F1-Tagebuch GP England 2017

Hamilton macht sich beliebt

Formel 1-Tagebuch GP England 2017 Foto: sutton-images.com 31 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 10 berichtet Bianca Leppert, was hinter den Kulissen beim GP England los war.

Die Reise zu meinem zweiten Grand Prix in diesem Jahr beginnt passend: Als ich in München im Flieger sitze, schüttet es in Strömen. Die perfekte Einstimmung auf England, denke ich mir. Aber ich war wohl etwas zu voreilig: Denn nachdem ich mich mit Kollege Schmidt in London am Flughafen getroffen habe und mit dem Mietwagen nach Silverstone gerauscht bin, zeigt das Thermometer an der Strecke um die 22°C. Und vom Himmel knallt die Sonne.

Allzu viele Menschen genießen das Wetter an diesem Mittwoch im Fahrerlager allerdings noch nicht. Die meisten sind ausgeflogen, um beim großen Fan-Event in London dabei zu sein. Nur die Logistiker haben noch eine Mammutaufgabe vor sich: Weil man gerade erst vom Rennen aus Österreich angereist ist, zeigen sich die Motorhomes von McLaren und Red Bull noch halb nackt.

Mit dem Doppeldecker ins Fahrerlager

Formel 1-Tagebuch GP England 2017 Foto: ams
Geht es noch stilechter? Der Journalisten-Shuttle in Silverstone!

Am Donnerstag wird es dann lebendig im Fahrerlager. Typisch britisch werden wir Journalisten mit roten Doppeldeckern vom Presseparkplatz nach drinnen geshuttelt. Das alles beherrschende Gesprächsthema: Wieso hat Lewis Hamilton als einziger Pilot das Fan-Event geschwänzt? Der Mercedes-Pilot muss sich so einiges anhören, weil er lieber einen Kurzurlaub in Griechenland machte – vor allem von seinen Landsmännern. Auch bei Ferrari kocht die Stimmung hoch: Sebastian Vettel beharrt auf seiner Meinung, dass Valtteri Bottas in Österreich einen Frühstart hingelegt hat.

In der Ferrari-Box herrscht indes auch viel Aufregung. Zum ersten Mal wird die neue Cockpit-Schutzscheibe namens „Shield“ montiert, die Vettel im Training am Freitag testen soll. Fast genauso viel Aufmerksamkeit zieht eine Garage direkt neben dem FIA-Quartier am Anfang der Boxengasse auf sich: Die Formel 1 kooperiert mit dem Disney-Film „Cars 3” und hat deshalb Platz für Lightning McQueen und Jackson Storm gemacht. Die Selfies mit den beiden lebensgroßen Modellen werden zum Social Media-Renner.

Unser Highlight ist hingegen am Abend das Essen mit den Schweizer Speedweek-Kollegen Matthias Brunner und Vanessa Georgulas sowie unserem ehemaligen ams-Kollegen Gregor “Meckie” Messer in einem typisch englischen Pub. Passend dazu der Slang der Bedienung, deren ständig wiederholtes „It’s okeeeeiiiiiiii” keiner so gut imitieren kann wie Kollege Messer und uns die ein oder andere Lach-Träne abringt.

Schmiddi vertreibt Schnarcher

Während ich am Freitagmorgen auf dem Beifahrersitz noch im Schlaf-Delirium bin, bekommt Kollege Schmidt schon Wutanfälle wegen schnarchender Linksabbieger. Es gibt wohl kaum etwas, das an einem Grand Prix-Wochenende so belebend ist wie eine Autofahrt mit Michael Schmidt.

Formel 1-Tagebuch GP England 2017 Foto: sutton-images.com
Nach nur einer Proberunde lässt Vettel den "Shield" wieder abbauen.

Hellwach mache ich mich gleich auf den Weg in die Boxengasse zu Ferrari, da sich jeder noch einen Schnappschuss vom Shield sichern will. Bei Vettel ist das Vergnügen kurz, er hat schon nach einer Runde genug, weil ihm mit dem Cockpitschutz schwindelig wird. Dafür schwärmen alle Piloten von den neuen Formel 1-Autos auf einer Strecke wie Silverstone – der Vergleich mit einer Achterbahnfahrt fällt mehr als einmal.

Für uns ist das Synonym für Silverstone keine Achterbahn, sondern eine Reisschüssel. Um genau zu sein das Restaurant “Rice Bowl” in Towcester. Bei unserem Stamm-Chinesen treffen wir uns mit den brasilianischen Kollegen zum Crispy-Duck-Menü. Weil ich mich in meinem früheren Vegetarier-Dasein stets gegen die Spezialität, die in Pfannkuchen gerollt wird, gewehrt habe, bekomme ich zunächst einen Pfannkuchen-Wickeltechnik-Lehrgang von den Kollegen. Und weil ich noch nie Ente gegessen habe, beruhigt mich Kollege Jaime: „Die Ente ist doch nur ein Cousin vom Huhn.”

Alonso brilliert im Qualifying

Im Qualifying sorgt dann endlich der typisch britische Regen für Action. Vor allem Fernando Alonso sorgt wieder für ein Highlight, indem er in Q1 die Bestzeit abliefert. Hat ihn das ein wenig gefreut? “Ich bin seit 17 Jahren in der Formel 1, davon 14 Jahre auf den ersten drei Positionen. Ich bin das gewohnt. Da wo ich jetzt herumfahre, das bin ich nicht gewohnt”, lautet sein lässiger Kommentar. Hamilton versöhnt sich indes mit den Fans. Er holt die Pole-Position.

Ein ähnlich flottes Tempo hat Kimi Räikkönen am Sonntagmorgen drauf. Er rast mit einem roten Geländewagen über den Parkplatz und nimmt beinahe Kollege Schmidt auf die Hörner. Im Fahrerlager fallen uns vor dem Rennen vor allem die Renault-Angestellten auf: Sie haben eigens Retro-Hemden zum Formel 1-Jubiläum von Renault an.

Der König von Silverstone ist und bleibt an diesem Sonntag Hamilton. Nach all der Kritik im Vorfeld gewinnt er locker – auch weil bei Ferrari die Reifen in den Schlussrunden platzen. Wir fragen ihn nach dem Rennen: Was macht dich so stark auf dieser Strecke? „Sie gehört mir”, scherzt er. Eine wunderbare Zeile, die am nächsten Morgen in allen englischen Zeitungen prangt.

In der Galerie nehmen wir Sie mit auf eine persönliche Tour hinter die Kulissen des GP England.

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