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F1-Tagebuch GP Monaco 2017

Mit einem Auge beim Indy500

F1 Tagebuch - GP Monaco 2017 Foto: sutton-images.com 32 Bilder

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 6 berichtet Michael Schmidt, was hinter den Kulissen beim GP Monaco los war.

06.12.2017 Tobias Grüner 1 Kommentar

Monte Carlo. Ein Traum Grand Prix? Wenn man dort nicht arbeiten muss, auf jeden Fall. Mal abgesehen von den unverschämten Preisen, die für Hotels und Tickets aufgerufen werden. Ich wundere mich immer wieder, wie der Veranstalter die Tribünen voll bekommt. Bei Ticketpreisen zwischen 200 und 1600 Euro. Nur die Plätze am Berg unterhalb des Fürstenpalastes liegen in einem erträglichen Bereich. Dafür muss man dort früh kommen und etwas klettern, wenn man beste Sicht haben will. Manche Fans sind wirklich leidensfähig. Dafür sind sie auch echte Fans.

Meine ersten beiden Grand Prix in Monaco 1980 und 1981 habe ich auch aus der Zuschauerperspektive erlebt. Damals gab es noch die Tribünen U1 und U2 in der Rascasse-Kurve. Sündhaft teuer, aber ihr Geld wert. Die Tribünen standen nämlich im Fahrerlager. Und weil es damals noch nicht Bernies Drehkreuze gab, konnten wir uns außerhalb der Trainingszeiten immer im Fahrerlager herumdrücken.

Monaco Grand Prix Nummer 38

Zwei Monate nach dem GP Monaco 1981 habe ich damit begonnen, für eine Münchener Tageszeitung über Formel 1 zu schreiben. Ab da musste ich mir meine Tickets nicht mehr kaufen. Obwohl die Akkreditierung in Monte Carlo beim ersten Mal 1982 eine Zitterpartie war. Zunächst gab es eine Absage. Ich habe protestiert mit dem Hinweis, dass ich da schon für zwei Zeitungen geschrieben habe. Der Veranstalter hat das Gnadengesuch angenommen und mir aus Versehen die beste Pressekarte vermacht, die es gab. Mit Zutritt zum Fahrerlager, der Boxengasse und der Strecke.

Formel 1 Presse-Akkreditierung Saison 1987 Foto: ams
Erst ab 1987 übernahm die FIA die Akkreditierungen für alle Rennen zentral.

Ich habe mich dadurch bedankt, dass ich dem Presse-Chef meine ganzen Artikel geschickt habe, die über das Rennen 1982 veröffentlicht wurden. Ab da hatte ich nie mehr ein Problem mit Monte Carlo. Im Gegenteil. Monsieur Berengier hat mir über viele Jahre immer eine Weihnachtskarte geschickt. Heute ist alles viel einfacher. Die Akkreditierung wird zentral über die FIA gesteuert, und man muss sich nicht mehr einzeln mit den Veranstaltern herumschlagen.

Seitdem bin ich jedes Jahr nach Monaco gefahren. Ohne Unterbrechung. 2017 war mein 38. Grand Prix. Immer mit dem Auto. Die Anfahrt durch die Schweiz, an Mailand und Savona vorbei über die Autobahn A7 und E80 mit den gefühlt 1.000 Tunnels und Brücken ist Tradition. Dieses Jahr war Kollege Tobias Grüner dabei. In Zürich laden wir dann immer noch unseren Schweizer Kollegen Roger Benoit vom Blick ein. Gegen den bin ich geradezu ein Monaco-Neuling. Ich glaube, er war schon 1970 beim legendären Sieg von Jochen Rindt dabei. Er steuert also schon langsam auf seinen 50. GP Monaco zu.

Hotelpreise explodieren

Ich wohne seit 1980 immer im gleichen Hotel in Menton am Meer. Leider wurden die Zimmer über die Jahre auch immer teurer und erreichen langsam eine Schmerzgrenze. Kollege Grüner ist deshalb dieses Jahr ausgezogen und wohnt jetzt etwas weiter in der Stadt. Da das Hotel eine Wochenpauschale verlangt, fahren wir auch eine Woche lang hin. Bei dem Preis darf man nichts verschenken.

Der Montag und der Dienstag sind offiziell Urlaub. Aber eigentlich auch nicht so richtig. Den Montag verbringen wir mit der achtstündigen Anfahrt. Den Dienstag sind wir den halben Tag an der Strecke. Kollege Benoit ist erst beruhigt, wenn wir die besten Plätze im Pressezentrum reserviert haben.

F1 Tagebuch - GP Monaco 2017 Foto: ams
Der Freitag ist in Monaco immer frei. Renault nutzte den Tag für Show-Fahrten.

Im Fahrerlager wird hektisch aufgebaut, aber sonst ist tote Hose. Kein Fahrer, Teamchef oder Ingenieur lässt sich blicken. Wir nutzen den Tag um Bilder für die Galerie zu knippsen. Am Mittwoch geht es dann erst richtig los. In Monaco beginnt das Programm immer einen Tag früher, weil Freitag trainingsfrei ist. Auch das ist eine schöne Tradition, selbst wenn wir den angeblich freien Tag nicht genießen können. Wir sind von 10 bis 18 Uhr an der Strecke.

Für unser Schwesterblatt Motorsport Aktuell muss noch das Formel 2-Rennen geschrieben werden. Und im Fahrerlager trifft man am Freitag Leute mit etwas mehr Zeit als sonst. Der Extra-Tag in Monte Carlo ist bitter nötig. Weil man so schwer Gesprächspartner findet. Die technischen Meetings finden alle in den Büros in der Boxengasse statt. Fahrer und Ingenieure kommen zwischen den Trainings entweder gar nicht oder nur kurz zurück.

Ein Auge in Monaco, ein Auge in Indianapolis

Rennt man hoch in die Boxengasse, kann man sicher sein, dass derjenige, den man sucht, gerade im Fahrerlager ist. Oder umgekehrt. Ich will nicht klagen. Früher war alles viel schlimmer. Da lag das Pressezentrum nicht direkt im Fahrerlager, sondern irgendwo in der Stadt. Für ein paar Jahre in einem Parkhaus hinter der Schikane. Zu Fuß brauchte man die Strecke entlang mindestens 20 Minuten bis ins Fahrerlager oder die Boxengasse. Nur um dann festzustellen, dass alle ausgeflogen sind, die man treffen wollte.

Fernando Alonso - McLaren - IndyCar - 2017 Foto: IndyCar
Aus Monaco schauten wir zu, was Alonso in Indianapolis veranstaltete.

Für Kollege Grüner sind die Trainingstage doppelt hart. Er muss für diverse Fotoshows noch die Luxuskarossen und die Yachten im Hafen fotografieren. Sie sind im Internet immer ein Renner. Ich habe in diesem Jahr auch eine Doppelbelastung. Weil Fernando Alonso in Indy fährt, muss ich über beide Rennen berichten. Indy ist in diesem Jahr fast so wichtig wie Monte Carlo.

Ich werde nie verstehen, wie man zwei der größten Motorsportveranstaltungen auf den gleichen Tag legen kann. Wie gerne wäre ich zum Indy 500 geflogen. Ich war seit 1993 nicht mehr dort. Der Klassiker jenseits des großen Teichs verschafft uns am Sonntag einen langen Tag und eine hektische Nacht. Ausnahmsweise hat diesmal nicht der Grand Prix Priorität. Um 18 Uhr unserer Zeit beginnt das Indy 500.

Drei Stunden Schlaf

Während Tobi das Internet mit Hintergründen zum GP Monaco füllt, schaue ich Fernsehen. Der Veranstalter hat es in letzter Sekunde geschafft, den Zugang zur Live-Übertragung auf Canal+ zu finden. Drei Stunden später wissen wir, dass Scott Dixon einen monumentalen Unfall ohne Kratzer überlebt hat, dass Fernando Alonso mit Motorschaden ausgefallen ist und Takuma Sato sich zum ersten Japaner in der Victory Lane krönt.

Kurz darauf sind alle wichtigen Artikel in Motorsport Aktuell und im Internet. Und dann brechen wir um 10 Uhr abends auch schon auf Richtung Stuttgart auf. Wir laden Kollege Benoit, der uns alle merhmals wegen des Arbeitspensums mit anschließender Heimfahrt für verrückt erklärt, in Zürich ab und sind um 5 Uhr morgens wieder daheim. Nachts geht es eine Stunde schneller als am Tag. Am Montag hätten wir den ganzen Tag auf der Autobahn im Stau vertrödelt.

Um 8 Uhr klingelt schon wieder der Wecker. Um 9 Uhr treffe ich Kollege Grüner in der Redaktion. Jetzt hat die Formel 1 wieder Vorrang. Wir erklären, warum Sebastian Vettel gewonnen und Mercedes verloren hat, ob Ferrari mit Kimi Räikkönen ein böses Spiel spielte, um Vettel an dem Finnen vorbeizulotsen und ob Max Verstappen mit seiner Kritik an der falschen Taktik Recht hatte. Nach einem weiteren langen Tag im Büro wird vielleicht klar, warum Monte Carlo für uns nicht unbedingt der Märchen-Grand Prix ist, nach dem er von außen aussieht.

Neuester Kommentar

Die Berichte aus erster Hand zu den Rennen sind immer wieder ein toller Rückblick aufs Jahr. Wirklich interessant auch mal was vom "Drumherum" zu lesen und zu sehen, dass nicht - wie bei anderen Magazinen - lediglich (Renn-)Berichte kopiert werden. Echt schön, dass ihr euch die Mühe gebt; für das Gesamtkonzept abonniere ich euer Heft echt gerne!

Potentat 7. Dezember 2017, 15:24 Uhr
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