F1 Tagebuch GP Belgien 2017 Wilhelm
F1 Tagebuch GP Belgien 2017
F1 Tagebuch GP Belgien 2017
F1 Tagebuch GP Belgien 2017
Toro Rosso - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - 23. August 2017 27 Bilder

F1-Tagebuch GP Belgien 2017

"I’m here for blood"

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 12 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Belgien los war.

Nach dem turnusmäßigen Ausfall des Rennens in Hockenheim war der Klassiker in Spa für uns der Grand Prix mit der kürzesten Anreise. Nicht einmal 400 Kilometer liegt der Ardennen-Kurs von unserer Redaktion in Stuttgart entfernt. Das sorgt schon bei der Anreise für entspannte Stimmung. Aus unserem Fuhrpark gab es einen KIA Sportage, der genug Platz bot, um ein paar Sechser-Packs des leckeren belgischen Leffe-Bieres aus Belgien in die Heimat zu importieren.

Vor dem Weg zum Getränkeladen stand aber erst ein Besuch an der Rennstrecke an. Nach der Sommerpause haben die Teams trotz Zwangsferien bekanntlich immer viele neue große Upgrade-Teile im Gepäck. Da versuchten wir natürlich schon am Mittwoch ein paar Geheimnisse zu enthüllen. Praktischerweise kam gerade der Toro Rosso-Laster mit den beiden Rennwagen um die Ecke gebogen. So konnten wir beim Entladen ein paar Bilder schießen, die man sonst nicht so oft sieht.

Vandoorne startet mit Handicap

Max Verstappen & Stoffel Vandoorne - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - 24. August 2017
sutton-images.com
Die beiden Lokalmatadoren Verstappen und Vandoorne standen besonders im Fokus der Medien.

Immerhin konnte Kollege Schmidt herausfinden, dass Lokalmatador Stoffel Vandoorne wegen einer Startplatzstrafe bei seinem Heimspiel von ganz hinten starten muss. Der PR-Abteilung von Honda gefiel es allerdings gar nicht, dass wir die Rückversetzung schon am Mittwochabend verkündeten. Auch einige unserer englischsprachigen Kollegen ärgerten sich, dass wir die brisante Info schon auf die Webseite stellten, bevor sie einen Fuß ins Fahrerlager gesetzt hatten.

In solchen Fällen frage ich mich immer, warum die Teams solche Strafen, die lange vorher feststehen, nicht schon gleich in den offiziellen Pressemitteilungen erwähnen, die vor jedem Rennwochenende verschickt werden. Irgendwann kommt der Einbau neuer Motor-Komponenten sowieso ans Tageslicht. Spätestens, wenn FIA-Kontrolleur Jo Bauer seinen offiziellen Technik-Report verschickt.

Auch bei Max Verstappen spielte die Haltbarkeit seiner Antriebseinheit in Belgien eine wichtige Rolle. Zum Ärger der vielen orange gekleideten Fans, fiel der Holländer schon nach wenigen Runden aus. Um zu erleben, welche Euphorie der Youngster in seiner Heimat ausgelöst hat, musste man wirklich vor Ort gewesen sein. Am Rennsonntag waren alle Tribünen ausverkauft. Gefühlt hatte jeder zweite Zuschauer eine Red Bull-Kappe auf dem Kopf.

Verstappen-Party auf den Camping-Plätzen

Um den Verstappen-Wahnsinn zu dokumentieren, hatten wir uns schon am Mittwoch auf dem Campingplatz hinter der Les Combes-Passage umgesehen. Die Wiese mitten im Wald verwandelte sich schon zwei Tage vor dem ersten Training in eine mobile Party-Stadt mit mechanischem Bullen, Disko und jede Menge Biertheken. Der Alkoholpegel der Bewohner hatte am Nachmittag auch schon Ardennen-Niveau erreicht.

In unserem Hotel bekamen wir von dem bunten Treiben rund um die Strecke nicht mit. Das Gasthaus im Kaff Trois Ponts liegt am Hinterteil der Welt, versteckt zwischen Hügeln, Wäldern und Weiden. Wenn in Deutschland ein Atomkrieg ausbrechen würde – hier bekäme man das sicher nicht mit. In den antiquiert eingerichteten Fluren liegen Baby-Puppen in kleinen Bettchen, was den abendlichen Weg ins Zimmer immer etwas gruselig gestaltet.

Wir hätten das Hotel wohl schon längst gewechselt, wenn der Stammkoch im hauseigenen Restaurant nicht jeden Abend so sensationelles Essen auftischen würde. Selbst unsere Kollegen nehmen die lange und komplizierte Anfahrt gerne in Kauf, um das ausgefeilte 4-Gänge-Menü zu genießen. Im Vorjahr hat uns fast der Schlag getroffen, als ein „Zu Verkaufen“-Schild an der Einfahrt hin. Doch 12 Monate später waren die Besitzer immer noch die Selben. Dieses Hotel im Nirgendwo, dass nur einmal im Jahr richtig Umsatz macht, kauft wohl niemand.

Gepäck-Chaos in Brüssel

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ams
Blick-Kollege Benoit musste mehr als eine Woche auf sein Gepäck warten.

Am Donnerstag an der Strecke begrüßte uns unser etwas säuerlicher Kollege Roger Benoit. Der Schweizer Blick-Reporter war mit dem Flugzeug in Brüssel gelandet. Doch dummerweise streikten die Angestellten, die sich um das Gepäck kümmern. Sein Koffer lag nun irgendwo in einem riesigen Haufen mit tausenden anderen in einem Hangar. Um die eilig gekauften Ersatzklamotten wieder nach Hause zu schaffen, gab es von Force India am Sonntag einen kleinen Trolley. Der Koffer kam erst eine Woche später in Zürich an.

Auch Pascal Wehrlein präsentierte sich etwas säuerlich. Wie zu dieser Jahreszeit üblich galt meine erste Frage seiner ungeklärten Zukunft, worauf der Pilot nur ausweichende Allgemeinplätze zu bieten hatte. Als ich etwas verärgert nachhakte, ob er denn einen Plan B habe, für den Fall, dass es 2018 nicht mit dem Cockpit klappt, fiel Wehrlein fasst die Kinnlade runter. Es sah so aus, als hätte er sich mit dem Gedanken noch gar nicht beschäftigt.

Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass es mir schwer falle, ein Team auszumachen, dass für ihn noch einen Platz offen hat. Aber er hielt meine Frage offenbar nicht für gerechtfertigt. Als Speedweek-Kollege Mattias Brunner dann auch noch nachhakte, ob für 2018 ein Testfahrer-Job als Alternative möglich sei, schüttelte Wehrlein nur den Kopf und sagte: „Ich glaube, wir brechen das jetzt ab.“

Normalerweise ist Pascal Wehrlein ein netter und höflicher Junge, der fahrerisch sicher seinen Platz in der Formel 1 verdient hat, aber in diesem Fall kam er mir etwas naiv vor. Ich weiß nicht, ob er sich zu sehr auf die Hilfe von Mercedes verlassen hatte. Oder ob er den Lobgesängen einiger Journalisten-Kollegen glaubte, die ihn schon mit Senna oder Hamilton verglichen.

Hamilton kündigt Siegesserie an

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xpb
Hamilton machte seine Ankündigung war. Belgien war der Auftakt einer beeindruckenden Siegesserie.

Apropos Hamilton: Der große WM-Rivale kam wie ausgewechselt aus der Sommerpause zurück. Er stellte sich vor die Weltpresse und verkündete groß, dass er ab sofort bis zum Saisonende kein Rennen mehr verlieren wolle. Und dass er sich im Sommer mental auf den harten Titelkampf eingestellt habe, und auf alles vorbereitet sei. War Hamilton größenwahnsinnig geworden? Hatte er die böse Klatsche vor der Sommerpause vergessen, als Vettel mit angeknackster Lenkung siegte?

Dann haute Hamilton noch eine Kampfansage raus: „I’m here for blood“, diktierte der Brite den Medienvertretern in die Blöcke. Was sich im Englischen gut anhört, ist leider nur schwer im Deutschen wiederzugeben. Wir diskutierten unter den Kollegen eifrig darüber, eine vernünftige und einheitliche Übersetzung zu finden, damit nicht überall etwas Anderes steht. Am Ende einigten wir uns auf die Formulierung: „Ich kämpfe bis aufs Blut.“ Die Alternative: „Ich will Blut sehen“, war dann doch eine Nummer zu übertrieben.

Und wer Hamilton damals Größenwahn vorwarf, musste sich spätestens in Austin entschuldigen. Von den ersten sechs Rennen nach der Sommerpause hatte er fünf gewonnen. Nur in Malaysia musste er sich Max Verstappen geschlagen geben. Die WM war früher entschieden als alle gedacht hatten. Natürlich war auch die Ferrari-Pleitenserie nicht ganz unschuldig. Aber Hamilton fuhr gleichzeitig in der Form seines Lebens. Seitdem wissen wir, dass man seine Ankündigungen ernst nehmen sollte.

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