Robert Kubica - Sergey Sirotkin - GP Spanien 2018 Wilhelm
Robert Kubica - Williams - GP Spanien 2018 - Training
Stirling Moss - Colin Chapman - GP Niederlande 1960 - Zandvoort
Juan Manuel Fangio - Mercedes W 196 R - Monza 1954
John Surtees - Ferrari 312 - GP Belgien 1966 34 Bilder

Schumacher, Kubica, Lauda & Co.

Die großen Comebacks

1000. GP

Comebacks haben Hollywood-Charakter. Wenn der gestürzte Ritter zurückkehrt, wollen alle zuschauen. Es gibt zwei Arten von Comebacks. Die einen wurden durch Unfall erzwungen, die anderen freiwillig.

Am 17. März wird es wieder ein Thema sein. Dann gibt Robert Kubica nach 3.045 Tagen Rennpause im Williams sein Formel 1-Comeback. Seinen letzten Grand Prix ist der 33-jährige Pole am 14. November 2010 in Abu Dhabi gefahren. Zwischen damals und dem Saisonauftakt 2019 in Melbourne liegen 158 Grand Prix. Kubica galt in Fachkreisen als ein Weltmeister Zukunft. Am 6. Februar 2011 brach für den Montreal-Sieger von 2008 eine Welt zusammen. Bei einem Rallyeunfall verletzte sich Kubica so schwer an der rechten Hand, dass diese nur noch zu 10 Prozent funktionstüchtig ist.

Kubica kämpfte sich mit eisernem Willen zurück. Zuerst sah es so aus, als würde der Formel 1-Star nur noch in Rallyeautos oder Tourenwagen mit geräumigen Cockpits Rennen fahren können. Doch der Pole trainierte so lange, bis er auch in der Enge eines Formel 1-Cockpits wieder lenken konnte. Hauptsächlich mit dem linken Arm. Mit dem rechten führt er nur nach und holt sich seine Rückmeldungen vom Lenkrad.

Letzte Ölung für Lauda und Surtees

Kubica steht für eine ganze Reihe von Fahrern, die nach schweren Unfällen wieder den Weg zurück ins Rennauto fanden. Ob sein Comeback von Erfolg gekrönt sein wird, werden wir erst wissen, wenn ein paar Grand Prix 2019 ins Land gegangen sind. Es gibt aber Beispiele, in der Fahrer sich von schweren Verletzungen nicht beeindrucken ließen und nach dem Unfall so gut wie vorher waren. Das berühmteste Beispiel ist sicher Niki Lauda, der 42 Tage nach seinem Feuerunfall am Nürburgring beim GP Italien Vierter wurde. Sechs Wochen zuvor kämpfte Lauda drei Tage mit dem Tod. Ein Pfarrer hatte ihm schon die letzte Ölung gespendet.

Niki Lauda - Ferrari 312T2 - Mauro Forghieri - Monza 1976
sutton-images.com
42 Tage nach seinem Feuerunfall saß Niki Lauda wieder im Auto.

Auch John Surtees schwebte 1965 nach einem Unfall in Mosport tagelang zwischen Leben und Tod. Auch er hatte die priesterliche Weihe schon hinter sich. Der Engländer wurde nach einem Überschlag unter seinem Lola-Sportwagen begraben. Surtees zog sich Brüche an Beine, Becken und die Wirbelsäule zu, die Nieren waren gequetscht. 252 Tage nach dem Unfall stand der Unverwüstliche wieder am Start eines Grand Prix. Enzo Ferrari hatte Surtees sogar angeboten, das Auto mit Handgas und Handschaltung auszurüsten, sollte der noch Probleme mit seinen Beinen haben. Doch Surtees biss sich durch und gewann in Spa das zweite Rennen nach seinem Comeback.

Juan-Manuel Fangio brach sich bei einem Unfall im Juni 1952 in Monza zwei Nackenwirbel. Die Verletzung versetzte ihn für den Rest der Saison in den Krankenstand. 1953 kehrte der Maestro zurück. Er wurde danach noch vier Mal Weltmeister.

Nino Farina verbrannte sich im Training zu einem Sportwagen-Rennen in Monza Ende Juni 1954 die Beine. Auch für den eisenharten Kämpfer aus Turin war die Saison beendet. Nach 210 Tagen Zwangspause setzte er sich zum Saisonauftakt 1955 wieder in seinen Ferrari. Die Verbrennungen schmerzten immer noch. Farina ließ sich vor dem Start Morphium spritzen. Er nahm noch an drei Grand Prix teil, beendete sie als Dritter, Vierter und Dritter.

Auch Stirling Moss bewies Nehmerqualitäten, als er beim Training zum GP Belgien 1960 verunglückte und mit Wirbelbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Nur 57 Tage später gab Moss sein Comeback beim GP Portugal. Dort wurde er disqualifiziert, weil er sein Auto nach einem Dreher kurz gegen die Rennrichtung gefahren war. Den darauffolgenden Grand Prix in den USA gewann der Rekonvaleszent auf Lotus.

Das schnellste Comeback nach einem Beinbruch

Graham Hills Karriere schien mit dem GP USA 1969 zu Ende. Der zweifache Weltmeister war unangeschnallt nach einem Überschlag aus dem Auto gefallen und hatte sich mehrfach die Beine gebrochen. Nur 152 Tage später zwängte sich Hill beim GP Südafrika 1970 wieder in seien Lotus. Er ging noch an Krücken. Der 6. Platz war eine Willensleistung.

Patrick Depailler verletzte sich am Pfingstsonntag 1979 schwer, als er mit einem Drachenflieger bei Clermont-Ferrand abgestürzt war. Beide Beine waren mehrfach gebrochen. Der Franzose musste acht Rennen auslassen. Beim Saisonauftakt 1980 in Argentinien humpelte er mit einem Gehstock zu seinem Alfa Romeo. Fahren ging, Gehen nicht.

Michael Schumacher - Ferrari F399 - Silverstone 1999
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Silverstone 1999: Michael Schumacher bricht sich bei einem Unfall in Stowe das rechte Bein.

Olivier Panis nahm sich nach seinem Beinbruch beim GP Kanada 1997 eine Auszeit von 105 Tagen. Dann saß er wieder in seinem Ligier. Seine Karriere nach dem Unfall ging noch bis Ende 2004. Panis büßte nichts an Geschwindigkeit ein. Sein Landsmann Jean-Pierre Jabouille schon. Der Mann, der für Renaults Turbo-Projekt Pionierarbeit geleistet hatte, erholte sich von seinen schweren Beinfrakturen nach einem Unfall in Montreal 1980 nie mehr richtig. Nach drei Rennen im Ligier 1981 am Ende des Feldes war Schluss.

Michael Schumacher genehmigte sich nach seinem Beinbruch in Silverstone 1999 nur 98 Tage Ruhe. Dann kehrte er beim GP Malaysia in den Zirkus zurück. Nicht ganz freiwillig. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo musste ihn darum bitten. Schumacher sollte Teamkollege Eddie Irvine helfen, den Titel zu gewinnen. Der Plan misslang. Schumacher erfüllte die Mission ein Jahr später.

Drei Mal Glück im Unglück

Ralf Schumacher war nach seinem Crash in Indianapolis 2004 wegen einer schweren Gehirnerschütterung und angebrochener Wirbel genauso lange weg wie sein Bruder fünf Jahre zuvor: Sechs Rennen, 98 Tage. Der Unfall war sehr viel ernster als der seines Bruders. Der Fahrer wurde beim Aufprall in die Mauer mit 78 g in die Cockpitrückwand gepresst. Das Getriebe steckte halb im Motor. Der damalige Formel 1-Arzt Sid Watkins urteilte: „Wenn der Einschlagwinkel in die Mauer nur etwas ungünstiger gewesen wäre, hätte Ralf den Unfall nicht überlebt.“

Felipe Massa hatte ebenfalls Glück im Unglück, als ihn im Training zum GP Ungarn 2009 eine Feder eines vorausfahrenden Autos am Helm traf. Der Brasilianer erlitt schwere Kopfverletzungen. Ferrari reservierte ihm ein Auto für 2010. Massa war wieder ganz der Alte. Oder doch nicht? Der Vize-Weltmeister von 2008 stand im Verlauf der nächsten acht Jahre noch 13 Mal auf dem Podium, aber er gewann kein Rennen mehr.

Mika Hakkinen - McLaren MP4-10 - Adelaide 1995
Wilhelm
Mika Häkkinen hatte in Adelaide 1995 einen schweren Unfall.

Auch Mika Häkkinen schrammte 1995 in Adelaide haarscharf am Tod vorbei. Sein McLaren war nach einem Reifenplatzer stumpf in einen Reifenstapel gekracht. Der Kopf des Fahrer schlug hart auf dem Lenkrad auf. HANS gab es damals noch nicht. Häkkinen zog sich einen Schädelbasisbruch zu. Weil es das letzte Rennen des Jahres war, musste der Finne nicht mal ein Rennen auslassen. 120 Tage später stand er wieder am Start. Und wurde Fünfter. Zwei Jahre später wurde Häkkinen Weltmeister.

Schumis freiwillige Pause dauerte 1.239 Tage

Neben den erzwungenen Pausen durch Unfall gibt es auch die freiwilligen mit nicht weniger spektakulären Comebacks. Michael Schumacher setzte zwischen 2006 und 2010 insgesamt 1.239 Tage aus. Seine Rückkehr im Mercedes war eine Sensation. Leider nicht sportlich. Mercedes hatte in den drei Schumacher-Jahren kein Auto zum Gewinnen. Der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten stand in seiner zweiten Karriere nur ein Mal auf dem Podium und fuhr ein Mal Trainingsbestzeit, die aber wegen einer Strafe nur zum 6. Startplatz reichte.

Niki Lauda machte es besser. Er verabschiedete sich im Herbst 1979 mit den Worten, er wolle nicht mehr im Kreis herumfahren. Der Österreicher kümmerte sich um den Aufbau seiner Fluglinie. 1982 kehrte er nach 867 Tagen Privatleben in den Zirkus zurück. Mit einem 4. Platz beim Debüt, einem Sieg im dritten Rennen und einem WM-Titel zwei Jahre später.

Kimi Räikkönen gewann nach zwei Jahren Abstecher in die Rallye-Szene noch drei Grand Prix. Zwei für Lotus, einen für Ferrari. Alain Prost nahm sich 1992 bewusst ein Jahr Ferien. Es gab kein konkurrenzfähiges Auto für den Franzosen. Prost nutzte die Pause, sich für sein Comeback mit dem besten Auto in Stellung zu bringen. Er bekam den Williams-Vertrag, und Erzfeind Ayrton Senna schaute in die Röhre. Der Plan mit dem vierten WM-Titel ging auf.

Alan Jones war gleich zwei Mal weg. Vom GP USA-Mitte 1981 bis zum GP USA-West 1983 und von dort bis zum GP Italien 1985. Weder der zweite noch der dritte Anlauf bei Arrows und Haas-Lola waren von Erfolg gekrönt. Nigel Mansell verabschiedete sich Ende 1992 als Weltmeister im Zorn von der Formel 1. Bernie Ecclestone holte ihn 602 Tage später zurück. Dazwischen hatte Mansell den IndyCar-Titel gewonnen. 1994 nahm der Engländer nur an vier Rennen teil, weil er nebenbei in den USA noch seinen IndyCar-Pflichten nachkam. Mansell schloss seine Gaststarts mit dem perfekten Resultat ab. Er gewann den GP Australien zum Saisonende.

Die längsten Pausen der Motorsportgeschichte haben drei unbekanntere Fahrer eingelegt. Sie waren weder erzwungen noch freiwillig. Es gab zwischendrin einfach kein Cockpit für sie. Jan Lammers setzte 164 Rennen und 3.767 Tage zwischen dem GP Holland 1982 und dem GP Japan 1992 aus. Luca Badoer kam auf eine Abwesenheit von 167 Rennen und 3.584 Tagen und die Nummer drei der Statistik Pete Lovely auf 87 Rennen und 3.226 Tage.

Die großen Comebacks

Nach Unfall ...      
Fahrer Unfall Rückkehr Pause (GP/Tage)
Robert Kubica Rallye Ronde di Andora (6.2.2011) GP Australien 2019 158/3045
Felipe Massa GP Ungarn 2009 GP Bahrain 2010 8/511
Juan-Manuel Fangio F1-Lauf Monza (8.6.1952) GP Argentinien 1953 8/448
John Surtees Sportwagen-Test Mosport (24.9.1965) GP Monaco 1966 2/252
Patrick Depailler Drachenfliegen (3.6.1979) GP Argentinien 1980 7/229
Jean-Pierre Jabouille GP Kanada 1980 GP San Marino 1981 4/217
Nino Farina Sportwagen Monza (26.6.1954) GP Argentinien 1955 6/210
Graham Hill GP USA 1969 GP Südafrika 1970 1/152
Mika Häkkinen GP Australien 1995 GP Australien 1996 0/120
Olivier Panis GP Kanada 1997 GP Luxemburg 1997 7/105
Michael Schumacher GP England 1999 GP Malaysia 1999 6/98
Ralf Schumacher GP USA 2004 GP China 2004 6/98
Stirling Moss GP Belgien 1960 GP Portugal 1960 2/57
Niki Lauda GP Deutschland 1976 GP Italien 1976 2/42
Nach freiwilliger Pause ...      
Fahrer letzter GP Rückkehr Pause (GP/Tage)
Michael Schumacher GP Brasilien 2006 GP Bahrain 2010 52/1239
Alan Jones GP USA-West 1983 GP Italien 1985 40/896
Kimi Räikkönen GP Abu Dhabi 2009 GP Australien 2012 38/868
Niki Lauda GP Italien 1979 GP Südafrika 1982 31/867
Nigel Mansell GP Australien 1992 GP Frankreich 1994 22/602
Alain Prost GP Japan 1991 GP Südafrika 1993 17/511
Fernando Alonso GP Japan 2001 GP Australien 2003 17/511

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