Nelson Piquet - Brabham BT53-BMW - Niki Lauda - McLaren MP4/2 - GP Österreich 1984 sutton-images.com

Grand Prix Nr. 400 - Österreich 1984

Erster Heimsieg für Niki Lauda

1000. GP

Niki Lauda musste bis 1984 warten, bis er endlich am Österreichring gewann. Wir erzählen noch einmal die Geschichte des 400. Rennen der Formel-1-Historie nach. Es war nicht nur wegen des Jubiläums erinnerungswürdig.

Neun Mal war Niki Lauda bei seinem Heim-Grand Prix gestartet. Die bisherige Bilanz: vier Ausfälle, ein zweiter, ein fünfter, zwei sechste und ein zehnter Platz. Diesmal erwarteten Laudas Landsleute einen Sieg. Und der Österreicher lieferte ihn. Wenn auch mit Herzklopfen. Kurz nachdem er Nelson Piquet von der Spitze verdrängt hatte, rührte Lauda im Getriebe und fand keine Gänge. Er wollte schon aufgeben, da meldeten sich die Gänge zwei, drei und fünf zurück.

So fuhr der Lokalheld ohne vierten Gang zum Sieg und übernahm damit auch die WM-Führung. Die Brabham-Crew merkte von Laudas Problemen nichts. Piquet fuhr im Schongang weiter, um seinen 2. Platz nicht zu gefährden. Zu oft war der Brabham-BMW in diesem Jahr ausgefallen. Alain Prost war ab der 29. Runde kein Gegner mehr für Lauda. Der Franzose rutschte auf einer von Elio de Angelis gelegten Ölspur in der Jochen-Rindt-Kurve in die Leitplanken. Piquet zauberte sich querstehend durch den Ölteppich. Lauda roch den Braten und ging rechtzeitig vom Gas.

Motordrama bei Renault

Prost blieb nicht der einzige Ausfall aus dem Favoritenkreis. De Angelis ereilte ein Motorschaden. Renault beklagte einen großen Aderlass. Auch der zweite Lotus-Fahrer Nigel Mansell und die Renault-Werkspiloten Derek Warwick und Patrick Tambay fielen mit geplatzten Motoren aus. Keke Rosberg gab auf, bevor er mit einem miserabel liegenden Williams-Honda von der Strecke fliegen würde. Riccardo Patrese ging drei Runden vor Schluss auf Platz fünf liegend das Benzin aus. Die Umstellung auf eine mechanische Einspritzung hatte den Verbrauch des Alfa Romeo V8-Turbo reduziert, aber eben nicht genug.

Der erste Startversuch ging schief. De Angelis und Rothengatter hoben den Arm, weil sie den ersten Gang nicht einlegen konnten. Starter Derek Ongaro realisierte das Malheur im Feld zu spät. Als er auf Rotlicht als Zeichen für Startabbruch umschalten konnte, war das halbe Feld schon losgefahren. Das Rennen wurde neu über die komplette Distanz gestartet. Alle durften nachtanken. Im zweiten Anlauf setzte sich Piquet vor Prost, Tambay, Warwick, de Angelis, Lauda und Senna in Führung.

In der Anfangsphase sorgte Lauda für Stimmung bei den 90.000 Zuschauern. Innerhalb von neun Runden rückte der Lokalheld auf den dritten Platz vor, ließ die beiden Renault von Derek Warwick und Patrick Tambay und den Lotus von Elio de Angelis hinter sich. Nach 25 Runden hatte Lauda Sichtkontakt. Piquet und Prost kreisten immer noch als Tandem um den Kurs. Doch nur Lauda profitierte vom Vorteil der härteren Reifen, die in der zweiten Rennhälfte Steherqualitäten bewiesen. Seine Gegner hatten weichere Reife aufgezogen.

Nelson Piquet - Brabham BT53-BMW - GP Österreich 1984
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Nelson Piquet führte am Start des Österreich-Rennens 1984.

Wo ist der 4. Gang?

In der 40. Runde dann die rennentscheidende Szene. Piquet lief mit dem drängelnden Lauda im Rückspiegel im Hella-Licht-S auf Alboreto zum Überrunden auf. Der Brabham-Pilot musste vom Gas und stand beim Beschleunigen quer. Lauda konnte sich auf der folgenden Geraden rechts danebensetzen und seinen Widersacher vor der Glatz-Kurve ausbremsen.

Nur zwei Runden später hörte Lauda ausgangs der Bosch-Kurve einen Knall und suchte nach dem vierten Gang. Der Österreicher riss bereits den Arm als Warnung für die nachfolgenden Fahrer aus dem Cockpit, als er doch noch die fünfte Fahrstufe einlegen konnte. Auch der zweite und dritte Gang meldeten sich zurück.

Während Alboreto und Teo Fabi Laudas Schwäche nutzten, um sich zurückzurunden, blieb Piquet brav auf Platz 2. Keiner bei Brabham trieb seinen Fahrer zur Eile. Man glaubte, Lauda kontrolliere das Tempo an der Spitze. Als Piquet einmal kurz näher rückte, legte Lauda eine schnelle Runde auf die Bahn, um seinem Verfolger zu zeigen: Du musst es erst gar nicht probieren.

Teo Fabi zeigte sein bestes Saisonrennen. Nach einem missglückten Start kehrte der zweite Brabham-Pilot als Letzter aus der ersten Runde zurück. Im Ziel war der Italiener Vierter hinter Michele Alboreto in einem Ferrari mit verlängertem Radstand. Sein Kommentar: „Motor gut, Auto und Reifen verbesserungsbedürftig.“

Nelson Piquet - Brabham BT53-BMW - Niki Lauda - McLaren MP4/2 - GP Österreich 1984
Nelson Piquet - Brabham BT53-BMW - Niki Lauda - McLaren MP4/2 - GP Österreich 1984 Alain Prost - McLaren MP4/2 - GP Österreich 1984 Nelson Piquet - Brabham BT53-BMW - GP Österreich 1984 Jo Gartner - Jonathan Palmer - GP Österreich 1984 9 Bilder

Der erste Grand Prix ohne Saugmotor

Marc Surer machte es wie Fabi. „Mir fiel beim Start die Drehzahl in den Keller. Ich musste in der ersten Runde sogar das Arztauto überholen.“ Surer krönte seine Aufholjagd als Sechster, einen Platz hinter Teamkollege Thierry Boutsen. Bei Arrows-BMW knallten die Sektkorken.

ATS brachte erstmals in dieser Saison zwei Autos an den Start. Gerhard Berger gab sein Debüt. Der Österreicher war im Rennen die einzige Hoffnung von Felgenkönig Günter Schmid. Manfred Winkelhock konnte nach einem Getriebeschaden im Warm-up nicht starten. Berger stand nach dem Start beim Spurt den Voest-Hügel hinauf mitten im Feld quer, hielt sein Auto aber reaktionsschnell auf Kurs. „Da hätte meine Karriere schon zu Ende sein können“, lachte Berger. Der Debütant kam als Zwölfter ins Ziel.

Ausgerechnet beim 400. Grand Prix der Geschichte stand kein einziges Auto mit Saugmotor am Start. Stefan Johansson und Stefan Bellof konnten sich nicht qualifizieren. Den Tyrrell-Cosworth fehlten 10,1 Sekunden auf die Trainingsbestzeit von Nelson Piquet. Mit einem Schnitt von 248,236 km/h machte der Brasilianer den Österreichring wieder zur schnellsten Strecke im Kalender.

GP Österreich am 19.8.1984

1.Niki Lauda (A) McLaren-Porsche 1:21.12,851 h = 223,884 km/h
2.Nelson Piquet (BR) Brabham-BMW + 23,525 min
3.Michele Alboreto (I) Ferrari + 48,998 min
4.Teo Fabi (I) Brabham-BMW + 56,312 min
5.Thierry Boutsen (B) Arrows-BMW + 1 Runde
6. Marc Surer (CH) Arrows-BMW + 1 Runde

51 Runden à 5,942 km = 303,042 Kilometer

auto motor und sport feiert das 1.000. Formel-1-Rennen in dieser Saison mit einer großen Serie in 100 Teilen. Wir liefern Ihnen im täglichen Countdown spannende Geschichte und interessante Video-Features aus der Historie der Königsklasse. Alle bisherigen Artikel finden Sie auf unserer >> Übersichtsseite zum großen Jubiläums-Grand-Prix.

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