Pierre Gasly - Alpha Tauri -  GP Italien 2020 - Monza xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Pierre Gasly - Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza - Rennen 51 Bilder

GP Italien 2020 - Ergebnis Rennen

Gasly gewinnt irres Rennen

Pierre Gasly feiert vor Carlos Sainz und Lance Stroll einen Sensationssieg in Monza. Mercedes brachte eine Strafe für Lewis Hamilton zu Fall. Der Weltmeister wurde nur Siebter. Ferrari schied mit beiden Autos aus.

Die Formel 1 war in ihrer 70-jährigen Geschichte immer für eine Überraschung gut. In Monza, wo zum 70. Mal der GP Italien ausgetragen wurde, erlebte die Königsklasse des Motorsports wieder einmal einen Sonntag für die Geschichtsbücher.

Alle hatten vor dem Rennstart mit einem Langeweiler gerechnet. Und einem Sieger namens Lewis Hamilton im Ziel. Doch es kam ganz anders. Die 53 Runden stellten das Feld komplett auf den Kopf. Der Pole-Setter landete nach einem Grand Prix gespickt voller Untersuchungen, Strafen, Unfällen, einem Safety Car und einem Rennabbruch nur auf dem siebten Platz. Ein Fehler des Fahrers und vom Mercedes-Kommandostand führte zu einer Strafe und raubte Hamilton den 90. GP-Sieg.

Stattdessen jubelte Alpha Tauri, wie schon einmal 2008, als Sebastian Vettel dem Team – damals noch unter dem Namen Toro Rosso – einen Sensationserfolg im Königlichen Park bescherte. Zwölf Jahre später feierte Pierre Gasly in seinem 55. Grand Prix den ersten Triumph.

Auf diesen Sieger haben wohl vor dem Rennen nur die allergrößten Zocker getippt. Das Podest hatte niemand auf dem Zettel. Den zweiten Platz belegte Carlos Sainz vor Lance Stroll. "Ich finde keine Worte für diesen Tag. Ich bin überglücklich. Wir haben die rote Flagge für den Sieg genutzt. Ich muss mich bei meinem Team bedanken. Sie haben mir die Möglichkeit für diesen Sieg gegeben", sagte ein strahlender Gasly.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
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Ein Boxenstopp in einer geschlossenen Boxenstraße kostete Hamilton den Sieg.

Strafe gegen Hamilton

Hamilton gewann den Start und hatte das Rennen bis zur 19. Runde voll im Griff. Sein Vorsprung auf den ersten Verfolger Carlos Sainz betrug zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zehn Sekunden. Dann parkte Kevin Magnussen sein Auto mit einem Defekt kurz vor dem Eingang der Boxengasse. Die Rennleitung schickte das Safety Car raus und sperrte die Einfahrt zur Box.

Trotzdem lenkte Hamilton sein Auto zum Reifenwechsel. Er übersah dabei die rot blinkenden LED-Tafeln in der Parabolica. Mercedes warnte ihn nicht. Das brockte dem WM-Führenden eine Stop-and-Go-Strafe mit zehn Standsekunden ein. Diese musste er direkt nach dem Restart antreten. Das Rennen war nach einem heftigen Unfall von Charles Leclerc unterbrochen worden, damit die Streckenposten den Reifenstapel in der Parabolica richten konnten.

Die Reihenfolge beim stehenden Restart hatte es in sich: Hamilton, der seine Strafe noch abzubüßen hatte, startete vor Lance Stroll, Pierre Gasly, Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi, Carlos Sainz, Lando Norris, Valtteri Bottas, Nicholas Latifi und Daniel Ricciardo. Nachdem der Mercedes mit der Startnummer 44 aus dem Weg war, führte Gasly den Grand Prix an. Alpha Tauri und Honda sammelten beim 50. gemeinsamen Rennen Führungskilometer und gewannen den irrsten Grand Prix der Saison.

Der Franzose setzte sich direkt ab. Sainz musste sich erst einmal nach vorne kämpfen. Bis er auf der zweiten Position nach gewonnenen Duellen gegen Stroll und Räikkönen auftauchte, war der Alpha Tauri schon um vier Sekunden enteilt. Sainz verkürzt mit einer Serie von starken Rundenzeiten noch bis auf 0,4 Sekunden. Eine Runde mehr und der Spanier hätte wohl statt Gasly den ersten GP-Erfolg eingefahren. "Wir wären auch ohne die Unterbrechung Zweiter geworden, allerdings hinter Lewis. Deshalb ist dieses Ergebnis verdient. Ich wollte aber unbedingt den Sieg", berichtete Sainz etwas enttäuscht.

Stroll auf dem Podest

Räikkönen wurde Platz für Platz durchgereicht, trotz weicher Reifen. Der Weltmeister von 2007 konnte im Alfa Romeo die deutlich schnelleren Autos nicht hinter sich halten. Lance Stroll schnappte sich den Finnen in der 35. Runde mit einem sehenswerten Manöver außen herum in der Roggia-Schikane. Wenig später überholten auch Norris, Bottas und Ricciardo den Alfa-Fahrer, der am Ende sogar die Punkte verpasste.

Stroll freute sich über den zweiten Podestplatz der Karriere. Der Kanadier war bereits in Aserbaidschan 2017 auf das Podium geklettert. Norris erweiterte als Vierter den Punkteregen für McLaren. Der Engländer hielt in den letzten Runden den zweiten Mercedes von Valtteri Bottas in Schach.

Der Finne enttäuschte auf ganzer Linie und darf sich glücklich schätzen, dank der Umstände noch den Abstand auf Hamilton verkürzt zu haben. Bottas kam beim ersten Start überhaupt nicht vom Fleck und rutschte weit zurück. In der Folge strauchelte er mit zu hohen Motor-Temperaturen. Auch nach dem zweiten Start fand Bottas nicht zum üblichen Speed. Sein Rennen endete auf dem fünften Platz. Weil Max Verstappen ausfiel, rutschte er in der WM-Wertung auf den zweiten Platz vor.

Renault erbeutete die Plätze sechs und acht. Zwischen Daniel Ricciardo und Esteban Ocon schob sich mit einem fulminanten Schlussspurt noch Hamilton, der vom 17. Platz noch zehn Positionen gutmachte und den Schaden etwas begrenzte. Hinter Ocon sammelten Daniil Kvyat im zweiten Alpha Tauri und Sergio Perez im Racing Point die letzten Punkte ein.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza
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Das kaputte Auto von Charles Leclerc. Ferrari erlebte ein Desaster beim Heimspiel.

Katastrophales Ferrari

Ferrari erlebte ein katastrophales Rennen. Sebastian Vettel stellte seinen SF1000 nach einem Bremsversagen schon früh ab. Offenbar ging eine der hinteren Bremsleitungen kaputt. Der Ex-Weltmeister hatte Glück, dass die Bremse vor der ersten Kurve und nicht an einer anderen Stelle versagte. So zerstörte Vettel zwar zwei Styropor-Aufsteller, hatte aber ausreichend Auslauf, um seinen Ferrari zu entschleunigen. "Der Ausfall hatte sich schon vorher angekündigt. Die Bremse wurde sehr heiß. Ich habe versucht, sie zu kühlen, aber es hat nicht ausgereicht. In diesem Jahr geht es immer ein bisschen schlimmer", bemerkte Vettel.

Charles Leclerc schmiss seinen Ferrari in der 24. Runde weg – kurz nachdem das Safety Car wieder abgebogen war. Der Vorjahressieger verlor sein rotes Auto im Scheitelpunkt der Parabolica. Beim Tritt aufs Gaspedal brach das Heck aus, Leclerc versuchte zu korrigieren und fing sich einen Gegenpendler ein, der ihn in den Reifenstapel schickte. Leclerc schüttelte sich und kletterte unverlletzt aus seinem Unfallwagen. "Ich bin in Ordnung", funkte er an seine Mannschaft. Die Rennleitung unterbrach den achten WM-Lauf für 25 Minuten.

GP Italien 2020: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Pierre Gasly Alpha Tauri 36:39.174 h
2. Carlos Sainz McLaren +0.415s
3. Lance Stroll Racing Point +3.358s
4. Lando Norris McLaren +6.000s
5. Valtteri Bottas Mercedes +7.108s
6. Daniel Ricciardo Renault +8.391s
7. Lewis Hamilton Mercedes +17.245s
8. Esteban Ocon Renault +18.691s
9. Daniil Kvyat Alpha Tauri +22.208s
10. Sergio Perez Racing Point +23.224s
11. Nicholas Latifi Williams +32.876s
12. Romain Grosjean Haas +35.164s
13. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +36.312s
14. George Russell Williams +36.593s
15. Alexander Albon Red Bull +37.533s
16. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +55.199s
17. Max Verstappen Red Bull Ausfall
18. Charles Leclerc Ferrari Ausfall
19. Kevin Magnussen Haas Ausfall
20. Sebastian Vettel Ferrari Ausfall
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