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Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Vettel - Leclerc - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen 54 Bilder

Team-Check GP Russland 2020

Ferrari erwartet keine Wunder

Wir haben die zehn Teams in Sotschi auf Neuigkeiten abgecheckt. Max Verstappen erklärt, warum er keine Wunder erwartet, Sergio Perez warum er seine Formel 1-Optionen genau prüfen will und Sebastian Vettel, warum das Ferrari-Upgrade kaum Rundenzeit bringt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Der GP Russland könnte das Rennen werden, bei dem zwei Langzeitrekorde eingestellt werden. Kimi Räikkönen fährt seinen 323. Grand Prix und zieht mit Rubens Barrichello gleich. Sebastian Vettel feiert mit seinem 250. GP-Start ein Jubiläum.

Und Lewis Hamilton ist drauf und dran, mit seinem 91. Sieg zur Rekordmarke von Michael Schumacher aufschließen. Vor ein paar Jahren noch glaubte man, dass 91 GP-Siege ein Rekord für die Ewigkeit sind. Wir haben uns bei den zehn Teams umgehört.

Mercedes

Mercedes ist mit sechs Siegen bei sechs Russland-Grand Prix der Sotschi-König. Es spricht wenig dagegen, dass am Wochenende der siebte Sieg in die Hände des Titelverteidigers fällt. Das Sochi-Autodrom ist generell für Mercedes-Motoren ein gutes Terrain. Zwölf der insgesamt 18 Podiumsplätze gingen an Fahrer mit einem Mercedes V6-Turbo im Rücken.

Lewis Hamilton könnte in Sotschi mit seinem 91. Sieg Geschichte schreiben. Doch der WM-Spitzenreiter wehrt ab: "Zuerst einmal muss ich das Rennen gewinnen. Das wird nicht einfach. Valtteri war hier immer besonders stark."

Valtteri Bottas hat an den GP Russland hauptsächlich gute Erinnerung: "Auf der Strecke ist es schon im Williams immer gut für mich gelaufen. Und ich habe hier meinen ersten Grand Prix gewonnen. Das bleibt auf ewig im Gedächtnis." Bottas gibt den Kampf trotz 55 Punkten Rückstand auf Hamilton nicht auf. "Ich glaube an mich und versuche bei jedem Rennen besser zu sein als zwei Wochen davor. Irgendwann macht es Klick."

Lewis Hamilton - GP Russland 2020
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Ferrari

Ferrari kommt mit einem kleinen Aero-Paket nach Sotschi. Es gibt Modifikationen am Frontflügel und den Heckflügel-Endplatten. Sportdirektor Laurent Meckies baut zu großen Hoffnungen allerdings vor: "Wir erwarten keine bahnbrechenden Fortschritte. Diesem Upgrade werden bei den nächsten Rennen weitere Folgen. Es ist die Basis einer neuen Entwicklungsrichtung."

Das sieht auch Sebastian Vettel so. "Es wird nicht so viel Rundenzeit wie gewünscht bringen, aber ich hoffe wenigstens auf ein besseres Fahrgefühl." Eine echte Verbesserung erwartet sich Ferrari erst für die Folge-Upgrades. Vettel hofft, dass der Kurs auf dem Olympiagelände von Sotschi dem Auto mehr entgegenkommt als zuletzt Spa, Monza und Mugello. "Die langen Geraden sprechen dagegen, die vielen 90 Grad-Kurven dafür."

Für den Ex-Weltmeister geht es vor allem darum, sein Auto wieder zu spüren. Das hat er hauptsächlich in der Qualifikation vermisst. "Am Sonntag ging es meistens besser, aber wenn du weit hinten startest, ist da nicht mehr viel zu holen."

Vettel fährt seinen 250. Grand Prix und liegt damit schon in den Top Ten der ewigen Bestenliste. Bis zum Jahresende wird er noch Jarno Trulli und Riccardo Patrese überholen. Eine Zahl, die ihn mehr erschreckt als stolz macht. "Heutzutage schaffst du so viel Rennen viel einfacher als früher. Die Zahl bedeutet mir nicht viel. Wichtiger ist, dass ich mir meine Leidenschaft erhalten habe."

Sebastian Vettel - GP Russland 2020
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Charles Leclerc und Sebastian Vettel haben keine großen Erwartungen an das Upgrade-Paket für Sotschi.

Red Bull

Den WM-Titel kann Max Verstappen mit drei Ausfällen in neun Rennen vergessen. In Monza und Mugello war das Rennen für den Holländer praktisch schon beim Start zu Ende. In beiden Fällen überhitzte der Motor und Verstappen verlor Plätze. "Sie haben mir viel erklärt, was passiert ist und versichert, dass es nicht wieder passiert. Ich glaube es aber erst, wenn ich es auf der Strecke sehe."

Der WM-Dritte sieht nur wenig Chancen, seine Position in der Weltmeisterschaft zu verbessern. "Sotschi war nie gut für uns. Ich erwarte keine Wunder. Es gibt viele Geraden und 90 Grad-Kurven mit kurzen Radien. Da wird es schwer, die verlorene Zeit auf den Geraden in den Kurven wettzumachen."

Alexander Albon dagegen reiste mit einem Erfolgserlebnis aus Mugello ab. "Das Podium ist endlich unter Dach und Fach. Aber ehrlich gesagt habe ich mir das Leben nicht leicht gemacht. Die Starts waren schlecht, das Rennen gut." Der Thailänder sieht einen positiven Trend: "Seit Spa komme ich mit dem Auto immer besser zurecht."

Racing Point

Der Unfall von Lance Stroll hat Folgen. Chassis und Motor sind neu. Und wieder gibt es nur ein Upgrade-Paket. Und das bekommt wieder der in den Punkten besser platzierte Stroll. Für Sergio Perez ein signifikanter Nachteil.

Das Aero-Paket soll zwischen zwei und vier Zehntel wert sein. "Zwei Zehntel können bei dem engen Feld einen großen Unterschied ausmachen", bedauert Perez. Die Umstände des Unfalls in Mugello sind immer noch nicht hundertprozentig geklärt: "Wir glauben, es war ein Reifenplatzer", erzählt Stroll.

Perez hatte jetzt zwei Wochen Zeit, sich nach einem neuen Job umzuschauen. Kontakte zu Haas und Alfa Romeo wurden geknüpft. Trotzdem hält sich Perez noch zurück. "Ich habe den starken Wunsch in der Formel 1 weiterzumachen. Aber es muss ein Projekt sein, das mich motiviert. Sonst kann ich nicht hundert Prozent geben."

Der Mexikaner kann Sebastian Vettel zu seiner Wahl nur gratulieren. "Er kommt in ein fantastisches Team, ein Team in dem ich gerne geblieben wäre. Ich bin zwar enttäuscht, aber auch lange genug in dem Geschäft um die Hintergründe der Entscheidung zu verstehen. Auch wenn es schmerzt, nehme ich es keinem krumm." Da muss wohl viel Geld als Entschädigung geflossen sein, um so diplomatisch zu reden.

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Williams

In Mugello war sie da, die große Chance auf die ersten WM-Punkte. George Russell verspielte sie innerhalb von zwei Sekunden nach dem dritten Restart. Der Engländer blickt zurück: "Mugello war mein bestes, aber auch mental das härteste Rennen, das ich in den letzten fünf Jahren gefahren bin. Wir hätten Punkte verdient gehabt. Doch das ist jetzt abgehakt. Wir schauen nach vorne. Die Ziele sind hochgesteckt. Wir wollen öfter um Punkte fahren."

Renault

Renault war im Schnitt der letzten drei Rennen das drittstärkste Team. Nur die Punktetabelle zeigt das nicht ganz. Daniel Ricciardo fordert: "Die letzten Rennen liefen gut. Vierter, Sechster, Vierter. Wir müssen unsere starke Form jetzt konservieren." Wie schwierig das ist, zeigt ein Blick auf die letzten Startaufstellungen. "Zwei Zehntel können den Unterschied zwischen der zweiten Startreihe und dem Scheitern am Q3 ausmachen."

Ricciardo ist kein Fan der Strecke an der Schwarzmeerküste: "Sotschi ist nicht der Typ Strecke, auf dem ich mich sofort wohlfühle. Es ist schwierig hier seinen Rhythmus zu finden. Es gibt nicht eine Kurve, die dich packt. Ich stecke nicht den Kopf in den Sand. Auf der Strecke ist das Potenzial am größten, mich selbst zu steigern."

Bei Renault hat die Zukunft schon begonnen. Fernando Alonso verbrachte zu Beginn der Woche drei Tage in der Chassisfabrik von Enstone und der Motorenbasis in Viry-Chatillon. Für den Spanier war es eine Heimkehr nach elf Jahren. "Es war ein emotionaler Moment, ein bisschen wie der erste Schultag."

Alonso ließ sich einen Sitz anfertigen, saß im Simulator und bestaunte den modernisierten Windkanal. Außerdem besprach der zweifache Weltmeister mit den Ingenieuren das Programm für die kommende Saison.

Alpha Tauri

Rechtzeitig vor seinem Heimspiel hat Daniil Kvyat sein Punktekonto um sechs Zähler aufgestockt. Der Russe steht trotzdem weiter unter Erfolgsdruck. Honda-Schützling Yuki Tsunoda steht vor der Tür. Das weiß Kvyat auch. Der Russe hört sich sicherheitshalber bereits bei anderen Teams um.

Im Sotschi Autodrom ist immerhin eine Tribüne nach seinem Namen benannt. Sie steht auf der Außenseite der Omega-Kurve. "Sehr schnell, aber nicht allzu schwierig", urteilt Kvyat über die 180 Grad-Kurve, die locker Vollgas geht. Pierre Gasly vermisst bei den Kurven die Varianz wie in Mugello: "Die meisten gehen 90 Grad ums Eck und werden im vierten oder fünften Gang gefahren."

Mattia Binotto & Guenther Steiner - GP Russland 2020
Motorsport Images
Haas hält Ferrari trotz Krise die Treue.

Haas

Mugello war ein teures Pflaster für Haas. Kevin Magnussens Auto wurde beim Restart-Crash stark in Mitleidenschaft gezogen, Romain Grosjeans Fahrzeug wies erhebliche Schäden an Unterboden und Seitenflügel auf. Teamchef Guenther Steiner schätzt den Gesamtschaden auf eine halbe Million Dollar.

Im Augenblick bastelt Steiner an der Zukunft des Teams. Die Ingenieure testen im Windkanal bereits die für 2021 vorgeschriebenen Änderungen an Unterboden und Diffusor. Das 2021er Auto bekommt ein Upgrade, dann geht es mit Vollgas Richtung 2022.

Die Fahrerfrage wurde zurückgestellt. In der Verlosung sind neben den aktuellen Piloten auch noch Sergio Perez, Nico Hülkenberg, Daniil Kvyat, Pietro Fittipaldi, Nikita Mazepin und die drei Ferrari-Schützlinge Mick Schumacher, Robert Shwartzman und Callum Ilott. Ferrari hat Interesse signalisiert, bei seinen Kundenteams zwei seiner Nachwuchsfahrer zu installieren.

Haas wird an der Zusammenarbeit mit Ferrari auch nach 2021 festhalten. Ein Wechsel zu Renault kommt nicht in Frage. Gene Haas bleibt trotz Ferrari-Krise loyal. "Wir springen nicht im erstbesten Moment, an dem es mal Schwierigkeiten gibt, ab. Gene und ich gehen davon aus, dass Ferrari seine Probleme lösen kann", bestätigt Steiner. Ein Wechsel zu Renault wäre auch logistisch eine Herkulesaufgabe. "Unsere ganze Infrastruktur mit Dallara steht in Italien. Würden wir mit Renault zusammenarbeiten, müssten wir nach England umziehen."

Kevin Magnussens Sotschi-Statistik liest sich gut: Vier Mal Punkte bei fünf Starts. Romain Grosjean dagegen war bei den letzten drei Rennen in Russland zwei Mal in Unfälle verwickelt. Der Veteran sieht Fortschritte beim Auto seit dem ersten Silverstone-Rennen, obwohl das Auto sich seit dem Saisonstart nicht verändert hat.

"Wir brauchen trotzdem immer noch Zwischenfälle, um in die Punkte zu fahren. So wie in Mugello. Leider war mein Auto dort zu stark beschädigt. Sonst hätte ich ein oder zwei Punkte holen können. Um das zu schaffen, müssen wir aber zuerst noch Ferrari, Alfa Romeo und Williams schlagen."

Lando Norris - GP Russland 2020
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Kann McLaren Platz drei in der Teamwertung verteidigen?

McLaren

McLaren liegt nach neun Rennen auf dem Platz an der Sonne. Doch Platz drei ist kein Garantieschein. Die Reihenfolge im Mittelfeld ändert sich von Rennen zu Rennen. Lando Norris sieht darin den besonderen Reiz dieser Saison.

"Jedes Wochenende ist anders. Du kannst vorher nie sagen, wo du landen wirst. Jeder ist gefordert, ans Limit zu gehen. Zu Beginn der Saison war Racing Point stärker als wir, aber wir haben uns im Verlauf der Saison in allen Bereichen gesteigert, mit Ausnahme der Boxenstopps vielleicht. Das hat die Defizite kompensiert, die wir vielleicht mit dem Auto haben." Carlos Sainz warnt: "Das Upgrade von Racing Point war in Mugello ernsthaft schnell."

Alfa Romeo

Kimi Räikkönen fährt in Sotschi seinen 323. Grand Prix. Damit ist Rubens Barrichello nicht mehr alleiniger Rekordteilnehmer. Die Sotschi-Bilanz von Räikkönen liest sich eigentlich ganz gut. Der Finne landete bei sechs Starts fünf Mal in den Punkterängen, zwei Mal davon auf dem Podium. Das war allerdings noch zu Ferrari-Zeiten. Nach den Verbesserungen am Sauber C39 sieht Räikkönen den kommenden Rennen wieder mit mehr Optimismus entgegen: "Wir haben jetzt wieder ein Auto, mit dem man in die Punkte fahren kann."

Antonio Giovinazzi blickt schon in die Zukunft: "Unser nächstes Ziel ist Alpha Tauri. Die sind allerdings ziemlich weit weg." Daraus könnte man schließen, dass Giovinazzi Alfa Romeo schon vor Ferrari einstuft. Manche spotten bereits, der Alfa Romeo sei der beste Ferrari im Feld.

Räikkönens Option bei Sauber war am 15. September fällig. Der Fahrer konnte entscheiden, ob er bleibt oder nicht. Wie sich Räikkönen entschieden hat, bleibt vorerst geheim. Eines schließt der Weltmeister von 2007 aber aus: "Ich werde nicht weitermachen, nur um Alonso daran zu hindern, mich nächstes Jahr in Rennteilnahmen zu übertreffen. Mir bedeutet die Zahl sowieso nicht so viel. Und jeder Rekord wird einmal gebrochen."

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