Graham Hill Motorsport Images

Rennfahrer-Legende Graham Hill

Sieger dreier Welten

1000. GP

Graham Hill ist bis heute der einzige Fahrer, der das Indy 500, den GP Monaco und die 24h von Le Mans gewann und dazu noch F1-Weltmeister wurde. Wir stellen einen Rennfahrer vor, der als Mechaniker bei Lotus begann.

Graham Hill war ein Rennfahrer des Volkes. Das lag vermutlich an seiner Karriere, die als Mechaniker bei Lotus begann. Die Fans identifizierten sich mit einem aus ihrer Mitte. Das Fahrgenie Jim Clark war ihnen zu entrückt, John Surtees zu eigenbrötlerisch, Jackie Stewart zu geschäftstüchtig. Hill zeichneten harte Arbeit, Verwegenheit und ein bodenständiger Charakter aus. Der passionierte Ruderer war ein Partylöwe, Spaßvogel und ausgezeichneter Dinner-Speaker. Der schwarze Helm mit weißen vertikalen Balken wurde sein Markenzeichen. Das Emblem des Londoner Ruderklubs, in dem Hill Mitglied war.

Der 1929 geborene Londoner diente sich als Mechaniker bei Lotus an, immer mit dem Plan, seinem Chef zu zeigen, dass er ein besserer Rennfahrer war. Colin Chapman gab zunächst nicht viel auf die Fahrkünste seines Schraubers. Hill musste seinen Boss mehr als ein Mal auf der Rennstrecke überzeugen. Er machte sich bei Sportwagenrennen für Lotus und Cooper einen Namen. Als Lotus 1958 in die Formel 1 einstieg, erinnerte sich Chapman an seinen früheren Monteur.

Doch Hill kam mit den zerbrechlichen Chapman-Konstruktionen in keinem seiner 16 Starts in die Punkteränge. 1960 wechselte der Engländer mit dem feinen Schnauzbart zu B.R.M. Hill musste noch bis 1962 warten, bis sich ihm die große Chance bot. Er bekam alles auf einmal in dieser Saison: Die erste Pole Position (Spa), den ersten Sieg (Zandvoort), den WM-Titel beim Finale in Südafrika. Sein Gegner Jim Clark scheiterte an einer losen Schraube im Ölsystem.

Zwei Mal Erster, drei Mal Zweiter in der WM

Der Titel war kein Zufall. 1963, 1964 und 1965 wurde Hill jeweils Zweiter in der WM. 1966 gewann er als Rookie auf einem Lola die 500 Meilen von Indianapolis. Zwei Jahre später lag er mit seiner Lotus-Turbine in aussichtsreicher Position für seinen zweiten Indy-Sieg, als er in die Mauer segelte. Der Formel 1-Star gewann im Sportwagen bei den 12 Stunden von Reims, bei den 1.000 Kilometern von Paris, zwei Mal bei der Tourist Trophy in Goodwood.

Henri Pescarolo - Graham Hill - Matra-Simca MS670 - Le Mans 1972
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Le Mans 1972: Henri Pescarolo & Graham Hill auf Matra-Simca MS670.

1967 wechselte Hill zu Lotus. Er ging der Konfrontation mit Jim Clark nicht aus dem Weg, nein er suchte sie. Beim ersten Auftritt im neuen Lotus 49-Cosworth stand Hill auf der Pole Position. Clark gewann. Das Bild setzte sich fort. Auf eine Runde konnte es Hill mit dem besten Fahrer seiner Zeit aufnehmen. Im Rennen scheiterte er immer wieder an der Technik. Als Jim Clark bei einem Formel 2-Rennen im April 1968 in Hockenheim starb, führte Hill das Lotus-Team aus der Depression. Am Ende der Saison war er zum zweiten Mal Weltmeister. Er besiegte Jackie Stewart und Denis Hulme im Finale in Mexiko.

Der charismatische Engländer hatte nie Angst vor großen Namen. 1969 stellte er sich bei Lotus dem aufstrebenden Star Jochen Rindt. Das Duell ging mit 22:19 Punkten knapp an den um 13 Jahren jüngeren Rindt. In Monte Carlo 1969 feierte Hill den letzten seiner 14 Grand Prix-Siege. Seine fünf Siege beim GP Monaco wurden nur von Ayrton Senna übertroffen. Ein Unfall beim GP USA in Watkins-Glen am Ende des Jahres wurde für den Oldie zum Karrierekiller. Nach einem Dreher schnallte sich Hill los, um das Auto zu inspizieren. Weil er keinen Schaden feststellen konnte, fuhr er unangeschnallt weiter. Das Auto überschlug sich drei Runden später nach einem Reifenschaden auf der Geraden, der Unglückspilot fiel aus dem Cockpit und brach sich mehrmals die Beine.

Der Le Mans-Sieg komplettierte das Triple

Danach war der Engländer mit dem Aristokratengesicht nie mehr der alte, auch wenn sein 6. Platz beim Comeback nur fünf Monate später in Kyalami allen Respekt verdiente. Hill ging an Krücken zu seinem Lotus. Der große alte Mann verpasste den richtigen Moment zum Aufhören. Er quälte sich in unterlegenen Brabham, Shadow und Lola herum, brachte 1975 sein eigenes Team an den Start und hörte nach einer Nichtqualifikation in Monte Carlo endgültig auf.

Sein letztes Highlight hatte der zweifache Weltmeister am 12.Juni 1972. Graham Hill gewann zusammen mit Henri Pescarolo im Matra MS670 die 24 Stunden von Le Mans. Damit war das Triple komplett. Hill fuhr bei den drei wichtigsten Autorennen der Welt zum Sieg. Monte Carlo, Indianapolis, Le Mans. Kein anderer Fahrer hat diese Pokale in seiner Vitrine stehen. Fernando Alonso unternimmt in diesem Jahr einen zweiten Anlauf in Indianapolis. Drei Punkte hat der Spanier bereits abgehakt. Er war Weltmeister, hat in Monte Carlo und Le Mans gewonnen.

Ab 1975 begann sich Graham Hill verstärkt um seinen Rennstall zu kümmern. Der Hill GH1 war ein ordentliches Rennauto. Rolf Stommelen führte mit ihm den GP Spanien an, als er nach einem Heckflügelbruch in die Zuschauer flog. Mit Tony Brise hatte Graham Hill eines der größten Talente dieser Zeit an der Angel. Das neue Auto für die Saison 1976 war früh fertig. Brise testete den GH2 gleich nach Saisonende in Paul Ricard. Der Rückflug am 29. November von Südfrankreich in Hills Piper Aztec endete mit einer Katastrophe. Das Flugzeug stürzte in dichtem Nebel beim Landeanflug über einem Golfplatz ab. Hill, Brise und vier Teammitglieder waren sofort tot.

Jim Clark - Graham Hill - Lotus - GP USA 1967 - Watkins Glen
Jim Clark - Graham Hill - Lotus - GP USA 1967 - Watkins Glen Graham Hill - BRM - Stirling Moss - GP Italien 1962 - Monza Graham Hill - Ferrari 330P - Goodwood 1964 Graham Hill - BRM P261 - GP England 1965 14 Bilder

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