F1 Tagebuch - GP Abu Dhabi 2017 ams
F1 Tagebuch - GP Abu Dhabi 2017
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F1 Tagebuch - GP Abu Dhabi 2017 29 Bilder

F1-Tagebuch GP Abu Dhabi 2017

Finale ohne Spannung

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 20 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Abu Dhabi los war.

Ich möchte nicht lügen: Als der Wecker am vorletzten Mittwoch im November um 5.30 Uhr in der Früh klingelte, konnte ich mir Schöneres vorstellen, als mich mit meinem Koffer raus ins Schmuddelwetter zu begeben, mit der Bahn nach Frankfurt zu fahren und dann per Flieger nach Abu Dhabi zu düsen, um noch ein Formel 1-Wochenende zu absolvieren. Es war doch schon alles entschieden. Es ging doch um nichts mehr. Und Abu Dhabi bringt doch nie die große Action.

Immerhin erwischte es mich mit meinem Etihad-Flug nicht ganz so schlimm, wie den Kollegen Schmidt. Er wollte direkt nach dem Finale noch nach Australien in den Urlaub jetten und hatte sich aus Kostengründen für einen Flug mit Qatar Airways entschieden. Dummerweise untersagten die Vereinigten Arabischen Emirate mitten im Jahr den Fliegern aus Katar die Landung in Abu Dhabi wegen des Verdachts der Terrorunterstützung.

Kündigen konnte Schmiddi die Maschine nicht mehr. Die einzige Ausweichlösung bestand darin, nach dem Flug nach Doha noch einen Umweg über Muskat im Oman einzulegen und dann von dort nach Abu Dhabi zu fliegen. Lange Rede kurzer Sinn: Während ich schon um 20 Uhr am Zielort aufsetzte kam der zweite auto motor und sport-Reporter erst um 3 Uhr morgens an – bei ähnlicher Abflugzeit in Frankfurt. Dumm gelaufen.

Langweiler-Rennen zum Abschluss

Nach einer langen Saison hätten wir also beide gerne auf die Reise an den Golf verzichtet. Im Vorjahr war die Laune noch eine ganz andere. Das Duell Rosberg gegen Hamilton elektrisierte nicht nur die Fans, sondern auch die Bewohner des Fahrerlagers. Das Finale 12 Monate zuvor hatte auch nicht viele Überholmanöver zu bieten. Aber die Spannung im silberinternen Zweikampf überdeckte alles. Bis zum Zielstrich war nicht klar, ob Hamiltons Bummeltaktik noch aufgehen würde. Am Ende gab es eine große Party mit der ganzen Rosberg-Familie. Da hatte sich die Reise richtig gelohnt. Aber dieses Jahr?

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Bei der Pressekonferenz gab es einen Lacher nach dem anderen.

Schon bei der Pressekonferenz am Donnerstag war die Stimmung eine ganz andere. Es wurde gescherzt und gelacht, als hätte es den engen Titelfight nie gegeben. Sogar über die Kollision in Baku konnten Hamilton und Vettel Witze machen. „Den Fairplay-Preis verdiene ich dieses Jahr wohl nicht“, gestand der Heppenheimer grinsend ein. Daniel Ricciardo war als dritter Mann genau der richtige Comedy-Sparringspartner. Mit dem Kalauer: „Wir drei hier oben haben gemeinsam 8 WM-Titel geholt“, landete er einen K.O.-Treffer in der Humor-Wertung.

Natürlich ist es schön, wenn man die Piloten auch mal etwas lockerer und ausgelassener erlebt. Mir wäre aber eine Pressekonferenz mit knisternder Spannung, wie ich sie schon öfter beim Final-Rennen erlebt habe, aber viel lieber. Da wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, psychologische Kriegsführung betrieben und der direkte Gegner keines Blickes gewürdigt. Davon war dieses mal leider nichts zu sehen.

Letztes Rennen ohne Halo

Immerhin konnte man aus Hamilton die knallharte Aussage herausholen, dass mit der Einführung des Halos in der kommenden Saison alles schlechter wird. Ab 2018 gehe es mit der Formel 1 zumindest optisch bergab, warnte der Champion. Da wird er sicher nochmal bei Jean Todt und den Vertretern der Fahrergewerkschaft antreten müssen. Die Halo-Gehirnwäsche vom Saisonbeginn schien nicht mehr so richtig zu wirken.

Wir geben zu, dass wir bei auto motor und sport gerne Politik gegen das Sicherheitsfeature machen. Wir sind der Meinung, dass die geringen Vorteile in Sachen Sicherheit den hohen Verlust in Sachen Ästhetik nicht rechtfertigen. Und 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Die Fans haben ihre Meinung in diesem Punkt ebenfalls mehr als deutlich kundgetan. Da kann man doch nicht einfach drüber hinwegsehen.

Wir haben bei der Einführung der V6-Turbo-Motoren schon einmal den Fehler gemacht, den Einfluss des fehlenden Sounds auf die Seele der Fans zu unterschätzen. Das soll uns nicht noch einmal passieren. Das soll nicht heißen, dass alles immer gut ist, was sich die Fans wünschen. So bekommt zum Beispiel der Vorschlag der Wiedereinführung des Nachtankens in Umfragen oft eine Mehrheit. Da erklären wir gerne auch mehrmals, warum das die größte Schnapsidee aller Zeiten ist.

F1-Logo verärgert Fans

Zurück zum Thema Halo: Als uns Andy Green dann auch noch erzählte, dass die Autos durch die Verstärkungen im Chassis mit Halo 14 Kilogramm schwerer werden, da fiel uns etwas die Kinnlade herunter. Bei einer Erhöhung des Mindestgewichts von nur 6 Kilogramm werden sicher einige Teams übergewichtig in die neue Saison gehen. Und Fahrer müssen wieder Diät halten. Das kann ja auch nicht im Sinne des Erfinders sein.

Und passend dazu konnten ich auch noch Valtteri Bottas beim Versuch beobachten, so schnell wie möglich aus seinem mit Halo bestückten Mercedes zu klettern. Doch das ganze wirkte sehr unbeholfen. Bottas wusste zunächst gar nicht, wo er sich festhalten soll. Der Technik-Delegierte der FIA, Jo Bauer, stoppte die Zeit: 9,59 Sekunden vergingen, bis der Pilot endlich draußen war. 2018 darf die Befreiung nur 7 Sekunden dauern. Früher waren es übrigens mal 5 Sekunden.

Ein großes Thema bei den Fans war am Rande des Finalrennens in Abu Dhabi auch die Präsentation eines neuen F1-Logos. Als hätte die Besitzer von Liberty Media aktuell nichts besseres zu tun. Dabei sind sich im Fahrerlager fast alle einig, dass das alte Logo gut aussah und einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt. Es gab also keinen Grund, es zu wechseln. Erst recht nicht mit den drei nichtssagenden Balken, die jetzt das neue Logo bilden.

Überholen im Rennen unmöglich

Wie dünn das Eis ist, auf dem sich die Formel 1 befindet, zeigte sich im Rennen selbst. Die Zuschauer bekamen 55 Runden Langweile geboten. Bis zu den Ausfällen von Ricciardo und Sainz war die Reihenfolge der ersten 10 Autos die gleiche wie am Start. Überholen war mit den neuen Autos, den zu harten Reifen und dem überholfeindlichen Layout einfach nicht möglich. Auch das tolle Feuerwerk und die spektakulären Donuts nach dem Sieg von Valtteri Bottas konnten die Show nicht mehr retten.

Weil Kollege Schmidt wie erwähnt, direkt von Abu Dhabi (über den Oman und Katar) nach Australien in den Urlaub düste, mussten wir noch bis weit in die Nacht arbeiten und Geschichten für die Winterpause vorbereiten. Um halb vier konnten wir die Notebooks endlich zuklappen.

Zu einem letzten Absacker entschieden wir uns noch bei der Mercedes-Saison-Abschlussfeier vorbeizufahren. Aus der gediegenen Veranstaltung war mittlerweile eine wilde After-Party geworden. Der Alkoholpegel bei allen Beteiligten war schon sehr hoch, als wir um 4 Uhr eintrudelten. Das konnten wir auf die Schnelle nicht aufholen, und so verabschiedeten wir uns nach nur einem Drink wieder.

Beinahe eine Super-Saison

Weil mein Etihad-Flieger erst Dienstagmorgens um 2 Uhr aus Abu Dhabi abhob, hatte ich noch viel Zeit am Flughafen diese Zeilen hier in den Computer zu hacken. Immerhin war es endlich geschafft. Die Saison war vorbei.

Bitte nicht falsch verstehen! Ich will nicht nur jammern. Die Saison war insgesamt sicher keine schlechte. Aber mit etwas mehr Technik-Glück bei Ferrari hätte es ein großartiges Formel 1-Jahr werden können. Die „Was-wäre-wenn-Frage“ sorgte dann doch für etwas Enttäuschung auf dem letzten Flug des Jahres. Aber vielleicht wird ja 2018 alles besser – trotz Halo.

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