GP Türkei

Schumi pessimistisch

Foto: dpa

Die Fahrer kämpfen in Istanbul mit der neuen Strecke. Sie ist schwer einzuüben, anstrengend für Mensch und Material und deutlich schneller als mancher erwartet hat. Bei Ferrari herrscht schon am Freitag Ernüchterung.

Das Simulationsprogramm hatte für die 5,3 Kilometer lange Strecke in Istanbul eine 1:26er Zeit vorausberechnet und Kimi Räikkönen orakelte im freien Training, dass in der Qualifikation sicher 1:25er Zeiten angesagt wären, da schlug Ricardo Zonta mit seinem Toyota zu und knallte eine 1:25,5 auf die Bahn.

"Die Strecke ist schwieriger als ich dachte", gesteht Ralf Schumacher, der mit seinem Motorroller am Donnerstag (19.8.) auf Besichtigungstour ging. "Das ist ein richtiger Hochgeschwindigkeitskurs." Das Tempo und die Fahrtrichtung werden den am Rennsonntag das Leben schwer machen. "Das wird sicher das anstrengendste Rennen des Jahres", orakelt Jacques Villeneuve.

Weil im Otodrom wie im brasilianischen Interlagos gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, werden die Nackenmuskeln bei vielen langgezogenen Linkskurven an ihrer schwachen Seite erwischt. Im Normalfall sind die austrainierten Nackenmuskeln der Piloten eher auf Rechtskurven gepolt.

Vier Kurven in einer

Allein die Kurve acht hat es in sich. Sie besteht aus vier Kurven, mit drei unterschiedlichen Radien. Während der Computer das Tempo mit 245 km/h berechnet hat - wohlgemerkt an der langsamsten Stelle - rechnet Kimi Räikkönen mit 250 km/h. In der Vierfachkurve müssen die Fahrer mindestens zwei Mal ihre Linie korrigieren. In einem Zug ist sie nicht zu durchfahren.

Doch das ist nicht einmal die anspruchsvollste Stelle. "Kurve eins ist sehr schwer anzubremsen, weil man in einem steilen Gefälle sowohl stark bremsen als auch einlenken muss", sagt Rubens Barrichello. Die Folge: Regelmäßig muss der Lenker ein plötzliches ausbrechendes Heck wieder einfangen. Nick Heidfeld beklagte zahlreiche Bodenwellen, die das Fahrverhalten auch nicht gerade ruhiger machen.

Williams-Kollege Mark Webber meint, das Otodrom biete fahrerisch den höchsten Schwierigkeitsgrad neben Suzuka. Renault-Kollege Giancarlo Fisichella führt die Schwierigkeiten vor allem auf die Streckenbreite zurück. An keiner Stelle ist die Piste schmaler als 21 Meter, das ist viel Platz. Nur in Malaysia ist man ähnlich großzügig mit der Verlegung des Asphalts vorgegangen. "Auf breiten Strecken ist es immer schwer, eine Linie zu finden", sagt Fisichella.

Breite Straße, schwere Straße

Die große Begeisterung vor der ersten Ausfahrt hat sich im Fahrerlager indes ein wenig gelegt. "Es ist nicht so spektakulär wie ich dachte", sagt Michael Schumacher, der auf seine Lieblingsstrecke nichts kommen lässt. "Mit Spa ist es nicht zu vergleichen, eher schon mit dem Nürburgring."

Eher wie Magny Cours oder Hockenheim, sagen die Reifen in stiller Klage. Wegen der vielen langgezogenen Linkskurven wird der rechte Vorderreifen extrem belastet. Nur wer clever haushält und einen unverwüstlichen Gummi hat, kann im Rennen mit einer vorderen Platzierung rechnen. Keine guten Nachrichten für Ferrari.

Bei den Roten herrscht jetzt schon Ernüchterung: "Es hat länger gedauert die Strecke kennen zu lernen, als ich am Donnerstag noch dachte. Der Abstand ist relativ groß zu den Vorderen und mit so großen Abständen lässt sich sicherlich nicht viel erwarten", sagt Michael Schumacher.

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