Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul xpb
Alexander Albon - Pierre Gasly - Red Bull - Showrun - Istanbul 2020
Pierre Gasly - Alpha Tauri - Showrun - Istanbul 2020
Pierre Gasly - Alpha Tauri - Showrun - Istanbul 2020
Pierre Gasly - Alpha Tauri - Showrun - Istanbul 2020 24 Bilder

Team-Check GP Türkei: Was machen Hamilton & Perez?

Donnerstags-Check GP Türkei Zukunft von Hamilton und Perez weiter offen

Wir checken die zehn Teams vor dem GP der Türkei auf Neuigkeiten ab. Valtteri Bottas will die WM-Entscheidung hinauszögern, Lewis Hamilton spielt im Vertragspoker weiter auf Zeit und Sauber sowie Red Bull feiern ein Jubiläum. Dazu gab es einen Showrun in der Stadt, den Sie in der Galerie finden.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Die Türkei kehrt nach neun Jahren Pause zurück in den GP-Kalender. Der Istanbul Park ist eine Retorten-Rennstrecke mit Tücken. Der erste Sektor ist dominiert von mittelschnellen Kurven, der zweite von schnellen und der dritte von langsamen. Gefragt ist der beste Kompromiss bei der Suche nach der Fahrzeugabstimmung.

Die Daten vom letzten Auftritt 2011 sind praktisch wertlos. Sebastian Vettels Trainingsbestzeit von 1.25,049 Minuten wird trotz der frisch asphaltierten Strecke vermutlich schon am Freitag fallen. Damals wurde noch mit V8-Motoren gefahren, die im Zusammenspiel mit Kers 815 PS abgaben. Heute sind es über 1.000 PS aus einem V6-Turbo mit zwei Elektromaschinen. Die Autos sind heute 20 Zentimeter breiter, bis zu 40 Zentimeter länger und 106 Kilogramm schwerer als vor neun Jahren. Sie produzieren 50 Prozent mehr Abtrieb. Kurve 8 mit seinen drei Scheitelpunkten sollte problemlos voll gehen. Vor diesem Hintergrund erzählen Fahrer und Teamchefs von ihren Erwartungen.

Mercedes

Erster Matchball für Lewis Hamilton. Valtteri Bottas muss acht Punkte aufholen, um zu verhindern, dass der WM-Titel schon beim viertletzten Rennen der Saison entschieden wird. Der Finne macht sich keine Illusionen: "Ich denke nicht an den Punktestand. Das einzige, was ich tun kann, ist die Titelentscheidung so lange wie möglich hinauszuzögern." Bottas sieht die gleiche Herausforderung wie in Portimao: "Lernen, wie die Reifen auf dem neuen Asphalt funktionieren."

Keine Neuigkeiten gibt zu Hamiltons Vertragsverlängerung. Der Weltmeister spielt weiter auf Zeit. "Ich habe noch nicht alle Antworten auf meine Fragen und was ich wirklich tun will." Ein paar Sätze später aber sagt er: "Ich liebe es Rennen zu fahren, ich liebe die Herausforderung, und ich glaube nicht, dass sich das so bald ändern wird."

Ferrari

Es ist das erste Rennen für Ferrari ohne den Teamchef vor Ort. Mattia Binotto verfolgt den GP Türkei von der Basis in Maranello aus. Ferrari-Sportdirektor Laurent Meckies fürchtet, dass Ferrari sich auf dem Streckenlayout des Istanbul Park schwer tun könnte. Der Motor wird bei 76 Prozent Volllast über eine Runde wieder eine Rolle spielen.

Auf dem Istanbul Park setzte Sebastian Vettel zum ersten Mal ein Ausrufezeichen. Als Testfahrer von BMW überraschte 2006 der damals 19-jährige Deutsche mit einer Freitags-Bestzeit. Und er kassierte auch gleich seine erste Strafe für zu schnelles Fahren in der Boxengasse. Sein Eindruck: "Eine technische Strecke, die ein bisschen von allem hat."

Ferrari hat vier Rennen Zeit, seinen Vorsprung von 14 Punkten auf Alpha Tauri zu verteidigen oder das Wunder zu schaffen, 31 Punkte auf die Teams davor aufzuholen. "Wenn bei uns alles passt, sind wir bei der Musik. Einen Rückstand von 31 Punkten aufzuholen, ist unrealistisch. Dazu müssten wir alle Chancen nutzen, die sich uns bieten", urteilt Charles Leclerc. Der Monegasse hat sich nach eigenen Worten in zwei Punkten in diesem Jahr gesteigert: "Ich habe mein Reifenmanagement verbessert, und ich bin geduldiger geworden."

Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul
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Red Bull bestreitet in Istanbul seinen 300. Grand Prix. Max Verstappen soll für ein Top-Ergebnis sorgen.

Red Bull

Red Bull steht in der Türkei zum 300. Mal am Start. Teamchef Christian Horner war alle 300 Mal dabei. Alexander Albon fiel beim Streckenrundgang auf: "Die Strecke ist noch unheimlich schmutzig. Das wird am ersten Tag eine Rutschpartie." Der Reifenschaden von Max Verstappen in Imola ist immer noch nicht geklärt. "Wir haben uns die TV-Bilder angeschaut. Da ist nichts zu sehen, was den Reifen vorher beschädigt hätte." Pirelli dagegen will Einschnitte auf der Lauffläche des Reifens entdeckt haben.

Racing Point

Sergio Perez zählt neben Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen zu den Piloten, die in der Türkei schon einen Grand Prix gefahren sind. Der Mexikaner kann sich nur an eines erinnern: "Nach dem Wochenende tut dir wegen der hohen Fliehkräfte in den Kurven der Nacken weh. Diese Kurve 8 ist ein Killer." Der Mexikaner kann immer noch nichts zu seiner Zukunft sagen. Er wird wohl bis zum Jahresende warten müssen, bis bei Red Bull eine Entscheidung fällt. Perez sieht es fatalistisch: "Alle Teams, die noch nicht ihre Fahrer für 2021 bestätigt haben, sind eine Option."

Außerhalb der Formel 1 sind die Möglichkeiten begrenzt. "Die Entscheidung wird so spät fallen, dass es schwer wird, woanders etwas zu finden. Deshalb muss ich auch ein Jahr Pause ins Auge fassen." In den letzten vier Rennen dieser Saison würde sich Perez gerne noch ein Podium holen, das ihm schon zwei Mal durch eine falsche Strategieentscheidung gestohlen wurde. "In Österreich und in Imola haben wir ein Podium verschenkt. Ich müsste schon viel mehr Punkte auf meinem Konto haben." Für sein Team ist er eine sichere Bank. Der Racing Point-Pilot kam bei allen Rennen, die er dieses Jahr gefahren ist, in den Punkterängen an.

Williams

Williams wartet immer noch auf den ersten WM-Punkt. Nicholas Latifi kam in dieser Saison schon drei Mal als Elfter ins Ziel. George Russell warf sichere Punkte in Imola mit einem Unfall hinter dem Safety Car weg. Sein Motto: "Vergessen, lernen, keine Angst vor Fehlern haben." Der Engländer hofft in Istanbul auf eine weitere Chance. "Es wird interessant sein, wie der rechte Vorderreifen mit der Belastung in Kurve 8 zurechtkommt. Das könnte für Überraschungen sorgen."

Russell sieht Williams nun als festen Teil des Trios am Ende des Feldes. "Wir sind am Samstag besser, Alfa Romeo am Sonntag." Williams muss in der Türkei ohne seinen an Corona erkrankten Teamchef Simon Roberts auskommen. Er wird durch Teammanager Dave Redding und Chefingenieur Adam Carter ersetzt. Auch im Rennteam haben sich einige Leute mit dem Virus infiziert. Das wird Einfluss auf die Geschwindigkeit der Boxenstopps haben.

Impressionen - Asphalt - GP Türkei 2020 - Istanbul
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Ein neuer Asphalt dürfte den Trainingsfreitag zur Rutschpartie machen.

Renault

Daniel Ricciardo kennt den Istanbul Park nur von einem Einsatz im Freitagstraining 2011. "Und da hat es geregnet." Sein Renndebüt im HRT fand erst später im Jahr statt. Der Australier erinnert sich: "Die besten Passagen sind Kurve 1 und Kurve 8." Renault erwartet in Istanbul ähnliche Verhältnisse wie in Portimao, schon allein deshalb, weil auch die Strecke am Bosporus neu asphaltiert wurde.

Das muss aber nicht heißen, dass der französische Nationalrennstall sich diesmal auch wieder hinter Racing Point und McLaren anstellen muss. "Wir wissen jetzt, was wir in Portimao anders machen würden, könnten wir dort noch einmal fahren. Das Rennen hier gibt uns die Chance zu zeigen, ob wir etwas gelernt haben." Esteban Ocon hofft auf eine Schönheitskorrektur im Trainingsduell, das 12:1 für Ricciardo steht. Seine Erklärung für die klare Niederlage: "Ich habe länger gebraucht als gedacht mich nach einem Jahr Pause wieder zurechtzufinden. Der enge Zeitplan in dieser Saison machte es schwer Fehler zu analysieren und darüber nachzudenken, was ich hätte besser machen können."

Alpha Tauri

Pierre Gasly bezeichnet den Ausfall in Imola als den schmerzlichsten seiner Karriere. "Wir hatten das Potenzial für den dritten Platz. Da haben wir viele Punkte liegengelassen." Was umso ärgerlicher ist, weil es eine gute Möglichkeit gewesen wäre, mehr als nur zwei Punkte auf Ferrari aufzuholen. "Ich bleibe optimistisch, dass wir sie noch schlagen können", sagt Gasly mit dem Mut der Verzweiflung. Auch, weil Alpha Tauri sich in Portimao und Imola immer schnell auf neue Rennstrecken eingeschossen hat. Daniil Kvyat will wie zuletzt in Imola dazu besteuern, Ferrari doch noch vom 6. Platz zu verdrängen. "Seit Spa habe ich ein besseres Gefühl für das Auto. Da haben wir etwas an der Lenkung geändert."

Haas

Kevin Magnussen macht Hoffnung auf ein gutes Rennen. "Es sieht so als, als wäre das Überholen einfacher als bei den letzten Rennen. Das Delta in Rundenzeit, das du zum Überholen brauchst, ist auf der Strecke kleiner als anderswo." Die Statistik gibt dem Dänen Recht. 2011 wurden 79 Überholmanöver gezählt. Magnussen erwartet auch mehr als einen Boxenstopp. "Die Reifen werden leiden."

Beide HaasF1-Piloten geben zu, dass sie Gespräche mit IndyCar-Teams führen. "Wir sind allerdings schon spät dran", räumt das Duo ein. Während Magnussen Ovalrennen als Bereicherung seiner Erfahrung als Rennfahrer sieht, hat Romain Grosjean großen Respekt vor den Superspeedways. Er beruhigt sich selbst: "Die Ovale sind in der Zwischenzeit sicherer geworden."

Carlos Sainz - Lando Norris - McLaren - GP Türkei 2020 - Istanbul
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Carlos Sainz und Lando Norris wollen mit McLaren den dritten Platz in der Team-WM.

McLaren

Der Dreikampf um Platz 3 in der Konstrukteurs-WM elektrisiert die Formel 1. Nur ein Punkt trennt McLaren, Racing Point und Renault. "Jedes Detail zählt. Das beginnt schon bei der Vorbereitung am Freitag", schwört Carlos Sainz sein Team auf den viertletzten Grand Prix des Jahres ein. Technikdirektor James Key nennt die drei entscheidenden Punkte. "Zuerst müssen wir den besten Kompromiss für die Flügeleinstellung finden, was auf dieser Strecke wegen seiner drei unterschiedlichen Streckenteile besonders schwer ist. Dann geht es um die generelle Fahrzeugeinstellung. Und wir müssen lernen, wie die Reifen auf den neuen Asphalt reagieren."

Erfahrungen von 2011 sind laut Key wertlos. "Wir sind damals mit ganz anderen Autos gefahren." Nach Meinung von Sainz hat sich McLaren in den letzten beiden Rennen stabilisiert. "Wir verstehen jetzt unser Paket besser als in den Rennen davor." Der Spanier glaubt, dass auf eine Runde im Schnitt zwei Zehntel auf Renault und Racing Point fehlen. "Das können wir aber am Sonntag mit besseren Strategien oder perfekten Rennen wettmachen."

Alfa-Sauber

Sauber fährt in Istanbul seinen 500. Grand Prix. Damit haben die Eidgenossen fast an der Hälfte aller Grand Prix teilgenommen. Sein Debüt gab der Rennstall aus Hinwil beim GP Südafrika 1993. Teamchef Frédéric Vasseur fordert, dass sich der positive Trend fortsetzt: "Wir haben in drei der letzten fünf Rennen Punkte geholt. Das hat der Mannschaft einen Vertrauens-Boost gegeben." Kimi Räikkönen hat 2005 den ersten Grand Prix der Türkei gewonnen. Der Finne warnt davor, sich von der legendären Kurve 8 zu viel zu erwarten: "Sie wird mit den modernen Autos ohne Probleme voll gehen und deshalb nicht mehr so beeindruckend wie früher sein."

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