F1 Tagebuch GP Japan 2017 ams
F1 Tagebuch GP Japan 2017
F1 Tagebuch GP Japan 2017
F1 Tagebuch GP Japan 2017
F1 Tagebuch GP Japan 2017 31 Bilder

F1-Tagebuch GP Japan 2017

Der Fluch der NGK-Werbung

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 16 berichtet Michael Schmidt, was hinter den Kulissen beim GP Japan passierte.

Die Reise von Malaysia nach Japan beginnt um 4 Uhr morgens mit dem Auschecken in unserem Hotel in Subang. Der ANA-Flieger hebt um 7 Uhr ab und bringt uns in 6.30 Stunden nach Narita. In unserer Reisegruppe sind noch Speedweek-Kollegin Vanessa und Jens von der Bild-Zeitung.

Als wir den Narita Express im Untergrund des Hauptbahnhofs von Tokio verlassen, hätte Tobias Grüner im Zug fast seine Tasche vergessen – mit allen Dokumenten und dem Computer. Er merkt es auf der Rolltreppe nach oben und kann gerade noch runterstürzen und in den Zug eilen, bevor der wieder abfährt. Irgendwohin nach Shinjuku.

Der Koffer wäre zwar nicht gestohlen worden, weil es das in Japan nicht gibt, aber es hätte wohl ein paar Stunden Zeit gekostet, ihn mit Hilfe der Bahngesellschaft JR Lines wiederzubeschaffen. So können wir am Abend schon wieder über die kleine Panik-Attacke lachen und in Ruhe in der Nähe der Ginza unser Standing Sushi genießen.

Sushi-Party in Tokio

F1 Tagebuch GP Japan 2017
ams
Wer kein Sushi mag, sollte nicht nach Japan reisen.

Dabei handelt es sich um einen klitzekleinen Laden, immer bis unters Dach gefüllt, in dem man nur an einer Bar stehen kann. Es gibt dort das zweitbeste Sushi, das wir kennen. Das Beste erwartet uns in Yokkaichi in der Nähe der Rennstrecke. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir verdrücken jeder 24 Stück Sushi und lassen den Abend mit einem Bier ausklingen.

Dabei haben wir sicher weniger bezahlt als Daniel Ricciardo, der am Mittwoch auch in Tokio ist und im bekanntesten Sushi-Laden der Stadt einen Tisch erkämpft. Man muss im Jiro Sushi in der U-Bahn Station Ginza mindestens ein Jahr vorher buchen und darf auch nicht länger als eine Stunde drinbleiben. Als ich Ricciardo ein paar Tage später von unserer Sushi-Bar erzähle, ist er gleich interessiert. „Erinnere mich nächstes Jahr noch mal dran.“ Machen wir.

Am nächsten Tag geht es mit dem Shinkansen in 1:40 Stunden die 350 Kilometer nach Nagoya. Von dort im Limited Express der Kintetsu Bahn nach Shiroko, unserem Hauptquartier. Alles superpünktlich, alles sauber, alles schnell. Warum kriegt das unsere Bahn nicht hin? Sie sollten mal bei den Japanern abschauen. Dann würden auch doppelt so viele Leute Zug fahren.

Stattdessen versucht die Politik den Autofahrern Steine in den Weg zu legen, um sie zum Bahnfahren zu zwingen. Man muss den umgekehrten Weg gehen. Das Schlechte besser machen, statt das Gute schlecht. Aber das werden Politiker nie kapieren, schon gar nicht die von den Grünen.

Der Fluch der NGK-Werbung

F1 Tagebuch GP Japan 2017
ams
Zündkerzen-Zulieferer NGK wirbt im Programmheft genau neben Ferrari.

In Suzuka angekommen geht es gleich einmal auf die Rennstrecke. Fotoshow, erste Stories. Von Ferrari erfahren wir, dass Vettels Getriebe keinen Schaden bei der Kollision mit Stroll nach dem Rennen in Malaysia genommen hat. Um das herauszufinden, wurde es extra ins Werk nach Maranello geflogen. FIA-Technikkommissar Jo Bauer erzählt mir, dass das die Top-Teams das immer so machen. Was für ein Irrsinn!

Da beginnt man zu ahnen, warum pro Jahr 300 Millionen Euro und mehr verbraten wird. Und für was? Für nichts. Der Fan hat gar nichts davon. Zum Schluss scheidet Vettel nicht wegen des Getriebes aus, sondern wegen einer Zündkerze. Ferrari bemerkt das Problem erst auf der Fahrt zum Startplatz und nicht wie Mercedes schon beim Anlassen des Motors am Morgen. Dabei hatte Zulierer NGK im offiziellen Programmheft stolz direkt neben Ferrari geworben.

Vettel steht. Hamilton gewinnt. Künstlerpech. Aber so was kann Weltmeisterschaften entscheiden. Vettels Ausfall ist fast schon der Todesstoß für seine WM-Mission. Er ist so enttäuscht, dass er schon vor Rennende nach Tokio abdüst. Ferrari zuckt mit den Schultern. Wer Stimmen will, soll sich die Audio-Files der TV-Teams anhören. Das ist, gelinde gesagt, ziemlich unprofessionell.

Für das Geld, das in der Formel 1 verpulvert wird, müssen alle Beteiligten auch dafür sorgen, dass sie nach dem Rennen verfügbar sind. Der Sport ist nur deshalb so populär, weil das Fernsehen darüber berichtet und wir drüber schreiben. Je besser wir das können, umso populärer der Sport. Das sollte eigentlich auch in die Köpfe der Medienvertreter der Teams rein.

Budkowski-Fall schreibt neue Schlagzeilen

Cyril Abiteboul - Renault F1
xpb
Cyril Abiteboul will uns weismachen, dass man Budkowski nicht wegen der Informationen zu den anderen Teams geholt hat.

Rückblende. Am Donnerstag wirkt der GP Malaysia noch nach. Warum hat Red Bull plötzlich ein Siegerauto? Warum ist der Mercedes so eine Diva? Wie hat Ferrari-Präsident Marchionne auf die Motorpannen von Sepang reagiert? Hat Alonso schon bei McLaren unterschrieben? Wo landet der fahnenflüchtige FIA-Technikchef Marcin Budkowski? Fragen über Fragen. Nicht immer befriedigende Antworten.

Bei Budkowski gibt es am Donnerstag immerhin Klarheit. Renault bestätigt seine Verpflichtung. Das ist keine große Überraschung mehr. Renault hatte sich schon in Malaysia als wahrscheinlichste Adresse herausgestellt. Bei der Pressekonferenz am Freitag versucht Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul mit mäßigem Erfolg zu erklären, dass man Budkowski nicht engagiert habe, weil er von allen Teams die Technikgeheimnisse kennt. Sondern einfach, weil er ein brillanter Ingenieur sei. So, so.

Am Abend treffen wir uns in unserem Sushi-Laden in Yokkaichi. Vater und Sohn schmeißen die Kneipe. Die beiden sehen aus wie eineiige Zwillinge. Da braucht es keinen Vaterschaftstest. Der Jubel ist wie immer groß, wenn sie uns nach einem Jahr Pause wieder sehen.

Und weil es so gut ist, gehen wir am Samstag noch mal hin. Diesmal mit unseren brasilianischen Kollegen von TV Globo und Otmar Szafnauer von Force India. Tobi hat vor Jahren die perfekte Sushi-Zusammenstellung fotografiert. Ein kurzer Klick auf sein Handy, und schon wissen die Sushi-Zauberer was wir bestellen wollen.

Longrun-Analyse fällt wegen Regen aus

F1 Tagebuch GP Japan 2017
sutton-images.com
Der Trainingsfreitag fällt zum Teil ins Wasser.

An der Strecke ist Freitag der ruhigste Tag. Ab Mittag regnet es. Lang und anhaltend. Uns würde was fehlen, wenn es in Suzuka nicht regnet. Damit entfällt unsere Longrun-Analyse. Ich bin nicht traurig. Es gibt auch so viel zu schreiben. Über Massa, der seinen Rauswurf bei Williams befürchtet. Über Bottas, der eine Getriebestrafe bekommt.

Und auch über Toro Rosso, wo man plötzlich feststellt, dass sie Pierre Gasly in Austin ersetzt werden muss, weil der Franzose für Honda Super Formula in Japan fahren soll. Dass Brendon Hartley am Ende den Sitz bekommt, hätten wir nie erraten. Der Neuseeländer ist 2010 aus dem Red Bull-Kader geflogen. Bis jetzt hat es noch nie ein Verbannter aus dem Exil zurück geschafft. Wird Doktor Marko etwa altersmilde?

Am Sonntagmorgen erzählt mir Ross Brawn, dass demnächst noch zwei wichtige Sitzungen anstehen. Am 31. Oktober das Motorenmeeting, am 7. November die Präsentation der Budgetdeckelung. Spannende Zeiten.

Kobe-Dinner in Osaka

Wir schaffen am Sonntagabend gerade noch den letzten Shuttle von der Strecke ins Hotel. Von dort begeben wir uns zu einem spanischen Restaurant, weil es das einzige ist, das noch bis 1 Uhr morgens Essen serviert. Um 2 Uhr geht die Arbeit kurz weiter, dann am Morgen bis zum Auschecken um die Mittagszeit.

Zusammen mit Jens von Bild fahren wir am Nachmittag mit dem Kintetsu-Zug die zwei Stunden nach Osaka. Natürlich wieder superpünktlich. Am Abend gönnen Tobias, Jens und ich uns zum Abschluss des Asien-Trips ein Kobe-Dinner.

Einen Tag später fliegt uns die Lufthansa in 11 Stunden nach Frankfurt. Von dort geht es weiter mit der Bahn nach Stuttgart. Wir erwischen den Zug, den eigentlich vor 50 Minuten hätte fahren sollen. Für uns ist er also fast pünktlich. Der Zug ist so voll, dass ich bis Stuttgart im Gang stehen muss. Wie schön war Bahnfahren doch in Japan.

Motorsport Aktuell F1 Tagebuch GP Malaysia 2017 F1-Tagebuch GP Malaysia 2017 Ferrari-Pleite bei Malaysia-Finale

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die...

Das könnte Sie auch interessieren
George Russell - Williams - Formel 1
Aktuell
Formel Schmidt - Saisonrückblick
Aktuell
Alain Prost - Renault - GP Abu Dhabi 2019
Aktuell