Grand Prix der Schrott-Autos

Protokoll eines Unfall-Festivals

Fernando Alonso - McLaren - GP Aserbaidschan 2018 - Baku Foto: sutton-images.com 72 Bilder

Sechs Kollisionen beim GP Aserbaidschan 2018 führten zu Ausfällen und stark beschädigten Autos. Fernando Alonso, Marcus Ericsson, Kevin Magnussen und Pierre Gasly brachten stark geschrottete Fahrzeuge ins Ziel. Romain Grosjean hat ein Chassis auf dem Gewissen.

Es war eine Materialschlacht. Auch der dritte Grand Prix in Aserbaidschan machte seinem Ruf als Crash-Festival alle Ehre. Sechs Autos schieden durch Unfall aus. Vier kamen mit signifikanten Beschädigungen ins Ziel. Fünf Fahrer standen bereits in den ersten zwei Runden an der Box, um Blessuren an ihren Autos verarzten zu lassen. Kaum ein Fahrer kam ohne Berührung oder Fehler über die Distanz. Allein in der Startrunde krachte es vier Mal. Es war gar nicht so leicht herauszufiltern, wer da gegen wen gefahren ist. Hier das Protokoll.

> Sergey Sirotkin schob vor Kurve 2 Sergio Perez in den Ferrari von Kimi Räikkönen. Perez verlor die linke Frontflügel-Endplatte und holte sich in Runde 2 einen neuen Frontflügel ab. Der Mexikaner fuhr auf Platz 15 weiter. Die Sportkommissare gaben Sirotkin die Schuld und verpassten ihm eine Startplatzstrafe für den GP Spanien: 3 Plätze zurück.

Fernando Alonso - McLaren - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 29. April 2018 Foto: xpb.cc
Fernando Alonso bringt den waidwunden McLaren zurück an die Box.

> Nico Hülkenberg drückte Sergey Sirotkin in Fernando Alonso. Für Hülkenberg ohne Folgen. An Sirotkins Williams knickte das linke Vorderrad beim Kontakt mit Alonsos Seitenkasten ab. Aus für Sirotkin. Alonso schleppte seinen McLaren mit zwei platten Reifen rechts, abgescherten Leitblechen und einem 30 mal 40 Zentimeter großen Loch im Unterboden an die Box und fuhr an 17. Stelle weiter.

> Marcus Ericsson nahm Kevin Magnussen in Kurve 2 auf die Hörner. Der Schwede bremste die Kurve zu optimistisch an und traf mit dem rechten Vorderrad den linken Seitenkasten des HaasF1. Ein Teil des Bodens und der Leitbleche am HaasF1 gingen fliegen. Magnussen kam an die Box und fuhr auf Rang 16 weiter. Ericsson verlor Teile seines Frontflügels. Er musste beim Boxenstopp eine Zehnsekunden-Zeitstrafe absitzen.

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> Kimi Räikkönen schob in Kurve 3 Esteban Ocon in die Tecpro-Barrieren. Der Force India hatte klar die Nase vorn. Für Ocon war das Rennen gleich zu Ende. Räikkönen brauchte wie Alonso und Perez bei einem Notstopp einen neuen Frontflügel. Der Ferrari-Pilot rutschte auf den 12.Platz ab, entging aber einer Strafe. Stattdessen musste sich Ocon anhören, dass er nicht davon ausgehen durfte, dass sich links von ihm kein Auto mehr befand.

Grosjean schlägt mit 15 g in Mauer ein

In dem Stil ging es weiter. Daniel Ricciardo und Max Verstappen lieferten sich eine heiße Schlacht und tauschten bei ihren vier Begegnungen vor dem Boxenstopp mindestens ein Mal Reifengummi aus. Das fünfte Zusammentreffen endete im Notausgang der ersten Kurve. Die zweite Doppelnull für Red Bull nach Bahrain. Romain Grosjean lag in der Safety Car-Phase komfortabel auf Platz 6, als ihm das schlimmste passierte, das einem Rennfahrer passieren kann. Er feuerte sein Auto trotz reduziertem Speed in Kurve 14 in die Mauer.

Max Verstappen - Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 29. April 2018 Rennanalyse GP Aserbaidschan Red Bull-Eklat und Ferraris Taktik-Fehler

Grosjean wärmte durch Zickzackfahren, Gasgeben und Bremsen die Reifen auf und kam dabei fälschlicherweise auf die Verstellung der Bremsbalance. Beim nächsten Bremsmanöver blockierten hinten die Räder. Der HaasF1 flog so stumpf in die Mauer, dass der Crashsensor eine Verzögerung von 15 g meldete. Deshalb musste Grosjean dem Medical Centre einen Besuch abstatten. Das Chassis des HaasF1 hatte an zwei Stellen einen Riss. Kurz nach dem Rennen war noch nicht klar, ob der Schaden repariert werden kann.

Magnussen Rambo-Nummer gegen Gasly

Beim Re-Start kam es zwischen Pierre Gasly und Kevin Magnussen zu einer extrem gefährlich Situation.

Magnussen drückte den Toro Rosso zwei Mal nach links gegen die Mauer. Bei 320 km/h verhakten sich die Räder. Magnussen fuhr mit dem linken Hinterrad sogar auf das rechte Vorderrad des Toro Rosso auf. Der Crash ramponierte den zweiten HaasF1 noch mehr. Jetzt fehlte nicht nur vorne, sondern auch hinten vom Unterboden ein Teil. Der Abtriebsverlust belief sich in Summe auf 50 Punkte. Magnussen hatte keine Chance mehr, in den Kampf um WM-Punkte einzugreifen.

Auch Gaslys Rennen war mehr oder weniger gelaufen. Dem Toro Rosso ging der halbe Unterboden und der rechte Spiegel verloren. Außerdem war die Lenkung verbogen. Gasly regte sich zu Recht über seinen Unfallgegner auf. Magnussen bekam 10 Sekunden zu seiner Gesamtzeit addiert, was aber keinen großen Schaden anrichtete. Er war ohnehin schon Letzter.

Nur Fernando Alonso brachte sein verwundetes Auto in die Punkteränge. Eine weitere Leistung des Spaniers. Die McLaren-Ingenieure rechneten einen Verlust von 20 Punkten Abtrieb aus. Trotzdem reichte es, das Tempo der Sauber und Williams zu halten. „Das Auto war erstaunlich konkurrenzfähig“, berichtete Alonso. Man stelle sich vor, was mit einem intakten Auto möglich gewesen wäre. Vielleicht sogar der dritte Platz. Alonso regte sich zu Recht über Sirotkin auf: „Da bist du in den Kurven 1 und 2 extra vorsichtig, und dann ziehen es andere Fahrer vor, dir ins Auto zu fahren, statt den Fuß vom Gas zu nehmen. Das ist einfach nur dumm.“

Neuester Kommentar

Weil Schmidtchen ein befangenen und nicht objektiver Vettel-Fanboy ist.

oxofrmbl 4. Mai 2018, 20:55 Uhr
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