Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen
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GP Steiermark 2020 - Analyse Rennen: Mercedes-Gala bei Ferrari-Pleite

Rennanalyse GP Steiermark 2020 Mercedes-Gala bei Ferrari-Pleite

Red Bull hat zwar sein Auto verbessert und Honda die Zuverlässigkeitsprobleme gelöst, doch Mercedes bleibt außer Reichweite. Der Titelverteidiger muss noch nicht einmal alle Karten aufdecken. Ferrari steckt trotz eines Upgrades im Mittelfeld fest – und dort ist die Wahrscheinlichkeit auf Unfälle größer.

Wie weit ist Mercedes voraus?

Mercedes hatte am zweiten Spielberg-Rennwochenende nur am Trainingsfreitag zwei Gegner: Red Bull und Racing Point. Doch ab der Qualifikation hängte der Weltmeister die Konkurrenz ab. Max Verstappen verlor im Regen 1,2 Sekunden. Und einen Tag später war auch auf trockener Strecke nichts gegen die Mercedes auszurichten.

Lewis Hamilton dominierte. Er gewann den Start und gab seine Führung nur zwischen den Runden 27 und 34 ab – an den Teamkollegen, der später zum Reifenservice abbog. Der sechsmalige Titelträger managte die Geschwindigkeit, schonte das Auto und die Reifen und verschärfte das Tempo, wenn es sein musste. In seinem Fall in den ersten Runden, um Verstappen abzuschütteln, damit dieser kein DRS hat. Vor dem einzigen Boxenstopp, um sich gegen einen Undercut zu schützen. In dieser Phase war Hamilton drei bis sechs Zehntel schneller als der Red Bull. Und gegen Rennende, um den Zusatzpunkt für die schnellste Runde zu holen. Einziger Trost für das restliche Feld: Wenigstens das misslang.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab zu, dass sein bestbezahlter Angestellter noch Reserven in der Hinterhand hatte. "Er hat die Lücke nach hinten kontrolliert. Wir haben heute nicht die wahre Geschwindigkeit von Mercedes gesehen." Das klang nach einer Drohung. Doch schon im nächsten Satz relativierte der Österreicher. "Wir haben auch nicht den wahren Red Bull gesehen. Es ist immer einfacher, in sauberer Luft und ohne Turbulenzen zu fahren. Hinten heraus hatte Max ein angeschlagenes Auto." Dann war er ein leichtes Opfer für Valtteri Bottas, der sich im 67. Umlauf den zweiten Rang holte und den Doppelsieg für Mercedes klarmachte.

Der Finne fuhr ab der 51. Runde ununterbrochen Rundenzeiten unter 1:08 Minuten. Kurz vor dem Überholmanöver war Verstappen fast eine Sekunde langsamer. "Ich wusste, dass ich nichts ausrichten kann, wollte ihn wenigstens aber ein bisschen ärgern." Die erste Attacke blockte Verstappen ab, die zweite saß.

Mercedes hat den meisten Abtrieb, das effizienteste Paket und den kräftigsten Motor. Die schwarz-lackierten Autos sind auf den Geraden eine Macht. "Da nehmen sie uns zwei bis vier Zehntel ab", bedauert Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Brixworth hat den Mercedes-V6-Turbo wieder zum Klassenprimus gemacht. Mercedes hat auch in den schnellen Kurven das bessere Paket. Nur in den langsamen Ecken ist der Red Bull offenbar besser. "Die Kurven drei und vier waren ihr Spezialgebiet", beobachtete Wolff.

Max Verstappen - Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen
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Max Verstappen kämpfte mit einem beschädigten Auto und verlor Platz zwei gegen Valtteri Bottas.

Was war an Verstappens Auto beschädigt?

Red Bull trat das zweite Rennen in der Steiermark mit ein paar neuen Aerodynamikteilen und einem besseren Verständnis an. Der RB16 verhielt sich berechenbarer. Die Probleme mit dem Strömungsabriss am Unterboden wurden gelindert. Trotzdem war das Rennen eine Ernüchterung. "Wir hatten keine Chance", gab Sportchef Helmut Marko zu. "Wir brauchen überall mehr Grip und ein bisschen mehr Leistung", fordert sein Starpilot.

Verstappen beklagte am Funk zwischendurch die Fahrbarkeit und abgewetzte Hinterreifen. Der Mercedes war nicht nur schneller, sondern ging auch pfleglicher mit den Pirellis um. Zu allem Überfluss beschädigte sich Verstappen in der zweiten Rennhälfte auf dem Randstein von Kurve neun die rechte Frontflügelendplatte. Zusätzlich blätterten Teile vom Heckflügel an der Außenseite ab. "Das hat dem Auto Abtrieb gekostet", berichtete Teamchef Christian Horner. "Danach war er ein leichtes Opfer für Bottas. Mercedes konnte dieses Mal voll fahren", meinte Marko.

Honda hat die Zuverlässigkeitsprobleme mit der Elektrik gelöst. Dumm nur, dass Mercedes seine Baustellen bis zum zweiten Rennen auch geschlossen hat. Jetzt klammert sich Red Bull an die Hoffnung. Man wünscht sich für Budapest Hitze. "Da schwächelt Mercedes. In Kombination mit den kurzen Geraden rechnen wir uns dort bessere Chancen aus", schaut der Doktor voraus.

Wie klaute Sainz Verstappen die schnellste Runde?

Nachdem Bottas an ihm vorbei war, wollte Verstappen wenigstens noch die schnellste Runde fahren, um sich einen Extra-Punkt zu sichern. Dafür steckte Red Bull in der 68. Runde um: von abgefahrenen Mediums auf frische weiche Reifen. Man hätte wohl noch einen intakten Frontflügel gebraucht. "Das haben wir uns angeschaut, aber die Idee verworfen. Der Zeitverlust wäre zu hoch gewesen", berichtete Teamchef Horner.

Auf Albon hatte Verstappen eine halbe Minute Vorsprung. Bei einem gewöhnlichen Stopp ohne Nasenwechsel gehen etwa 22 Sekunden drauf. Es wäre also mindestens knapp geworden. Problem für Red Bull: Albon hatte Sergio Perez im Rücken. Und der hätte sicher nicht freiwillig Platz gemacht.

Laut Helmut Marko war Verstappen mit seinem angeschlagenen Auto etwa eine Sekunde langsamer als üblich. "Leider kam noch Verkehr hinzu. Max hatte nie eine echte Chance auf die schnellste Runde." Sie ging an Carlos Sainz, der sich auf dem neunten Platz ebenfalls einen Zusatzstopp erlauben konnte, ohne zurückzufallen. Mehr war für den Spanier nach einem verkorksten ersten Reifentausch, der ihn womöglich Position fünf gekostet hat, ohnehin nicht möglich. Sainz zauberte den schnellsten Umlauf in der 68. Runde auf die Bahn: 1:05.619 Minuten. Verstappen war eine halbe Sekunde langsamer.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen
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Ferrari nahm sich gegenseitig nach wenigen hundert Metern aus dem Rennen.

Kann Ferrari noch tiefer fallen?

Die Antwort lautet nein. Das erste Rennen war kein Ausrutscher. Ferrari ist ein Mittelfeldteam. Weit weg von Mercedes und Red Bull, langsamer als Racing Point und McLaren. Das Upgrade aus Frontflügel, Unterboden, Bargeboards und Retuschen im Heckbereich hat im ersten Anlauf keinen großen Sprung gebracht. "Wir wären sicher nicht unter die Top 5 gefahren", sagte Sebastian Vettel.

Die beiden roten Autos kamen zusammengerechnet gerade mal 21 Kilometer weit. Vettel parkte seinen Ferrari nach der ersten Runde ohne Heckflügel in der Garage. Charles Leclerc schleppte sich mit zerrissenem Unterboden bis zur vierten Runde. Dann war auch für ihn Endstation. Der Monegasse hatte seinen Teamkollegen in der ersten Runde in der dritten Kurve abgeräumt. "Ich war übermotiviert und habe die Situation falsch eingeschätzt. Ich wollte anfangs mehr riskieren, weil es mir die einzige Möglichkeit erschien, weiter nach vorne zu kommen. Mein Fehler tut mir für Sebastian und das Team unheimlich leid", sagte Leclerc. Der Teamchef sprach von Schmerz und Enttäuschung. Doppeltes Pech: Ferrari hätte jeden Kilometer gebraucht, um das Upgrade zu entschlüsseln.

Daniel Ricciardo - Renault - GP Steiermark 2020 - Spielberg
Aktuell

Wieso protestiert Renault gegen Racing Point?

Es war eine Frage der Zeit. Renault schäumte schon länger angesichts des Racing Point. Zwei Rennen schauten die Franzosen zu. Jetzt ist klar: Die pinke Kopie des Vorjahres-Mercedes ist dem Mittelfeld vom Speed her entwachsen. Nun versucht Renault, den RP20 über einen Protest zu beschneiden. Man beanstandet die Bremsbelüftungen rundum. Sie gehören zu den sogenannten "Listed Parts"; Teile, die jedes Team selbst konstruieren muss. Renault sieht das im Fall von Racing Point nicht als gegeben. Deshalb landete der Fall bei den Sportkommissaren, die ihr Urteil aber vertagten. Die Bremshutzen wurden konfisziert. Außerdem muss Mercedes zum Vergleich seine Vorjahres-Version der Bremsbelüftung herausrücken. Die Silberpfeile sind also in den Fall involviert.

GP Steiermark - Ergebnis Rennen

Fahrer Auto Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:22:50.683
2. Valtteri Bottas Mercedes +13.719s
3. Max Verstappen Red Bull +33.698s
4. Alexander Albon Red Bull +44.400s
5. Lando Norris McLaren +61.470s
6. Sergio Perez Racing Point +62.387s
7. Lance Stroll Racing Point +62.453s
8. Daniel Ricciardo Renault +62.591s
9. Carlos Sainz McLaren +1 Runde
10. Daniil Kvyat Alpha Tauri +1 Runde
11. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
12. Kevin Magnussen Haas +1 Runde
13. Romain Grosjean Haas +1 Runde
14. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
15. Pierre Gasly Alpha Tauri +1 Runde
16. George Russell Williams +2 Runden
17. Nicholas Latifi Williams +2 Runden
18. Esteban Ocon Renault Ausfall
19. Charles Leclerc Ferrari Ausfall
20. Sebastian Vettel Ferrari Ausfall
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