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Grand Prix-Tagebuch GP Bahrain 2017

Wenn Bier mehr als Benzin kostet

F1 Tagebuch - GP Bahrain 2017 - Formel 1 Foto: ams 29 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 3 berichtet Andreas Haupt, was hinter den Kulissen beim GP Bahrain 2017 passiert ist.

03.12.2017 Andreas Haupt 1 Kommentar

Meine Reise nach Bahrain startet früh und endet erst nach der Verlängerung. Im Gegensatz zu Kollege Michael Schmidt fliege ich direkt von Shanghai in den Wüstenstaat. Mit einem Zwischenhalt in Dubai. Zurück nach Deutschland geht es erst am Donnerstag nach dem Rennwochenende. Weil die Formel 1 auf dem Bahrain International Circuit noch zwei Tage testet.

Betrunkener Engländer sorgt für Verspätung

Am Dienstagfrüh vor dem Rennen steige ich um 00:30 Uhr in den Flieger. Eigentlich sollte das Flugzeug eine Dreiviertelstunde nach dem Boarding abheben. Wir warten aber noch eine gute Stunde länger. Aus dem Cockpit funkt der Pilot, dass die Luftraumüberwachung etwas gegen unseren Start einzuwenden hätte. Es regnet, aber eigentlich nicht zu stark, um nicht starten zu können. Unten im Gepäckraum poltert es. In Bahrain erzählt mir ein italienischer Kollege später, was wirklich vorgefallen sein soll. Ein betrunkener Engländer musste das Flugzeug verlassen. Es dauerte, bis man sein Gepäck ausfindig gemacht hatte.

F1 Tagebuch - GP Bahrain 2017 - Formel 1 Foto: ams
Egal, ob bei Tag oder in der Nacht: In Bahrain ist es warm. Mir gefällt's.

Wir erreichen Dubai entsprechend verspätet. Gleich am Ausgang erwarten uns zwei Emirates-Mitarbeiter, um uns zum nächsten Flieger zu führen. Uns, das sind Teammitglieder von Force India, HaasF1, Red Bull, Toro Rosso – darunter Technikchef James Key -, und die Journalisten. Ein kurzer Hüpfer und wir sind in Bahrain. Dort richtet man extra für die Formel 1 eine eigene Schlange bei der Immigration ein. Bevor ich mit dem Shuttle-Bus weiter ins Hotel fahre, kaufe ich mir noch eine Sim-Karte mit einem Daten-Volumen von zehn GB, um mobiles Netz zu haben. Es sollte sich nicht lohnen. Man kann die Organisation in Bahrain nur loben. Das Internet läuft schnell und stabil. Das Pressezentrum ist modern und man ist praktisch direkt im Fahrerlager, sobald man die Tür öffnet. Es gibt Getränke und Snacks. Einziger Kritikpunkt: Die Klimaanlage verwandelt das Pressezentrum in einen Kühlschrank. Gehst du raus, läufst du gegen die Hitzewelle. Da ist eine Erkältung vorprogrammiert.

Alle Aufmerksamkeit auf Fernando Alonso

Ohne Sonnencreme geht nichts bei Temperaturen von 35 Grad und mehr. Die Palmen im Fahrerlager spenden nur bedingt Schatten. Die Teams kämpfen mit ihrem Equipment. Bei Mercedes läuft die Kaffeemaschine zu heiß. Ein Topf mit Eiswürfeln soll sie kühlen. Ich mag das heiße Wetter, obwohl selbst Wind nicht abkühlt. In der Nacht herrschen Temperaturen von über 25 Grad. Wir sitzen auf der Dachterrasse eines Restaurants, genießen Fleisch oder Pizza. Dazu ein kühles Getränk. Ein Bier kostet in Bahrain umgerechnet neun Euro. Unser Mietwagen Ford Ecosport durstet nach 21,7 Liter Benzin. Dafür bezahlen wir 3,47 Dinar oder umgerechnet 8,68 Euro. Ein halber Tank ist billiger als eine Halbe: Willkommen in der arabischen Welt.

Manche Kollegen laufen in kurzer Hose und Flipflops durch das Fahrerlager. Was ich nicht begreifen kann. Solch ein Auftritt zeugt nicht von professionellem Verhalten. Eine lange Jeans ist bei mir Standard. Aber jeder soll sich so kleiden, wie er es für richtig hält.

Die Fahrt zur Strecke ist unspektakulär. Sie dauert etwa eine halbe Stunde heraus aus der Hauptstadt Manama. Es gibt dort ein paar wirklich ansehnliche Gebäude mit cooler Architektur. Je weiter du dich von der Stadt entfernst, desto mehr Sand, Schutt und Geröll siehst du. Ein paar Kilometer vor der Strecke fahren wir an der Universität vorbei. Dort sind an der Einfahrt prominent die Machthaber des Königreichs platziert. Übrigens liegt unser Hotel gegenüber eines Königspalasts. Als wir einmal von der Strecke zurückkehren, sperrt die Polizei die Straße zum Hotel ab. Wir müssen einige Minuten warten, bis ein Tross an SUVs herausfährt. Ob sich in einem der Autos das Staatsoberhaupt versteckt? Auf dem Weg zum Streckenparkplatz wird unser Auto durchleuchtet. Die Polizisten kontrollieren mit Spiegeln sogar den Fahrzeugunterboden. Bevor wir ins Fahrerlager dürfen, werden die Taschen kontrolliert.

Am Donnerstag bestimmt Fernando Alonso die Schlagzeilen. McLaren und der Spanier verkünden, dass Alonso den GP Monaco sausen lässt und dafür das Indy 500 fährt. Der Doppelweltmeister genießt es sichtlich, im Rampenlicht zu stehen. Schon ab den Wintertests war klar, dass McLaren eine weitere schwere Saison bevorsteht. Die Rennen in Australien und China hatten das bestätigt.

Ärger am Flughafen in Bahrain

Ab Freitag übernehmen wieder Ferrari und Mercedes. Im Qualifying haben die Silberpfeile die Nase vorn. In der Reihenfolge Valtteri Bottas vor Lewis Hamilton. Es ist die erste Pole-Position für den Neuzugang. Sebastian Vettel sortiert sich auf eine schnelle Runde auf dem dritten Rang ein. Einen Tag später rast er in der Dunkelheit zum zweiten Saisonsieg. Für mich ist es das erste Nachtrennen. Und ich muss sagen, dass das Flutlicht in der Startaufstellung für ein ganz besonderes Flair sorgt. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem Fußballstadion.

Impressionen - GP Bahrain 2017 - Qualifying Foto: sutton-images.com
Coole Lichtspiele: Bahrain ist eines von drei Nachtrennen.

Vettel schluckt Hamilton am Start und Bottas mit einem früheren Reifentausch. Danach kontrolliert er das Rennen von der Spitze weg. Bei Mercedes läuft zu viel gegen den Plan. Erst versagen die Reifenwärmer vor dem Start, dann lässt ein Stromausfall die Schlagschrauber beim Boxenstopp lahmen. Weil Bottas vor ihm in die Box fährt, bummelt Hamilton am Eingang und hält Daniel Ricciardo auf. Die Sportkommissare belegen ihn daraufhin mit einer Zeitstrafe. Hamilton ist der schnellere Mann im silbernen Auto. Mercedes trifft gegen Rennmitte die Entscheidung, die Plätze zu tauschen, um ihrem Superstar wenigstens eine kleine Chance auf den Sieg zu eröffnen. Es klappt nicht. Vettel siegt vor Hamilton und Bottas.

Red Bull ist nur auf den Supersoftreifen schnell. Auf dem härteren Soft leidet Ricciardo, der hinter Kimi Räikkönen und vor Felipe Massa Fünfter wird. Teamkollege Max Verstappen rodelt mit einer defekten Bremsanlage in den Reifenstapel. Pascal Wehrlein gibt nach zwei Rennen Pause ein gelungenes Comeback. Er wird Elfter.

Nach dem Rennen und vor den Testfahrten treffen wir Nico Hülkenberg, um eine neue Folge unserer Video-Serie „Formel Schmidt“ abzudrehen. Ich filme, Michael Schmidt stellt dem langen Rheinländer die Fragen. Hülkenberg ist locker drauf, obwohl sein Renault R.S.17 bisher nur auf eine Runde schnell ist. Renault muss das Fahrwerk auf hart trimmen, um die Aerodynamik-Plattform stabil zu halten. Das hilft im Qualifying, schmerzt aber im Rennen. Die Hinterreifen sind überfordert.

Die zwei Testtage bilden den Abschluss einer langen Reise. Ich bin inklusive dem Rennen in China für über zweieinhalb Wochen unterwegs. Am Donnerstag nach dem Grand Prix führt uns ein Abendflug zurück in die Heimat. Am Flughafen gibt es Ärger. Ich wechsle mein T-Shirt in aller Öffentlichkeit. Eine dumme Aktion. Es dauert keine 30 Sekunden, bis ein Polizist mich anraunzt. Zurecht. Ich komme mit ein paar mahnenden Worten davon und freue mich auf ein freies Wochenende und mein Sofa.

Neuester Kommentar

2 Sachen: Es handelt sich um Abläufe des Jahres 2016 und Andreas Haupt muss ganz dringend die deutsche Rechtschreibung ÜBEN!

Nabob 3. Dezember 2017, 16:53 Uhr
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