Grand Prix-Tagebuch GP Mexiko 2017

Die Krönung des Weltmeisters

F1 Tagebuch - GP Mexiko 2017 - Formel 1 Foto: ams 25 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 18 berichtet Andreas Haupt, was hinter den Kulissen beim GP Mexiko 2017 passierte.

Am Jahresanfang der Doppelschlag China-Bahrain, hinten heraus USA-Mexiko: Sie können sich sicher vorstellen, was mir mehr Spaß gemacht hat. China und ich: Wir werden einfach nicht miteinander warm. Bahrain hat mir gefallen. Aber die Rennen in Austin und Mexiko sind nochmal eine Nummer besser. Vor allem, weil die WM-Entscheidung fällt. Mexiko gefällt mir auch, weil ich dort Spanisch sprechen kann. Ich habe es in der Schule gelernt, und versuche es mir irgendwie zu bewahren.

In den USA vertagt Vettel die Entscheidung noch. In Mexiko krönt sich Lewis Hamilton zum vierten Mal zum Formel 1-Weltmeister. Mercedes feiert. Die Stimmung ist ausgelassen. In der Garage und in der Team-Hospitality. Hamilton redet erst auf einer FIA-Pressekonferenz, später nochmals bei Mercedes. Die FIA-Runde bringt nichts ein. Hamilton redet und redet und redet, ohne wirklich auf Fragen einzugehen. Bei Mercedes wird er griffiger. Er träumt vom Ritterschlag. Berichtet vom Gespräch mit Toto Wolff vor der Saison. Spricht von seiner neuen Führungsrolle im Team. Und einer Vertragsverlängerung bei Mercedes, die nur noch Formsache sein soll.

Jeden Tag mit der U-Bahn

Hamilton mag mit seiner Art anecken, wenn man ihn so im TV sieht. Mit den Goldketten um den Hals und den Glitzersteinen in den Ohrläppchen. Sie sollten ihn aber mal erleben, wenn er scheinbar unbeobachtet ist, und keine Kamera auf ihn gerichtet ist. Wie er mit Kindern umgeht. Wie er auf Menschen mit Behinderungen zugeht. Wie er die Fans bedient, die ein Autogramm wollen. Ich habe es noch nie gesehen, dass er einfach weitergelaufen wäre wie etwa Kimi Räikkönen. Hamilton lebt die Formel 1. Aber er lebt auch sein Leben außerhalb der Königsklasse. Partys sind die eine Seite. Andererseits reflektiert Hamilton das Tun Anderer. Er äußert sich kritisch zu Donald Trump und lebt inzwischen als Vegetarier.

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Wir fahren täglich mit der U-Bahn zur Rennstrecke.

In Mexiko erleben wir etwas vom Land. Häufig ist es ja so, dass wir vom Hotel zur Rennstrecke später zum Restaurant und zurück ins Hotel pilgern. In Mexiko nehmen wir täglich die U-Bahn, sehen Leute. Die Fahrt dauert von unserem Hotel in der Zona Rosa bis zur Ciudad Deportivo etwa 30 Minuten. Wir nehmen erst die rosa U-Bahnlinie, dann die grüne und die braune. Eine Fahrt kostet fünf Pesos, also umgerechnet etwa 22 Cent. Stuttgart, bitte übernehmen! Spaß beiseite.

Die U-Bahnhöfe sind eine Attraktion für sich. Auf Teppichen breiten sich die Verkäufer aus, verkaufen Essen oder Souvenirs. Da wir morgens aus der Stadt fahren und abends rein, hält sich das Menschenaufgebot in den Zügen in Grenzen. Ich fühle mich nie unsicher. Eigentlich ist es wie in Deutschland in der U-Bahn. Die Einheimischen hängen an ihren Handys, hören Musik, lesen oder lackieren sich die Fingernägel. Eines fällt auf: Ich habe noch nie so viele blinde Menschen gesehen. Täglich begegnen uns mehrere. Ob es eine medizinische Begründung dafür gibt oder alles einfach nur Zufall ist, weiß ich nicht.

Alonso verdient ein siegfähiges Auto

Die Teams fahren mit Personenschutz zur Rennstrecke. Auf den letzten Kilometern steht gefühlt alle 20 Meter ein Polizist. Am Rennsonntag ist das Aufgebot am größten. Nur am Sonntagabend verzichten wir auf die Fahrt in der U-Bahn. Weil man es uns an der Rennstrecke rät, besser ins Shuttle zu springen. In 20 Minuten sind wir in unserem Hotel. Verstopfte Straßen? Sehe ich nur auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel und umgekehrt. Für mich ist das kein Vergleich mit der Hölle von Sao Paulo. Der Fahrweg führt uns durch ein paar gruselige Viertel. Hier will ich nicht aussteigen. Um unser Hotel ist alles sicher. So ist zumindest mein Eindruck. Restaurants liegen fußläufig. Ob Steakhouse oder Taco-Laden: Das Abendessen ist günstig und lecker, das Bier spottbillig. Ein Mexikaner schaut zu tief ins Glas. Wir sitzen in einer Bar als plötzlich ein Mann durchs Absperrgitter stürzt. Es macht einen lauten Knall. Nach ein paar Sekunden richtet er sich auf und torkelt weiter. Der Barbesitzer grummelt und repariert.

Die Mexikaner feiern den Dia de los Muertos – den Totentag. Sie schminken ihre Gesichter wie an Halloween. Selbst die Formel 1 macht mit. Im Fahrerlager lassen sich Journalisten Totenmasken aufmalen – FIA-Technikkommissar Jo Bauer muss auch herhalten. Charlie Whiting hingegen entkommt.

Morgens und abends ist es frisch, das Thermometer fällt teilweise unter die 15-Grad-Marke. Pullover und Jacke sind angesagt. Ich habe täglich Kopfschmerzen, was an der Höhe liegen mag. Jedenfalls bekommt den Renault-Motoren die dünne Höhenluft auf 2.200 Metern überhaupt nicht. Die Welle zwischen Turbo und MGU-H ist die Schwachstelle. Sie zerbricht wie ein Streichholz. Max Verstappen zittert sich deshalb zum Sieg, obwohl er haushoch überlegen ist und Valtteri Bottas locker abschüttelt.

Der Start bringt die Entscheidung. Verstappen attackiert Pole-Mann Vettel und setzt sich durch. Hamilton mischt mit. Es passiert, was passieren musste. Erst touchiert Vettel den Red Bull, in Kurve drei schlitzt er Hamilton dann den rechten Hinterreifen auf und beschädigt sich Nase und Frontflügel. Beide müssen an die Box und aufholen. Vettel schafft den vierten Platz. Hamilton arbeitet sich zurück bis auf Position neun. In den Schlussrunden liefert er sich ein beinhartes Duell mit Fernando Alonso. Das macht Spaß. Alonso zeigt im unterlegenen Honda einmal mehr seine Fahrkünste. Egal, wie man zum Spanier steht: Er verdient ein siegfähiges Auto.

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