Suzuka und das F1-Überholdilemma

Braucht es eine zweite DRS-Zone?

Lewis Hamilton - GP Japan 2017 Foto: sutton-images.com 103 Bilder

In der Formel 1 ist Überholen zu einer Kunst geworden, weil das Hinterherfahren immer schwieriger wird. Viele Rennen gleichen einer Prozession. Manche Fahrer hätten für Suzuka gerne einen zweiten DRS-Bereich, den die FIA aber nicht eingerichtet hat.

Üblicherweise schafft die FIA auf den Grand-Prix-Strecken zwei Bereiche, in denen die Fahrer den Heckflügel umklappen dürfen, um den Top-Speed zu erhöhen und somit einfacher überholen zu können. In Melbourne, Montreal, Spielberg und Silverstone ließ Rennleiter Charlie Whiting sogar eine dritte DRS-Zone einrichten. Mit dem Ziel, Überholmanöver zu fördern.

In Suzuka gibt es dagegen nur eine DRS-Zone. Sie befindet sich auf der Zielgerade. Die Fahrer dürfen den Heckflügel-Flap 100 Meter vor dem Zielstrich hochklappen und solange offen blasen, bis sie bremsen oder den Flap über das Lenkrad zurücksetzen. Vorausgesetzt, man befindet sich 50 Meter vor Kurve 16 innerhalb von einer Sekunde mit dem Vordermann.

Trotzdem ist Überholen auf der japanischen Achterbahn keine einfache Angelegenheit. Vor allem mit den zwei Meter breiten Autos, die ausgiebige Turbulenzen hinter sich verursachen. In der verwirbelten Luft fällt es dem Hintermann schwer, dicht aufzuschließen.

Zielschikane erschwert Überholen

Das Streckenlayout erschwert die Aufgabe zusätzlich: „Die letzte Kurve vor der DRS-Zone ist eine langsame Schikane. Da kann dir der Vordermann beim Beschleunigen davon ziehen. Der DRS-Bereich ist nicht lang genug, um dann noch zu überholen“, erklärt Red Bull-Fahrer Daniel Ricciardo.

Der Australier ist überrascht, dass die FIA auf eine zweite DRS-Zone in Suzuka verzichtet. „Ich hätte erwartet, sie auf der Streckenskizze zu sehen.“ Einige seiner Kollegen hätten sich wie Ricciardo eine zweite DRS-Zone gewünscht. „Schaden würde es sicher nicht“, sagt Nico Hülkenberg.

Eine mögliche Stelle hätte die Gegengerade zwischen der Löffelkurve und der Zielschikane sein können. Dazwischen liegt aber die ultraschnelle 130R-Kurve. Die FIA verzichtete hier auf eine DRS-Zone mit dem Verweis auf die Sicherheit.

DRS in 130R-Kurve zu gefährlich?

F1 Tagbuch - GP Japan 2015 Foto: ams
Die Anfahrt auf die schnelle 130R-Kurve. Außen lauert ein Kiesbett auf Fehler.

„Ein zweiter DRS-Bereich würde wahrscheinlich das Überholen vereinfachen“, sagt Fernando Alonso, der die Argumentation der FIA nachvollzieht. „Zwei Autos nebeneinander in der 130R könnte sehr gefährlich sein. Man muss das Risiko für die Fahrer und den Nutzen abwägen. Für mich ist es Teil des Spiels. Es gibt eben Strecken wie Monte Carlo und Singapur, wo Überholen praktisch unmöglich ist. In Suzuka ist es eben schwer. Deshalb ist das Qualifying wichtig. Auf Strecken wie Spa ist es umgekehrt. Da rückt das Quali-Ergebnis in den Hintergrund, weil es genügend Überholstellen gibt.“

Sergio Perez will es den Fahrern überlassen. „Wir sind gut genug zu wissen und abzuschätzen, wann wir DRS aktivieren können und wann nicht. Man muss selbst entscheiden können, ob man den Gasfuß lupft, es deaktiviert oder das Risiko eingeht.“

Charles Leclerc pflichtet ihm bei. „Es wäre dieselbe Situation wie in Kurve eins in Silverstone.“ Eine DRS-Zone von Spoon bis zur Schikane würde bedeuten, dass die Fahrer in diesem Teilstück auch in Training und in der Qualifikation das DRS betätigen dürfen. Max Verstappen würde es sofort machen. „Ab der ersten Trainingsrunde ohne Bedenken.“

Vettel kein Freund von DRS

Die Top-Autos würden für den schnellen Linksknick von 130R selbst mit offenem Flügel genügend Anpressdruck erzeugen. Doch für die Teams im Mittelfeld und die Hinterbänkler könnte es ein Ritt auf der Rasierklinge werden. „Ich denke, mit unserem Auto geht es“, sagt Perez. „Ich würde vorher eine Insassen-Vollkaskoversicherung abschließen“, scherzt Nico Hülkenberg.

Sebastian Vettel ist ohnehin kein Freund von DRS. „Mir ist das System zu künstlich. Wir sind ja hier in Japan. Vielleicht sollte man wie beim Mario-Kart-Computerspiel Bananen aus dem Auto werfen.“ McLaren-Pilot Stoffel Vandoorne stimmt ihm zu: „DRS kann nicht die Lösung für das Überholproblem der Formel 1 sein.“

Sollte die FIA sich doch noch umentscheiden, müssten im Asphalt zusätzliche Sensorschleifen für die Mess- und Aktivierungspunkte installiert werden. Etwas, was schon in Russland diskutiert, später jedoch nicht umgesetzt wurde, da der Aufwand zu hoch war.

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