Sebastian Vettel - GP Frankreich 2019 Motorsport Images

Rennanalyse GP Frankreich

Warum war Vettel so langsam?

Lewis Hamilton ist nach seinem sechsten Saisonsieg auf bestem Weg zum sechsten WM-Titel. Das aufregendste in einem eintönigen Grand Prix war die letzte Runde. Das Finale warf auch die meisten Fragen auf.

Warum war Vettels schnellste Runde so langsam?

Sebastian Vettel büßte seine Chancen auf ein Podium schon im Training ein. Vom siebten Startplatz dauerte es sieben Runden bis er sich von den McLaren freigeschwommen hatte. Da betrug sein Rückstand auf den viertplatzierten Max Verstappen bereits 8,5 Sekunden. Auf den Medium-Reifen konnte Vettel den Abstand zu Verstappen auf 3,3 Sekunden verkürzen. Doch der um fünf Runden spätere Boxenstopp warf ihn wieder auf 5,1 Sekunden zurück.

Auf der härtesten Pirelli-Mischung war der Red Bull schneller als der Ferrari. Als Vettels Rückstand wieder auf 7,4 Sekunden angewachsen war, bot Renningenieur Riccardo Adami seinem Fahrer „Plan F“ an. Das „F“ steht für „Fastest Lap“. Ferrari wartete bis zur vorletzten Runde. So verhinderte man, dass Verstappen nachziehen konnte.

Vettel hatte noch einen frischen Satz der Soft-Reifen in der Hinterhand. Eigentlich sollte es damit ein einfaches Unterfangen sein, die bis dahin schnellste Runde von Hamilton zu unterbieten. Der spätere Sieger hielt den Bestwert zunächst mit einer Zeit von 1.33,720 Minuten aus der 42. Runde.

Sebastian Vettel - GP Frankreich 2019
Motorsport Images
Sebastian Vettel stand in Frankreich mit den weichen Reifen auf Kriegsfuß.

Natürlich war auch Mercedes auf den Extra-Punkt aus. Hamilton wurde gewarnt, dass Vettel in der letzten Runde mit neuen Reifen noch einmal Anlauf auf die Bestzeit nehmen würde. Für den Engländer war das wie ein Befehl, das Unmögliche möglich zu machen. Der Mercedes-Pilot legte mit einer Zeit von 1.32,764 Minuten vor. Was Vettel hinterher den Kommentar entlockte. „Der macht mit 29 Runden alten Reifen aus dem Stand eine Sekunde auf seine eigene Bestzeit gut. Das zeigt, wie er vorher gespielt hat.“

Vettel unterbot die Zeit zwar noch um 24 Tausendstel, so recht freuen konnte er sich über den Extra-Punkt aber nicht. Bei Mercedes sagte man: „Auf den Soft-Reifen muss er eine hohe 1.31er Runde fahren.“ Das Batterieproblem, das den Speed des Ferrari auf den Geraden drückte, erklärt laut Vettel nur zwei bis drei Zehntel. Ein größeres Problem waren die Soft-Reifen. „Ich habe auf ihnen nie eine Balance gefunden. Im zweiten Teil der Runde hatte ich nur Untersteuern.“

Vettel ist überzeugt, dass er auf frischen Medium-Sohlen schneller gewesen wäre. Unter dem Strich war Vettels schnellste Rennrunde eine Ohrfeige für Ferrari. Das Aero-Paket hat sein Ziel verfehlt. Vettel bilanzierte ehrlich: „Wenn es unser Ziel war den Rückstand auf Mercedes zu verkürzen, dann haben wir dieses Ziel verfehlt.“

GP Frankreich 2019: Die Highlights vom Rennsonntag

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Frankreich 2019
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Frankreich 2019 Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Frankreich 2019 Albon vs. Magnussen - Formel 1 - GP Frankreich 2019 Impressionen - Formel 1 - GP Frankreich 2019 36 Bilder

Wie kam Leclerc so nah an Bottas ran?

Charles Leclerc war in Paul Ricard der schnellere der beiden Ferrari-Fahrer. Er kam auf den Soft-Reifen und der härtesten Gummimischung besser als sein Teamkollege zurecht. Vom dritten Startplatz hatte Leclerc meistens freie Fahrt. Die Mercedes verschwanden schnell am Horizont. Doch weiter als 8,4 Sekunden (Runde 44) ließ Leclerc den zweiten Mercedes von Valtteri Bottas nie davonziehen.

Ab Runde 46 stellten sich im Motor des Silberpfeils Fehlzündungen ein. Und die Blasen auf den Vorderreifen kosteten immer mehr Rundenzeit. Ab da schrumpfte der Abstand zu seinem Verfolger im 1,4 Sekunden-Takt. Vor der VSC-Phase in Runde 50 lag Leclerc nur noch 3,5 Sekunden hinter dem Mann auf Platz zwei.

Da hatte Bottas schlicht Pech. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. „Valtteri war übervorsichtig mit seiner Delta-Zeit. Wir haben ihn gewarnt, dass die VSC-Phase nur kurz dauern würde, aber er hat wohl damit gerechnet, dass sie 45 bis 50 Sekunden anhält. Deshalb ließ er sich mit dem Delta Luft. Als sie wieder aufgehoben wurde, war er auf einem Teil der Strecke, in dem es schwierig war, die Sekunde, die er gespart hatte, wieder reinzuholen. Wäre er auf einer Geraden gewesen, wäre das einfacher gewesen“, erzählte ein Mercedes-Ingenieur.

In Runde 51 trennten Bottas und Leclerc nur noch 1,7 Sekunden. Das Aufwärmen der Reifen war kein Problem. „Dazu waren die VSC-Phase zu kurz und die Asphalttemperaturen zu hoch. Aber wenn du Blasen auf den Reifen hast, blockierst du schnell mal die Vorderräder. Valtteri durfte mit Charles im Genick keinen Fehler machen.“

Alexander Albon - Formel 1 - GP Frankreich 2019
xpb
Viele Überhomanöver bekamen die Fans in Le Castellet nicht geboten.

Warum war das Überholen diesmal so schwierig?

Beim Frankreich-Comeback vor zwölf Monaten wurden 57 Überholmanöver gezählt. Diesmal waren es nur 27. Die Fahrer klagten wieder über zu starke Turbulenzen, doch die gab es letztes Jahr auch. Der Unterschied: 2018 blies den Autos auf der Mistral-Geraden ein strammer Gegenwind auf die Flügel. Das gibt dem Angreifer einen großen Bonus in die Hand. Der Vordermann fährt voll im Wind und man selbst hat noch den Vorteil von DRS.

Nico Hülkenberg studierte 52 Runden lang das Heck von Kimi Räikkönens Alfa Romeo. „Zwei Mal gab es eine kleine Chance vor Kurve 11, aber da hat Kimi konsequent die Innenspur dicht gemacht. Selbst mit Überschuss kommst du außen nicht vorbei, weil da die Linie voll mit Gummischnipseln ist. Der Wind kam heute viel von der Seite, speziell in der Schikane. Da wurde in Kurve 9 das Heck immer ganz leicht.“ Daniel Ricciardo erzählte: „Du bremst die Schikane so spät an, dass du da nur eine Linie durch hast. Nebeneinander geht nicht, sonst geht dir in Kurve 9 die Straße aus.“

Warum musste McLaren am Ende zittern?

Das Rennen befand sich schon in der zweiten Rennhälfte, als sich bei McLaren ein teaminternes Duell anbahnte. Lando Norris verlangte unmissverständlich einen Platztausch: „Ich bin schneller als Carlos.“ Sein Renningenieur bedauerte: „Du darfst DRS nicht benutzen.“ Was zunächst wie eine versteckte Stallregie aussah, war der Anfang eines Hydraulikproblems.

Zuerst stieg DRS aus, dann die Servolenkung. Das Getriebe schaltete immer langsamer und auch die Bremsen machten Ärger. „Wir haben alle Systeme so weit wie möglich heruntergefahren, aber in der letzten Runde ging nicht mehr viel“, erklärte Teamchef Andreas Seidl.

Im Schlussspurt fielen Daniel Ricciardo, Kimi Räikkönen und Nico Hülkenberg über den wehrlosen Norris her. Sein Glück war, dass Ricciardo noch eine 10-Sekunden-Strafe kassierte und dass Hamilton die Gruppe schon überrundet hatte. So dauerte das Rennen für Norris nur 62 Runden.

Carlos Sainz - Formel 1 - GP Frankreich 2019
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Lange hing Lando Norris im Heck von Carlos Sainz. Dann musste der Rookie unfreiwillig abreißen lassen.

Warum bekam Ricciardo zwei Strafen?

Zum dritten Mal in Folge griffen die Sportkommissare durch eine Zeitstrafe in das Ergebnis ein. Daniel Ricciardo kam auf Platz sieben ins Ziel, wurde aber nur als Elfter gewertet. Der Australier kassierte gleich zwei Fünf-Sekunden-Strafen innerhalb von 400 Metern. Obwohl Norris wegen Hydraulikproblemen mit dem Rücken zur Wand kämpfte, zwang er Ricciardo im Bremsduell ausgangs Kurve 8 neben die Strecke.

Bei der Rückkehr fuhr der Renault-Pilot dem McLaren vor die Nase. Die Sportkommissare urteilten wie bei Vettel in Montreal: Gefährliche Rückkehr auf die Strecke. Ausgangs Kurve 9 mogelte sich Räikkönen am Renault vorbei, der auf die Randsteine geriet und von dort nur eine Chance hatte voll zu beschleunigen. Ricciardo öffnete die Lenkung, und legte gut 200 Meter mit allen vier Rädern neben der Strecke zurück.

Als er mit Räikkönen auf gleicher Höhe lag, steuerte der Australier langsam wieder auf die Bahn zurück. Die Schiedsrichter kannten keine Gnade. Ihr Urteil: Vorteilnahme durch Verlassen der Strecke. Ricciardo wehrte sich: „Ich hatte keinen Vorteil, weil ich vom Randstein nicht anders auf die Strecke zurückfahren konnte.

GP Frankreich 2019: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:24:31.198
2. Valtteri Bottas Mercedes +18.056s
3. Charles Leclerc Ferrari +18.985s
4. Max Verstappen Red Bull +34.905s
5. Sebastian Vettel Ferrari +62.796s
6. Carlos Sainz McLaren +95.462s
7. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
8. Nico Hülkenberg Renault +1 Runde
9. Lando Norris McLaren +1 Runde
10. Pierre Gasly Red Bull +1 Runde
11. Daniel Ricciardo* Renault +1 Runde
12. Sergio Perez Racing Point +1 Runde
13. Lance Stroll Racing Point +1 Runde
14. Daniil Kvyat Toro Rosso +1 Runde
15. Alexander Albon Toro Rosso +1 Runde
16. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
17. Kevin Magnussen Haas +1 Runde
18. Robert Kubica Williams +2 Runden
19. George Russell Williams +2 Runden
20. Romain Grosjean Haas Ausfall
* 2x fünf Sekunden Strafe
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