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Formel 1 - GP Monaco 1960
Stirling Moss - Formel 1 - GP Monaco 1960
Stirling Moss - Formel 1 - GP Monaco 1960
Stirling Moss - Formel 1 - GP Monaco 1960 9 Bilder

Drama beim GP Monaco 1960

Erster Lotus-Sieg vor 60 Jahren

Mit 81 Siegen liegt Lotus immer noch auf Platz 5 der ewigen Formel-1-Bestenliste. Der erste Sieg liegt 60 Jahre zurück. Stirling Moss brachte 1960 in Monaco einen Rennstall auf die Landkarte, dessen Name nur von Ferrari überstrahlt wird.

Er zählt zu den klingenden Namen im Motorsport. Lotus kannte bis vor 25 Jahren jedes Kind. Der englische Ferrari. Das Team des Trendsetters und Grenzgängers Colin Chapman. In seinen Rennautos gewann oder starb man. Jim Clark, Graham Hill, Jochen Rindt, Emerson Fittipaldi und Mario Andretti wurden auf Lotus Weltmeister.

13 Fahrer gewannen auf einem Lotus einen Grand Prix. Sechs Fahrer-Weltmeisterschaften, sieben Konstrukteurs-Titel, 81 Siege, 107 Pole Positions und 71 schnellste Runden stehen in einer Statistik, die nur von Ferrari, McLaren, Williams und Mercedes übertroffen wird.

Die Lotus Story beginnt mit dem GP Monaco 1958 und sie endet 2015 in Abu Dhabi. Für Puristen wurde Lotus allerdings schon 1994 zu Grabe getragen. Zwischen 2010 und 2015 fuhren andere Teams nur noch den Namen spazieren. Immerhin reichte es in dieser Ära mit Kimi Räikkönen noch zu zwei Siegen.

Der allererste Sieg 1960 in Monte Carlo mit einem Lotus liegt an diesem Wochenende exakt 60 Jahre zurück. Clive Chapman, Sohn des Firmengründers spricht im Rückblich von einer "David-gegen-Goliath-Story".

Genau genommen war es auch kein astreiner Lotus-Erfolg. Nicht die Werksfahrer Innes Ireland, Alan Stacey oder John Surtees stiegen in die Fürstenloge, sondern Stirling Moss, der in privater Mission unterwegs war. Seinen Lotus 18 in blauer Lackierung mit weißen Streifen setzte Whisky-König Rob Walker ein.

Stirling Moss - Formel 1 - GP Monaco 1960
Lotus
Auf den Schwarz-Weiß-Bildern sieht man nicht, dass es sich um einen privat eingesetzten Lotus in blauer-weißer Lackierung handelte.

Der erste echte Lotus

Die Erfolgsstory begann also am 29. Mai 1960 an einem trüben Tag in Monte Carlo. Auch ein paar Regentropfen fielen. Für Colin Chapman war der Lotus 18 das erste echte Formel 1-Auto seines noch jungen Rennstalls. Es trug bereits Merkmale seiner Konstruktionsphilosophie in sich. Leicht, wendig, effizient.

Und der Motor lag erstmals hinter dem Fahrer. Cooper war mit seinem Mittelmotor-Konzept des T53 vorangeprescht. Bei Lotus und B.R.M. fiel der Schuss mit zwei Jahren Verspätung. Der GP Monaco war damals noch ein echtes Langstreckenrennen. Der Sieger brauchte für 100 Runden fast drei Stunden.

Blicken wir auf eine historische Stunde des Motorsports zurück: 24 Nennungen, aber nur 16 Starter. Sir Stirling stellte den Walker-Lotus auf den besten Startplatz. Es war die erste Pole Position für die englische Marke. Wie damals üblich war die Qualifikation die erste große Hürde beim Grand Prix von Monaco.

So gesehen war es keine gute Idee von Lance Reventlow mit seinem neuen Scarab-Team ausgerechnet bei diesem Rennen zu debütieren. Der erste Auftritt eines amerikanischen Formel-1-Autos endete mit einer Nichtqualifikation. Chuck Daigh und Lance Reventlow fehlten in ihren wunderschönen, aber behäbigen Scarabs mit Frontmotor 11,3 respektive 12,2 Sekunden auf den Trainingsschnellsten Stirling Moss.

Die Amerikaner baten Moss, ihr Auto kurz zu testen. So etwas war damals noch möglich. Der Lotus-Pilot fuhr in dem fremden Auto fünf Sekunden schneller. Sein Urteil: Die Aufhängung war viel zu hart abgestimmt.

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Schutzzäune oder Sicherheitsbanden gab es damals noch nicht. Hinter den Werbeplanen sollten Strohballen einen Aufprall abfedern.

Ein Lotus-Fahrer im Scarab

Die Scarabs waren nicht die einzige Neuerscheinung beim zweiten Grand Prix des Jahres. Stirling Moss hatte endlich den neuen Lotus 18 zur Hand. Ferrari vertraute den 246P, einem Prototypen mit dem Motor hinter dem Fahrer, seinem Debütanten Richie Ginther an. Das italienische Team hatte sich einen Cooper als Anschauungsmaterial gekauft und auf diesen Erkenntnissen aus dem 246 Dino einen 246P gemacht. Ginther qualifizierte Ferraris Versuchsballon für den neunten Startplatz.

Der sommersprossige Amerikaner verlor nur drei Zehntel auf Wolfgang Graf Berghe von Trips, den schnellsten Mann im Stall. Das Trainingsergebnis hätte Maranello dazu veranlassen müssen, das Mittelmotor-Projekt energisch voranzutreiben, doch es schlief wieder ein. Spätestens nach dem WM-Titel von Jack Brabham im Cooper 1959 musste allen klar sein, wohin die Reise geht.

Doch Enzo Ferrari war das Konzept des Autos egal. Für ihn definierte sich die Technik ausschließlich über den Motor. Die drei Frontmotor-Ferrari für Wolfgang Graf Berghe von Trips, Phil Hill und Cliff Allison wiesen allesamt unterschiedliche Radstände auf. Von 2.160 über 2.220 bis 2.320 Millimeter.

Die größte Gegenwehr erwartete Moss nicht von Markenkollege Innes Ireland, sondern von diversen Cooper-Climax im Feld. Weltmeister Brabham stellte seinen Werks-T53 auf Startplatz 2. Neben ihm nahm Heimkehrer Tony Brooks Platz, der auf einem von B.R.P. eingesetzten Vorjahres-Cooper genannt hatte. Dessen Teamkollege Chris Bristow folgte auf Rang 4.

Nach dem vielversprechenden Auftritt in Buenos Aires musste man auch noch mit den B.R.M. von Joakim Bonnier, Graham Hill und Dan Gurney rechnen. Das Trio nahm die Startplätze 5, 6 und 14 ein. Fast unbemerkt gab der siebenfache Motorradchampion John Surtees sein GP-Debüt. Er fuhr neben Innes Ireland und Alan Stacey den dritten Werks-Lotus und konnte sich mühelos auf Platz 15 qualifizieren.

Stirling Moss trifft Lewis Hamilton: Silberpfeil-Party in Monza

Lewis Hamilton & Stirling Moss - Monza - Mercedes - 2015
Lewis Hamilton & Stirling Moss - Monza - Mercedes - 2015 Lewis Hamilton & Stirling Moss - Monza - Mercedes - 2015 Lewis Hamilton & Stirling Moss - Monza - Mercedes - 2015 Lewis Hamilton & Stirling Moss - Monza - Mercedes - 2015 32 Bilder

Ein schwerer Unfall im Training

Für Ferrari begann das Wochenende mit einer schlechten Nachricht. Cliff Allison war in der Schikane schwer verunglückt. Der Engländer segelte in hohem Bogen aus dem Auto und zog sich einen komplizierten Armbruch, eingedrückte Rippen und schwere Verletzungen an der Wirbelsäule zu. Der Autohändler aus Brough lag 16 Tage im Koma. Man erzählt sich, dass er danach fließend Französisch sprach, obwohl er vorher nur ein paar Brocken der Sprache kannte.

Allisons Unfall war ein zweiter Warnschuss in einer Saison, die von vielen schweren Unfällen gezeichnet war. Erst 14 Tage vor dem GP Monaco war Harry Schell bei einem nicht zur WM zählenden Lauf in Silverstone tödlich verunglückt. Der Amerikaner überschlug sich auf nasser Piste in Abbey Curve und krachte in eine Mauer. Drei Wochen später sollten Chris Bristow und Alan Stacey in Spa zu Tode stürzen.

Das große Autoroulette an einem regnerischen Sonntag begann mit einem spannenden Dreikampf zwischen Stirling Moss, Joakim Bonnier und Jack Brabham. Bonnier hatte sich mit seinem heckgetriebenen B.R.M. beim Start an die Spitze gesetzt. Er konnte sie bis Runde 17 gegen Moss verteidigen. Dann setzte der Regen ein.

Sir Stirling Moss - Formel 1 - Mercedes
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Das war die stärkste Phase von Brabham. Der Weltmeister schloss eine Sieben-Sekunde-Lücke zu Moss und ging in Führung. Auf der schmierigen Piste kam es zu zahlreichen Ausrutschern. Bruce McLaren im Tunnel und der Gasometer-Kurve. Phil Hill am Casino. Tony Brooks und Jack Brabham in Ste. Dévote. Roy Salvadori in der Gasometer-Kurve.

Nachdem Brabham durch einen Dreher in der 41. Runde und die anschließende Disqualifikation wegen Inanspruchnahme fremder Hilfe aus dem Rennen war, konzentrierte sich das Geschehen auf das Duell zwischen Moss und Bonnier. Moss musste an den Boxen eine Zündkerze wechseln lassen, was Bonnier die Führung einbrachte. Aber nur acht Runden lang. Dann war Moss wieder vorbei.

In dieser Phase hatte der Regen stark zugenommen. Unter den tückischen Bedingungen ließ Moss seine ganze Klasse aufblitzen. In der 78. Runde musste Bonnier aufgeben. Eine gebrochene Hinterachse zwang ihn an die Box. Doch das Rennen war für den Schweden noch nicht vorbei.

Stirling Moss - Formel 1 - GP Monaco 1960
Lotus
Ehrung in der Fürstenloge. Stirling Moss feierte den ersten von 81 Lotus-Siegen in der Formel 1.

Verwundete werden gesund gepflegt

Als ab der 79. Runde nur noch vier Fahrzeuge um den Kurs kreisten, begann in den Boxen das große Arbeiten. Längst ausgefallene Autos wurden wiederbelebt. Andere warteten, bis Stirling Moss die Zielflagge gezeigt bekam und schoben ihre Autos dann über den Strich. Punkte gab es neuerdings für die ersten Sechs, aber nur für Fahrer, die aus eigener Kraft die Ziellinie kreuzten.

So kamen Joakim Bonnier mit 17 und Richie Ginther im Mittelmotor-Ferrari mit 30 Runden Rückstand noch zu WM-Zählern. Bonnier wurde mit zwei WM-Punkten belohnt. Die B.R.M.-Truppe hatte sein Auto wieder flottgemacht. Ginther bugsierte seinen immobilen Mittelmotor-Ferrari über die Ziellinie, um sich den letzten WM-Punkt zu sichern.

Der kürzlich verstorbene Moss feierte seinen ersten Saisonsieg. Bruce McLaren wurde mit 52 Sekunden Rückstand Zweiter. Damit verteidigte der Argentinien-Sieger seine WM-Führung. Phil Hill verlor im Finale zehn Sekunden auf den Neuseeländer. Tony Brooks schloss ein unauffälliges Rennen als Vierter ab.

Punkte hätte es eigentlich auch noch für Innes Ireland geben müssen. Der Lotus-Pilot war kurz nach Halbzeit des Rennens auf der Steigung zum Casino hoch stehen geblieben. Ein Kurzschluss hatte die Zündspule lahmgelegt. Der Lotus-Pilot begann sein Auto den Berg hinauf über den ganzen Rest der Strecke zu schieben. Das Drama zog sich bis zur letzten Runde hin. vom Punkt seines Ausfalls über 2,5 Kilometer weit. Als Ireland schließlich am Ziel ankam, hatte er 44 Runden Rückstand auf den Sieger.

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