Nelson Piquet - GP Singapur 2008 Motorsport Images

GP Singapur 2008 (800. Grand Prix)

Der geplante Crash

1000. GP

Es war das erste Nachtrennen der Formel 1. Die Premiere auf den Straßen von Singapur endete mit einem Überraschungssieg. Keiner konnte ahnen, dass Fernando Alonso nur dank eines Schurkenstücks seines Teams von Startplatz 15 nach vorne fuhr.

Das erste Nachtrennen der Geschichte verzauberte die Formel 1-Fans. Singapur bekam von allen Seiten Lob für die Flutlicht-Show. Schweißtreibende Temperaturen, Kunstlicht aus 1.602 Hochleistungslampen, 82 Schaltmanöver pro Runde. „Das ist wie eine Runde Monte Carlo, die noch eine halbe Minute länger dauert“, beschrieb Sebastian Vettel die 5,067 Kilometer lange Rennstrecke rund um die Marina Bay.

Doch gleich nach dem Rennen ahnte keiner, dass dieser Grand Prix noch aus einem anderen Grund in die Geschichte eingehen würde. Es war eine Szene, wie man sie nur aus schlechten Rennfilmen kennt. In der 14. Runde krachte der weit zurückliegende Nelson Piquet junior an einer engen Stelle des Marina Bay Circuits mit seinem Renault R28 in die Mauer. Das Hindernis musste geborgen werden. Wie erwartet rückte das Safety Car aus. Zwei Runden zuvor war Teamkollege Fernando Alonso zum ersten Tankstopp an die Boxen abgebogen und hatte die ungeliebten weichen Reifen gegen harte getauscht.

Alonso musste nur warten

Verdächtig früh für einen, der wegen eines Problems mit dem Benzindruck im Training nur von Platz 15 startete und zunächst auf Rang 11 mitten im Pulk fuhr. Der Stopp warf Alonso ans Ende des Feldes zurück. Renault wusste jedoch anhand der Trainingszeiten, dass der Spanier das Tempo der Spitze fahren konnte. Erst das gab dem Komplott einen Sinn. Ohne schnelle Rundenzeiten hätte auch die perfekt getimte SafetyCar-Phase nichts genutzt.

Als Bernd Mayländer mit seinem Mercedes wegen des Piquet-Unfalls auf die Strecke ging, bogen fast alle in die Boxengasse ab. 16 Piloten nutzten die Neutralisation zum ersten Tankstopp. Mark Webber, David Coulthard und Rubens Barrichello stand das Glück zur Seite. Alle drei kamen kurz vor Schließen der Boxengasse noch an die Tankstelle. Nico Rosberg und Robert Kubica liefen die Tankstelle an als es verboten war. Sie mussten an die Box. Ihre Tanks waren leer. Das kostete je einen Strafstopp.

Kimi Räikkönen - Felipe Massa - Ferrari F2008 - GP Singapur 2008
Motorsport Images
Felipe Massa riss den Tankschlauch mit.

Damit war Alonso auf einen Schlag Fünfter. Und der Weltmeister von 2005 und 2006 wusste, dass alle vor ihm auch noch an die Box mussten. Jarno Trulli und Giancarlo Fisichella hatten nur mit einem Reifenwechsel kalkuliert, verzichteten während der SafetyCar-Phase auf einen Stopp, konnten aber daraus keinen Nutzen ziehen. Fisichella fiel bei seinem planmäßigen Stopp ans Ende des Feldes zurück. Trulli strandete mit einem Hydraulikdefekt. Alonso ging in der 34. Runde in Führung und gewann 2,9 Sekunden vor Rosberg im Williams zum ersten Mal wieder seit dem Jahr 2007.

Die anderen Profiteure der ersten SafetyCar-Phase hatten im Verlauf des weiteren Rennens weniger Glück. Barrichello stoppte mit einem Elektrikdefekt. Webber riss ein Getriebeschaden aus dem Rennen. Interferenzen mit den U-Bahn-Signalen hatten die Schalt-Software durcheinander gebracht. Eine U-Bahnlinie kreuzte die Strecke im Bereich des Fullerton-Hotels. Coulthard holte immerhin noch die letzten zwei WM-Punkte seiner Karriere ab. Der Schotte wurde Siebter.

Massa schleppte Tankschlauch hinter sich her

Von den WM-Kandidaten hatte nur Lewis Hamilton Grund zum Jubeln. Der McLaren-Pilot wurde nach einem klugen Rennen Dritter. Felipe Massa sorgte für die Slapstick-Einlage des GP Singapur. Er fuhr beim ersten Boxenstopp zu früh los und schleppte den abgerissenen Tankschlauch hinter sich her. Am Boxenausgang musste er 92 Sekunden warten, bis das Anhängsel wieder abmontiert war. Damit war die Nummer für den Trainingsschnellsten und den Spitzenreiter der ersten 17 Runden gelaufen. Kimi Räikkönen verlor viel Zeit, als er nach dem Massa-Chaos in der Box ewig warten musste. Der Finne fiel auf Platz 17 zurück. Er hatte sich bereits wieder auf Rang 5 vorgekämpft, als er seinen Ferrari im diffusen Licht der Schikane in die Leitplanke feuerte.

GP Singapur 2008: Schurkenstück von Renault

Fernando Alonso - Renault R28 - GP Singapur 2008
Fernando Alonso - Renault R28 - GP Singapur 2008 Renault - Flavio Briatore - Fernando Alonso - GP Singapur 2008 Nelson Piquet - Renault - GP Singapur 2008 Nelson Piquet - Renault - GP Singapur 2008 17 Bilder

Für die deutschen Teilnehmer war es ein guter Tag. Vier der fünf deutschen Starter landeten in den Punkterängen. Nico Rosberg als Zweiter, Timo Glock als Vierter, Sebastian Vettel als Fünfter und Nick Heidfeld als Sechster. Glock, Vettel und Heidfeld trennten nur drei Sekunden. Adrian Sutil schied durch Unfall aus.

Erst elf Monate später kam heraus, dass der Unfall inszeniert war. Die Kriminalgeschichte ging als „Crashgate“ in die GP-Geschichte ein. Nelsinho Piquet beichtete FIA-Chef Max Mosley den Betrug und ging als Kronzeuge straffrei aus. Es war ein Revanchefoul an Renault-Teamchef Flavio Briatore, der Piquet mitten in der Saison den blauen Brief geschickt hatte, um Romain Grosjean zu installieren. Briatore musste gehen, auch Chefingenieur Pat Symonds. Beide wurden von der FIA für fünf Jahre gesperrt. Technikdirektor Bob Bell übernahm kurzfristig die Amtsgeschäfte. Piquet junior schadete sich selbst. Keiner wollte den Whistleblower mehr haben.

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