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Herausforderung Jeddah: Unfälle und rote Flaggen?

Herausforderung Jeddah Unfälle und rote Flaggen?

GP Saudi-Arabien 2021

Als fünftes Land nach Singapur, Bahrain, Abu Dhabi und Katar richtet Saudi-Arabien ein Nachtrennen der Formel 1 aus. Es könnte nicht nur deshalb ein spektakuläres Wochenende werden. Die Fahrer sind sich einig: Der Jeddah Corniche Circuit wird sie vor eine besondere Herausforderung stellen.

Das vorletzte Rennwochenende der Formel 1-Saison dürfte ein brisantes werden. Allein schon, weil sich Lewis Hamilton mit zuletzt zwei Siegen bis auf acht Punkte an Rivale Max Verstappen herangeschoben hat. Weil Red Bull auf fünf Punkte gegenüber Mercedes verkürzte. Und besonders, weil der Jeddah Corniche Circuit für alle Neuland ist. Weil die Strecke eine Fahrerstrecke zu sein scheint.

Innerhalb eines Jahres hat Saudi-Arabien den neuen Stadtkurs aus dem Boden gestampft. Die Streckendesigner Hermann Tilke und Sohn Carsten haben die Aufgabe umgesetzt, die ihnen die Formel 1 und der Gastgeber an die Hand gaben. Es sollte eine außergewöhnliche Rennstrecke entstehen. Eine einzigartige. Der schnellste Stadtkurs der Welt.

Fehler werden bestraft

Es werden Durchschnittsgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h vorausgesagt. Zum Vergleich: Auf dem Stadtkurs von Baku erzielte Charles Leclerc in dieser Saison die Pole Position mit einem Schnitt von 213,505 km/h. Jeddah soll nach Monza der zweitschnellste Kurs im GP-Kalender sein. Das Layout widerspricht den üblichen Gepflogenheiten eines Stadtkurses. Es gibt bis auf die erste Schikane keine 90-Grad-Ecke, sondern vor allem Highspeed-Kurven.

"Die Strecke sieht ganz anders aus, als was wir in der Formel 1 gewohnt sind", sagt Ferrari-Fahrer Carlos Sainz. 22 der insgesamt 27 ausgewiesenen Kurven werden mit mehr als 200 km/h genommen. So die Annahme von Mercedes auf Basis von Simulationen. Viele Passagen gehen unter Volllast. Auf 79 Prozent der 6,174 Kilometer sollen die Fahrer voll auf dem Stempel stehen.

Auslaufzonen scheinen eine Rarität zu sein. Stattdessen stehen Mauern, Leitplanken und Tecpro-Schutzmauer nah an der Ideallinie. Ganz anders als zuletzt in Katar, wo teilweise Flugzeuge hätten in den Auslaufzonen landen können. Es könnte deshalb ziemlich chaotisch werden. "Wir könnten viele rote Flaggen sehen. Viele Autos werden die Mauern berühren", prophezeit Mick Schumacher. Als Baku 2016 erstmals im Kalender auftauchte, gab es in den Trainings und der Qualifikation drei Rotphasen.

"Die Strecke sieht sehr interessant aus. Sie dürfte sehr schnell sein. An manchen Stellen ist sie ziemlich schmal. Jeder Fehler wird bestraft", glaubt Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Seine Devise: "Ich will mich aus den Problemen heraushalten. Es könnte chaotisch werden." Für Alpine-Fahrer Esteban Ocon werden mutige Fahrer belohnt werden. "Es wird dicke Eier brauchen."

Mercedes - Saudi-Arabien - Strecken-Grafik
Mercedes
Diese Geschwindigkeiten erwartet Mercedes für den Jeddah Corniche Circuit.

Wo geht es lang?

Die Fahrer haben sich im Simulator vorbereitet. Auch ein Lewis Hamilton, der die Trockenübungen eigentlich scheut, drehte in der virtuellen Welt seine Runden. Natürlich für den Titelkampf, indem jedes Extra-Bisschen zählt. Aber auch, weil Jeddah so ungewöhnlich zu sein scheint. Für gewöhnlich komponieren die Teams die virtuellen Rennstrecken aus anspruchsvollen Lidar-Scans, 3D-Streckenkarten und aus Satellitenbildern.

Diesmal scheint die Beschaffung von Material und der Zusammenbau am Computer nicht ganz so einfach gewesen zu sein. "Viele Strecken entstehen im Simulator aus perfekten Scans. Für Saudi-Arabien sind es eher Schätzungen", erzählt Hamilton. Charles Leclerc und Pierre Gasly sprachen davon, dass die Strecke zu Fuß enger wirkt als im Simulator.

Kein Kurs im diesjährigen Rennkalender hat mehr Kurven. "Die ersten zehn Runden habe ich nicht gewusst, wo es lang geht", sagt Charles Leclerc. "Es hat ein paar Runden mehr gedauert, die Strecke zu lernen, als sonst", berichtet Carlos Sainz. "Im Simulator war es schwer, die Einlenkpunkte zu finden. Alles sieht ähnlich aus. Mit den Mauern kannst du nicht weit vorausschauen."

Ein Hauch von Macau

Der Asphalt wurde erst auf den letzten Drücker verlegt. Insgesamt 34.000 Tonnen, laut FIA. "Es sieht ziemlich dreckig und staubig aus", urteilt Hamilton. "Der Asphalt ähnelt von der Beschaffenheit dem von Silverstone." Es ist davon auszugehen, dass der Untergrund erst einmal wenig Haftung bieten wird. Besonders im ersten Training werden die Fahrer achtgeben müssen. Öl könnte aus den Poren austreten. Das ist eigentlich üblich nach einer frischen Verlegung. Das macht es noch rutschiger. Siehe Türkei 2020.

Die Teams gehen davon aus, dass sich der Grip auf der Ideallinie vom ersten Training über das restliche Wochenende stark verbessern wird. "Wenn das der Fall ist, sollte es spektakulär werden", glaubt Williams-Pilot George Russell. Abseits davon könnte es glatt bleiben. Jeder Fehltritt wäre dann umso schmerzhafter. "Es wird ein extrem hohes Level an Konzentration verlangt werden. Die Strecke versprüht einen Flair von Macau", meint Mick Schumacher. Daniel Ricciardo stimmt zu: "Sie erinnert mich auch an Macau. Der letzte Sektor von Baku steckt auch drin mit den vielen schnellen Kurven."

Die Autos werden aufgrund des hohen Vollgasanteils auf weniger Abtrieb getrimmt. Das könnte die schnellen Passagen noch komplizierter machen, wenn der Untergrund schmierig ist. "Ein Vergleich mit dem Monza-Setup liegt nah. Aber die Strecke ist eine ganz andere", so Ricciardo. Es fehlen Referenzen aus der Vergangenheit. Sowohl die Fahrer als auch die Ingenieure werden schnell lernen müssen. "Ein neuer Kurs stellt jeden vor eine Extra-Herausforderung. Es wird darum gehen, sich konstant an die wechselnden Verhältnisse anzupassen", sagt Routinier Fernando Alonso.

Impressionen - Formel 1 - GP Saudi-Arabien - Jeddah Corniche Circuit - Donnerstag - 2.12.2021
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Am Donnerstag wurde noch an der Rennstrecke gearbeitet.

Drei DRS-Zonen

Die Strecke liegt direkt am Roten Meer. Da wechselt der Wind schnell mal die Richtung. Es könnte Sand auf die Strecke wehen. Die Ingenieure müssen die Entwicklung der Strecke einkalkulieren und richtig voraussagen, um das passende Setup zu finden. Da kann man schnell mal auf die falsche Fährte geführt werden. "Es könnte zu mehr Verschiebungen im Feld führen", so der Doppel-Weltmeister.

Alonso fürchtet, dass es trotz drei DRS-Zonen nicht einfach wird, zu überholen. Weil zwischen den Leitplanken die verwirbelte Luft hängen bleibt und das hinterherfahrende Auto trifft. Leclerc ist optimistischer. "Auf einem Drittel der Strecke dürfen wir DRS nutzen. Ich denke, dadurch wird Überholen nicht ganz so schwer wie sonst auf Stadtkursen." Drei DRS-Zonen gibt es sonst nur in Bahrain, Österreich und Mexiko.

Das Schlusswort gehört dem erfahrensten Piloten mit den meisten Grand Prix auf dem Buckel. Kimi Räikkönen fuhr die Rennstrecke nicht im Simulator, weil Alfa-Sauber sie laut ihm nicht eingespeichert hat. Ablaufen will er sie nicht. "6,174 Kilometer sind ein weiterer Grund, es wie sonst nicht zu tun." Vielleicht findet er ja einen Scooter, um es erträglicher zu machen, und doch wenigstens eine Runde vorab "zu fahren".

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