GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Motodrom Wilhelm

Hockenheim auf der Kippe

Wieder ein Last-Minute Deal?

Die Geschichte kommt uns bekannt vor: Findet 2019 in Hockenheim der letzte GP Deutschland für lange Zeit statt? Die Vorzeichen stehen auf Sturm. Der Vorverkauf liegt um 5.000 Karten hinter dem Plan. Und Vettel gewinnt nicht. Es könnte wieder zu einem Last-Minute Deal kommen.

Formel 1-Chef Chase Carey hat es klipp und klar gesagt. 2020 gibt es zwei neue Rennen. Und drei stehen auf der Kippe. Die neuen kennen wir. Vietnam und Holland. Wer rausfliegt, wissen wir noch nicht. Mexiko, Deutschland und Spanien müssen zittern. Bei allen drei Ländern laufen die Verträge aus. ESPN meldete kürzlich, dass Mexiko aus dem Rennen ist. Man könne das Geld nicht bezahlen, das Liberty aufruft. Blieben noch Barcelona oder Hockenheim. Spanien erlebte zum ersten Mal, was es heißt, einen Grand Prix ohne Fernando Alonso zu veranstalten. Es wurden zwar 160.428 Zuschauer an drei Tagen kolportiert, doch wir würden da von einer optimistischen Schätzung sprechen.

In Hockenheim ist der Ticket-Stand bekannt. Bis jetzt sind 50.000 Tickets verkauft – 5.000 weniger als im Vorjahr zu gleichen Zeit. Geschäftsführer Georg Seiler glaubt, dass man die schwarze Null schaffen kann. Das wären 60.000 Zuschauer. Doch um in Zukunft Libertys Forderungen erfüllen zu können, bräuchte man schon einen Zuschauerzustrom wie im letzten Jahr. Da füllten 71.000 Besucher Motodrom und Mercedes-Tribüne. Ganz so viele werden es in diesem Jahr auf keinen Fall werden. Ein Teil der Innentribüne bleibt wegen der Umbauten für das Porsche Experience Center geschlossen. „Wir könnten zwar Zusatztribünen mit einer Kapazität von bis 8.000 Zuschauern aufstellen, doch dafür gibt es eine Frist“, sagt Jorn Teske, Marketingchef der Hockenheimring GmbH. Von Kampfpreisen in letzter Minute lässt man die Finger: „Das verärgert nur die Leute, die früh zum Normalpreis gebucht haben.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
xpb
Der WM-Verlauf fördert nicht den Verkauf von Tickets.

Formel 2 zu teuer

Auch der Verlauf der Weltmeisterschaft tut den Hockenheimern keinen Gefallen. Letztes Jahr um diese Zeit hatte Sebastian Vettel schon zwei Rennen gewonnen. Alles sah nach dem großen Duell gegen die Mercedes aus. Grund genug, sich eine Eintrittskarte zu kaufen. Doch was soll man den Fans jetzt zurufen, nachdem Mercedes fünf Mal im Doppelpack gewonnen hat? Auch für die Holländer gibt es weniger Gründe, nach Hockenheim zu reisen. Max Verstappens Siegeschancen sind gegen die übermächtigen Mercedes genauso geschrumpft wie die von Vettel. Bis jetzt haben sich nur 6.000 statt wie letztes Jahr 10.000 Oranjes angekündigt.

Mick Schumacher wird gar kein Rennen in Hockenheim fahren. Die Formel 2 hat Deutschland nicht in ihrem Kalender. Noch in Bahrain hatte es Versuche der Hockenheimer gegeben, das Unmögliche möglich zu machen. Liberty aber wollte ein zusätzliches Formel 2-Rennen nur in den Kalender quetschen, wenn es eine Million Dollar Antrittsgeld extra gibt. Dieses Risiko ist Hockenheim zu groß. Bei einem Durchschnittspreis von 200 Euro pro Karte müsste man schon 5.000 Tickets extra verkaufen. Es sind berechtigte Zweifel da, ob ein Formel 2-Rennen mit Beteiligung von Schumacher junior dazu in der Lage ist. „Wie viele Fans gibt es, die nur wegen der Formel 2 kommen würden?“

Wenn sich bis zum Juli in den Verhandlungen mit Mexiko und Spanien nichts tut, hat Hockenheim eine kleine Chance, doch wieder Notnagel zu spielen. Georg Seiler kann sich gut vorstellen, dass es dann wieder wie 2018 zu einem Vertragspoker in letzter Minute kommt. Beim letzten Mal bewegten die gute Stimmung im Motodrom und das spannende Rennen in Hockenheim das F1-Management dazu, bereits eingeschlafene Verhandlungen noch einmal aufzunehmen. Seiler hofft: „Vielleicht ändern die Leute noch ihre Meinung, wenn ihnen mal klar ist, dass es zum letzten Mal einen Grand Prix von Deutschland für lange Zeit geben könnte.“

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