Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021 xpb
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Formel 1: Mercedes droht mit Heckflügel-Protest

Mercedes droht mit Heckflügel-Protest Wie viele Teams müssen Flügel ändern?

GP Monaco

Die Scharfmacher in der Heckflügel-Affäre sind zufrieden mit dem strengeren Test, nicht aber mit dem Timing. Er gibt den Teams, die den Flügel zu stark verbiegen, zu lange Zeit von einem Vorteil zu profitieren. Mercedes kann sich sogar einen Protest vorstellen.

Der GP Monaco ist noch nicht einmal gelaufen, da steht das nächste Rennen in Baku schon im Blickpunkt. Auf dem Stadtkurs mit seinen langen Geraden ist der Topspeed ein mitentscheidender Faktor für die Rundenzeit. Damit bekommt die Debatte um die biegsamen Heckflügel eine neue Dimension. Aston Martin-Teamchef Otmar Szafnauer sieht einen riesigen Vorteil für die Teams, die das Heckflügel-Verbiegen bis an die Grenze treiben. "Nach unseren Berechnungen gewinnen sie auf allen Geraden eine halbe Sekunde auf die Autos, deren Flügel den Regeln entsprechen."

Wie FIA-Technikchef Nikolas Tombazis in seiner Technischen Direktive erwähnt hat, steht mehr als nur ein Team unter Verdacht. Mercedes hat sich verständlicherweise an Red Bull festgebissen, die Video-Aufnahmen zufolge das Zurückklappen des Flügels perfektioniert haben. Aber auch bei Ferrari, Alfa Romeo, Alpine und McLaren sind Unregelmäßigkeiten beobachtet worden. "Mehr oder weniger jedes Team, das ein Auto mit starker Anstellung einsetzt, verbiegt nach unseren Erkenntnissen den Flügel. Wir vermuten, dass sie das brauchen, um den Nachteil des höheren Luftwiderstands auszugleichen", behauptet Szafnauer. McLaren-Kollege Andreas Seidl widerspricht: "Wir müssen an unserem Auto nichts ändern."

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Motorsport Images
Was muss Red Bull am Heckflügel ändern?

Horner beklagt hohe Kosten

Bei anderen Teams hört sich das anders an. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt zu, dass man das Reglement in diesem Punkt bis an die Grenze des Erlaubten auslotet. "Wenn es jetzt neue Richtlinien gibt, werden wir reagieren. Bei uns sind es aber nur kleine Korrekturen." Auch Alpine-Teammanager Laurent Rossi räumt ein, dass die Ingenieure möglicherweise am Heckflügel-Änderungen vorbringen müssen. Ein Ingenieur lässt durchblicken: "Bei uns sind es höchstens ein paar zusätzliche Kohlefaserlagen."

Red Bull-Teamchef Christian Horner macht kein Geheimnis daraus, dass sein Team von der neuen Technischen Direktive betroffen ist: "Unser Auto hat bis jetzt alle Tests bestanden. Damit erfüllt es auch die Regeln. Wenn sich jetzt der Belastungstest ändert, ist das wie eine Regeländerung. Und wir werden darauf reagieren. Das ist zeitaufwendig und kostspielig. Das kann eine halbe Million Dollar kosten."

Mercedes-Rennleiter Toto Wolff kündigt an, dass auch der Titelverteidiger seine Flügel anpassen wird: "Wir gehen den anderen Weg. Unser Flügel ist im Vergleich zu den anderen viel zu steif. Wir haben noch Spielraum Richtung mehr Biegsamkeit so wie es der neue Test vorzieht."

Drei Spielarten der Verbiegung

Die Video-Aufzeichnungen der rückwärts gerichteten Kameras zeigen zwar ziemlich gut die Verformung der Flügel, sie decken aber nicht auf, wie es gemacht wird. Die Spione haben drei mögliche Tricks identifiziert. Red Bull soll es über die Heckflügel-Endplatten bewerkstelligen. Sie biegen sich ab 250 km/h nach innen und ziehen so das Hauptblatt nach unten. Andere lagern den Flügel angeblich in einer Schiene, in der die Flügelaufhängung ab einer bestimmten Last nach hinten wandern kann. Und dann soll es noch einen Mechanismus geben, der zusammen mit DRS aktiviert wird.

Andreas Seidl - McLaren - GP Portugal 2021
xpb
McLaren-Teamchef Andreas Seidl fordert schnelles Handeln von der FIA.

Die Kläger in der Heckflügel-Affäre äußerten sich zufrieden mit dem harten Kurs, den die FIA jetzt fahren will, üben aber Kritik am Timing. Die Tests treten erst am 15. Juni in Kraft, also nach dem GP Aserbaidschan. Und bis zum GP England wird noch eine Toleranz von 20 Prozent zugestanden. "Es ist inakzeptabel, dass einige Teams noch zwei Rennen mit Autos fahren dürfen, die illegale Teile benutzen", schimpft Seidl.

Horner erwidert: "Wenn du ein Teil am Auto ändern willst, brauchst du je nach Teil eine bestimmte Vorlaufzeit. Du zauberst nicht einen neuen Heckflügel von heute auf morgen so einfach aus dem Hut." Wolff relativiert: "Wir räumen ein, dass es schwierig ist, in zwei Wochen neue Flügel zu bauen. Aber vier Wochen Vorlauf ist definitiv zu lang. Es ist absolut unverständlich, dass bis Baku nichts passiert. Gerade auf der Strecke, auf der ein biegsamer Flügel den größten Vorteil bietet."

Der Mercedes-Boss warnt deshalb alle Glücksritter: "Die Teams, die diese Flügel fahren, riskieren einen Protest. Der könnte bis zum Internationalen Sportgericht gehen und sich Wochen hinziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Formel 1 so etwas leisten will." Der Frage, ob Mercedes die Protestfront anführt, wich der Österreicher aus. "Es sind auch andere Teams, die ein Interesse daran haben, dass diese Flügel verschwinden."

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