Rennanalyse GP Indien 2011

Ferrari flattert sich aufs Podium

Fernando Alonso - GP Indien - Training - 28.10.2011 Foto: xpb 56 Bilder

Der erste Grand Prix von Indien war vor allem etwas für Taktik-Füchse. In unserer Rennanalyse beantworten wir Strategiefragen und blicken noch einmal auf die strittigen Szenen im Rennen.

Wer hatte Schuld am Massa-Hamilton-Crash?

Die vierte Kollision zwischen Felipe Massa und Lewis Hamilton sorgte noch weit nach dem Rennen für Diskussionen. Die Rennleitung sah die Schuld beim Brasilianer. Doch diese Meinung wurde sonst nur noch im McLaren-Lager geteilt. Die Fernsehbilder zeigen klar, dass Massa beim Einbiegen die Nase vorne hat. Hamilton beschädigte sich seinen Frontflügel am Hinterrad des Ferrari.

Ganz unschuldig ist Massa sicher auch nicht. "Wäre er einen Meter weiter rechts gefahren, hätte er den Unfall verhindern können", analysierte Pedro de la Rosa anschließend. RTL-Experte Christian Danner konterte: "Wenn ein Pilot bei einem Angriff auf den guten Willen seines Gegners spekuliert, dann gehört er eigentlich bestraft." Wir schließen uns der Kompromiss-Meinung von Teilzeit-Steward Alex Wurz an. "Es war ein normaler Rennunfall. 50:50 - da kann man komplett auf eine Strafe verzichten."

Wie kam Alonso an Webber vorbei?

Mark Webber begann das Rennen in der ersten Startreihe und kam am Ende nicht einmal auf das Podium. Schon auf der ersten langen Gerade verlor der Australier eine Position an Jenson Button. Beim Versuch am McLaren dranzubleiben, verschliss der Australier seine Reifen so stark, dass er nach dem zweiten Boxenstopp auch noch hinter Fernando Alonso zurückfiel. Doch warum muss der Routinier so sehr kämpfen, wenn Teamkollege Sebastian Vettel vorne scheinbar mühelos zum Sieg cruist?

"Es ist immer die alte Geschichte", klagte Webber anschließend. "Ich habe am Ende der Stints einfach nicht die Pace und meine Reifen bauen zu stark ab. Ich verliere dann die Strategie, was bedeutet, dass ich früher an die Box muss. Ich war einfach nicht schnell genug." Fernando Alonso bedankte sich für das Geschenk. "Ich war überrascht, dass er so früh an die Box kam. Wir haben zwei schnelle Extrarunden gedreht und kamen dadurch vorbei."

Warum brach bei Felipe Massa der Flügel?

Die Ferrari-Frontflügel waren das große Thema des Wochenendes. Bei bestimmten Geschwindigkeiten und Anstellwinkeln fangen die Blätter vor den Vorderreifen plötzlich wild an zu schwingen. "Sie wirken etwas aufgeregt", schmunzelte Ross Brawn von Konkurrent Mercedes nach Analyse der Fernsehbilder. In der 31. Runde wurde das Flattern so stark, dass Massa den Flügel gegen eine ältere Version wechseln musste.

Ferrari hatte gehofft, dass das Problem im Rennen nicht auftaucht. "Wir werden jetzt die Daten analysieren, um zu sehen, was dieses Flattern auslöst", kündigte Teamchef Stefano Domenicali an. Eine Gefahr scheint für den Piloten nicht bestanden zu haben. "Das ist wie bei einem Flugzeug", erklärte Aerodynamik-Guru Adrian Newey vom Konkurrent Red Bull. "Wenn es fest genug gebaut ist, darf es sich ruhig bewegen. Ob der Effekt so stark gewünscht ist, steht auf einem anderen Blatt."

Der flexible Frontflügel ist eigentlich eine Red Bull-Erfindung. Bei Ferrari scheint die Kopie etwas zu gut zu funkionieren. "Ich glaube nicht, dass Ferrari diesen Effekt im Sinn hatte", grinste Newey nach dem Rennen. "Es sieht irgendwie nicht ganz richtig aus. Aber sie werden da sicher noch dran arbeiten." Als schlechte Kopie wollte der Designer den Ferrari-Flügel aber nicht bezeichnen. "Wir sehen das als Anerkennung, wenn man uns zum Vorbild nimmt."

Wie machte Schumi in der Startrunde drei Plätze gut?

Wie so oft spielte Michael Schumacher in der Startrunde seine ganze Erfahrung aus. Dieses Mal war aber noch ein Trick dabei. Nachdem er sich in der ersten Kurve aus dem Chaos heraushielt, nahm er sich Adrian Sutil auf der langen Geraden vor. "Ich habe am Start gar kein KERS benutzt, sondern alles auf der Geraden eingesetzt", triumphierte der Altmeister später. Auch Sebastian Vettel sparte sich den Großteil seines Hybrid-Boosts für die Gerade um nicht aus dem Windschatten angegriffen zu werden.

Wie erfolgreich war die Strategie mit den harten Reifen am Start?

Drei Piloten gingen mit der härteren Mischung ins Rennen: Sergio Perez, Paul di Resta und Vitaly Petrov. Alle drei Piloten wurden die ungeliebten Beton-Gummis schon nach wenigen Runden los. Mit einem Safety-Car wäre die riskante Strategie perfekt aufgegangen. Doch ohne Crash in der Startphase mussten alle kämpfen. Am Ende kam nur Sergio Perez in die Punkte. "Er hat perfekt auf seine Reifen aufgepasst", lobte Teamchef Peter Sauber. "Da muss man die richtige Mischung aus Angriff und Vorsicht finden. Da ist er für sein Alter schon sehr gut."

Perez profitierte auch davon, dass er sich im Qualifying noch zwei neue Sätze der weichen Reifen aufgespart hatte. Petrov musste im letzten Stint einen gebrauchten Satz "Soft-Reifen" aufziehen und konnte damit keinen Angriff mehr starten. Während Perez und Petrov mit zwei Stopps durchkamen, waren bei Di Resta sogar drei Stopps notwendig. Das warf den Schotten bis auf Rang 13 zurück.

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die besten Bilder des Rennens.

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