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Mick Schumacher - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain
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Haas in der Corona-Falle: Motor bleibt stumm

Haas in der Corona-Falle Schumi-Motor bleibt vorerst stumm

Die in England stationierten F1-Teams trifft die Corona-Krise doppelt hart. Haas wird sein neues Auto Mitte Februar auf die Räder stellen, aber der Motor bleibt stumm. Ferrari kann keine Techniker nach England fliegen, um das Triebwerk in der Fabrik anzulassen.

Wie eine Formel-1-Saison unter Corona-Einschränkungen funktioniert, das wissen die Teams jetzt. Wie sie über den Winter ein neues Auto trotz Lockdown-Maßnahmen auf die Räder stellen, lernen sie gerade. Da kommt der um zehn Tage verschobene Beginn der Winter-Testfahrten vielen gerade recht. Das gibt etwas Luft zum Atmen, sollten wegen der Restriktionen Verzögerungen eintreten.

Haas liegt gut im Zeitplan. Die Teile des neuen Autos sind nahezu fertig. In der ersten Februar-Woche beginnt der Zusammenbau. Mitte Februar soll der VF-21 auf den Rädern stehen. Kein Dummy, sondern ein fixfertiges Auto mit Motor und Getriebe.

Doch der neue Ferrari V6-Turbo im Heck des US-Renners wird stumm bleiben. Der Motor darf zwar ins Land, die Techniker, die man braucht um ihn zu starten, aber nicht. Der frühestmögliche Zeitpunkt den Motor zum Leben zu erwecken ist nach augenblicklichem Stand der Test in Bahrain.

Autos in England aufgebaut

Haas baut in diesem Jahr seine Autos erstmals in der Fabrik im englischen Banbury auf. Das liegt daran, dass mit den neuen Homologations-Regeln viele Teile vom Vorgänger übernommen werden müssen, die sich ohnehin schon in England befinden. Motor, Getriebe und die bei Dallara erstellten Aerodynamikkomponenten werden aus Italien angeliefert. "Das ist in diesem Jahr von der Logistik einfacher, als unsere Teile zum Zusammenbau nach Italien zu schicken", erklärt Teamchef Guenther Steiner.

Das Problem sind aber die Menschen. Nicht einmal der Teamchef kann der Fabrik in Banbury zur Zeit einen Besuch abstatten. Steiner sitzt in den USA fest. "Wenn ich nach England fliegen wollte, müsste ich erst einmal zwei Wochen in Quarantäne. Ausnahmeregelungen gibt es nur für Sportler." Deshalb wird in der ersten Februar-Woche Mick Schumacher zu einer finalen Sitzanpassung in Banbury erscheinen und eine Woche später dann auch Nikita Mazepin.

Mick Schumacher - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain
Haas
Als Sportler darf Mick Schumacher zur Sitzprobe nach England reisen. Für Ingenieure aus dem Ausland besteht aktuell ein Einreisestopp.

Zwei Windkanal-Sessions mit 2021er Auto

Der neue Haas wird trotz der vielen Gleichteile vom alten Modell ein anderes Gesicht haben. "Dinge wie Frontflügel, Leitbleche und Bremsbelüftungen sind neu. Sie mussten an den neuen Unterboden angepasst werden", verrät Steiner. Die vom Reglement geforderten Einschnitte in der Bodenplatte und am Diffusor sind so gravierend, dass sie die ganze Aerodynamik betreffen.

Deshalb sind viele Teams von ihrem Plan, sich ab dem 1. Januar voll auf das 2022er Auto zu stürzen, schon wieder abgekommen. Auch Haas. Die ersten zwei Windkanalsitzungen im neuen Jahr galten noch dem 2021er Modell, obwohl das bereits fertig entwickelt war. Die Ingenieure mussten aber noch die Aero-Kennfelder des VF-21 erstellen und Daten an die Simulationsabteilung liefern.

Keine Token für Haas

Haas hat darauf verzichtet, Entwicklungs-Token zu beantragen. Einerseits ist man bei 70 Prozent Übereinstimmung von Technikpartner Ferrari abhängig, andererseits bestimmten im letzten Jahr auch die Finanzen den Fahrplan.

"Wir hätten eine neue Nase bauen können, waren aber zu spät dran. Das Windkanalprogramm war zu lange runtergefahren, als dass wir die Nase noch vor der Frist Ende September fertig bekommen hätten." Ferrari konzentriert seine Umbauten auf das Heck. Haas hat entschieden, nur mit einem modifizierten Getriebe weiterzufahren. Das kostet keine Token.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Freitag - 11.12.2020
Motorsport Images
Haas versucht die Saison 2021 mit einem Minimum an Entwicklungsaufwand über die Bühne zu bekommen, um Ressourcen für 2022 zu sparen.

Idealerweise würden Aerodynamikchef Ben Agathangelou und seine Truppe sich jetzt voll auf die neue Konstruktion für 2022 konzentrieren. "Es kann aber passieren, dass wir noch einmal das 2021er Auto nachbessern müssen, wenn wir bei den Testfahrten feststellen, dass wir einen Fehler gemacht haben", warnt Steiner.

"Das wäre aber Plan B. Eigentlich wollen wir keine Windkanalzeit mehr für das 2021er Auto verwenden. Wir hoffen, dass es im vorderen Mittelfeld wieder ähnlich eng her geht wie 2020 und dass die darin verwickelten Teams noch weiterentwickeln und Zeit für das 2022er Auto liegenlassen."

Knapp unter dem Budgetdeckel

Das jüngste Team im Feld geht 2021 in seine sechste Formel-1-Saison. Es ist die erste mit einer Budget-Deckelung. Die Werksteams dürfen maximal 145 Millionen Dollar ausgeben, wenn man die ganzen Ausnahmen mal abzieht. Kundenteams wie Haas, Alfa Romeo oder Racing Point müssen davon noch die nominalen Entwicklungskosten der Teile abziehen, die sie von außen einkaufen. Haas kommt damit auf einen Kostendeckel von 120 bis 125 Millionen Dollar.

Diesen Budget-Rahmen schöpfen die Amerikaner aber gar nicht ganz aus. Wenn man die Kosten für den Motor und die Reifen noch draufrechnet, wird Haas in dieser Saison zwischen 130 und 140 Millionen Euro investieren. Die Summe ist durch die Einnahmen aus dem Preisgeldtopf und die beiden Hauptsponsoren abgedeckt. Auf den beiden US-Ferrari kleben prominent die Logos des russischen Chemiekonzern Uralkali und Haas Automotion.

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