Start - GP Italien 1971 - Monza sutton-images.com
Chris Amon - Matra Simca MS120B - GP Italien 1971 - Monza
Francois Cevert - Tyrrell 002 - GP Italien 1971 - Monza
Emerson Fittipaldi - Lotus 56 - GP Italien 1971 - Monza
Ronnie Peterson - March 711 - GP Italien 1971 - Monza 8 Bilder

GP Italien 1971

Der knappste Zieleinlauf der Geschichte

1000. GP

Das Zielfoto musste in der Formel 1 nur selten entscheiden. Den knappsten Zieleinlauf produzierte der GP Italien 1971. Peter Gethin flog 0,010 Sekunden vor Ronnie Peterson über die Ziellinie. Der Fünfte hatte nur 6 Hundertstel Rückstand.

Es war ein unglaubliches Rennen, dieser Grand Prix von Italien, der letzte in Monza ohne Schikanen. Peter Gethins Siegerschnitt von 242,615 km/h sollte bis ins Jahr 1993 überleben, Henri Pescarolos schnellste Rennrunde mit 247,016 km/h bis zur Saison 2003. Die 55-Runden-Windschattenschlacht verzeichnete 25 Führungswechsel und acht verschiedene Spitzenreiter.

Peter Gethin ging nur als Außenseiter in das Rennen. Der Engländer fuhr erst sein zweites Rennen für B.R.M., und er stand nach dem Training nur auf Startplatz 11. Außerdem hatte der vormalige McLaren-Pilot bis dahin erst einen WM-Punkt erzielt.

Gethin missachtet Drehzahllimit

Zu Mitte des Rennens lag Gethin noch chancenlos auf Platz 10, mit 12 Sekunden Rückstand auf die Spitzengruppe. Der 31-jährige Engländer widerlegte die alte Monza-Weisheit, wonach ein Mal den Windschatten verlieren das Ende aller Hoffnungen bedeutet.

Peter Gethin - BRM P160 V12 - GP Italien 1971 - Monza
Julius Weitmann
Peter Gethin missachtete das Drehzahllimit des BRM P160 V12.

Gethin missachtete alle Drehzahlvorschriften von B.R.M., ging beständig 500/min über das Limit von 11.500/min und schaffte schließlich wieder den Anschluss an die Gruppe mit Ronnie Peterson, Francois Cevert, Howden Ganley, Mike Hailwood und Chris Amon.

In der letzten Runde strafte er eine zweite Monza-Regel Lügen. Wer als erster in die Parabolica geht, kann nicht gewinnen. Gethin bewies, dass es doch geht. Sein Glück: Ronnie Peterson und Francois Cevert glaubten, dass sie das Rennen unter sich ausmachen können und achteten nicht auf den B.R.M.-Piloten, der spät zu der Spitzengruppe stieß.

Entscheidung in der Parabolica

Cevert bremste die Parabolica spät an, Peterson noch später und Gethin auf der allerletzten Rille. B.R.M. und March hatten des besseren Topspeeds zuliebe auf die Frontflügel verzichtet. Und Gethin vertraute auf den PS-Vorteil seines B.R.M.-Zwölfzylinders, den er ein letztes Mal über die 12.000/min-Marke quälte. Als der Rennleiter die Zielflagge schwang, riss Gethin den rechten Arm hoch. Jeder sollte glauben, er habe gewonnen. Hatte er auch.

Petersons March fehlte im Ziel nur eine halbe Wagenlänge. Cevert und Hailwood flogen schräg hinter dem March über die Ziellinie. Nur Howden Ganley hatte einen sichtbaren Rückstand, wenn auch nur 0,61 Sekunden auf Markenkollege Gethin.

Peter Gethin - GP Italien 1971 - Monza
sutton-images.com
Der knappste Sieg aller Zeiten: Peter Gethin mit dem Pokal.

Am Abend nach dem Rennen durfte Gethin beim traditionellen Sieger-Dinner neben Teamchef Louis Stanley Platz nehmen. Als die lustige Truppe nach dem Essen den Parkplatz verlassen wollte, stellte man an Stanleys Mercedes einen platten Reifen fest. „Da ich die Ehre hatte, mit dem Chef ins Hotel zu fahren, durfte ich auch am Abend meines Sieges das Rad wechseln. Außerdem musste ich vom Preisgeld meine Hotelrechnung bezahlen. Das Zimmer in der Villa d’Este kostete 400 Pfund. Für den Sieg bekam ich 800“, erzählte Gethin.

Zeitmessung nur bis zwei Stellen hinter dem Komma

Ob in Monza 1971 wirklich das engste Rennen aller Zeiten stattfand, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Damals wurde nur bis zwei Stellen hinter dem Komma gemessen. Der GP USA 2002 mit 0,011 Sekunden Differenz und der GP Spanien 1986 mit 0,014 Sekunden Abstand zwischen Platz 1 und 2 könnten also durchaus auch Kandidaten auf den Rekord sein.

Auch in der Dichte des Feldes beim Abwinken steht das Rennen am 5. September 1971 nicht allein da. 1969 trennten die ersten Vier in Monza nur 0,019 Sekunden. Zwei Jahre später lag der Vierte Mike Hailwood 0,018 Sekunden zurück.

Nur fünf echte Foto-Finishs unter den Top Ten

Nur die Hälfte der zehn engsten Zieleinläufe war wirklich spannend. Der Rest entstand aus inszenierten Fotofinishs oder Missverständnissen. Die Siege von Michael Schumacher in Montreal 2000 und am A1-Ring 2002 waren das Resultat von Stallregie. Im einen Fall durfte Rubens Barrichello den Meister nicht überholen, im anderen musste er ihn auf Befehl der Box vorbeilassen.

Auf Platz 2 rangiert der GP USA 2002. Ferrari wollte ein totes Rennen produzieren. Weil die Fahrer aber nicht genau wussten, wo der Zielstrich lag, wurde eine peinliche Nummer daraus. Barrichello hatte im entscheidenden Moment die Nase vorn. Um 0,011 Sekunden oder 77 Zentimeter. Ferrari hatte den Verdacht, Barrichello habe im entscheidenden Moment absichtlich ein bisschen aufs Gaspedal gedrückt. Um sicherzustellen, dass im Zweifel er der Sieger ist.

Die Top Ten Fotofinishs

Rennen Sieger Zweiter Vorsprung Sieger
GP Italien 1971 Peter Gethin Ronnie Peterson 0,010 s
GP USA 2002 Rubens Barrichello Michael Schumacher 0,011 s
GP Spanien 1986 Ayrton Senna Nigel Mansell 0,014 s
GP Italien 1969 Jackie Stewart Jochen Rindt 0,080 s
GP Frankreich 1954 Juan-Manuel Fangio Karl Kling 0,100 s
GP Frankreich 1961 Giancarlo Baghetti Dan Gurney 0,100 s
GP Österreich 1982 Elio de Angelis Keke Rosberg 0,125 s
GP Kanada 2000 Michael Schumacher Rubens Barrichello 0,174 s
GP Österreich 2002 Michael Schumacher Rubens Barrichello 0,182 s
GP England 1955 Stirling Moss Juan-Manuel Fangio 0,200 s

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