Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim 2019 xpb
Pierre Gasly - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Freitag - 26.07.2019
Pierre Gasly - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Freitag - 26.07.2019
Pierre Gasly - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Freitag - 26.07.2019
Pierre Gasly - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Freitag - 26.07.2019 81 Bilder

Trainingsanalyse GP Deutschland 2019

Hitze macht Ferrari stark

Ferrari räumte am ersten Trainingstag alle Bestzeiten ab. Der Hitze sei Dank. Mercedes lässt sich von der Ferrari-Show nicht schrecken. Ab Samstag sollen die Temperaturen deutlich sinken. Dann werden die Karten neu gemischt.

Der Preis für die schnellsten Runden ging an Ferrari. Sebastian Vettel und Charles Leclerc landeten in beiden Trainingssitzungen einen Doppelsieg. Am Morgen Vettel vor Leclerc, am Nachmittag umgekehrt. Bei tropischer Hitze verfehlte der Tagesschnellste die letztjährige Pole Position um 2,2 Sekunden. Wegen der großen Hitze waren die Autos mit maximalen Kühlöffnungen unterwegs. Das kostete Abtrieb. Die Motoren liefen im Schmalspur-Modus. Das kostete Leistung. Wegen der eingeschränkten Aussagekraft müssen sich die Ingenieure von Mercedes, Racing Point, Toro Rosso, HaasF1 und Williams bis Samstag gedulden, um den Fortschritt ihrer Upgrades mit den Windkanaldaten abzugleichen.

Die Rennsimulationen am Freitagnachmittag würden ein repräsentatives Bild abgeben, würde die Hitze über Hockenheim bis zum Sonntag bleiben. Doch im Rennen soll es um bis zu 15 Grad kälter sein. Deshalb muss Ferrari nicht automatisch der Favorit sein. Die roten Autos profitieren normalerweise von hohen Temperaturen. Und Mercedes leidet darunter. Die Silberpfeile können dann nicht so wie sonst ihre Qualitäten bei der Aerodynamik und der Reifennutzung ausspielen. Red Bull wurde unter Wert geschlagen. Ausrutscher und ein massiver Unfall von Pierre Gasly störten das Trainingsprogramm. Und sie ließen das Ersatzteillager weiter schrumpfen.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1.) Was bedeutet die Bestzeit von Ferrari?

Ferrari profitierte wie üblich von der Hitze. Dann gibt es keine Probleme, die Reifen in ihr Fenster zu bringen. „Wenn es so heiß bliebe, müssten wir uns vor Ferrari in Acht nehmen. Auf eine Runde waren sie schneller, in den Longruns gleich gut“, heißt es bei Mercedes. Ferrari experimentierte am ersten Trainingstag mit unterschiedlichen Abstimmungen. Charles Leclerc fuhr mit etwas steilerem Frontflügel-Flap und daher mehr Abtrieb auf der Vorderachse.

Das erklärt auch die großen Tempounterschiede in den Kurven 1 und 12. Ausgangs Motodrom war Vettel um 8 km/h schneller als Leclerc. Der junge Kollege nahm ihm dafür in der Kurve ins Motodrom rein 15 km/h ab. „Das liegt an der unterschiedlichen Abstimmung“, erklärte Vettel. Der Lokalmatador gab aber auch zu: „Meine schnellste Runde war nicht speziell. Das geht besser.“ Leclerc war um 0,124 Sekunden schneller. Im Soft-Longrun drehte Vettel die Reihenfolge um. Er fuhr seine 11 Runden mit einem Schnitt von 1.19,389 Minuten allerdings erst in der zweiten Hälfte des Trainings, während Leclerc gleich am Anfang mit mehr Benzin an Bord mit Pirellis weichster Mischung ausrückte, damit aber nur sechs Runden auf der Strecke blieb.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim 2019
Wilhelm
Lewis Hamilton landete zwei Mal auf dem dritten Platz.

2.) Wie viel hat Mercedes in der Hinterhand?

Mercedes konnte die Niederlage am ersten Trainingstag verkraften. Lewis Hamilton lag auf Sichtweite der Ferrari. Valtteri Bottas verlor auf dem letzten Kilometer der Strecke eine halbe Sekunde. Bis zur Sachskurve lag der Finne praktisch gleichauf mit seinem Teamkollegen. Wie üblich verloren die Mercedes wieder massiv auf den Geraden auf Ferrari. Die roten Raketen waren um eine halbe Sekunde schneller, büßten diesen Vorsprung aber in den langsamen und mittelschnellen Kurven fast zur Gänze wieder ein.

Ob das große Aero-Upgrade so eingeschlagen ist wie von den Daten versprochen, lässt sich erst am Samstag sagen. „Wir sind wegen der Hitze ziemlich offen gefahren. Das ist nicht repräsentativ“, meinten die Ingenieure. Es gab allerdings auch keinerlei Anzeichen, dass etwas nicht funktioniert, wie es soll. Mercedes zählte neben Racing Point und Haas zu den drei Teams, die schon am Vormittag bei sechs Grad kühleren Temperaturen einen Longrun absolviert haben. Wir haben die beiden Medium-Rennsimulationen in unsere Zeiten-Tabelle mit eingefügt.

3.) Hat Red Bull ein Problem?

Ein Red Bull auf Platz 5, der andere in der Mauer. Max Verstappen verlor sechs Zehntel auf die Ferrari und eine halbe Sekunde auf Lewis Hamilton. Trotzdem meinte Sportdirektor Helmut Marko vorsichtig optimistisch: „Es ist sowohl auf eine Runde als auch im Longrun nicht so schlecht gelaufen.“ Der große Abstand in der schnellsten Runde erklärt sich mit diversen Problemen. Ein Mal musste Honda beide Fahrer an die Boxen rufen. An beiden Motoren mussten die Kennfelder geändert werden. Das ging nur in der Garage.

Im zweiten Anlauf beschädigte sich Max Verstappen den Frontflügel auf den Randsteinen der Kurven 6 und 13. „Wir haben eine Schnellreparatur durchgeführt. Aber danach war der Flügel nicht mehr so stabil, wie er sein soll. Das hat bestimmt zwei bis drei Zehntel gekostet“, rechnete Marko vor. Bei Pierre Gasly war mehr kaputt. „Fragen sie lieber, was noch ganz ist“, lächelte Marko gequält. Gasly feuerte seinen RB15 in der Zielkurve in die Mauer. Nach kurzer Überlegung, ob man gleich ein neues Chassis aufbauen oder die beschädigten Teile nur austauschen soll, fiel die Entscheidung, das Ersatzchassis für den Rest des Wochenendes vorzubereiten. Gasly wird auf keinen Fall mit allen Teilen der letzten Spezifikation fahren können. Er herrscht Teilenotstand. Marko rechnete vor: „Verstappen mit Vettel in Silverstone, dann der Buemi beim Reifentest und jetzt Gasly. So langsam werden uns die Teile knapp.“

Pierre Gasly - Red Bull - GP Deutschland - Hockenheim - Freitag - 26.07.2019
Aktuell

4.) Ist diesmal Haas die Nummer 4?

Auf eine Runde kann man das so sehen. Romain Grosjean fuhr die sechstschnellste Runde und war dabei 1,2 Sekunden schneller als Teamkollege Kevin Magnussen. Da Grosjean erneut in der Melbourne-Spezifikation sitzt, verstärkt sich der Verdacht, dass die Upgrades danach nicht so angeschlagen haben, wie es sich die Ingenieure erhofft hatten. „Wir werden heute Abend noch einmal die Daten checken“, bremst Teamchef Guenther Steiner.

Auf den Longruns konnten die US-Ferrari nicht das halten, was Grosjeans schnellste Runde versprach. Steiner bezeichnete die Dauerläufe als „mittelmäßig, nicht schlecht, aber auch nicht so stark wie in Silverstone.“ In den Rennsimulationen machte von den Mittelfeldautos Alfa-Sauber den stärksten Eindruck. Kimi Räikkönen demonstrierte wie in Spielberg, dass der C38 ein Auto für die Hitze ist. Teamchef Frédéric Vasseur lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. „Ab Samstag ist das hier ein ganz anderes Wochenende. Dann können wir uns für gute Longruns am Freitag nicht mehr viel kaufen.“

Die üblichen Anwärter auf Platz vier schwammen diesmal nur im Mittelfeld mit. Renault und McLaren müssen noch Speed finden. Renault-Teamchef Cyril Abiteboul relativiert: „Wir sind heute für die Hitze relativ geschlossen gefahren, weil wir Erkenntnisse für Samstag sammeln wollten. Deshalb konnten wir nicht alles aus dem Motor rausholen.“ Nico Hülkenberg berichtete von einer schwammigen Hinterachse. „Es fühlte sich nicht toll an, aber als ich die Rundenzeiten gesehen habe, war es gar nicht so schlecht. Wahrscheinlich hatten die anderen ähnliche Probleme.“

Sergio Perez - Racing Point - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim 2019
xpb
Das große Upgrade scheint den RP19 zu beflügeln.

5.) Was bringen die Upgrades von Racing Point und Williams?

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul ist sich sicher: „Das Upgrade von Racing Point ist ein deutlicher Fortschritt. Alle anderen sind geblieben, wo sie waren.“ Zum ersten Mal seit langer Zeit landeten beide Fahrer an einem freitag wieder in den Top Ten. Bei Racing Point selbst ist man noch vorsichtig. „Das Upgrade hat gemacht, was wir uns erwartet haben. Es gab keine unerwarteten Probleme damit“, meinte Teammanager Andy Stevenson. Einsatzleiter Tom McCullough fügte hinzu: „Es funktioniert auf jeden Fall bei Hitze. Aber da ist es auch leicht, die Reifen auf Temperatur zu bringen.“

Vor der Kühlung hatte Technikchef Andy Green den größten Respekt: „Alles im Heck ist viel enger zusammengepackt. Und es gibt viel kleinere Austrittslöcher. Bei diesen Temperaturen werden wir am Limit sein.“ Williams konnte immerhin einen Vergleich zwischen alter und neuer Version durchführen. Am ersten Trainingstag hatte nur Robert Kubica die neuen Teile an Bord. Der Test begann damit, dass sich an den Leitblechen schon in der ersten Runde Teile verabschiedeten. Trotzdem lag Kubica im ersten Training vor George Russell. Am Nachmittag verlor der Pole 80 Tausendstel. Und er war im Longrun mit den Soft-Reifen um sechs Zehntel besser als sein Teamkollege. Da der Abstand normalerweise größer ist, könnte man das als positives Zeichen lesen. Kubica wagte keine Prognose: „Wie soll man bei der Hitze feststellen, ob das Paket besser ist? Das Auto fühlt sich generell ganz anders an als bei normalen Temperaturen.“

6.) Was konnte man bei 37 Grad Hitze lernen?

Nicht viel. Weil die Temperaturen am Sonntag bis auf 27 Grad fallen sollen. Im zweiten Training brannte die Sonne mit 37 Grad auf das Motodrom. Die Teams mussten entweder die Kühlauslässe maximal öffnen oder mit stark reduzierter Leistung fahren, um die Motoren bei Laune zu halten. Im Rennen werden die Autos in einer völlig anderen aerodynamischen Konfiguration unterwegs sein. Die Reifen reagieren bei 50 Grad Asphalttemperatur anders als bei erwarteten 35 am Sonntag.

Ganz umsonst war der erste Trainingstag aber trotzdem nicht. Einige Teams zogen ihre Longruns auf den kühleren Vormittag vor. Ein Mercedes-Ingenieur erklärt: „Unsere Rechenmodelle sind gut genug, aus den Daten von heute immer noch genug für den Sonntag zu lernen.“ Eines weiß man bei Mercedes auch noch nicht. Wird der GP Deutschland ein Einstopp- oder Zweistopprennen? „Bei der Hitze von heute wären es auf jeden Fall zwei Stopps geworden. Wir werden erst nach dem dritten Training wissen, woran wir sind.“

Longrun-Analyse GP Deutschland 2019

Fahrer Schnitt Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Verstappen 1.18,982 min 3 soft 1
Vettel 1.19,389 min 11 soft 2
Hamilton 1.19,416 min 9 soft 1
Leclerc 1.19,467 min 6 soft 1
Bottas 1.19,778 min 7 soft 1
Räikkönen 1.20,233 min 7 soft 1
Kvyat 1.20,314 min 8 soft 1
Perez 1.20,380 min 14 soft 1
Stroll 1.20,530 min 13 soft 1
Sainz 1.20,635 min 12 soft 1
Hülkenberg 1.20,651 min 14 soft 1
Albon 1.20,706 min 10 soft 1
Ricciardo 1.20,845 min 14 soft 1
Magnussen 1.20,891 min 9 soft 1
Giovinazzi 1.20,900 min 8 soft 1
Grosjean 1.21,126 min 11 soft 1
Kubica 1.21,718 min 7 soft 1
Russell 1.22,313 min 3 soft 1
         
Hamilton 1.18,856 min 8 medium 2
Hamilton 1.19,056 min 14 medium FP1
Bottas 1.19,213 min 11 medium FP1
Verstappen 1.19,507 min 8 medium 2
Vettel 1.19,816 min 4 medium 1
Räikkönen 1.20,030 min 8 medium 2
Ricciardo 1.20,068 min 8 medium 2
Albon 1.20,281 min 10 medium 2
Sainz 1.20,534 min 5 medium 2
Magnussen 1.20,983 min 6 medium 2
         
Leclerc 1.19,163 min 4+8 hart 2
Bottas 1.19,188 min 8 hart 2
Perez 1.19,423 min 7 hart 2
Stroll 1.19,626 min 7 hart 2
Kvyat 1.20,047 min 3+8 hart 2
Grosjean 1.20,180 min 8 hart 2
Giovinazzi 1.20,337 min 7 hart 2
Norris 1.20,796 min 8 hart 1
Russell 1.21,692 min 6 hart 2
Fahrer Schnitt Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Verstappen 1.18,982 min 3 soft 1
Vettel 1.19,389 min 11 soft 2
Hamilton 1.19,416 min 9 soft 1
Leclerc 1.19,467 min 6 soft 1
Bottas 1.19,778 min 7 soft 1
Räikkönen 1.20,233 min 7 soft 1
Kvyat 1.20,314 min 8 soft 1
Perez 1.20,380 min 14 soft 1
Stroll 1.20,530 min 13 soft 1
Sainz 1.20,635 min 12 soft 1
Hülkenberg 1.20,651 min 14 soft 1
Albon 1.20,706 min 10 soft 1
Ricciardo 1.20,845 min 14 soft 1
Magnussen 1.20,891 min 9 soft 1
Giovinazzi 1.20,900 min 8 soft 1
Grosjean 1.21,126 min 11 soft 1
Kubica 1.21,718 min 7 soft 1
Russell 1.22,313 min 3 soft 1
         
Hamilton 1.18,856 min 8 medium 2
Hamilton 1.19,056 min 14 medium FP1
Bottas 1.19,213 min 11 medium FP1
Verstappen 1.19,507 min 8 medium 2
Vettel 1.19,816 min 4 medium 1
Räikkönen 1.20,030 min 8 medium 2
Ricciardo 1.20,068 min 8 medium 2
Albon 1.20,281 min 10 medium 2
Sainz 1.20,534 min 5 medium 2
Magnussen 1.20,983 min 6 medium 2
         
Leclerc 1.19,163 min 4+8 hart 2
Bottas 1.19,188 min 8 hart 2
Perez 1.19,423 min 7 hart 2
Stroll 1.19,626 min 7 hart 2
Kvyat 1.20,047 min 3+8 hart 2
Grosjean 1.20,180 min 8 hart 2
Giovinazzi 1.20,337 min 7 hart 2
Norris 1.20,796 min 8 hart 1
Russell 1.21,692 min 6 hart 2
Motorsport Aktuell Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim 2019 GP Deutschland 2019 - Ergebnis 2. Training Ferrari-Doppelspitze vor Hamilton

Charles Leclerc holt sich in Hockenheim die Tagesbestzeit.

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