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F1-Tagebuch GP Kanada 2017

Mercedes gibt sich spaßbefreit

F1 Tagebuch - GP Kanada 2017 Foto: sutton-images.com 28 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 7 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Kanada los war.

07.12.2017 Tobias Grüner

Während die deutschen Formel-1-Fans immer noch das Ende der Schumacher-Ära zu bedauern scheinen, ist in Kanada nach wie vor kein Ende der Euphorie in Sicht. 20 Jahre nach dem WM-Titel von Jacques Villeneuve stand dieses Mal immerhin erstmals wieder ein kanadischer Pilot am Start. Die Tribünen wären aber wohl auch ohne den Teenager ausverkauft gewesen.

Auch wir Journalisten können uns der allgemeinen Begeisterung nicht entziehen. Die ganze Stadt feiert eine große Grand Prix-Party. In den vielen Bars kommt man schnell mit Fans ins Gespräch, die stets ganz begeistert sind, wenn man Ihnen erzählt, dass man aus der Heimat von Vettel, Rosberg und Co. kommt.

Formel-1-Begeisterung in Montreal

Die nordamerikanischen Zuschauer suchen auch nicht das Haar in der Suppe. Klar, der Sound könnte etwas besser sein. Und etwas Abwechslung an der Spitze wäre auch mal ganz schön. Aber es ist ja immer noch die Formel 1 – die beste Rennserie die Welt. Hier fahren die großen Stars. Die besten der besten. Wer sich diese Show nicht vor Ort anschaut, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Bei dieser Begeisterung macht der Job natürlich gleich doppelt Spaß. Nur zwei Dinge trübten bei der Ankunft am Mittwoch kurz die gute Laune. Weil die Preise unseres alten Hotels jede Saison einen deutlichen Sprung nach oben gemacht haben, entschieden wir uns erstmals dafür, die Herberge zu wechseln.

F1 Tagebuch - GP Kanada 2017 Foto: ams
In der Stadt sind am F1-Wochenende viele coole Autos unterwegs.

Die mit immerhin 1.000 Euro für fünf Nächte nicht gerade billige Alternative hatte allerdings einige Nachteile. Vom Haltepunkt des Airport-Bus-Shuttles musste man mit dem Koffer durch die halbe Stadt rennen. Bei 25°C und knallender Sonne eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch bei der Ankunft am Hotel um 13 Uhr war das Zimmer leider noch nicht bezugsbereit.

So ging es ohne Dusche nach der insgesamt 10-stündigen Anreise auf den Weg zur Rennstrecke. Doch wo um Himmels Willen fahren denn dieses Jahr die Shuttles ab? Der gewohnte Haltepunkt war wegen einer Baustelle blockiert. Also mussten die Veranstalter umdisponieren. Die Info der Presseabteilung lautete schlicht „Montreal Plaza“.

Persönlicher Shuttle zur Strecke

Bei der Eingabe in Google-Maps wurde natürlich als ersten Treffer der falsche Ort ausgespuckt. Nachdem ich eine Stunde kreuz und quer durch Downtown geirrt war und mehrmals bei den Organisatoren nachgefragt hatte, fand ich endlich den Mercedes-Sprinter mit dem Aufkleber „Media“, der mich zur Strecke brachte.

Zum Glück gibt es sonst kaum noch Journalisten, die so verrückt sind, und schon Mittwochs raus auf die Ile Notre-Dame mitten im Sankt Lorenz Strom fahren. Und so hatte ich den ganzen Kastenwagen für mich alleine. Bei der Anfahrt fiel mir sofort eine neue Fußgänger-Brücke kurz vor dem Eingang des Circuit Gilles Villeneuve auf. Hier hatte sich der Verkehr immer ewig gestaut. Jetzt gab es endlich freie Fahrt. Das hätte den Planern ja schon mal früher einfallen können.

Weil Kollege Michael Schmidt lieber die späte Lufthansa-Maschine als den frühen Air-Canada-Flieger nimmt, blieb die ganze Arbeit an mir hängen. Doch spätestens beim Dinner im Barbecue-Steakhouse war der ganze Stress und Ärger wieder vergessen. Die Spare Ribs in Montreal können locker mit denen in Texas mithalten. Auch aus kulinarischer Sicht gehört der Grand Prix von Kanada zu meinen absoluten Lieblingsrennen.

Eishockey, Basketball und Formel 1

F1 Tagebuch - GP Kanada 2017 Foto: ams
In den Bars lief abwechselnd Basketball und Eishockey.

Auch die Unterhaltung in den vielen Bars passt. Beim letzten Bier des Tages laufen parallel die Spiele der Finalserien in der US-Basketball-Liga NBA und dem Eishockey-Pendant NHL auf großen Leinwänden. Das darf man sich als US-Sport-Fan natürlich nicht entgehen lassen.

Kollege Schmidt ist dagegen überhaupt kein Basketball-Fan. Während sich die Mannschaften von LeBron James und Kevin Durant einen spektakulären Schlagabtausch lieferten, versuchte er mir zu erklären, warum ein Spiel, bei dem mehr als 200 Punkte fallen, keinen Menschen interessieren könne. Als ich ihm entgegenhielt, dass beim Indy500 in fast 3 Stunden ja auch 200 Runden gefahren werden, winkte er nur ab. „Das sei ja was ganz anderes.“

An der Strecke stand neben den Formel 1-Trainings erst einmal Wassersport auf dem Programm. Das legendäre Raft-Race im olympischen Ruder-Becken wurde dank Liberty Media reanimiert. Nur Mercedes und Ferrari verweigerten der Gaudi-Regatta die Teilnahme. Als ich Niki Lauda fragte, warum Mercedes denn so ein Spaßverweigerer sei, wurde er richtig sauer: „Die anderen haben Spaß, wir arbeiten. Deshalb gewinnen auch nicht die anderen sondern wir die Rennen.“

Ich hätte es etwas cooler gefunden, wenn man Spaß haben kann und auf der Strecke gewinnt. So aber traten am Ende nur acht F1-Teams (plus die Teams der FIA und der F1-Rechteinhaber) bei der feuchten Sause an. Meiner Meinung hätte HaasF1 einen Sonderpreis verdient gehabt. Die Mechaniker nahmen eine Pappversion von Kapitän Günther Steiner mit auf ihr hurtig zusammengedengeltes Floß. Das half aber auch nichts. Am Ende siegte McLaren. War ja auch kein Honda-Motor mit im Spiel.

Emotionale Hamilton-Show

Nach dem Rennen auf dem Wasser stand natürlich auch noch ein Rennen auf dem Asphalt auf dem Plan. Die große Frage lautete, ob Mercedes die herbe Pleite von Monaco verarbeitet und die richtigen Lehren gezogen hatte. Die Antwort lieferte Lewis Hamilton in beeindruckender Art und Weise.

F1 Tagebuch - GP Kanada 2017 Foto: xpb
Hamilton gab den Senna-Helm nicht mehr her. Erst hinterher erfuhr man, dass es sich um eine Kopie handelte. Das Original bekam er in Monaco überreicht.

Im Qualifying fuhr er Pole Position Nummer 65 ein. Damit hatte er Ayrton Senna eingeholt. Als Belohnung gab es einen alten Helm seines Idols. Die Aktion wurde zuvor komplett geheim gehalten. Auch im Pressezentrum war die Überraschung groß. Der emotionale Moment bei der Übergabe des gelben Kopfschutzes sorgte für tolle Bilder.

Auch im Rennen ließ der spätere Weltmeister nichts anbrennen. Mit knapp 20 Sekunden Vorsprung vor Teamkollege Valtteri Bottas sicherte sich Hamilton den Sieg. Mercedes war wieder obenauf. Sebastian Vettel musste sich mit Rang 4 hinter Daniel Ricciardo begnügen, nachdem ihm Max Verstappen am Start über den Frontflügel gefahren war. Sein Vorsprung in der WM schmolz auf 12 Zähler.

Für Gesprächsstoff sorgte auch das Force India-Duell. Esteban Ocon beklagte sich mehrfach, dass sich sein Teamkollege Sergio Perez im Zweikampf unfair verhalten würde. Im Gegensatz zum Rennen in Spa nach der Sommerpause kamen beide ohne Kollision ins Ziel. Teamdirektor Otmar Szafnauer konnte die Aufregung danach nicht nachvollziehen. Im Nachhinein muss man sagen, dass er wohl etwas früher härter hätte durchgreifen müssen.

Es gab also noch genügend gute Geschichten für die nächsten Tage. Wegen der Zeitverschiebung zu Deutschland mussten die Storys aber alle noch Sonntag-Nacht fertig werden. Es wurde ein langer Abend. Entsprechend groß war die Freude, als die Veranstalter für die letzten Journalisten noch ein kleines Büffet mit den Resten aus dem Catering-Bereich aufbauten. So mussten wir wenigstens nicht hungrig ins Bett gehen. Da könnten sich andere Rennstrecken auch gerne mal ein Beispiel dran nehmen.

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