training erzielt wurde, ist sie inoffiziell. Schumachers Bestwert wird nur überleben, wenn es am Samstag regnet. Die Wetterfrösche prophezeien, dass es so kommen könnte.

Auch in den Longruns war Red Bull die Nummer eins. Daniel Ricciardo kam über 15 Runden auf Soft-Reifen auf einen Mittelwert von 1.17,760 Minuten und war damit vier Zehntel schneller als die Mercedes und Ferrari auf Ultrasoft-Reifen. Dummerweise startet Ricciardo am Sonntag aus der letzten Reihe. „Im Moment stehen wir bei 30 Plätzen Strafe“, lächelt Motorsportdirektor Helmut Marko gequält. Wie viele Komponenten tatsächlich gewechselt werden, ist in diesem Jahr egal. Ricciardo muss auf jeden Fall in die letzte Reihe.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Deutschland - Hockenheim - Formel 1 - Freitag - 20.7.2018 GP Deutschland 2018 - Rennen Hamilton gewinnt irres Rennen

Das große Delta kann damit zu tun haben, dass Red Bull mit Ricciardo alternativ taktieren will. Das würde zwei Stopps bedeuten. In diesem Fall hätte Ricciardo weniger Benzin an Bord gehabt. Das aber soll die Dauerlauf-Qualitäten des Red Bull nicht schmälern. „Es sieht so aus, als könnten die Red Bull hier vorne mitfahren“, urteilt auch Sebastian Vettel. Dem WM-Spitzenreiter und seinem Gegner Lewis Hamilton gelang etwas, das statistisch ein echtes Kuriosum ist. Vettel und Hamilton schafften beim Ultrasoft-Longrun mit 1.18,113 Minuten die absolut identische Durchschnittszeit. Hamilton war allerdings vier Runden länger auf der Strecke.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Wer ist stärker: Mercedes oder Ferrari?

Das ist eine ganz enge Kiste. In der schnellsten Runde lag Hamilton um knapp zwei Zehntel vor Vettel. „Ich habe die letzten zwei Kurven nicht optimal erwischt“, entschuldigte sich Vettel. Gleichstand dafür bei den Longruns. Auf den Ultrasoft-Reifen fuhren Vettel und Hamilton mit 1.18,113 absolut identische Zeiten. Hamilton war allerdings vier Runden länger unterwegs. Im Vergleich mit den Medium-Gummis liegt der Vorteil leicht bei Vettel. Hamilton war im Schnitt mit 1.18,219 Minuten zwar marginal schneller als Vettels Mittelwert von 1.18,237 Minuten, aber Vettels Reifen hatten danach 21 Runden auf der Lauffläche und Hamilton Sohlen nur 13 Runden.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Deutschland - Hockenheim - Formel 1 - Freitag - 20.7.2018 Foto: sutton-images.com
Die WM-Rivalen liegen bei den Longruns praktisch gleichauf.

Ähnlich eng ging es bei den Domestiken der Königsfiguren im WM-Duell zu. Valtteri Bottas lag auf den Ultrasoft-Reifen mit 1.18,389 Minuten knapp vor Kimi Räikkönen mit 1.18,485 Minuten. Der Ferrari-Pilot fuhr drei Runden länger. Umgekehrtes Bild auf den Soft-Reifen. Räikkönen gewann nach der Rundenzeit den Vergleich mit 1.18,300 zu 1.18,422 Minuten. Bottas hielt aber vier Runden länger durch. Beim GPS-Vergleich verliert Mercedes erneut massiv Zeit auf den Geraden. Die roten Autos nehmen den Silberpfeilen wie schon in Silverstone und auf dem Red Bull-Ring im zweiten Teil der Vollgasabschnitte insgesamt drei Zehntel ab. Das müssen Hamilton und Bottas in den Kurven wieder gutmachen.

2) Blasen auf den Hinterreifen: Muss sich Vettel Sorgen machen?

Fast alle Fahrer hatten mit Blasen auf dem linken Hinterreifen zu kämpfen. Am schlimmsten erwischte es die Renault-Piloten. Bei Vettel warfen die Reifen früher Blasen als bei Hamilton. Hat der Mercedes damit wie in Silverstone das reifenschonendere Auto? Die Ingenieure messen dem Reifenbild vom Freitag nicht allzu große Bedeutung zu. „Heute war es heißer als es am Sonntag sein wird. Und das Renntempo wird nicht so hoch sein wie am Freitag. Deshalb erwarten wir für den Sonntag keine großen Probleme mit Blasen.“ Pirelli-Technikchef Mario Isola fügt hinzu: „Wenn es am Samstag regnet, wäscht es Gummi von der Bahn. Zusammen mit tieferen Temperaturen am Sonntag hilft das den Ultrasoft-Reifen. Wenn es zu Blasenbildung kommt, wird das die Fahrer kaum behindern. Es kann nur sein, dass der Verschleiß steigt.“

3) Was war mit Max Verstappen los?

Die ganze Longrun-Arbeit bei Red Bull lag auf den Schultern von Daniel Ricciardo. Der Australier fuhr am Freitag mit der dritten Einheit von Motor, Turbolader und MGU-H, war damit also noch im legalen Bereich. Die dritte MGU-K, Batterie und Leistungselektronik, die schon vor dem ersten Training eingebaut wurde, überschreitet das Kontingent bereits. Am Samstag folgen dann noch die vierten Einheiten der restlichen Komponenten. Max Verstappen legte im zweiten Training nur 18 Runden zurück und damit gerade Mal das halbe Kontingent seiner Kollegen. Der Holländer verlor 25 Minuten, weil ein Ölleck abgedichtet werden musste. Die gute Nachricht: Der Motor nahm keine Schaden.

Red Bull überraschte sich selbst. „Wir konnten den Zeitverlust auf den Geraden im Motodrom kompensieren“, lobte Helmut Marko. Verstappen sprach von einer „schönen Überraschung“, meinte aber, dass sich das Bild noch zugunsten von Mercedes und Ferrari drehen könnte, wenn die am Samstag an der Power-Schraube drehen. „Im Rennen könnte es besser aussehen. Das Auto ist gut balanciert und fühlt sich gut an.“ GPS-Messungen entlarven, dass Red Bull auf allen Geraden zwei Zehntel verliert, die Zeit aber wieder in den Kurven 12, 16 und 17 gutmacht. Zur besseren Orientierung: T12 ist die Einfahrt ins Motodrom, T16 und T17 sind die beiden Zielkurven.

4) Warum ist Force India im Aufwind?

Force India war auf eine Runde nur das viertschnellste Auto im Mittelfeld hinter den HaasF1, Sauber und Renault. Doch Sergio Perez verlor zwei Zehntel im Verkehr. Mit einer sauberen Runde hätte der Mexikaner die Zeit von Charles Leclerc fahren können. Und Esteban Ocon steckte noch die verlorene Trainingszeit von der ersten Sitzung in den Schuhen. In seinem Auto saß Nicholas Latifi. Bei den Longruns drehte sich das Bild um. Da lag Force India mit Ultrasoft-Soft und Soft-Reifen vor seinen direkten Konkurrenten. Die Dauerlauf-Zeiten von Carlos Sainz sind mit Vorsicht zu genießen. Das Strategieprogramm rechnete hier großzügigerweise zu viele von den langsamen Runden heraus und schönte somit den Durchschnitt.

Sergio Perez - Force India - GP Deutschland - Hockenheim - Formel 1 - Freitag - 20.7.2018 Foto: xpb
Force India überzeugte bei den Longruns.

Das lässt auch der relativ schwache Longrun des Spaniers auf Medium-Reifen vermuten. Teamkollege Nico Hülkenberg bestätigte: „Das Auto ist noch nicht so zusammen wie wir uns das vorstellen.“ Bis jetzt hat der neue Frontflügel also noch nicht für die gewünschten Ergebnisse gesorgt. Bei Sauber dagegen scheint auch das jüngste Upgrade zu funktionieren. Leclerc landete in beiden Trainings in den Top Ten. Der Monegasse rangiert auch bei den Rennsimulationen im Mittelfeld. Die HaasF1 halten im Dauerlauf nicht, was sie auf eine Runde versprechen.

5) Wie schnell ist Hockenheim mit den breiten Reifen?

Max Verstappens Bestzeit entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,304 km/h. Die Pole Position von 2016 war um vier km/h langsamer. Nico Rosbergs Runde in Geschwindigkeit ausgedrückt: 221,432 km/h. Damals waren die Autos noch 1,80 Meter breit. Inzwischen sind es zwei Meter. Doch wie schnell sind die breiten Autos mit den breiten Reifen tatsächlich? Wir haben die GPS-Daten: Die Schnellsten fahren mit 270 km/h durch die erste Kurve und biegen mit 260 km/h ins Motodrom ein. In den beiden Rechtskurven vor der Zielgeraden werden 210 km/h gemessen.

6) Was bringt der Sprung vom Soft zum Ultrasoft-Reifen?

Der Sprung ist gar nicht so groß. Er liegt bei rund 0,6 Sekunden. Da der Abstand zum Mittelfeld immer noch 1,4 Sekunden beträgt, wäre es für die drei Topteams immer noch möglich, mit Soft-Reifen durch das Q2 zu kommen und damit auf der mittleren Mischung zu starten. Die Frage ist, ob man das überhaupt will. Fast alle Teams meinten übereinstimmend: „Der Ultrasoft ist ein guter Rennreifen.“ Auch mit der weichsten Gummimischung könnte man ein Einstopp-Rennen fahren. Hülkenberg hielt trotz Blasen auf den Hinterreifen immerhin 22 Runden durch.

Longrun-Analyse GP Deutschland 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Hamilton 1.18,113 13 ultrasoft
2. Vettel 1.18,113 9 ultrasoft
3. Bottas 1.18,389 11 ultrasoft
4. Räikkönen 1.18,485 14 ultrasoft
5. Sainz 1.18,784 8 ultrasoft
6. Perez 1.18,928 12 ultrasoft
7. Hartley 1.19,301 16 ultrasoft
8. Ocon 1.19,307 9 ultrasoft
9. Alonso 1.19,310 12 ultrasoft
10. Gasly 1.19,371 10 ultrasoft
11. Hülkenberg 1.19,431 22 ultrasoft
12. Magnussen 1.19,620 12 ultrasoft
13. Leclerc 1.19,843 8 ultrasoft
14. Sirotkin 1.19,905 10 ultrasoft
15. Stroll 1.20,080 9 ultrasoft
16. Ericsson 1.20,194 7 ultrasoft
17. Vandoorne 1.20,489 11 ultrasoft
1. Ricciardo 1.17,760 15 soft
2. Räikkönen 1.18,300 12 soft
3. Bottas 1.18,422 16 soft
4. Perez 1.18,932 10 soft
5. Ocon 1.19,332 7 soft
6. Alonso 1.19,336 5 soft
7. Ericsson 1.19,566 13 soft
8. Magnussen 1.19,686 8 soft
9. Sirotkin 1.20,374 15 soft
1. Hamilton 1.18,219 13 medium
2. Vettel 1.18,237 21 medium
3. Ricciardo 1.18,504 15 medium
4. Hartley 1.19,456 14 medium
5. Leclerc 1.19,673 17 medium
6. Sainz 1.19,811 16 medium
7. Grosjean 1.19,876 11 medium
8. Stroll 1.19,911 12 medium
9. Gasly 1.20,026 19 medium
10. Vandoorne 1.20,502 4 medium
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