Sebastian Vettel dpa
Sebastian Vettel - Türkei Crash 2011
Sebastian Vettel - Türkei Crash 2011
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Sebastian Vettel

Kunstrasen zerstört Sebastian Vettels Training

Sebastian Vettel stand im zweiten Training in Zivil und mit Kopfhörer bewaffnet in der Box. Draußen drehte nur ein Red Bull seine Runden. Der seines Teamkollegen Mark Webber. Ein Stück Kunstrasen hatte am Morgen dafür gesorgt, dass Vettel sein Auto an einer Leitplanke schwer beschädigte.

Es war exakt 11.02 Uhr, als das bis dahin mit vielen Drehern gemixte erste Training zum Stillstand kam. Ein Red Bull parkte am Streckenrand. Sebastian Vettels Red Bull. Abgeknickte Räder, abgescherter Frontflügel, überall Kleinteile um das Wrack. Die TV-Bilder lieferten schnell Aufklärung. Vettel war ausgangs der berühmten Kurve 8 mit rund 230 km/h auf den Randstein gekommen und plötzlich scharf nach innen abgebogen. Außen sind die Sturzräume groß wie Fußballfelder. Innen beträgt der Abstand zur Leitplanke nur fünf Meter.

Kunstrasen als Unfallauslöser

Die wahre Unfallursache ließen die Fernsehaufnahmen offen. "Nicht der Randstein war schuld, sondern der Kunstrasen dahinter", erklärte Vettel. "Ich bin da leicht draufgekommen. Der Hinterreifen hat plötzlich null Grip, und schon fliegt das Auto ab. Da kannst du gar nichts machen."

Das liegt daran, dass bei der extremen Aerodynamik eines Formel 1-Autos sofort der Abtrieb abreißt, wenn das Auto einmal quersteht. Vettel ist einer der größten Kritiker der künstlichen Rasenflächen hinter den Radsteinen. Er hält sie für potenzielle Crashfallen. Sein schwerer Unfall in der Renault Weltserie, 2006 in Spa hatte die gleiche Ursache. "Auf dem Kunstrasen eingehakt, und ab ging die Post."

Intermediates machten es noch schlimmer

Vettel hatte auch das Pech, dass er in dem Moment mit Intermediates unterwegs war und der Regen prompt in diesem Moment wieder zugelegt hatte. Der Kunstrasen saugte sich mit noch mehr Wasser voll und wurde noch langsamer. Der einzige, der das Fenster für die Intermediates perfekt erwischte, war Fernando Alonso. Der Spanier belohnte sich mit der Bestzeit im Regentraining.

Nach Inspektion des Schadens entschied Red Bull das zweite Training sausenzulassen. "Das Auto war an allen vier Ecken beschädigt", berichtete Teamchef Christian Horner. Auch der Unterboden hatte auf der Irrfahrt durch die Grünfläche gelitten. Er grub sich ins Erdreich ein und zersplitterte. Moderne Formel 1-Autos sind komplizierte Gebilde. Man baut sie nicht einfach so in zweieinhalb Stunden Pause zwischen zwei Trainings zusammen.

Vettel als Beobachter

Horner: "Wir wollten lieber in Ruhe das Auto für den Samstag reparieren als in Eile für das zweite Training." Die Auszeit gab Vettel die unfreiwillige Gelegenheit, sich das Training von außen anzuschauen. Er sah, wie Kollege Webber auf Platz fünf fuhr, mit 0,693 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Jenson Button. Doch die Bestzeit ist am Freitag nur Schall und Rauch. An den Dauerläufen gemessen, war Webber die Nummer eins. Vettel weiß also, dass er am Samstag ein konkurrenzfähiges Auto fahren wird.

Trotzdem wäre er lieber selbst im Auto gesessen. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann und wo und wie früh man Kers einsetzt und den Heckflügel-Flap verstellt. "Der Verlust der Trainingssitzung ist sicherlich ärgerlicher, als einen Satz Intermediates abgeschrieben zu haben, für den Fall, dass es am Sonntag regnet", meinte der Weltmeister. Dennoch macht er sich keine Sorgen, für die Qualifikation im Nachteil zu sein. Vettel kann sich schnell auf neue Bedingungen einstellen und auch unter Druck eine Bestzeit aus dem Hut zaubern. "Die Strecke ist ja nicht neu für uns." Und er hat die Daten von Mark Webber als Basis.

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