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F1 Tagebuch GP Italien 2017
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F1-Tagebuch GP Italien 2017

Monza, das ist ein Gefühl

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 13 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Italien los war.

Mit dem Rennen in Monza verabschiedete sich die Formel 1 auch schon wieder von Europa. Es war für uns das letzte Rennen, das sich per Auto erreichen ließ. Und es war das letzte Rennen, bei dem die Motorhomes zum Einsatz kamen. Nicht nur den Teams bieten die mehrstöckigen Tempel perfekte Arbeitsbedingungen. Auch wir Journalisten ziehen die mobilen Bauwerke den kleinen Pavillons bei den Überseerennen immer vor.

Wenn ein Fahrer zur Presserunde einlädt, weiß man in Europa nach so vielen Rennen sofort, wo man hin muss. In Fahrerlagern ohne Motorhomes muss man sich dagegen immer erst einmal orientieren. Die Hütten an den Strecken außerhalb Europas sehen alle gleich aus, sind aber nicht immer in der gleichen Reihenfolge sortiert. Und obwohl die Pavillons auch gleich groß sind, entscheiden sich die PR-Vertreter der Teams die Medienrunden oft an komplett unterschiedlichen Orten abzuhalten.

Dazu kommt das Problem der Akustik. Einige Teams haben in ihren Motorhomes fest eingerichtete Audio-Anlagen, wodurch man die Fahrer auch aus mehreren Metern perfekt versteht. Bei Überseerennen kommt es nicht selten vor, dass sich ein Pilot in eine Ecke des Raumes klemmt und 20 Leute halten aus drei Meter Entfernung die Aufnahmegeräte in die Luft. Da reist man dann einmal um den halben Globus und am Ende bekommt man doch nichts mit, weil die Umgebungslautstärke zu hoch ist (Stichwort Rahmenrennen) oder weil sich der Fahrer beim Beantworten einer Frage in die falsche Richtung dreht.

Mobile Daten reichen knapp

Zurück zum Grand Prix von Italien. Wie immer düsten wir schon am Mittwoch an die Strecke, um die ersten Fotos von den Vorbereitungen zu schießen. Dummerweise ging das Internet im Pressezentrum noch nicht. Es hatte ja offiziell eigentlich auch erst ab Donnerstag geöffnet. Mein Handy zeigte noch 80 Megabyte Volumen für den restlichen Monat an, die am Ende zum Glück gerade so ausreichten. Als Kollege Schmidt nach dem Hochladen der Galerie noch seine E-Mails checken wollte, wurde schon nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit gesurft.

Kart - GP Italien 2017
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Am Donnerstag wurde die Zielgerade in eine Kart-Bahn verwandelt.

Am Donnerstag verwandelte Sponsor Heineken die Zielgerade in eine große Kartbahn. Ehemalige Fußballstars fuhren gegen die F1-Asse von Red Bull und Force India. Die Jux-Veranstaltung riss mich aber nicht vom Hocker. Höher schlägt das Herz erst, wenn der offizielle Pitwalk angesagt ist. Nirgends auf der Welt strömen mehr Fans in die Boxengasse. Am Nachmittag kommt man kaum noch an die Garagen der Teams heran, um Technikfotos zu machen.

Apropos Technik-Fotos. Der Social-Media-Heini von Mercedes hatte mich dabei fotografiert, als ich mich dem Silberpfeil bei der technischen Abnahme gerade mit der Kamera näherte. Das Foto ist nicht gerade vorteilhaft. Aber das ist mir relativ egal. Ich muss mich an dieser Stelle mal beim Weltmeisterteam bedanken. Kein anderes Team ist im Umgang mit Fotografen so lässig. Nirgends kommt man so nah heran ans Auto. Vor allem bei Red Bull und Ferrari könnte man sich da mal eine Scheibe abschneiden. Dort wird einem die Arbeit unnötig schwer gemacht.

Ferrari feiert 70. Geburtstag

Ferrari war natürlich das große Thema in beim Heimspiel. Am Motorhome hing ein großes Plakat, das auf das 70. Firmenjubiläum hinwies. Überall in Monza ist die lange Historie zu spüren. Die Strecke selbst ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Schon bei der täglichen Anfahrt durch den Königlichen Park geht es über die historische Strecke mit den markanten Steilkurven. Wenn Sie einmal die Chance haben, dort vorbeizukommen, dann kann ich das nur empfehlen. Monza ist immer wieder eine Reise wert. Oder wie es ein Fahrer einmal sagte: „Monza, das ist kein normales Rennen, Monza ist ein Gefühl.“

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Ferrari feierte beim Heimspiel Jubiläum. Doch nach dem Rennen herrschte Katerstimmung.

Natürlich hatten sich auch die Ferrari-Unternehmensspitze und viele wichtige Würdenträger angekündigt. Umso schlimmer war es dann, dass Vettel und Räikkönen chancenlos hinterherfuhren. Mercedes feierte einen lockeren Auswärtssieg. Und anstatt die Fehler zu analysieren, hauten Marchionne und Arrivabene anschließend auch noch auf ihre Mannschaft drauf. Nur Vettel hielt die Moral hoch. Er lobte die tolle Atmosphäre und versprach, bei den nächsten Rennen zurückzuschlagen. Doch in Singapur kam alles etwas ganz anders. Doch das wusste Vettel ja noch nicht.

Monza war wieder ein tolles Erlebnis. Doch die Heimfahrt ist immer ein Höllenritt. Wie üblich hatten wir um ca. 22.30 Uhr alle wichtigen Geschichten zum Rennen auf dem Sender. Und dann stand die 8-stündige Heimfahrt an. Ich wünschte, irgendjemand würde in der Zeit von Mitternacht bis 4 Uhr morgens mal das generelle Tempolimit in der Schweiz abschaffen. Es gibt nichts Ermüdenderes, als im Dunkeln mit 120 km/h auf einer komplett leeren Autobahn dahinzubummeln. Erst nach der deutschen Grenze wird der Tempomat abgestellt, man darf wieder Gas geben und das heimische Bett kommt endlich näher. Ein echtes Glücksgefühl.

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