Rennanalyse GP Monaco 2018

Ricciardo durch nichts aufzuhalten

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: sutton-images.com 61 Bilder

Der GP Monaco war ein Rennen mit wenigen echten Überholmanövern. Wie vorher zu erwarten war. Dass Favorit Daniel Ricciardo wirklich ins Schwitzen kommen würde, daran glaubten vor dem Start nur die Wenigsten. Eine defekte MGU-K hätte ihn fast den Sieg gekostet.

Wo lagen Ricciardos Probleme?

Red Bull hatte in den Straßen von Monaco das schnellste Auto. Der RB14 ist zweifelsfrei der Rennwagen mit dem meisten Anpressdruck im Feld. Daniel Ricciardo entschied alle Trainings und alle Qualifyingteile für sich. Nach dem gewonnen Start sah alles nach einem lockeren Sieg für den Australier aus. Zumal er sich ab der 12. Runde von Verfolger Sebastian Vettel löste. Just in dem Augenblick als der drittplatzierte Lewis Hamilton stoppte. Innerhalb von drei Umläufen wuchs der Vorsprung auf Vettel von 1,9 auf 3,6 Sekunden. Vettels Boxenstopp in der 16. Runde konterte Red Bull einen Umlauf später. Danach herrschte wieder Waffengleichheit auf der Reifenseite.

Vettel verkürzte zwar, doch Ricciardo kontrollierte. Bis zur 26. Runde. Dann herrschte im Red-Bull-Lager plötzlich Panik. „Ich stieg auf das Gaspedal und es fühlte sich so an, als ob nur noch die Hälfte der Leistung da ist“, berichtete Ricciardo. Die MGU-K verweigerte ihren Dienst. Das ist der Teil des Hybridsystems, der kinetische Energie im Schleppbetrieb in die Batterien speist. Und beim Beschleunigen 163 Zusatz-PS beisteuert. Für den Moment dachte Red Bull sogar an Aufgabe. „Die Ingenieure meldeten bedenken, dass der Motor in Mitleidenschaft gezogen werden könnte“, äußerte sich Teamchef Christian Horner. „Ich gab die Anweisung weiterzufahren. In Monaco gibst du nicht einfach auf, wenn du in Führung liegst.“

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen Ricciardos Meisterstück Monaco-Sieg trotz MGU-K-Verlust

Nur mit der Leistung des Verbrennungsmotors wäre Ricciardo auf jeder anderen Strecke im Grand-Prix-Kalender ein leichtes Opfer gewesen. Nicht aber auf dem langsamsten und engsten Kurs des Jahres. Der Australier meisterte die Aufgabe bravourös. Obwohl er zwischenzeitlich in hohe 1:19er Rundenzeiten abrutschte. Zum Vergleich: Seine schnellste Rennrunde fuhr er im 13. Umlauf in 1:15.562 Minuten. Der 28-Jährige erlaubte sich nicht eine Schwäche. Ricciardo kümmerte sich um Motor, Reifen und Bremsen. Und gleichzeitig um den Sicherheitsabstand zu Vettel. „Jede Runde, in denen sich die Probleme nicht verschlimmerten, waren wie ein kleiner Sieg.“ Red Bull wies den Australier an, maximal bis in den sechsten Gang zu schalten. Das hatte nichts mit einem Schaden am Getriebe zu tun. „Wir sagten ihm, dass er in den unteren Gängen die meiste Power aus dem Motor bekommt.“

Die Probleme waren groß. Es fehlte nicht nur Leistung. Ohne die MGU-K, die beim Bremsvorgang quasi „mitbremst“, drohten die hinteren Bremsscheiben zu überhitzen. Erinnern Sie sich zurück an den GP Kanada 2014. Damals stieg bei beiden Mercedes die MGU-K aus und im Auto von Lewis Hamilton überhitzten die hinteren Bremsen. Was ihn aus dem Rennen warf. Nico Rosberg musste sein Tempo drosseln und Ricciardo gewann.

Bevor die Bremsen Feuer fingen, justierte Ricciardo die Bremsbalance. „Ich ging sechs oder sieben Prozent nach vorn. Normalerweise verstellst du die sie im Rennen um ein, zwei Prozent.“ Trotz aller Widrigkeiten quälte er sich zum Sieg. Der Lohn war der erste Sieg in Monte Carlo. Und der Sprung auf den dritten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft.

Warum fiel Vettel zum Schluss ab?

Sebastian Vettel verzweifelte hinter Ricciardo. Nie ließ der Australier den Heppenheimer nahe genug herankommen, um einen Überholversuch zu wagen. „Ich hatte ein paar Mal DRS. Leider sind die Geraden zu kurz. In den drei Kurven vor dem Tunnel baute er immer genügend Puffer auf.“

Der Auffahrunfall von Charles Leclerc auf Brendon Hartley ließ Ricciardo kurz bangen. „Ein Safety Car hätte mich beim Restart verwundbar gemacht. Aber ich glaube, ich hätte Sebastian mit einer sauberen letzten Kurve hinter mir gehalten.“ Die ausgerufene VSC-Phase spielte mehr dem Australier in die Karten. Vettels Reifen waren schon ausgelutscht. Dem Ferrari-Star gelang es nicht, im Bummeltempo die Temperatur in den Ultrasofts zu halten. Als die Rennleitung Grün ausrief, rutschte der WM-Zweite auf kalten Reifen um die Kurven. „Ich hatte leider noch Vandoorne vor der Nase. Es dauerte etwas, bis ich an ihm vorbei war. Danach wollte ich keine dummen Sachen anstellen. Es war ein bisschen schade, dass ich den Druck nicht bis zum Schluss aufrechterhalten konnte.“

Wie stand es um Mercedes?

Monaco liegt den Silberpfeilen einfach nicht mehr. Immerhin federte das Weltmeisterteam die Niederlage in diesem Jahr etwas ab. Die Positionen drei für Hamilton und fünf für Bottas nennt man wohl maximale Schadensbegrenzung. Ohne den Unfall von Max Verstappen im dritten Training wäre wohl kein Podestrang herausgesprungen. Die Ursache, warum man sich auf Stadtkursen so schwer tut, kennt man immer noch nicht. Liegt es am langen Radstand? An der mechanischen Balance? Oder am Aerodynamik-Konzept? „Bei all der Wissenschaft wissen wir nicht, warum unser Auto auf Stadtkursen nicht um die Ecken kommt“, meinte Teamchef Toto Wolff. Die Fahrer berichteten immerhin von einem viel besseren Fahrverhalten als noch im letzten Jahr.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco 2018 - Rennen Mercedes begrenzt Schaden Hamilton verteidigt WM-Führung

Der Mercedes W09 nahm seine Reifen härter ran als die Konkurrenzprodukte. Graining war ein größeres Thema als bei Red Bull und Ferrari. „Wir mussten mit Lewis so früh stoppen, weil ihm sonst die Reifen um die Ohren geflogen wären“, berichtete Wolff. Es bestand auch die Angst, dass Kimi Räikkönen mit einem Undercut durchwischen hätte könnte. Dabei fuhr der Weltmeister so langsam wie irgendwie möglich. Auch die härteren Ultrasofts körnten. „Nach zwei Runden begann das Graining schon wieder. Es verteilte sich auf über Zweidrittel der Lauffläche. Ich konnte es aus dem Cockpit genau beobachten.“ Warum neigten die Pirellis überhaupt zum Graining? „Weil die Reifen eine Stufe weicher sind als 2017. Der Supersoft entspricht dem Ultrasoft von 2017. Und mit dem Hypersoft sind wir noch weicher“, erklärte Pirellis Sportchef Mario Isola.

Weil Ricciardo in Technik-Problemen steckte, rückte Hamilton trotzdem an das Spitzen-Duo heran. Zeitweise trennten ihn nur drei Sekunden vom dritten Monaco-Sieg. Im letzten Rennviertel fiel er wieder ab. „Er hat eingesehen, dass es einfach kein Vorbeikommen gegeben hätte“, sagte Wolff. Taktisch wäre es im Nachhinein betrachtet vielleicht schlauer gewesen, Hamilton mit den Supersoftreifen auszurüsten. Doch Mercedes fürchtete, dass Hamilton die Gummis nicht schnell genug erwärmen würde können. In den Trainings jedenfalls war dem so. Doch die kühleren Asphalttemperaturen von rund 33 Grad kamen dem Supersoft-Kleber entgegen. Wie gesehen an Valtteri Bottas. Der Finne schloss in Windeseile die Lücke zu Räikkönen. Dann war Endstation. „Obwohl ich 1,5 Sekunden schneller hätte fahren können.“

Wie kam Verstappen in Punkte?

Verstappen hatte sich die Suppe selbst eingebrockt. Durch den Unfall im Training. Im Rennen zeigte sich der 20-Jährige weiser. Er kam ohne Unfälle und Kollisionen durch. Am Start krallte sich der Niederländer direkt die beiden HaasF1. Später noch Marcus Ericsson, Lance Stroll und Brendon Hartley. Danach gewann er Positionen durch die Strategie. Die Ultrasoftreifen trugen ihn bis zum 47. Umlauf. In der 57. Runde quetschte sich Verstappen an Sainz vorbei. Mit dem Vorteil der Hypersofts. An Nico Hülkenberg scheiterte die Aufholjagd. Das Ergebnis: Platz neun.

GP Monaco 2018: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Daniel Ricciardo Red Bull 1:42.54,807 Std.
2. Sebastian Vettel Ferrari + 0:07.336 Min.
3. Lewis Hamilton Mercedes + 0:17.013
4. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:18.127
5. Valtteri Bottas Mercedes + 0:18.822
6. Esteban Ocon Force India + 0:23.667
7. Pierre Gasly Toro Rosso + 0:24.331
8. Nico Hülkenberg Renault + 0:24.839
9. Max Verstappen Red Bull + 0:25.317
10. Carlos Sainz Renault + 1:09.013
11. Marcus Ericsson Sauber + 1:09.864
12. Sergio Perez Force India + 1:10.461
13. Kevin Magnussen HaasF1 + 1:14.823
14. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
15. Romain Grosjean HaasF1 + 1 Runde
16. Sergey Sirotkin Williams + 1 Runde
17. Lance Stroll Williams + 2 Runden
18. Brendon Hartley Toro Rosso Ausfall
19. Charles Leclerc Sauber Ausfall
20. Fernando Alonso McLaren Ausfall
Neues Heft
Top Aktuell Jos Verstappen - GP Brasilien 2001 Crazy Stats GP Brasilien Späte Rache für Montoya-Crash
Beliebte Artikel Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen F1-Fotos GP Monaco - Rennen Ricciardos Pool Party Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen GP Monaco 2018 - Rennen Ricciardo gewinnt vor Vettel
Anzeige
Sportwagen Mercedes E 400 Coupé, Frontansicht Sportwagen-Neuzulassungen Oktober Mercedes E Coupé vor Mustang 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Allrad Jeep Gladiator Concept 2005 Jeep Wrangler Pickup Neuer Pickup-Jeep für 2019 Seat Ateca Schnee Winter SUV Die 30 billigsten 4x4-SUV Winter-SUV bis 30.000 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu Renault 19 (1988) Renault 19 (1988-1995) 30 Jahre und fast verschwunden