F1 Tagebuch - GP Österreich 2017 - Spielberg ams
F1 Tagebuch - GP Österreich 2017 - Spielberg
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Grand Prix-Tagebuch GP Österreich 2017

Gaudi beim Holiday-Grand-Prix

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 9 berichtet Michael Schmidt, was hinter den Kulissen beim GP Österreich passierte.

Der GP Österreich kommt nach meinem Dreierpack Montreal-Le Mans-Baku. Zum Glück mit einem Wochenende Pause dazwischen. Die Verschnaufpause tut gut. Und Österreich zählt zu den Grand Prix, zu denen man gerne fährt. Für mich ist es das 30. Mal. Kollege Andreas Haupt fährt zum zweiten Mal zu dem Rennen, das früher einmal der Holiday-Grand-Prix genannt wurde.

So geht es mit frischen Elan im Audi A5 Sportback-Testwagen Richtung Steiermark. Wir brechen morgens bei bestem Wetter in Stuttgart auf. Über München, Landshut, Deggendorf, Passau und Linz strömen wir gegen Süden. Mit den üblichen Ärgernissen auf der Straße. Urlauber produzieren auf der Autobahn Deggendorf-Passau einen Stau, nur weil die zwei Spuren wegen einer Baustelle etwas schmaler sind. Natürlich fahren alle die links, die sich nicht an den LKWs vorbeitrauen. Die Truckies bremsen hin und wieder und mit ihnen die Leute, die ohne Not die linke Spur verstellen. Sie kommen auch dort nicht schneller voran, weil sie eh nicht überholen.

Nächtigen in der Schlummerburg

In Österreich fällt uns auf, dass unser Auto selbständig alle stationären Radarkontrollen erkennt und dafür auch noch bremst, ohne dass wir das eingegeben hätten. Irgendwann lassen wir das Auto mal allein fahren. Tatsächlich hält es für 20 Sekunden die Spur. Dann warnt uns der Audi, dass wir nicht länger autonom fahren können. Noch nicht. Ehrlich gesagt, ich brauche das auch nicht. Eher fahre ich Zug. Das ist auch autonom.

Fans - GP Österreich 2017 - Spielberg - Qualifying
xpb
Die holländischen Fans belagerten die Tribünen.

Um 15 Uhr kommen Andreas Haupt und ich in Spielberg an. Gerade ist ein Wolkenbruch niedergegangen. Wir sehen nur noch die schwarze Wolkenwand, die sich verzieht. Gut für uns. So kann Kollege Haupt noch Bilder für die erste Fotoshow machen. Wir belohnen uns am Abend mit einem Wiener Schnitzel beim Bachwirt in Knittelfeld. Andreas Haupt träumt schon bei der Hinfahrt davon. Dann geht es ab in unsere neue Pension. Die unverschämten Preise im Umkreis der Strecke haben uns dorthin vertrieben. Wir quartieren uns auf Empfehlung der Kollegen der FAZ in der Schlummerburg ein. Nur neun Kilometer von der Strecke weg. Der Name ist nicht ganz Programm, aber wir wollen nicht klagen. Wenigstens wohnen wir zu einem fairen Preis.

Was uns bis Freitagabend verborgen bleibt, ist, dass Lewis Hamilton eine Getriebestrafe kassieren wird. Hamilton lässt sich auch bei der Donnerstags-Pressekonferenz nichts anmerken. Damit qualifiziert er sich für Hollywood. Erst der FIA-Report um 18 Uhr am Freitag bringt die Sache ans Tageslicht. Mercedes wollte die Konkurrenz so spät wie möglich auf die kleine Schwäche hinweisen. Damit die ihr Freitagsprogramm nicht darauf ausrichtet, dass Hamilton maximal von Platz 6 startet. Am Ende steht er nur auf Platz 9. Valtteri Bottas und Sebastian Vettel sind schneller. Spielberg war noch nie Hamiltons Lieblingsstrecke.

Keine Schlammschlacht zwischen Hamilton und Vettel

Am Donnerstag werden erst einmal die Sünden von Baku aufbereitet. Der Zehntagekrieg zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton endet enttäuschend. Es gibt keine Schlammschlacht beim ersten Aufeinandertreffen nach der Kollision von Baku. Vettel sieht seinen Fehler ein, und Hamilton vergibt ihm großzügig. Dafür gehen Sergio Perez und Esteban Ocon aufeinander los. Keiner will Schuld haben an der Karambolage, die Force India schätzungsweise 15 Punkte kostet. Perez stichelt: „Ocon hat den Unfall ausgelöst. Er muss noch lernen wie man Rennen fährt.“ Der Franzose schlägt zurück, spricht von einer 50/50-Schuld: „Ich habe mehr Meisterschaften als Perez gewonnen und weiß wie man Autorennen fährt.“ Carlos Sainz verärgert die Red Bull-Bosse mit der Ankündigung, dass er sich 2018 nach anderen Optionen umschauen will. „Hat er vergessen, dass wir noch einen langjährigen Vertrag mit ihm haben?“, poltert Teamberater Helmut Marko und erinnert Sainz daran, wer die Rechnungen bezahlt: „Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Sainz soll sich mehr aufs Fahren als auf die Politik konzentrieren.“

Porsche 962c - Legendenparade - GP Österreich 2017 - Spielberg
Neuigkeiten

Tagsdarauf sitzt Helmut Marko im Rahmen der Legenden-Show im Porsche 917, mit dem Hans Herrmann und Richard Attwood die 24 Stunden von Le Mans 1970 gewonnen haben. Das eigene Siegerauto von 1971 ist auch vor Ort, aber nicht fahrbar. Der Magnesiumrahmen würde schon beim Anlassen des 12-Zylinder Boxermotors zerbröseln. Das Bild um den Red Bull-Ring macht Laune. Tribünen und Zeltplätze sind wieder gut gefüllt. Wäre Red Bull da schon so stark gewesen wie am Saisonende, hätte es noch einmal 10.000 Zuschauer mehr gebracht. Im Rennen heißt es ausnahmsweise mal nicht Vettel gegen Hamilton, sondern Vettel gegen Bottas. Bottas gewinnt. Nach Meinung von Vettel mit einem Frühstart. Die FIA wehrt sich und erklärt die Startprozedur. Bottas ist ganz kurz vor Erlöschen der Ampel angeruckt, aber nicht weit genug, um ihn zu bestrafen. Ferrari und Vettel wollen es nicht wahrhaben. Sie reiten darauf herum, dass die Regeln nicht stimmen. Jeder Leichtathlet würde disqualifiziert, wenn er so starten würde.

Kvyat-Blackout kostet Verstappen und Alonso

Red Bull tröstet sich beim Heimspiel mit einem dritten Platz für Daniel Ricciardo. Der Australier wehrt meisterhaft die Angriffe von Hamilton ab. Max Verstappen ist da längst Zuschauer. Der Holländer kommt nur 400 Meter weit. Sein Red Bull parkt exakt vor einer Tribüne, die voll gepackt ist mit Fans in orangen T-Shirts mit orangen Kappen. Toro Rosso-Pilot Daniil Kvyat hat einen Blackout, bremst viel zu spät und räumt dabei Verstappen und Alonso ab. Kvyat verteidigt ihn: „Von außen sieht das alles so leicht aus. Aber mitten im Pulk mit kalten Reifen und kalten Bremsen kann man sich schon mal verbremsen.“ Das Mittelfeld wird diesmal von HaasF1 angeführt. Das US-Team kann sich den 6. Platz von Romain Grosjean ebenso wenig erklären wie Williams die vorletzte Startreihe. Die Vorderreifen kommen trotz großem Aero-Upgrade erst im Rennen auf Temperatur. Im Rennen läuft es besser. Felipe Massa und Lance Stroll stauben noch drei Punkte ab.

Für uns wird es wieder eine lange Nacht. Zuerst an der Strecke, dann bei der Heimfahrt. Wir sind kaum im Auto, da bricht für zwei Stunden ein monumentales Gewitter in den Bergen los. Bei jedem Blitz sind die Alpen hell erleuchtet. Teilweise geht es nur im Schritttempo weiter. Ab Linz ist es trocken. Da können wir endlich wieder Gas geben. Um 4 Uhr morgens ist unser Österreich Grand Prix beendet. Bis zum nächsten Grand Prix ist die Pause wieder nur kurz. Schon am Mittwoch geht es weiter nach Silverstone. Davon berichtet meine Kollegin Bianca Leppert.

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