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F1 Tagebuch GP Brasilien 2017
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F1 Tagebuch GP Brasilien 2017
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F1-Tagebuch GP Brasilien 2017

Gefahr für Leib und Leben

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 19 berichtet Bianca Leppert, was hinter den Kulissen beim GP Brasilien los war.

Die Reise zu meinem letzten Grand Prix der Saison nach Brasilien beginnt bereits chaotisch. Eigentlich wollen sich Kollege Michael Schmidt und ich an einem Café im Transfer-Bereich am Flughafen Zürich treffen. Er reist aus Stuttgart an, ich aus München. Doch als ich ankomme, ist von Herrn Schmidt weit und breit keine Spur. Ich muss kurz daran erinnern: Der Kollege besitzt kein Handy.

Ich mache es mir also bei Burger King gemütlich, als eine Schweizer Nummer auf meinem Display erscheint. Es ist Kollege Schmidt, der vom Lost & Found-Schalter anruft. Er hat unsere Redaktionskamera im Flugzeug vergessen. Um sie wieder zurückzuholen, ist etwas Organisation notwendig, die Zeit beansprucht. Wir verabreden uns für später am Gate.

Dort angekommen treffen wir FIA-Sportkommissar Paul Gutjahr. Während Michael und er plaudern, bemerke ich, dass der Kollege nicht der einzige Schussel ist. Mein Schal, den ich auf Langstreckenflügen wahlweise als Decke oder Kissen nutze, ist verschwunden. Er muss wohl aus meiner vollgepackten Handtasche rausgerutscht sein.

F1-Bomber nach Sao Paulo

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Der Flug über die Mega-Metropole Sao Paulo ist immer wieder ein Erlebnis.

Die zwölf Stunden Flug gehen ausnahmsweise erstaunlich schnell vorbei, die meiste Zeit schlummere ich – auch ohne „Schnuffeldecke”. Während ich in der Schlange zur Passkontrolle noch benebelt bin, ratscht Michael schon mit Sebastian Vettel, der direkt vor ihm an der Reihe ist. Auch Brendon Hartley, Romain Grosjean und Nico Hülkenberg kommen zeitgleich mit uns an.

Während sich die Piloten am Mittwoch noch nicht an der Strecke blicken lassen, machen wir bereits die ersten Bilder. Der Rückweg wird zur ersten Geduldsprobe im Verkehrs-Wahnsinn von Sao Paulo: Zwei Stunden für rund 20 Kilometer. Ich kenne das bereits, es ist mein drittes Rennen in Brasilien.

Überhaupt wird es der Tag des Wartens. Am Abend müssen wir eine Stunde Geduld haben, bis wir in unserer Lieblings-Churrasceria Barbacoa einen Tisch bekommen. Es lohnt sich. Bei meinen letzten Einsätzen in Sao Paulo hatte ich noch vegetarisch gelebt, nun zahlt sich der Besuch des “Fleischtempels” endlich auch für mich aus. Mein persönlicher Favorit im Fleisch-Paradies: Picanha, eine Art Rumpsteak, das von einem Spieß abgeschnitten wird.

Massa feiert wieder Abschied

Am Donnerstag beherrschen die WM-Niederlage von Sebastian Vettel und der Abschied von Felipe Massa die Gespräche im Fahrerlager. Er wird sein letztes Formel 1-Rennen in seiner Geburtsstadt erleben, bevor in Abu Dhabi das allerletzte ansteht. Im Pressezentrum haben wir dieses Mal übrigens einen Wahnsinns-Platz ergattert. Wir können direkt auf die ersten Kurven sehen. Daneben gibt es eine Popcorn-Maschine, die die Journalisten-Herzen höher schlagen lässt. Vor allem meines, denn es gibt auch die salzige Variante.

Auf dem Rückweg am Abend mache ich meine erste Nahtod-Erfahrung. Sind Sie ein regelmäßiger Leser dieser Tagebuch-Reihe, dürften Sie über die Schmidtschen Fahrkünste schon Bescheid wissen. Er war bereits über 30 Mal in Sao Paulo und fährt ohne Navi oder Karte wie ein Einheimischer durch die Gassen.

Das lässt sich auch auf den Fahrstil übertragen. Als wir uns zwischen einem Bus auf der linken Spur und einem Auto auf der rechten Seite durchquetschen, sehe ich mich schon im nahegelegenen Krankenhaus liegen. Damit nicht genug der Horror-Szenarien: Ganz knapp über den Hochhäusern sehen wir eine TAM-Maschine rauschen. Sie steuert den nationalen Flughafen an, der mitten in der Stadt liegt. Wer das nicht weiß, könnte meinen, 9/11 wiederholt sich.

Dinner mit Piquet und Lauda

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Wenn Piquet und Lauda zusammensitzen, kommen viele alte Geschichten auf den Tisch.

Dafür werden wir am Freitagabend mit einem sensationellen Abendessen entschädigt. Wir sind wieder im Barbacoa, soweit also nichts Neues. Doch mit uns am Tisch sitzen Nelson Piquet, der ein Kumpel von Michael ist, und sein ehemaliger Brabham-Teamkollege Niki Lauda. Die beiden packen viele alte Geschichten aus. Wir wollen nicht ins Detail gehen, aber es ging nicht nur um die Abenteuer auf der Rennstrecke …

Als wir am Samstag das Fahrerlager erreichen, sind alle in heller Aufregung. Am Vorabend wurde ein Van mit Mercedes-Mechanikern von Ganoven überfallen und ausgeraubt. Dabei sind sogar Schüsse gefallen. Ein Auto der FIA konnte glimpflich entkommen, da es gepanzert war.

Auch im Fahrerlager herrscht Krieg. Toro Rosso ist sauer über die Aussagen von Renault-Sportchef Cyril Abiteboul, die Motor-Schäden seien auf die Umgangsweise des Teams mit dem Material zurückzuführen. Man veröffentlicht eigens ein Statement, in dem man dieser Theorie widerspricht. Abiteboul und Red Bull-Berater Dr. Helmut Marko werden gestikulierend und streitend gesichtet.

Hamilton im Reifenstapel

Der Samstag ist auch nicht der Tag von Lewis Hamilton. Er wirft sein Auto schon im ersten Qualifying-Abschnitt in die Reifenstapel – selbstverschuldet. Valtteri Bottas holt die Pole-Position vor Sebastian Vettel. Mein Tag ist es übrigens auch nicht. Erst bin ich am Mittag in der Toilette eingesperrt, weil das Schloss klemmt, am Abend überfällt mich eine heftige Magen-Darm-Grippe. Die Fahrt ins Hotel wird zur Qual, dort angekommen versorgen mich die Kollegen Schmidt und Roger Benoit fürsorglich mit einer Portion Reis und trockenem Brot. Es wird eine Nacht mit wenig Schlaf…

Am Sonntag geht es mir ein bisschen besser, ich schleppe mich trotz Übelkeit an die Rennstrecke. Sonst hätten die Kollegen zuhause einspringen müssen. Eine eher unglückliche Konstellation, schließlich muss der Live-Blog vor Ort betreut und Interviews geführt werden. Wenn man krank ist, bleibt auf diesen Reisen für Erholung kaum Zeit.

Am Ende des Tages feiert Sebastian Vettel seinen fünften Sieg der Saison und tröstet sein Team damit etwas über die verlorene WM hinweg. Wir verlassen das Pressezentrum erst um 22.30 Uhr – mit einem mulmigen Gefühl. Schließlich wurden auch Journalisten vor Überfällen beim Verlassen der Strecke gewarnt. Glücklicherweise passiert uns nichts. Wir reisen am Montagabend unversehrt wieder zurück.

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