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Grand Prix-Tagebuch GP Aserbaidschan 2017

Visum-Stress und WM-Clash

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen Foto: Wilhelm 28 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 8 berichtet Andreas Haupt, was hinter den Kulissen beim GP Aserbaidschan passierte.

08.12.2017 Andreas Haupt 1 Kommentar

Es ist die heißeste Phase meines Rennjahres. Es geht Schlag auf Schlag. Zuerst bin ich beim 24h-Rennen in Le Mans und erlebe den nächsten Porsche-Sieg und die nächste Toyota-Pleite. Obwohl die Japaner mit drei Autos in den Marathon starten. Am Montag nach Le Mans komme ich in Stuttgart an. Zwei Tage später machen Michael Schmidt und ich uns auf die Reise nach Aserbaidschan. Anfang Juli führt mich mein Terminkalender weiter nach Österreich. Kollege Tobias Grüner gönnt sich den wohlverdienten Urlaub.

Clash der WM-Duellanten

Die Reise nach Aserbaidschan lohnt sich in jeder Beziehung. Das wichtigste vorweg: das Rennen. Das Drehbuch für diesen Grand Prix hätte Hollywood nicht besser schreiben können. Es gewinnt der Mann vom zehnten Startplatz, der sein Auto tags zuvor in die Streckenbegrenzung bugsiert hatte. Daniel Ricciardo rutscht nach wenigen Umläufen sogar auf den 17. Rang zurück. Eines frühen Boxenstopps geschuldet. Doch der Australier pflügt durchs Feld bis an die Spitze. Ricciardo erringt seinen fünften GP-Sieg in einem Rennen voller Wendungen.

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen Foto: sutton-images.com
Daniel Ricciardo besiegt das Chaos von Baku.

Valtteri Bottas wird Zweiter, obwohl er nach der Startrunde bereits überrundet ist. In einem Herzschlagfinale überflügelt das Auto mit der Startnummer 77 mit einem Überschuss von 34 km/h noch den Williams von Lance Stroll. Die nächste Sensation: Der zu Beginn gescholtene Kanadier klettert das erste Mal auf ein Formel 1-Podest.

Das wichtigste Kapitel nimmt aber der Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel ein. Der WM-Kampf spitzt sich in der 19. Runde zu. Während der zweiten Safety Car-Phase spielt Vettel Foul. Er rutscht zunächst dem Führenden ins Heck, schäumt vor Wut und rammt ihn auf dem Weg zu Kurve 16 absichtlich. Die Stewards leiten sofort eine Untersuchung ein. 32 Minuten später fällen sie ihr Urteil und bestrafen den Übeltäter mit einer zehnsekündigen Stop-and-Go-Strafe. Sogar die Höchststrafe einer Disqualifikation stand zur Debatte.

Das Problem mit der Überweisung

In den Tagen danach berät die FIA um Präsident Jean Todt. Vettel entgeht einer großen Bestrafung. Ein verstärktes Mitwirken bei der Sicherheitskampagne des Weltverbands und ein bisschen Unterricht mit Nachwuchspiloten kann er verkraften. Eine Rennsperre sicher nicht. Ich finde, es ist die richtige Entscheidung. Emotionen beleben den Sport. Sicher hat Vettel falsch gehandelt. Aber solche Manöver füttern uns Journalisten für Wochen mit Geschichten. Und es reden nicht nur die echten Fans über den Sport.

Diskussionsstoff liefert auch der teaminterne Zweikampf bei Force India. Sergio Perez und Esteban Ocon berauben sich gegenseitig eines Topresultats. Die Streithähne sind für Force India nur durch eine Stallregie zu bändigen. Dazu sollte es aber erst nach dem GP Belgien kommen.

Die Tage in Baku verlaufen ohne Probleme. Einen Kampf trage ich die Wochen zuvor mit den Einheimischen über E-Mails aus. Sie wollen für ein Visum 30 US-Dollar. Ich überweise die Summe Anfang Mai kurz vor meiner Urlaubsreise in die USA. Während ich in New York urlaube, erreicht mich die Nachricht, es seien nur etwas mehr als 13 Dollar auf dem Konto eingegangen. Ich solle den Rest bitte zeitnah tilgen. Ich folge und überweise weitere 17 Dollar. Ein paar Tage später erklärt man mir, davon seien nur 42 Cent angekommen. Ich protestiere, gehe zu meiner Bank, doch es nützt nichts. Nächster Versuch: Diesmal soll der Verlag überweisen. Es hätte ja sein können, dass meiner Bank ein Fehler unterlief. Diesmal antwortet man uns, es sei überhaupt kein Geld eingetroffen. Es reicht: Insgesamt wurden 77 Dollar überwiesen, nur 15,05 Dollar sollen eingegangen sein. Ich bitte die Event-Organisation um Hilfe. Es fruchtet: Mir wird ein Visum ausgestellt, allerdings unter der Bedingung, dass ich den Restbetrag von 14,95 Dollar bei der Einreise begleiche. Bei der Immigration muss ich jedoch nicht bezahlen. Ein paar Wochen nach dem GP werde ich allerdings erneut angehalten, zu überweisen.

Staatschef zu Besuch

Ansonsten kann ich über die Tage nur positiv berichten. Das Wetter ist konstant gut, unsere Restaurants in Baku erstklassig. Wir berichten nicht über die Politik, sondern über Sport. Deshalb müssen wir keine Repressalien fürchten. Die Einheimischen sind freundlich und hilfsbereit – sofern es nicht um ein Visum geht. Staatschef Ilham Aliyev gibt sich am Rennsonntag die Ehre. In Bakus Innenstadt laufen wir täglich an einer Statue des Staatslenkers vorbei. Im Fahrerlager versammelt sich eine Traube an Securities um den echten Aliyev. Prominente Gäste sind außerdem die Künstler der Musikgruppe Black Eyed Peas.

In Baku mixen sich historische und moderne Gebäude. Pastellfarben dominieren. Ich fühle mich ein bisschen an Budapest erinnert. Auf der anderen Seite versprüht die Millionenstadt am Kaspischen Meer das Flair einer Mittelmeerstadt.

Rollstuhlfahrer haben in Baku schlechte Karten. Die Randsteine sind gefühlt einen halben Meter hoch, die Gehwege teils mit Rissen und Schlaglöchern durchzogen. Wir nehmen nur am ersten Tag das Medien-Shuttle vom Hotel zur Rennstrecke. Ansonsten nehmen wir einen 15 minütigen Fußmarsch auf uns. Ganz anders unser Schweizer Kollege. Er residiert im Hilton, wo das Pressezentrum untergebracht ist. Im Prinzip könnte er im Schlafanzug runterkommen. Oder gleich im Zimmer arbeiten.

F1 Tagebuch - GP Aserbaidschan 2017 - Baku Foto: ams
In Baku mixen sich historische und moderne Gebäude.

Zu den Restaurants springen wir ins Taxi. Es fährt ohne Taxameter. Kein Fahrer betrügt uns. Zumindest erscheinen die Preise fair. Für rund 1,5 Kilometer bezahlen wir zehn Manat. Also etwa fünf Euro. Das Abendessen ist eigentlich eine Nachtspeise. Das zweite Training, Qualifying und Rennen beginnen jeweils erst um 17 Uhr Ortszeit. Enstprechend spät kommen wir ins Restaurant. Vor allem Paul’s Restaurant hat es uns angetan. Auch andere aus dem F1-Zirkus haben es für sich entdeckt: zum Beispiel die Mannschaft von Sky UK um Damon Hill. Im deutschen Lokal sitzt man in einem schönen Innenhof. Bei über 20 Grad am Abend ist das sehr angenehm. Die Steaks sind eine Wohltat für den Magen. Ich esse al liebsten brasilianisches Rinderfilet und dazu Pommes und einen Tomatensalat. In einer der Nächte verschlägt es uns für ein Eis noch zu McDonald’s. Es herrscht Chaos. Eine Schlange sucht man vergebens. Die Menschen bilden einen großen Haufen vor den Kassen.

Unser Flieger zurück verlässt Aserbaidschan am Dienstagmorgen um 5:20 Uhr. Frühes Aufstehen ist an Formel 1-Wochenenden üblich. Das Aufbrechen zur unchristlichen Uhrzeit macht mir nichts aus: Ich bin sowieso kein Langschläfer. Der Flieger landet pünktlich in Frankfurt. Nur die Bahn will mal wieder nicht so recht. So wie auf der Hinreise. An einem brandneuen ICE hatte eine Woche zuvor die Tür geklemmt. Wir entschieden uns, in den IC auf dem Bahngleis gegenüber zu wechseln. Es war eine goldrichtige Entscheidung: Ein Blick aufs Handy verriet uns, dass der Zug auch nach einer Stunde immer noch in Stuttgart stand.

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Michael1984 12. Dezember 2017, 20:44 Uhr
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