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F1-Tagebuch GP Australien 2017

Traumstart im Shoey-Land

F1-Tagebuch - GP Australien 2017 Foto: sutton-images.com 30 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 1 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Australien passierte.

01.12.2017 Tobias Grüner

Junge, wie die Zeit vergeht. Immer wenn eine Saison in Melbourne startet und der Flieger am anderen Ende der Welt landet, muss ich an das Jahr 2009 denken. Als ambitionierter Nachwuchsreporter habe ich damals im Albert Park mein allererstes Formel 1-Rennen im Auftrag von auto motor und sport besucht. Mir kommt es immer noch so vor, als wäre es gestern gewesen.

Liest man sich aber mal die Starterliste von damals durch – mit Sieger Jenson Button auf BrawnGP oder Teams wie BMW und Toyota – dann hört sich das nach einer ganz anderen Epoche an. Acht Jahre und mehr als 100 Rennen später sind nur noch Hamilton, Alonso, Vettel und Räikkönen mit von der Partie. Alle anderen Fahrer haben aufgegeben oder wurden zwischenzeitlich aussortiert. Und selbst Bernie Ecclestone sitzt mittlerweile nicht mehr auf seinem Thron.

Weniger Journalisten im Pressesaal

F1-Tagebuch - GP Australien 2017 Foto: ams
Der Pressesaal des GP Australien wird jedes Jahr leerer.

Nur bei den Journalisten ändert sich nichts – oder zumindest fast nichts. Es sind immer noch die gleichen Gesichter. Im Vergleich zu damals laufen heute allerdings deutlich weniger Kollegen durch das Fahrerlager. Die Anzeigen-Einnahmen sprudeln längst nicht mehr so üppig wie früher. Das Internet macht die Preise kaputt. Kaum einer leistet sich noch den Luxus von Reportern vor Ort.

Als mir mein Chef damals angeboten hat, an der Seite von Michael Schmidt für unsere Webseite zu berichten, hielt ich es zunächst auch für einen schlechten Scherz. Flüge und Hotels, für die an Grand Prix-Wochenenden natürlich immer extra-hohe Preise aufgerufen werden, kosten ein Vermögen. Ich bin damals fest davon ausgegangen, dass der Spaß spätestens nach einem Jahr wieder vorbei sei.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass die Leser den hohen Aufwand honorieren. Schließlich gab es schon damals jede Menge Webseiten, die unsere Geschichten mit billigen Aushilfskräften innerhalb weniger Stunden kopiert hatten. Doch in diesem Punkt habe ich die Formel 1-Fans unterschätzt. Es sprach sich schnell herum, dass wir Infos aus erster Hand liefern und exklusive Fotos aus der Boxengasse mitbringen, die es woanders im Netz nicht gibt.

Hamsterrad Formel 1

Mittlerweile haben wir eine feste Fangemeinde. Selbst aus dem Ausland bekommen wir trotz Sprachbarriere viele Zugriffe. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle einmal bedanken. Es ist der Lohn für den hohen Stressfaktor, den das Leben als F1-Reporter mit sich bringt. Das soll hier gar nicht in eine große Jammerei ausarten. Es gibt wohl kaum geilere und aufregendere Jobs auf dieser Welt. Aber Familie und Freunde sind natürlich nicht immer begeistert, wenn man für Terminabsprachen jedes Mal erst in den Rennkalender schauen muss.

Im Hamsterrad von Grand Prix zu Grand Prix vergeht eine Saison wie im Fluge. In Melbourne, wenn immer alles bei Null losgeht, wird einem das jedes Jahr besonders bewusst. Aber Melbourne ist auch immer eines der Rennen, auf die man sich jedes Jahr wieder ganz besonders freut. Das liegt einerseits an der entspannten Atmosphäre in Gefilden, die im März deutlich wärmer sind als die Heimat. Zum anderen natürlich daran, dass die lange Winterpause endlich vorbei ist und es endlich wieder Rennaction gibt.

Am Donnerstag kann man sich die Autos nach dem Versteckspiel bei den Testfahrten erstmals etwas genauer anschauen. Und bei der neuen Generation Rennwagen lohnte sich der Blick ganz besonders. Fette Reifen, breiteres Chassis, flacherer Heckflügel – die 2017er Autos ließen ihre Vorgänger in allen Belangen alt aussehen. Der Star unter den Neuwagen war natürlich der Force India. Dank Sponsor BWT erstrahlte der VJM10 in einer auffälligen rosa Lackierung, an die man sich erst einmal gewöhnen musste.

Wehrlein muss überraschend passen

F1-Tagebuch - GP Australien 2017 Foto: sutton-images.com
Beim Gruppenfoto war Pascal Wehrlein noch dabei. Am Start saß dann Antonio Giovinazzi im Auto.

Die ersten Geschichten im Fahrerlager ließen auch nicht lange auf sich warten. Vor allem die Rennabsage von Pascal Wehrlein sorgte für Schlagzeilen. Im Pressezentrum nahmen es dem Worndorfer viele Kollegen übel, dass er die Schwere seiner Verletzung nach dem Überschlag beim Race of Champions in Miami lange verheimlicht hatte.

Auch viele Ex-Rennfahrer äußerten sich kritisch. Der Tenor: Wenn die Verletzung nicht so schlimm ist, warum gibt der Fahrer dann freiwillig sein Cockpit auf? Früher habe man in solchen Fällen schließlich auch auf die Zähne gebissen. Erst zwei Wochen später beim Rennen in China beendete Toto Wolff das unwürdige Schauspiel. Der Mercedes-Chef verriet, dass sich sein Junior-Pilot ein paar Wirbel gebrochen hatte. Wäre man gleich mit der Wahrheit rausgerückt, hätte man sich viel Ärger ersparen können.

Verschlossen zeigen sich die Teams auch immer, wenn man sie vor dem Saisonstart auf die Leistungsfähigkeit ihrer Autos anspricht. Doch im Melbourne-Qualifying ist es mit dem Pokerspiel vorbei. Alle müssen endlich die Hosen runterlassen. Trotz guter Ferrari-Zeiten bei den Tests habe ich ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass Sebastian Vettel Mercedes ernsthaft herausfordern kann. Doch beim Kampf um die Pole Position am Samstag tat sich Lewis Hamilton schon deutlich schwerer als im Jahr davor.

Vettel schafft die Sensation

Und im Rennen am Sonntag schaffte Ferrari dann tatsächlich die Sensation, die wohl nur die optimistischsten Tifosi erwartet hatten. Der Rückstand von mehr als einer Sekunde war innerhalb von nur einem Winter aufgeholt. Nach der Zieldurchfahrt und dem Sieg von Vettel sah man im Fahrerlager viele glückliche Gesichter. Auch wenn wir Journalisten natürlich zur Neutralität verpflichtet sind, war die Erleichterung im Pressesaal groß, dass es mit der Mercedes-Dominanz nach 3 Jahren endlich vorbei war.

Selbst im Silber-Lager schien man über die erstarkte Konkurrenz gar nicht mal so unglücklich. Und auch die neuen F1-Chefs von Liberty Media konnten ihr Glück kaum fassen. Ferrari vs. Mercedes, Vettel vs. Hamilton – das versprach Spannung und hohe Einschaltquoten. Dass vor allem in der ersten Saisonhälfte ein Drama das nächste jagen sollte, konnte damals aber noch niemand ahnen. Meine achte Formel 1-Saison sollte eine der besten werden. Aber dazu in den nächsten Tagebüchern mehr ...

In der Galerie nehmen wir Sie mit auf einen Rundgang hinter die Kulissen des GP Australien 2017.

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