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Lewis Hamilton - Motorrad - GP Ungarn 2017
Dienstwagen der F1-Piloten - Formel 1 - 2017
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F1 Tagebuch - GP Ungarn 2017 - Budapest 30 Bilder

Grand Prix-Tagebuch GP Ungarn 2017

Die FIA und der Halo-Druck

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 11 berichtet Andreas Haupt, was hinter den Kulissen beim GP Ungarn passierte.

Der elfte WM-Lauf des Jahres führt uns nach Ungarn. Es ist das letzte Rennen, bevor die Formel 1 in der Sommerpause durchschnaufen kann. Meine Reise beginnt verfrüht. Mein Abflug aus Stuttgart wurde von 10:30 Uhr auf 6:40 Uhr vorverlegt. Das heißt, ich stehe um kurz vor 4:00 Uhr auf, um die S-Bahn um Dreiviertelfünf zu bekommen. Bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof läuft alles glatt. Ich muss umsteigen, um zum Flughafen zu gelangen. Jedoch häufen sowohl die S2 als auch S3 massiv Verspätung an. Ich entschließe mich, besser auf ein Taxi zu setzen. Es sollte eine unterhaltsame 20-Minuten-Fahrt werden. Der Fahrer berichtet mir vom Tagesgeschäft und schwarzen Schafen in der Branche, die Fahrten unter der Hand abrechnen, um mehr Lohn einzukassieren.

Heftiges Gewitter – es hagelt Golfbälle

Am Budapester Flughafen wartet ich gute drei Stunden auf den Kollegen Schmidt, der sich auf einen anderen Flieger gebucht hatte. Ich nützte die Zeit, um mein Interview mit Esteban Ocon vorzubereiten. Es findet einen Tag später statt. Zwischen den sonstigen Medienrunden am Donnerstag. Mein Tag ist also noch ein bisschen mehr ausgefüllt. Aber Motorsport Aktuell und auto motor und sport-Online wollen gefüllt werden. Für die Vorbereitung lese ich Artikel über Ocon und versuche mich so breit wie möglich aufzustellen: sportlicher Werdegang, Karriere-Ergebnisse, privates usw.. Man weiß ja nie, in welche Richtung sich ein Interview entwickelt. Deshalb sollte man immer auf alles vorbereitet sein. Am Mittwoch knipse ich wie üblich die ersten Fotos aus dem Fahrerlager. Am frühen Nachmittag erreicht den Hungaroring ein heftiges Gewitter. Es fallen Hagelkörner im Golfball-Format vom Himmel. Alle suchen Schutz in den Motorhomes oder im Pressezentrum. Das erinnert mit seinen Holzstühlen und weißen Holztischen an ein altes Klassenzimmer. Als wir ankommen, ist noch brav aufgestuhlt.

Die FIA ist unter Druck. Das negative Echo auf die verpflichtende Einführung des Halo-Cockpitschutzes will der Weltverband so nicht stehenlassen. Rennleiter Charlie Whiting, Technikkommissar Jo Bauer und Sicherheitschef Laurent Mekies erklären auf einer Pressekonferenz, warum der neun Kilogramm schwere Titanbügel eingeführt werden muss. Der Saal ist fast bis auf den letzten Sitz voll. Auch die Fahrer äußeren am Donnerstag vor dem Grand Prix-Wochenende ihre Meinung. Haas-Pilot Kevin Magnussen ist am deutlichsten: „Was beschissen aussieht, bleibt beschissen.“ Im Youtube-Video der FIA hingegen werden die Gegenstimmen einfach ausgelassen. So geht Zensur in der Formel 1. Der Halo kommt: Obwohl man inzwischen den Eindruck hat, dass es kaum noch einen Befürworter außerhalb der FIA gibt. Die Fahrer jammern, die Ingenieure motzen.

Die Bernie Evenue ist weg

Für mich werden es Tage mit wenig Schlaf. Nicht, weil wir die Nächte durchzechen. Sondern weil ich einfach nicht richtig schlafen kann. Ich falle täglich todmüde ins Bett, wache aber nach vier oder fünf Stunden auf. Danach geht nichts mehr. Ich drehe mich von rechts nach links und umgekehrt, versuche es auf Bauch und Rücken: Egal, wie ich mich wende, einschlafen kann ich nicht mehr. Aber da muss man durch. Ein Rennwochenende an einem, wie ich finde, coolen Austragungsort entschädigt. Unser Hotel liegt in Budapest. Drum herum gibt es viele gute Restaurants. Und das gute dunkle Leffe-Bier. Ein besseres habe ich noch nicht getrunken. Bei Tipps, bitte gerne unten kommentieren. Mit Fleisch gefüllter Palatschinken, Gulaschsuppe und der Black Train: Wir kommen auf unsere Kosten. Sie werden sich bestimmt fragen, was denn der Black Train ist? Ganz einfach: Ein Schokotörtchen mit flüssigem Kern. Die Abende mit unseren Kollegen von der Bild-Zeitung und dem Schweizer Blick sind stets unterhaltsam. Wir lachen unglaublich viel und über jeden Blödsinn. Man braucht das, um runterzukommen und abzuschalten. Ansonsten frisst einen der Stress auf.

An einem der Tage treffen wir abends in der Stadt sogar Renault-Fahrer Jolyon Palmer. Es gibt Gerüchte, Ungarn sei der letzte Grand Prix für den Engländer. Doch er hält sich noch fünf weitere Rennen. Dann ersetzt ihn Renault durch Carlos Sainz. Im Training wirft Palmer mal wieder den R.S.17 weg. Er wirkt schlichtweg überfordert. Auch Wehrlein verunfallt.

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Aktuell

Der Weg zur Strecke führt uns über die Bernie Avenue. Eigentlich. 2017 ist alles anders. Ecclestone hat seine Macht an Liberty Media und das Trio Chase Carey, Ross Brawn und Sean Bratches verloren. Die Ungarn sind rigoros und haben gleich das Straßenschild entfernt. Was einmal die Bernie Avenue war, ist in diesen Tagen eine namenlose Landstraße hin zu Rennstrecke. Am Eingang warten die Fans. Sie stehen Spalier. Nicht für uns, sondern für die wahren Helden am Lenkrad. Die beiden Red Bull-Fahrer kommen mit den luxuriösesten Autos: Daniel Ricciardo und Max Verstappen fahren Aston Martin Rapide S. Aber auch die Autos von Esteban Ocon (Mercedes-AMG CLA 45) und Nico Hülkenberg (Renault Clio R.S.) sind nicht zu verachten. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel reisen auf zwei Rädern an. Der spätere Weltmeister steigt auf eine MV Agusta. Vettel hingegen tuckert auf einem Suzuki-Moped zum Hungaroring.

Ferrari eine Macht auf dem Hungaroring

In Ungarn bestätigt sich, was wir bislang in der Saison gesehen haben und weiter sehen werden. Ferrari hat durch langsame Kurven das schnellste Auto. Sobald maximaler Anpressdruck gefragt ist und die Geraden kurz sind, geht der SF70H wie die Hölle. Ferrari verbläst Mercedes in der Qualifikation. Und hätte es auch im Rennen getan. Wenn Sebastian Vettels Rennwagen nicht schief gestanden hätte. Die krumme Lenkung beschert uns einen spannenden Grand Prix. Ferrari schützt seinen WM-Kandidaten mit Kimi Räikkönen vor den Mercedes. Der Finne muss eine Runde nach Vettel zur Box, obwohl er auf dem Weg ist, die Führung zu übernehmen. Eine verdeckte Stallregie wie in Ungarn.

Mercedes spielt mit offenen Karten. In Runde 46 muss Bottas seinen Hintermann vorbeilassen. Doch auch Hamilton beißt sich am roten Auto mit der Startnummer 7 die Zähne aus. Räikkönen schützt Vettel vorbildlich. Im letzten Umlauf korrigieren Hamilton und Bottas die Reihenfolge. Der Finne schlüpft in der letzten Kurve durch auf den dritten Rang. Die Mercedes-Fahrer tauschen so geschickt, dass Verstappen dahinter nicht profitiert. Der Niederländer hatte in der Startrunde Teamkollege Ricciardo aus dem Rennen gerammt.

Hinterher diskutieren die Experten und Mercedes, ob die drei verlorenen Punkte Hamilton später die Weltmeisterschaft kosten könnten. Davon, dass Bottas die WM deshalb gewinnen könnte, spricht niemand. Es ist ein erster Fingerzeig, wer die wahre Nummer eins im silbernen Rennstall ist. Nach der Sommerpause sollte Hamilton seinen Status mit Glanzleistungen weiter untermauern. Paul di Resta springt kurzfristig für Felipe Massa ein, der sich drei Trainings quält, vor dem Qualifying aber die weiße Fahne hisst. Der Schotte schlägt sich achtbar. Vor dem Rennen will ich kurz mit ihm sprechen, um unseren Live-Blog zu füllen. Williams blockt ab. Schade.

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